November 15, 2020
Von Communique
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Am Montag lief, wie schon seit fast 5 Jahren, wieder einmal PEGIDA durch die Dresdner Altstadt. Die großartigen Menschen von HOPE und NATIONALISMUS RAUS AUS DEN KÖPFEN haben auch dieses mal wieder Gegenprotest organisiert. In dieser Woche fuhren auch Menschen aus Chemnitz nach Dresden, um die Proteste personell und ideell zu unterstĂŒtzen.

Treffpunkt war der Hauptbahnhof in Chemnitz, um zusammen in den Zug nach Dresden zu steigen. Dort war die Stimmung gut und alle waren motiviert, den Nachmittag/Abend fĂŒr PEGIDA so unangenehm wie möglich zu machen.
In Dresden angekommen, entschieden sich die Angereisten spontan, schon auf dem Weg zur Startkundgebung von HOPE Transparente und Fahnen auszupacken. Somit lief eine lautstarke Sponti von der Prager Straße ĂŒber den Altmarkt, hier baute zeitgleich PEGIDA auf (auch der Stand fĂŒr die verurteilte Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck war bereits hier), zum Postplatz. So konnte den Dresdner*innen und GĂ€sten ohne Polizeibegleitung gesagt werden, warum Chemnitzer Aktivist*innen an einem Montag nach Dresden fahren.
Nachdem wir am Sammlungspunkt von HOPE angekommen waren, gab es die ersten RedebeitrĂ€ge. Danach liefen wir an PEGIDA vorbei auf die RĂŒckseite der Kreuzkirche. Dort fand die erste Zwischenkundgebung statt. Hier gab es zwei RedebeitrĂ€ge, einer davon war von CHEMNITZ NAZIFREI, in diesem wurde auf eine geplante Gedenkdemo fĂŒr Patrick ThĂŒrmer am 03.10.2019 in Hohenstein Ernsttal hingewiesen.

Nach einiger Wartezeit durfte dann PEGIDA an einem Spalier aus Gegenprotest vorbeilaufen.
Dabei zeigte sich einmal mehr, dass das Teilnehmerfeld der Fremdenfeind*innen vor allem aus alten, weißen MĂ€nnern besteht. Auch mit Gegenprotest können sie nicht umgehen, kam es doch immer wieder zu Pöbeleien und Anfeindungen. Diese gab es ĂŒbrigens immer, wenn sich die Veranstaltungen gegenĂŒberstanden, mindestens einmal wurde uns auch „Vergasung“ gewĂŒnscht. SekundĂ€rer Antisemitismus und Holocaustleugnung haben in Dresden mittlerweile montĂ€gliche Tradition.

Nachdem PEGIDA sich auf ihrer Demoroute befand, ging es ein StĂŒck des Weges zurĂŒck, um PEGIDA am Ende ihrer Veranstaltung gemeinsam mit NATIONALISMUS RAUS AUS DEN KÖPFEN noch einmal lautstarken Gegenprotest zeigen zu können. Dank der eigenen LautstĂ€rke konnte darauf verzichtet werden, den RedebeitrĂ€gen auf deren BĂŒhne folgen zu mĂŒssen.

Dort sprachen an diesem Tag Lutz Bachmann, wahrscheinlich wieder extra eingeflogen, und Siegfried DĂ€britz. Beides sind Köpfe der Bewegung, dĂŒrfen aber in Dresden keine Versammlungen mehr anmelden da sie vom Ordnungsamt als unsicher angesehen werden. Auch Heiko Heßenkemper fand seine Redezeit, er ist Mitglied der AfD und sitzt fĂŒr diese im Bundestag. Von allen drei war nicht mehr zu hören als das ĂŒbliche Gezeter und Gejammer, die Hetze gegen andere und das Erbrechen rassistischer Bekundungen.

Vom Altmarkt ging es schlussendlich zurĂŒck zum Bahnhof. Nach einer letzten Kundgebung und einem weiteren Redebeitrag aus Chemnitz sollte es zurĂŒck nach Hause gehen. Leider war die Polizei Sachsen anderer Meinung, sie zogen zwei Menschen aus der Abreise heraus und unterzogen sie einer ID Maßnahme. Diese völlig ĂŒberflĂŒssige Handlung verhinderte eine frĂŒhe Abreise. NatĂŒrlich wird auch in Dresden niemand zurĂŒckgelassen und so blieb CHEMNITZ NAZIFREI eine Stunde lĂ€nger als ursprĂŒnglich geplant solidarisch auf dem Wiener Platz. FĂŒr die Beamt*innen hieß es damit unbezahlte Überstunden, fĂŒr die Aktivist*innen etwas Wartezeit. Dank den Menschen von HOPE, die ihre Veranstaltung aufrecht erhielten, gab es dabei auch Musik und als beide Menschen aus den Maßnahmen wieder frei waren, konnten alle zusammen noch etwas tanzen, bevor der Zug nach Chemnitz zurĂŒckfuhr.

Dieser Bericht ist nur eine Momentaufnahme, doch zeigt es recht deutlich, was jede Woche in Dresden passiert. Dann nur leider ohne großen Gegenprotest, da die Studierenden und Bewohner*innen der Neustadt nach Angaben von örtlichen Aktivist*innen mittlerweile wegbrechen. Vor Jahren noch war wöchentlich ein Blick in Richtung Dresden selbstverstĂ€ndlich, heute gibt es nicht selten die Frage, ob PEGIDA denn wirklich noch lĂ€uft.

Ja, sie tun es. Immer noch mit bis zu 1000 Rassist*innen und immer noch mit viel Hass. Es tauchen immer wieder Neonazis auf den AufzĂŒgen auf, die IB ist regelmĂ€ĂŸig anwesend und auch auf der BĂŒhne finden sich immer wieder Redner mit mehr oder weniger klarer Verbindung in rechtsradikale BezĂŒge. Dem gilt es immer wieder entgegenzutreten. Bildet Bezugsgruppen und fahrt zu den Protesten. UnterstĂŒtzt die Gruppen, die sich gegen PEGIDA stellen, macht andere darauf aufmerksam!

Danke an alle, die mitgefahren sind, an HOPE und NATIONALISMUS RAUS AUS DEN KÖPFEN fĂŒr die kontinuierliche Arbeit gegen die Fremdenfeind*innen und alle Dresdener, die jede Woche gegen diese auf der Straße sind. Den Betroffenen alles Gute.

Und eins ist sicher, wir kommen wieder!




Quelle: Communique.noblogs.org