MĂ€rz 19, 2021
Von Indymedia
260 ansichten


Eine kurze Auswertung
Im Rahmen des militanten Widerstands gegen den Angriffskrieg in Afrin wurden zwischen dem 21.1. und dem 15.05.18 insgesamt 136 erfolgreiche Angriffe durchgefĂŒhrt. Und dies sind nur jene Aktionen welche uns bekannt waren, es wird noch viele mehr geben haben, welche stattfanden ohne ein Zeichen zurĂŒck zulassen. Von diesen Aktionen fanden 93 in der BRD, 8 in Griechenland, 8 in Italien, 8 in Frankreich, 4 in Österreich, 3 in der Schweiz, 3 in Belgien, 2 in Schweden und 2 in den Niederlanden und jeweils eine einzelne Aktion in der Slowakei, in Serbien, Kanada, dem Vereinigten Königreich und DĂ€nemark, statt. Insgesamt wurden 20 Banken die durch Investitionen in die RĂŒstungsproduktion ihr blutiges Geld verdienen, 24 Einrichtungen der europĂ€ischen RĂŒstungsindustrie oder der militĂ€rischen Kooperation mit der tĂŒrkischen Besatzungsarmee, 24 Einrichtungen der europĂ€ischen Politik und 75 Einrichtungen die in direkter Verbindung oder Kollaboration mit dem tĂŒrkischen Regime stehen, Ziel unserer nĂ€chtlichen Attacken. Vom ersten Tag an, war die Besatzungsoffensive nicht nur begleitet von Massenprotesten und Aktionen des zivilen Ungehorsams sondern auch von nĂ€chtlichen VergeltungsschlĂ€gen der Rachekommandos und autonomen Gruppen.

Neben Angriffen auf tĂŒrkische Einrichtungen und LĂ€den von AKP UnterstĂŒtzern gab es auch Angriffe auf die Infrastruktur des Kapitals und der RĂŒstungsindustrie, sowie auf die Logistik der kapitalistischen Zentren. Durch spektakulĂ€re Aktionen, wie Molotow-Cocktails auf tĂŒrkische Konsulate und Einrichtungen, gab es auch kleinere Farbaktionen, kostspielige Angriffe auf Infrastruktur der RĂŒstungsindustrie und der NATO, das Zusammenspiel der vielen verschiedenen Aktionen und auch die große Zahl sorgte fĂŒr eine grĂ¶ĂŸere Aufmerksamkeit auf das Thema und setzte die Invasion Afrins und die Beteiligung deutscher und europĂ€ischer Firmen und Parteien auf die Agenda der Öffentlichkeit. In Zeiten in denen die westliche Presse noch Stillschweigen ĂŒber die GrĂ€ueltaten in Afrin walten lies, zwangen die militanten Aktionen das Thema auf die Tagesordnung.

Die unterschiedlichsten Mittel, von Farbe zu fein sĂ€uberlichen BrandanschlĂ€gen, von spontanen und wilden Demos zu Besetzungen und Massendemonstrationen, machten die Kampagne anschlussfĂ€hig und ermöglichten es verschiedensten Menschen ihre Wut und ihren Schmerz auszudrĂŒcken und zur Aktion werden zu lassen.

Die Aktionen zeigten auch, dass der Hass und die Verachtung gegen dieses System tief in uns steckt. Wir lassen uns nicht befrieden, wir lassen uns nicht einbinden, wir werden zurĂŒckschlagen, immer und ĂŒberall wo ihr seid. Wir werden euch fĂŒr eure Verbrechen in die Verantwortung nehmen. Das war die Nachricht, die in diesen Wochen unmissverstĂ€ndlich klar wurde.

Die Verbundenheit mit den GefĂ€hrt*Innen in Rojava Ă€ußerte sich auch dadurch, dass in den Namen, die Bezugsgruppen sich gegeben haben, Bezug auf Gefallene des Widerstands von Afrin und dem Kampf unserer Genoss*Innen der kurdischen Befreiungsbewegung genommen wurde.
Unsere KĂ€mpfe im Namen und in Erinnerung der Gefallenen zu fĂŒhren bedeutet ihren Kampf weiter zu fĂŒhren und ihren Opfern Bedeutung zu geben.

