Juni 18, 2022
Von Schwarze Ruhr-Uni
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Die Katastrophe ist das System

Der Klimawandel führt jetzt schon zu Hungersnöten und tödlichen Hitzewellen. Kriege zerstören die Lebensgrundlagen von Millonen. Rechte Politiker*innen bemühen sich, die Erfolge des Feminismus rückgängig zu machen. Der globale Kolonialismus setzt sich weiter fort und Indigene werden weiterhin im Namen des “Fortschritts und der Entwicklung” ihrer Heimat und Kultur beraubt, auch für den Ausbau sogenannter grüner Technologien. Wir arbeiten in seelentötenden Jobs, hetzen in der Uni, Schule oder Ausbildung kurz vorm Burnout von Prüfung zu Prüfung oder werden vom Arbeits-/Sozialamt schikaniert. Währendessen nimmt die steigende Inflation vielen ihre letzte wirtschaftliche Absicherung und verarmt Zahlreiche, die es noch nicht sind.

Sind das alles nur Fehler im System? Nein, diese Dinge sind Ausdruck des Systems. Keine Regierung und kein Markt der Welt werden diese Probleme für uns lösen, denn sie sind die Verursacher der Probleme. Wir können entweder weiter durch Konsumkritik, Parteipolitik und co. das System der Unterdrückung am Leben erhalten, oder uns gemeinsam dagegen stellen und für eine bessere Welt kämpfen.

Heilen

Nicht erst die Pandemie hat uns voneinander isoliert und viele von uns mental gebrochen – Jahrhunderte der Gewalt und Ausbeutung durch Staat, Patriarchat und Kapital haben Wunden hinterlassen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden.
Als Gruppe wollen wir versuchen aus diesem Kreislauf der Verletzung und der daraus entstehenden Entfremdung und Einsamkeit zu entkommen. Wir wollen Räume schaffen, in denen wir unsere Beziehungen zueinander und zu unserer Mitwelt¹ gemeinsam wieder aufbauen und stärken können. Es gibt viel zu tun – aktuell sind unsere Beziehungen oft von Geldfragen und sozialen Machtspielen geprägt. Unsere Mitwelt ist nur ein Lieferant von “Ressourcen”, von dem wir uns völlig getrennt verstehen. Unsere Beziehungen zu heilen heißt auch, zu erkennen, in welchen Hierarchien wir selbst stecken, und wo wir vielleicht Vorteile aus unseren Machtpositionen ziehen und selbst Andere unterdrücken. Und es heißt, füreinander da zu sein, während wir versuchen, uns aus den Fängen des Systems zu lösen und seine zerstörerische Logik aus unseren Köpfen zu kriegen.

Lernen

Wie sind wir hierher gekommen? Wo wollen wir hin? Wie bilden wir starke, gut vernetzte Strukturen? Wie organisieren wir unsere Versorgung dezentral und autonom? Was können wir in unserem Leben jetzt schon ändern, und wie sieht der Weg in anarchistische Gesellschaft(en) aus?
Die Schwarze Ruhr-Uni veranstaltet jedes Jahr radikale Bildungskurse und Vorträge, in denen wir uns mit solchen Themen anarchistischer Theorie und Praxis, aber auch mit anderen Themen aus einer antiautoritären Perspektive befassen. Radikale Bildung heißt: Wir wollen nicht die autoritären Strukturen des staatlichen Bildungssystems replizieren, sondern Bildung von unten organisieren. In den Kursen bestimmen wir alle gemeinsam, welche Inhalte und auf welche Art wir lernen wollen.

Kämpfen

Weil die alte Ordnung nicht einfach untergehen wird, müssen wir aktiv Widerstand gegen ihre Institutionen leisten. Als offene Gruppe beschränken wir uns dabei in unseren Handlungen, um nicht zu starker Repression ausgesetzt zu sein. Für uns ist aber klar, dass wir unsere Bewegung nicht in friedlich und militant, legal und illegal spalten lassen. Der Staat verbietet und bestraft viele Handlungen nicht, weil diese grundsätzlich falsch sind, sondern um jeglichen Protest in Bahnen zu lenken, die seiner Ordnung nicht gefährlich werden. Dabei zerstört er Alternativen zum bestehenden System aktiv. Anders als manche linke Gruppen wollen wir uns nicht verstecken, sondern klar Teil einer Bewegung sein, die dieser Ordnung gefährlich wird. Unser Beitrag, kämpferische Bewegungen zu unterstützen, ist die Weitergabe von Wissen und Fähigkeiten zum Schutz vor Repression, Unterstützung von Betroffenen und Stärkung der Analyse von Institutionen der Herrschaft und wie diese funktionieren, zum Beispiel durch Vorträge und Texte zu Staat/Kapitalismus, Polizei oder Universität.

Revolutionäre Gemeinschaften aufbauen

Bei allem was wir tun versuchen wir Probleme und Lösungen nicht auf einzelne Themen zu reduzieren. Unser Ziel ist es, revolutionäre Gemeinschaften und Kulturen aufzubauen, in denen alle Teile und Bedürfnisse unseres Lebens ein Platz haben und die Keimzellen anderer, besserer Gesellschaften sein können. Uns ist dabei bewusst, dass es nie eine perfekte Gesellschaft geben wird. Auch wenn starke Veränderungen möglich sind, wird nicht jedes Leid verschwinden. Für uns sind unser Leben und Revolution eine Reise auf der wir uns gemeinsam begleiten und füreinader da sind, kein Weg zu einem endgültigen paradiesischen Zustand. Wir arbeiten mit vielen anderen Gruppen und Menschen zusammen und sind Teil der weltweiten anarchistischen Bewegung.Anarchist*innen beteiligen sich weltweit an vielen Kämpfen, z.B. dem Widerstand gegen den russischen Angriffskrieg, den Aufständen gegen das iranische Regime, den Kolonialstaat USA oder auch die Mitweltzerstörung durch den deutschen Staat und das deutsche Kapital.

Anarchistisches Kennlerntreffen: Mache mit!

Falls dich etwas was wir tun oder tun wollen anspricht, freuen wir uns, wenn du bei uns mitmachen willst. Neuen Ideen gegenüber sind wir immer offen. Wir machen keine Hochschulpolitik, sondern kämpfen an und außerhalb der Ruhr-Uni für eine vollkommen andere Gesellschaft.

Für neue Menschen organisieren wir daher am Mittwoch, den 29.06.2022 um 18.30 Uhr ein Kennenlerntreffen. Es findet im Sozialen Zentrum in der Josephstr. 2 statt. Wer von der Ruhr-Uni zum Treffen kommen möchte, kann unseren Treffpunkt um 18.00 Uhr an der U35 Haltestelle Ruhr-Uni wahrnehmen (auf Schwarze Fahnen achten).

¹Der Begriff soll die künstliche Trennung von Mensch&Umwelt aufheben




Quelle: Schwarzerub.blackblogs.org