Dezember 14, 2021
Von La Presse
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Die Stadt Leipzig und die AG Migranten der GrĂŒnen in Leipzig haben beschlossen, den Internationalen Tag der Migranten unter dem Motto “Wir sind alle Migranten” zu zelebrieren. Das oben gezeigte Banner wird am 18. Dezember am Leipziger Rathaus hĂ€ngen.

Ich wende mich gegen diese Generalisierung, die, anstatt auf die Probleme der MigrantInnen aufmerksam zu machen, eine AtmosphĂ€re der Gemeinsamkeit der Erfahrung schafft. Eine Wahrnehmung, die falsch ist. Erlebt jeder Deutsche, was MigrantInnen in FlĂŒchtlingslagern erleben? Sind alle Leipzigerinnen und Leipziger von Abschiebung bedroht? Haben alle Leipzigerinnen und Leipziger Angst, dass ihnen aufgrund ihrer Herkunft oder NationalitĂ€t soziale Leistungen verweigert werden? MĂŒssen alle Leipzigerinnen und Leipziger ein demĂŒtigendes und entwĂŒrdigendes Verfahren bei der AuslĂ€nderbehörde durchlaufen, um Zugang zu Grundrechten zu erhalten?

Dieser Slogan Ă€hnelt in seiner Rhetorik dem rechten Motto “ALL LIVES MATTER”. Eine PR-Version eines Slogans, der im Namen der Gemeinschaft den Unterschied zwischen den Opfern des deutschen Nationalismus und seinen Nutznießern verwischt.

Leipzig ist eine Stadt, die eine der am schlechtesten funktionierenden und de facto dysfunktionalen AuslĂ€nderbehörden hat. Derzeit sind die Bedingungen im FlĂŒchtlingslager in Mockau ein Affront gegen die MenschenwĂŒrde. Das Lager entspricht nicht den grundlegenden hygienischen Anforderungen. MĂŒssen alle Leipziger BĂŒrgerinnen und BĂŒrger unter solchen Bedingungen leben wie die Menschen, die im Lager in Mockau eingesperrt sind?

Der Slogan “Wir sind alle Migranten” sagt nichts ĂŒber die Probleme der MigrantInnen in unserer Stadt aus. Ist dies nur ein PR-Versuch? Ein weiteres “Social-Washing”? Warum wird nicht gegendert? Eine einmalige Aktion, die den guten GefĂŒhlen ihrer Autoren dient oder Menschen, die nicht MONATE auf einen Termin bei der AuslĂ€nderbehörde warten mĂŒssen.

Nein, wir sind nicht alle Migranten.

MigrantInnen sind Lieferando- und Amazon-LagerarbeiterInnen.

MigrantInnen sind osteuropĂ€ische Frauen, die mit illegalen VertrĂ€gen und unter prekĂ€ren Bedingungen Pflegearbeit fĂŒr sterbende Deutsche ohne Migrationshintergrund leisten.

MigrantInnen sind Menschen, die abgeschoben und gefesselt in Flugzeugen sitzen, die regelmĂ€ĂŸig vom Flughafen Leipzig/Halle abfliegen.

MigrantInnen sind Menschen, die von der sÀchsischen Polizei kriminalisiert werden. Von eine Organization die ein Problem mit Nazis in ihren Strukturen hat.

Mein Chef ist kein Migrant.

Der OberbĂŒrgermeister von Leipzig ist kein Migrant.

Der neue deutsche MinisterprÀsident ist kein Migrant.

Nach offiziellen Angaben haben 16% der Leipziger Bevölkerung einen Migrationshintergrund. Lassen Sie uns die RealitÀt nicht verdrehen.

Stattdessen schlage ich einen Slogan vor: “Deutschland, entnazifiziert sich endlich!”.

/PM Grafik: PM




Quelle: La-presse.org