September 28, 2021
Von Anarchist Black Cross Dresden
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Knast bedeutet Isolation, Fremdbestimmung, Armut und Gewalt. Knast ist ein Mittel des Staates, sozialen Problemen zu begegnen. Knast soll strafen, abschrecken und „resozialisieren“, also dich wieder in die Gesellschaft eingliedern. Du hast aber kaum Gelegenheit zur Selbstbestimmung und bist vom Rest der Gesellschaft isoliert. Jede*r Dritte landet nach der Freilassung wieder drin. Knast ist ein gewaltvoller und monotoner Ort. Das autoritĂ€re Strafsystem verstĂ€rkt Diskriminierung und wirtschaftliche Ausbeutung. KnĂ€ste dienen dadurch nicht dem Abbau von gewaltvollem Verhalten zwischen Menschen, sondern verstĂ€rken es.

1. Knast löst keine Sozialen Probleme

Gesetze sind so gestaltet, dass sie Arme hĂ€rter treffen als Reiche. Kleine DiebstĂ€hle oder das Nicht-Bezahlen-Können von Rechnungen können dich hinter Gitter bringen, wĂ€hrend Dir das Geld fĂŒr AnwĂ€lt*innen fehlt.  Rund 2/3 der geahndeten Straftaten sind Eigentumsdelikte – Wenn Du armutsbedingten Stress und psychisches Leid mit Drogen betĂ€ubst, wirst Du kriminialisiert. Gewalttaten gegen Menschen spielen eine untergeordnete Rolle. Durch Diskriminierung und patriarchale Gewalt Traumatisierte werden so fĂŒr die Folgen ihres Traumas noch bestraft. Soziale Probleme werden weggesperrt statt gelöst. 

2. Knast bedeutet Ausbeutung

In  13 der 16 deutschen BundeslĂ€nder gilt eine Arbeitspflicht im Knast. Die Inhaftierten bekommen ca. 1-3 EUR pro Stunde und haben keinen Rentenanspruch. Menschen im Strafvollzug sind arm. Gleichzeitg sind die Produkte im Knastshop viel teurer als draußen. Wenn Du nicht den ganzen Tag eingeschlossen sein willst und Dir z.B. Tabak oder Schokolade kaufen willst, passt Du dich diesen ungerechten Bedigungen an. Knastarbeit ist fĂŒr viele Firmen eine profitable Einnahmequelle, wĂ€hrend der Knastbetrieb durch Steuermittel finanziert wird.  Die Kosten des Knastbetriebes  trĂ€gt die Gesellschaft, die Gewinne werden privatisiert.

3. Knast macht Krank

Der Knast ist ein schlechter Ort um physische und psychische Erkrankungen zu heilen. Die medizinische Versorgung ist schlecht und es gibt wenige TherapieplĂ€tze. Das Gesundheitssystem ist ein Klassensystem – Menschen haben oft armutsbedingte Vorerkrankungen. Die ganze Knaststruktur lĂ€sst Menschen noch krĂ€nker werden. Der medizinische Dienst ist geprĂ€gt von Personalmangel und Sprechstundenausfall. Fehlende Selbstbestimmung, einseitige Bewegung, stundenlanger Einschluss & Mangel an sozialen Kontakten setzen die Psyche derart unter Stress, dass körperliche Beschwerden die Folge sind. 

