Mai 1, 2022
Von FAU Flensburg
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Eine VerkĂŒrzung der Arbeitszeit wĂŒrde nicht nur das Wohlbefinden der BeschĂ€ftigten steigern, sondern wĂ€re auch gut fĂŒrs Klima. Eine Diskussion darĂŒber kommt in der Schweiz gerade in Fahrt.

Am 9. April versammelte sich im ganzen Land ein auf den ersten Blick ĂŒberraschendes BĂŒndnis von Klimastreikenden, Gewerkschafter:innen und Frauenbewegten zum «Strike for Future». Ihre Forderung: eine massive Reduktion der Erwerbsarbeitszeit. Auch wenn es nicht zum erhofften Grossaufmarsch kam, sei es dennoch «ein wichtiger Anfang» gewesen, sagt Tiziano De Luca vom Klimastreik.

FĂŒr den Klimastreik ist eine «radikale ArbeitszeitverkĂŒrzung» bei vollem Lohnausgleich fĂŒr tiefe und mittlere Einkommen aus mehreren GrĂŒnden zentral: Sie ist Voraussetzung fĂŒr die Abkehr von einer «klimaschĂ€dlichen Überproduktion» hin zu einem Wirtschaftssystem, in dem nur so viel produziert wird, wie die Menschen auch wirklich brauchen. Wer mehr Freizeit hat, so die Hoffnung, konsumiert weniger. Man kauft zum Beispiel keine klimaschĂ€dlichen Fertigprodukte, sondern nimmt sich Zeit zum Kochen. Zudem fallen bei der notwendigen ökologischen Umgestaltung der Wirtschaft viele ArbeitsplĂ€tze weg; auch um Arbeitslosigkeit zu verhindern, brauche es also eine Arbeitszeitreduktion.

Radikal oder pragmatisch?

FĂŒr den Klimastreik ist die Forderung nach einer Arbeitszeitreduktion aber auch ein Mittel, um die strategische Partnerschaft mit der Frauenbewegung und den Gewerkschaften zu stĂ€rken. Denn fĂŒr den angestrebten gesellschaftlichen Wandel braucht die Bewegung starke BĂŒndnispartner:innen. Die Frauenbewegung fordert eine massive Arbeitszeitreduktion, weil damit unbezahlte Arbeit, die immer noch mehrheitlich von Frauen geleistet wird, gerechter verteilt werden könnte. FĂŒr die Gewerkschaften wiederum ist die Arbeitszeitreduktion seit jeher eine zentrale Forderung (vgl. «Der Achtstundentag als Befriedungsmassnahme» im Anschluss an diesen Text).

«Beim Kampf um die Arbeitszeit waren wir in den letzten Jahren in der Defensive», sagt Vania Alleva, PrĂ€sidentin der Unia. So habe sich die Gewerkschaft mit ĂŒber zwanzig Referenden gegen die Ausweitung der Ladenöffnungszeiten gewehrt. Denn lĂ€nger geöffnete LĂ€den bedeuten fĂŒr das Verkaufspersonal: noch mehr FlexibilitĂ€t, noch mehr dann arbeiten, wenn andere frei haben. Auch sei die Unia bei Verhandlungen um neue GesamtarbeitsvertrĂ€ge immer wieder mit Forderungen nach der Aufweichung fester Arbeitszeiten konfrontiert gewesen. «Nun wollen wir in die Offensive und planen Arbeitszeitkampagnen in den einzelnen Branchen», sagt Alleva. «Es geht dabei auch darum, dass die grossen ProduktivitĂ€tsgewinne der letzten Jahre an die BeschĂ€ftigten weitergegeben werden.»

Zwischen den Vorstellungen des Klimastreiks und der realen Politik der Gewerkschaften gibt es allerdings riesige Unterschiede: WĂ€hrend der Aktionsplan des Klimastreiks von einer radikalen VerkĂŒrzung auf eine 24-Stunden-Woche ausgeht, stehen bei den Gewerkschaften, auch aufgrund ihrer eher schwachen Verankerung in vielen Branchen, pragmatische Überlegungen im Vordergrund. Es wĂ€re schon ein Fortschritt, wenn es kĂŒnftig fĂŒr alle BeschĂ€ftigten möglich wird, Teilzeit zu arbeiten. Eine reale Arbeitszeitreduktion um ein, zwei Stunden pro Woche bei vollem Lohnausgleich wĂŒrde als grosser Erfolg gefeiert.

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Quelle: Fau-fl.org