MĂ€rz 19, 2021
Von Anika - Anarchismus In Karlsruhe
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Die Rote Hilfe Karlsruhe organisierte zum Tag der politischen Gefangenen eine Kundgebung auf dem Karlsruher Friedrichsplatz, an der sich auch einige Anarchist:innen beteiligten:

Freiheit fĂŒr die eingekerkerten Anarchist:innen und Antifaschist:innen in Belarus und weltweit! Lassen wir uns von der Staatsgewalt nicht einschĂŒchtern, bleiben wir solidarisch und schließen uns im gemeinsamen Kampf gegen jegliche Form der  AusĂŒbung von Herrschaft zusammen!

Der 18. MĂ€rz als Tag der politischen Gefangenen geht zurĂŒck auf die revolutionĂ€ren Ereignisse in Paris im Jahr 1848 und wird in der Historie als ,,La Commune“ erinnert.
Vergessen wird oft, dass es in jenen Monaten des Aufstandes auch in anderen, grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten wie Marseille oder Toulouse proletarische AufstĂ€nde gab und Barrikaden gebaut wurden. Der Verlauf der damaligen Ereignisse ist bekannt, wird auch heute noch kontrovers diskutiert und kann in dem kĂŒrzlich neu aufgelegten Buch der Anarchistin Louise Michel unter dem Titel ,,La Commune“ nachgelesen werden.
Erinnert sei an die unzĂ€hligen Communard:innen, welche infolge der brachialen Gewalt der unheiligen Allianz aus preußischen Truppen und Soldaten der französischen Exilregierung ihr Leben lassen mussten. Berichtet wird von Blutströmen, welche nach den Massenerschießungen nach der endgĂŒltigen Niederschlagung des Aufstandes, die RinnsĂ€le der Pariser Straßen rot fĂ€rbte. Tausende RevolutionĂ€r:innen wurden in Strafkolonien verbannt oder verschwanden als politische Gefangene in den Kerkern der nun erneut herrschenden Klasse.

Und wer glaubt, dass es sich bei diesen Ereignissen um ein lĂ€ngst ĂŒberwundenes dunkles Kapitel der jĂŒngeren Geschichte handelt, sei daran erinnert, dass es auch heute eine Vielzahl politischer Gefangenen gibt, auch wenn dieses Faktum von den herrschenden Kreisen in Abrede gestellt wird. Solange wir unser Dasein in einer kapitalistischen Klassengesellschaft als LohnabhĂ€ngige fristen mĂŒssen, solange werden Menschen, welche sich gegen die herrschenden VerhĂ€ltnisse auflehnen, eben von einer diese Besitz- und EigentumsverhĂ€ltnisse schĂŒtzenden Klassenjustiz kriminalisiert und weggesperrt. Der Staat war schon in den frĂŒhen Formen seiner Entstehung auf Gewalt, Ausbeutung und Exklusion begrĂŒndet.

Als Anarchist:innen gilt unser Augenmerk jedoch nicht nur den mit dem dem Stigma des Kriminellen versehenen politischen Gefangenen sondern allen sich hinter Gittern befindenden Menschen. Als Weggeschlossene sind sie ihres sozialen Wesens in hohem Maße beraubt und dem brechenden Regelwerk eines strafjustiziellen Rachesystems unterworfen.
Diese Strategie einer prĂ€ventiven Abschreckung bekamen aktuell auch die von Repression Betroffenen im sogenannten ,,Jamnitzer-Prozess“ zu spĂŒren. Neben einer BewĂ€hrungsstrafe wurde ein Betroffener zu einer eklatant hohen Haftstrafe verurteilt wurde, was von staatlicher Seite nur als Botschaft an alle Menschen, welche sich widerstĂ€ndig zeigen und nach einem selbstbestimmten Leben streben, verstanden werden kann. Auch diesen Betroffenen gilt unsere uneingeschrĂ€nkte SolidaritĂ€t!


Der sich seit Januar im Hungerstreik befindende griechische RevolutionĂ€r Dimitris Koufontinas hat nach wochenlangen Protesten mit Zehntausenden auf den Straßen, diesen beendet und den wahren autoritĂ€ren, polizeistaatlichen Charakter der Regierung des rachsĂŒchtigen Mitsotakis-Clans offengelegt. WĂ€hrend die ,,westliche Wertegemeinschaft“ hierzu dröhnend schwieg, stilisiert sie den mehr als zweifelhaften Demokratieverfechter und offenen Nationalisten Nawalny zur Galionsfigur in Frontstellung zum russischen Antipoden.

Als Anarchist:innen verschwenden wir jedoch nur wenig Energie in eine Kritik der jeweiligen Politiken jedweder Couleur, ob sie sich nun bĂŒrgerlich-demokratisch nennen oder schon in das Fahrwasser einer gelenkten, autoritĂ€ren Demokratie abgeglitten sind, abzulesen am neuen repressiven Paragrafenwerk des PolAG oder der 129a/b- Paragrafen. Freiheit, Selbstorganisation, direkte Aktion und natĂŒrlich antinationale SolidaritĂ€t sind unsere Prinzipien auf dem Weg in eine nicht nur sprichwörtliche, grenzenlose Welt frei assoziierter und föderierter Menschengemeinschaften.

Am heutigen 18.MĂ€rz gilt unsere SolidaritĂ€t unseren anarchistischen und antifaschistischen Freundinnen und Freunden in Russland und Belarus, welche im gemeinsamen Kampf mit den Einwohner:innen von Minsk und anderen StĂ€dten dem letzten, stalinistischen Diktator Lukaschenko nach der gefĂ€lschten ,,Wahl“ mit unglaublichem Mut die Stirn bieten. Der Widerstand in Belarus ist kaum akademisch-, sondern proletarisch geprĂ€gt. Die wenigen anarchistischen AffinitĂ€tsgruppen agieren ob der brutalen staatlichen Repression seit langem aus dem Untergrund und bitten dringend um UnterstĂŒtzung jeglicher Art, auch in Gestalt von SolidaritĂ€tsadressen, was wir hiermit tun wollen!
Wir grĂŒĂŸen die uns namentlich bekannten WiderstĂ€ndigen ANDREI MARACH und ALEXANDER KOZLYANKO, stellvertretend fĂŒr die tausenden Antifaschist*innen, die sich derzeit in den Kerkern und KGB-Folterkellern befinden. Die Marionette Lukaschenko und sein Gewaltregime ist Teil des russischen, imperialistischen Projekts und wird keine Zukunft haben!

Unsere Gedanken sind auch bei den in der BRD inhaftierten Thomas Meyer-Falk und Rainer Loehnert, sowie dem akut schwer an COVID 19 erkrankten Mumia, welcher sein Leben seit Jahrzehnten in einem US-Knast fristen muß!

Unsere SolidaritÀt gilt unseren anarchistischen und antifaschistischen Freundinnen und Freunden und den kÀmpfenden Menschen in Belarus und weltweit!

Keine ist frei, solange nicht alle frei sind!

FĂŒr die Anarchie und Krieg den KnĂ€sten weltweit!

einige Anarchist:innen aus Karlsruhe



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Quelle: Anika.noblogs.org