4. Knast fĂŒhrt zu sozialer Isolation

Im Knast werden fast alle Möglichkeiten, deinen Freund_innen, deinen Kindern und deiner Familie nah zu sein unterbunden. Es gibt eine ĂŒberwachte Besuchsstunde pro Monat, das Fahrgeld zum Knast ist fĂŒr Angehörige oft teuer. Die verbleibenden Arten der Kommunikation (Telefonieren, Briefe schreiben) sind stark reglementiert und ĂŒberteuert. In der JVA Zeithain kostete ein GesprĂ€ch ins Deutsche Mobilfunknetz beispielsweise  0,70 Cent/Minute. Es ist nicht möglich Flatrates zu buchen oder einen preisgĂŒnstigeren Anbieter zu wĂ€hlen. In vielen KnĂ€sten dĂŒrfen nur wenige Nummern von einer festgelegten Liste gewĂ€hlt werden. Briefe können kontrolliert,  machmal sogar unterschlagen werden. Informationen von draußen erreichen Inhaftierte somit gar nicht oder sehr verspĂ€tet. Menschen werden sozial isoliert und verlieren den Kontakt zu ihrem frĂŒheren Umfeld. Wie diese UmstĂ€nde mit dem Ziel der Resozialisierung zu vereinbaren sind, ist schleierhaft.

5. Knast soll Menschen brechen

Der Knastalltag ist eine Aneinanderreihung vieler sinnloser Regeln. Schlafen, essen, der Klogang, der Hofgang, arbeiten, kreativ sein, anderen nah;  Alles wird reglementiert und liegt in den HĂ€nden Dritter. Inhaftierten Menschen wird  ihre MĂŒndigkeit und WĂŒrde abgesprochen. Die Strukturen in KnĂ€sten sind gezielt darauf ausgelegt, zwischenmenschliche Gewalt zu stĂ€rken und SolidaritĂ€t zu brechen. Beispielsweise bekommst Du Hafterleichterung oder BegĂŒnstigungen wenn Du zu Ungunsten anderer Inhaftierter „kooperierst“. Setzt Du dich fĂŒr andere ein ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Du verlegt wirst. Bist Du widerstĂ€ndig, drohen Dir Zelldurchsuchungen, Einschluss und Verlust von „Privilegien“. All das ĂŒbt einen enomen Druck auf Deine Psyche aus. Nicht umsonst ist die Suizidrate im Knast weitaus höher als außerhalb.

6. Resozialisierung gibt es nicht

Immer wieder wird „Resozialisierung“ angefĂŒhrt, um die Gewaltförmigkeit des Straf-/Knastsystems zu verschleiern. Eine Resozialisierung an einem gewaltvollen Ort, an welchem Dir deine MĂŒndigkeit geraubt wird, Du von deinem Umfeld isoliert bist, starren Regeln folgen musst und Du ausgebeutet wirst, ist in sich unschlĂŒssig. Das Knastsystem steht der Idee der Resozialisierung entgegen. Sozialisationsprozesse im Knast sind zur Vorbereitung auf das Leben in Freiheit untauglich. Eine Verhaltensreflexion unter Zwang ist unmöglich. Selbst wenn Therapien aus freiem Willen geschehen wĂŒrden, gĂ€be es zu wenige PlĂ€tze fĂŒr alle Inhaftieren. In Deutschland ist der offenen Vollzug, welcher den LebensverhĂ€ltnissen draußen noch am ehesten nahekommt, unterbelegt, wĂ€hrend beim geschlossenen Vollzug das Gegenteil der Fall ist.

7. Knast reproduziert Diskriminierung

Menschen, die Armut und Rassismus erfahren, nicht in Geschlechternormen passen, andere Formen von Diskriminierung erleben oder unter psychischen Erkrankungen leiden, werden mit höherer Wahrscheinlichkeit eingesperrt als andere. Dies geschieht bspw. durch Ersatzfreiheitsstrafen oder rassistische Polizeikontrollen. Die Biografien von Inhaftierten sind hĂ€ufig von zwischenmenschlicher und familiĂ€rer Gewalt geprĂ€gt. Der Knast schafft hier keine UnterstĂŒtzung oder Verbesserung. Stattdessen ist der Knastalltag geprĂ€gt von Gewalt. Justizpersonal und Inhaftierte, die in der Rangordnung weiter oben stehen, unterdrĂŒcken die SchwĂ€cheren. So bestehen die MachtverhĂ€ltnisse, die bereits außerhalb des Knastes bestehen, auch innerhalb fort.