Die Unterschiedlichkeit der Aktionen und die Bezugnahme auf die militante Kampagne auch auf Massendemonstrationen und Aktionen des zivilen Ungehorsames baute Druck auf und zerrte das Thema in die Öffentlichkeit.
Die Spaltung durch Propaganda und Hetze seitens des Staates wurde dadurch erschwert und baute eine breite Front gegen die Angriffe auf, mit unterschiedlichsten Menschen, mit unterschiedlichsten Mitteln.Trotz aller Meinungsverschiedenheiten gibt es in der radikalen Linken in Europa eine breite SolidaritÀt mit dem Kampf der Menschen in Rojava, die Revolution bringt uns zusammen.
Nur selten wird die Revolution in Rojava von bĂŒrgerlichen Medien aufgegriffen, nur selten wird darĂŒber im öffentlichen Diskurs gesprochen, es wird versucht dieses Thema klein zu halten, da es die propagierte Alternativlosigkeit des Kapitalismus ad Absurdum fĂŒhrt und diese Strahlkraft eine tatsĂ€chliche Gefahr fĂŒr die herrschenden VerhĂ€ltnisse darstellt.

Nur durch den Druck von Massenprotesten, kreativen und eben militanten Aktionen können wir das Thema auf die Agenda einer grĂ¶ĂŸeren Öffentlichkeit bringen und gleichzeitig die Profiteure und UnterstĂŒtzer des Faschismus benennen und durch unsere Angriffe bezahlen lassen.

Neben ZusammenhĂ€ngen, die Zugang zu Erfahrungen im DurchfĂŒhren von Aktionen haben beteiligten sich auch viele Menschen, fĂŒr die diese Form von Aktionen etwas Neues war.
Das ist sehr erfreulich und wird hoffentlich hÀufiger passieren, allerdings kam es dabei zu mehreren Festnahmen und Repression, die vermeidbar gewesen wÀren.
Die Wissensweitergabe rund um das sichere DurchfĂŒhren von Aktionen sollte deshalb in Zukunft verstĂ€rkt werden, damit eine bessere Planung auch Kreisen zugĂ€nglich wird, die nicht schon ĂŒber eine gewisse Routine verfĂŒgen.

Das hohe Niveau und hohe Zahl der Aktionen war offensichtlich auf Dauer nicht zu halten.
Es ist klar, dass wir uns im Kampf gegen dieses System verschiedenen Themen widmen mĂŒssen und unsere Konzentration sich auch wieder auf andere Formen der UnterdrĂŒckung und aktuelle Entwicklungen richtet, doch die Angriffe des tĂŒrkischen Faschismus auf Rojava haben KontinuitĂ€t, so mĂŒssen auch unsere Aktionen lĂ€ngerfristig angelehnt sein.

