November 17, 2020
Von Freie ArbeiterInnen Union (FAU)
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Am 5. November 2020 um 12:30 haben die Fahrer*innen der Gabelstapler im Amazonlager WRO1 unter dem Motto „2 000 ZƂ fĂŒr alle“ spontan die Arbeit niedergelegt.

An der Aktion haben sich ca. 96% von ihnen beteiligt – 115 Personen! Einer der Teilnehmer*innen berichtet: „Der Protest bestand darin, dass alle Arbeiter*innen an einer Stelle zusammenkamen und fĂŒr ungefĂ€hr drei Minuten die Hupen betĂ€tigten. Die Leute, die sich mit uns solidarisierten, haben sich als Zeichen des Protestes zu uns gesellt. Es hat einen großen Eindruck auf die anderen Lagerarbeiter*innen gemacht. SelbstverstĂ€ndlich haben sich gleich die Manager und das HR-Personal versammelt. Zum Abschluss haben wir dreimal geschrien: „2 000 fĂŒr alle!“ Die OZZ Inicjatywa Pracownicza unterstĂŒtzt die Protestierenden und solidarisiert sich mit ihnen. Bei der Gewerkschaft treffen Informationen ein, dass die Arbeiter*innen sich der Aktion in ihren Abteilungen auf verschiedene Weise anschließen möchten.

Um neues Personal anzuwerben, hat das Unternehmen in einem Teil seiner Lager einen einmaligen Bonus in Höhe von 2 000 ZƂ eingefĂŒhrt. Es reicht aus, am ersten Arbeitstag zu erscheinen. Der Bonus wird nur den neuen Arbeiter*innen angeboten, die wĂ€hrend der Feiertage bei einer Zeitarbeitsagentur angestellt sind. Trotz astronomischer Gewinne, die Amazon wĂ€hrend der Pandemie erzielt hat, bekamen die ĂŒbrigen Arbeiter*innen in diesem Jahr keine angemessene Lohnerhöhung, und die WeihnachtsprĂ€mie ist die geringste seit Jahren. Die Arbeiter*innen von Amazon fordern 2 000 ZƂ fĂŒr alle BeschĂ€ftigten in den LagerhĂ€usern des Unternehmens.

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7.11.20: Der Gewerkschaft wurde eine Aufnahme der Protestaktion im Amazonlager WRO1 zugesandt, an der ungefĂ€hr 130 Fahrzeuge teilgenommen haben. Die Gewerkschaft Inicjatywa Pracownicza dokumentiert die von der Basis ausgehenden Protestaktionen und erklĂ€rt, dass sie die Arbeiter*innen in anderen LagerhĂ€usern, die u.a. unter dem Motto „2 000 fĂŒr alle!“ spontane Aktionen durchfĂŒhren, unterstĂŒtzt – z. B. mit Rechtshilfe. 

7.11.20: Wir bekamen von den Arbeiter*innen in WRO1 die Information, dass der Protest von ein bis zwei Uhr morgens stattfand und sich daran Kolleg*innen der Abteilungen Pick und Stow beteiligten, die die Wege in der Abteilung Pick blockierten, wodurch es keine Fahrten gab. Beifall fĂŒr den Mut!

Die OZZ Inicjatywa Pracownicza Amazon steht auf dem Standpunkt, dass der Bonus in Höhe von 2 000 ZƂ unabhĂ€ngig von der Dienstzeit und der BeschĂ€ftigung allen Arbeiter*innen zusteht (unabhĂ€ngig vom Bonus von vier ZƂ pro Stunde). Wir erwarten eine ErklĂ€rung des Unternehmens und die Aufnahme von GesprĂ€chen zum Thema dieses Zuschlags.

Es ist uns klar, dass die Arbeitsagenturen, die Boni anbieten, seit Jahren mit Amazon zusammenarbeiten und indirekt vom Gewinn profitieren, den die Arbeiter*innen dort erwirtschaften. Wir verlangen eine ErklĂ€rung bezĂŒglich dieser Zahlungspolitik. Die Nachricht bewegte viele Menschen, und die Belegschaft empfindet diese Praxis als einen Mangel an Respekt fĂŒr die Arbeiter*innen mit lĂ€ngerer Dienstzeit.

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“Wir fordern 2 000 ZƂ fĂŒr alle Arbeiter*innen in den AmazonlagerhĂ€usern fĂŒr unsere Schwerstarbeit in Pandemiezeiten!”

11.11.2020: Wir erhalten weitere Informationen ĂŒber die Protestaktion und Videomaterial. Von einem Arbeiter: „Am Protest in WRO1 in der Nacht haben sich außer Stow und Pick auch Dock IB und Ship OB beteiligt.

13.11.2020: Weitere Arbeiter*innen haben sich der Aktion „2 000 ZƂ [umgerechnet 445,47 €] fĂŒr alle“ in den Lagern KTW1 in Sosnowiec und WRO2 in Bielany WrocƂawskie angeschlossen. Unter der Belegschaft wĂ€chst die Unzufriedenheit angesichts der außergewöhnlich niedrigen Feiertagszulagen. Das Vermögen des Amazon-EigentĂŒmers, Jeff Bezos, ist wĂ€hrend der Pandemie erneut gewachsen, und er selbst zu einem der fĂŒnf reichsten GeschĂ€ftsleute aller Zeiten geworden. Gleichzeitig hat die Mehrheit der Lagerarbeiter*innen keine Lohnerhöhung bekommen (zum ersten Mal in fĂŒnf Jahren!), und der Weihnachtsbonus fĂ€llt in diesem Jahr geringer aus als in frĂŒheren Jahren. Viele Arbeiter*innen haben damit gerechnet, dass sich ihr privates Budget nach den geringen EinkĂŒnften im Jahresverlauf wĂ€hrend der Feiertage verbessern wĂŒrde. Die Grundlagen der Aktion sind einfach: Es genĂŒgt, sich „2 000 fĂŒr alle“ auf den RĂŒcken der Weste zu schreiben und die Kolleg*innen in der Abteilung zu ĂŒberzeugen, dasselbe zu tun.

„Wer uns unterstĂŒtzt, sollte auch eine solche Weste tragen!” ist das Motto der Arbeiter*innen im Lager WRO2. Die Aktion der Belegschaft des Lagers WRO1 verbreitet sich in anderen AmazonlagerhĂ€usern. Das Team von WRO2 schickte uns Fotos (unten links) und schrieb: „Ab heute gehen wir so zur Arbeit. Die Hand schmerzte mir vom Schreiben. Die Leute haben selbst geschrieben.“ Die Arbeiter*innen des Lagers POZ1 [Sady] unterstĂŒtzen die Aktion ebenfalls.

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Quelle: Fau.org