8. Bestrafungen und Maßnahmen innerhalb von KnĂ€sten sind Folter

Knast ist eine Form von Bestrafung. Doch damit hört die gewaltvolle und demĂŒtigende Behandlung inhaftierter Menschen nicht auf. In KnĂ€sten gibt es weitere Sanktionsmittel gegenĂŒber unerwĂŒnschtem Verhalten, wie zum Beispiel den Entzug von Hofgang, Einzelhaft im Bunker oder das dauerhafte Brennenlassen von Licht in der Zelle. In Deutschland gibt es völlig legal die Möglichkeit der Isolationshaft. Dort können Menschen nicht nur isoliert von anderen Menschen eingesperrt werden. Sie können auch jeglicher Sinnesreize beraubt werden. Diese extreme Form der Isolation wird auch weiße Folter genannt, da sie keine körperlichen Spuren hinterlĂ€ĂŸt. Folter – egal in welcher Form – zerstört die Psyche des Menschen. 

9. Knast stigmatisiert ein Leben lang

Obwohl inhaftierte Menschen nach der Straflogik ihr „Vergehen“ verbĂŒĂŸt haben, werden sie nach Entlassung weiter diskriminiert. Sie haben Nachteile bei der Jobsuche, auf dem Wohnungsmarkt, beim Bezug von Renten und in zwischenmenschlichen Beziehungen. Die Stigmatisierung von Menschen mit Knasterfahrung behindert eine Wiedereingliederung in die Gesellschaft zusĂ€tzlich. Die Armut, welche die meisten in den Knast gebracht hat, ist danach schlimmer. Jede*r Dritte landet nach Freilassung erneut in Gefangenschaft.

10. Knast schĂŒtzt die Betroffenen von Diskriminierung und Gewalt nicht

Die Strafgesetze schĂŒtzen in erster Linie Eigentum und Machtpositionen und nicht Menschen. Betroffene von (sexualisierter) Gewalt berichten immer wieder von retraumatisierenden Wirkung von Strafprozessen. Der Fokus liegt auf der Bestrafung und nicht auf der Aufarbeitung. Am Ende wird weder das Leid der Betroffenen geheilt noch das gewaltvolle Verhalten der TĂ€ter*innen gemindert. Im Gegenteil: im Knast werden zukĂŒnftige Nazis rekrutiert und toxische MĂ€nnlichkeitsbilder verstĂ€rkt. Knast steht einer Aufarbeitung von Diskriminierung und Gewalt in der Gesellschaft entgegen.

Zusammenfassung:

Justiz und Knast wirken auf Deinen Alltag und die gesamte Breite der Gesellschaft. Dabei beginnen Strafe und Konditionierung bereits mit Familie, Schule, Arbeit und Behörden. Dort wird unser Verhalten durch die AusĂŒbung von Druck geformt. Je grĂ¶ĂŸer das vermeintliche Fehlverhalten, um so grĂ¶ĂŸer die Strafe. Ein Großteil der Gefangenen sitzt aufgrund armutsbedingter Vergehen im Knast. Wir fordern, dass soziale Ungleichheit problematisiert und nicht das Verhalten einzelner kriminalisiert wird. Wir wĂŒnschen uns eine Gesellschaft, in der ein gewaltloses und selbstbestimmtes Zusammenleben möglich. DafĂŒr mĂŒssen Menschen Verantwortung fĂŒr ihr Handeln ĂŒbernehmen können. Indem wir Menschen wegsperren,lösen wir keine Probleme. Menschen brauchen aktive UnterstĂŒtzung bei der Aufarbeitung von gewaltvollem Verhalten. Ebenso braucht es Strukturen zur UnterstĂŒtzung von Gewalt Betroffener. Wir brauchen eine Kultur des direkten Eingreifens und Handelns gegenĂŒber Diskriminierung und gewaltvollem Verhalten.

Wir wollen keinen queeren, veganen Knast mit freier Telefonie und Internet, sondern wir wollen garkeinen Knast.Knast lÀsst sich nicht verbessern, er ist als ganzes System ein Problem!




Quelle: Abcdd.org