Krieg der niedrigen IntensitÀt

Die TĂŒrkei fĂ€hrt eine Strategie des Krieges der niedrigen IntensitĂ€t. Das heißt kontinuierliche kleinere, manchmal auch grĂ¶ĂŸere Angriffe und weniger Großoffensiven. Das hat den Zweck eine ZermĂŒrbung der VerteidigungskrĂ€fte herbei zu fĂŒhren und außerdem die Aufmerksamkeit auf die KĂ€mpfe so gering wie möglich zu halten.
Diese Strategie fĂŒhrt dazu, dass der Kampf, den unsere Freund*Innen in Kurdistan fĂŒhren schnell wieder aus unserem Blick verschwindet, da die Aufmerksamkeit der Medien sich nach grĂ¶ĂŸeren Offensiven wieder auf andere Themen richtet und damit augenscheinlich auch unsere Aufmerksamkeit. Es ist wichtig, dass wir uns vor Augen fĂŒhren, dass der Krieg in Kurdistan ein fortwĂ€hrender Konflikt ist, auch aktuell gibt es jeden Tag Gefechte in Rojava und die Angriffe auf die Verteidigungsgebiete in den freien Bergen Kurdistans finden ebenfalls auf „kleiner Flamme“ statt.
Immer wieder versuchen die djihadistischen VerbĂŒndeten der TĂŒrkei die Umgebung rund um Ain Issa zu infiltrieren, doch werden zurĂŒckgeschlagen, immer wieder fĂŒhrt die tĂŒrkische Armee Operationen in den Bergen durch, die die Guerilla mit großer EffektivitĂ€t ins Leere laufen lĂ€sst.
Es ist davon auszugehen, dass es auch weitere Großangriffe geben wird, der Angriff auf Gare ist krachend gescheitert, doch die Propagandamaschine des tĂŒrkischen Faschismus bereitet bereits die Bevölkerung in der TĂŒrkei auf den nĂ€chsten Angriff vor. Im tĂŒrkischen Fernsehen wird öffentlich darĂŒber gemutmaßt, wo der nĂ€chste Angriff auf Rojava stattfinden könnte.

Wir dĂŒrfen unsere Freund*Innen in Kurdistan nicht vergessen, die jeden Tag fĂŒr eines der vielversprechendsten emanzipatorischen Projekte weltweit kĂ€mpfen. „Aus dem Auge aus dem Sinn“ ist dabei eine schlechte Ausrede.
Der tĂŒrkische Faschismus greift die Menschen in Rojava jeden Tag an, er fĂŒhrt Feminizide durch, er foltert, er tötet.
Finanziert und ausgerĂŒstet wird er aus Europa, die politische RĂŒckendeckung erhĂ€lt er aus Europa. Trotz aller Konflikte und Streitereien um Ölvorkommen mit Griechenland bleiben die europĂ€ischen imperialistischen Staaten an der Seite des tĂŒrkischen Faschismus. Dies zeigt, dass diese Konflikte bloße Augenwischerei sind, Konkurrenz und VerteilungskĂ€mpfe kapitalistischer Staaten. Wenn es um die Durchsetzung des Systems geht stehen sie Seite an Seite.

Und wie weiter?

In der Vergangenheit sind militante Kampagnen meistens dann erfolgreich gewesen, wenn sie ĂŒber einen langen Zeitraum hinweg verfolgt wurden, beispielsweise die Angriffe auf die DHL als „Deutsche Heereslogistik“ 2009. Dort gelang es durch stĂ€ndige Angriffe DHL zum Einknicken zu zwingen und den Logistikauftrag der Bundeswehr wenigstens auf eine Minimum zu beschrĂ€nken.
Kampagnen, die eher eine kurzfristige Offensive darstellen laufen Gefahr schneller auf den Schirm der Repressionsbehörden zu landen. Wenn unsere Aktionen vor Allem dann stattfinden, wenn der tĂŒrkische Faschismus Großoffensiven durchfĂŒhrt, dann sind Objektschutz und Überwachung in diesen ZeitrĂ€umen auch schnell organisiert.

Es ist unserer Meinung nach notwendig einen langen Atem zu behalten und den Kampf gegen den tĂŒrkischen Faschismus und seine Kollaborateure in Europa und weltweit als eine dauerhafte Aufgabe von RevolutionĂ€r*Innen zu betrachten.
Dass wir Druck aufbauen können und eine transnationale Offensive gegen den Faschismus einen Unterschied machen kann, das hat Fight4Afrin gezeigt.

Auch wenn die Invasion nicht verhindert werden konnte, haben wir dennoch gesehen, welche Dynamik und Kraft unser Widerstand entfalten kann, zu was wir fÀhig sind und dass unser Widerstand den Zentren der Macht empfindliche SchlÀge versetzen kann.

Eine Schlacht ist verloren, doch eine Schlacht entscheidet nicht die Revolution.
Wir werden in Zukunft einen lĂ€ngeren Atem beweisen mĂŒssen, um dem tĂŒrkischen Faschismus und seinen UnterstĂŒtzern den Schlag zu versetzen, den sie verdienen!

Die BefreiungskrĂ€fte Afrins (HRE) zeigen das in eindrucksvoller Weise. Trotz der Invasion befinden sie sich weiter in Afrin und bekĂ€mpfen die Besatzer effektiv, fĂŒhren Angriffe und Sabotage durch.
Auch die aufgebauten Selbstverwaltungsstrukturen haben sich trotz stĂ€ndigen ÜberfĂ€llen und Feminiziden in einigen StĂ€dten gehalten und bestehen weiter.
Ganz nach dem Motto:
„Sie können wohl alle Blumen abschneiden, doch sie werden den FrĂŒhling nicht aufhalten!“

Die Selbstverwaltung und der demokratische Konföderalismus ist den imperialistischen Staaten und dem Patriarchat ein Dorn im Auge, zu deutlich zeigt es, dass ein Leben jenseits von ihrer patriarchalen und ausbeuterischen Herrschaft möglich ist.

Nur durch den Druck von Massenprotesten, kreativen und eben militanten Aktionen können wir das Thema auf die Agenda einer grĂ¶ĂŸeren Öffentlichkeit bringen und gleichzeitig die Profiteure und UnterstĂŒtzer des Faschismus benennen und durch unsere Angriffe bezahlen lassen.n ohne Staat und der konsequente Angriff auf das Patriarchat möglich ist.
Rojava fordert die weltweiten MachtverhÀltnisse heraus.
Nicht ohne Grund ist es fĂŒr uns KĂ€mpfende in Europa ein Symbol der Hoffnung und spornt uns in unseren KĂ€mpfen an.
Unsere TrĂ€ume und BedĂŒrfnisse nach Selbstverwaltung ohne Staat und Freiheit von Patriarchat und Ausbeutung werden in Rojava von der Utopie zur RealitĂ€t!

„Diese Revolution findet nicht nur fĂŒr Kurdistan oder den Mittleren Osten statt, es ist eine Revolution fĂŒr die ganze Menschheit, sie ist die Hoffnung der Menschheit.“

ƞehid HĂȘlĂźn Qereçox (Anna Campbell)

Trotz aller Meinungsverschiedenheiten gibt es in der radikalen Linken in Europa eine breite SolidaritĂ€t mit dem Kampf der Menschen in Rojava, die Revolution bringt uns zusammen. Nur selten wird die Revolution in Rojava von bĂŒrgerlichen Medien aufgegriffen, nur selten wird darĂŒber im öffentlichen Diskurs gesprochen, es wird versucht dieses Thema klein zu halten, da es die propagierte Alternativlosigkeit des Kapitalismus ad Absurdum fĂŒhrt und diese Strahlkraft eine tatsĂ€chliche Gefahr fĂŒr die herrschenden VerhĂ€ltnisse darstellt.

Nur durch den Druck von Massenprotesten, kreativen und eben militanten Aktionen können wir das Thema auf die Agenda einer grĂ¶ĂŸeren Öffentlichkeit bringen und gleichzeitig die Profiteure und UnterstĂŒtzer des Faschismus benennen und durch unsere Angriffe bezahlen lassen.

Dass der Angriff auf Afrin erst der Anfang des Plans der TĂŒrkei und ihrer VerbĂŒndeten, Rojava zu vernichten, hat die tĂŒrkische Invasion im Oktober 2019 gezeigt. Auch in den vergangenen Wochen und Monaten verdichten sich die Zeichen, dass es zu einem erneuten Großangriff kommen könnte.

Unsere Verbundenheit, unsere Hoffnungen, Hingabe und unser Hass auf diese VerhÀltnisse lÀsst sich nicht ersticken, lÀsst sich nicht befrieden!

Tod dem Faschismus!

Hoch die Internationale SolidaritÀt!

FĂŒr eine befreite Gesellschaft!




Quelle: De.indymedia.org