Oktober 1, 2021
Von Contraste
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Man kennt sie hierzulande kaum und wenn, dann höchstens in der Nachkriegsgeneration, die in den 1940er Jahren eine »QuÀkerspeisung« bekam: die »Religiöse Gesellschaft der Freunde«, genannt »QuÀker«. Der CONTRASTE-Schwerpunkt beschÀftigt sich mit diesen »Freunden«, weil sich zu unserem Themenspektrum viele Verbindungen zeigen.

Ariane Dettloff, Redaktion Köln und Janet Kreysa, Swisstal

»QuĂ€ker« ist ursprĂŒnglich ein Spottname, den die so Diskriminierten sich zu eigen gemacht haben. Ein Alleinstellungsmerkmal ist die fĂŒr QuĂ€ker zentrale »Stille Andacht«. In der Regel eine Stunde lang wird gemeinsam geschwiegen und manchmal darĂŒber gesprochen, welche Themen in der Stille aufkommen. Daraus können auch Impulse fĂŒr Aktionen hervorgehen. So beteiligen sich die QuĂ€ker (seit jeher engagiert fĂŒr Frieden und dafĂŒr in ihrer Geschichte oft verfolgt) zum Beispiel an Aktionen am Atomwaffenstandort BĂŒchel in der Eifel und der Waffenmesse Eurosatory in Paris.

Selbstorganisierte Hilfsaktionen fĂŒr Projekte im globalen SĂŒden oder auch hierzuland betreibt die »QuĂ€kerhilfe e.V.«, von der Dieter MĂŒller berichtet (Seite 12). Christine Bechtel erlĂ€utert im Interview die selbstorganisierten Strukturen der deutschen QuĂ€ker ohne Priester und ohne Chefs (Seite 11).

Dogmen sind QuĂ€kern von jeher suspekt. So entsteht eine große Vielfalt von Ansichten, Überzeugungen, Meinungen, von Herkunft und von Glaubensrichtungen. So etwas wie eine Taufe gibt es nicht, stattdessen erklĂ€rt jemensch, warum er oder sie sich entschieden hat, QuĂ€ker*in werden zu wollen. »Wir suchen die Erfahrung des Göttlichen in uns, in unseren Beziehungen mit anderen Menschen und in der Welt, in der wir leben«, heißt es in einer Selbstdarstellung. »QuĂ€ker suchen das â€șInnere Lichtâ€č, das fĂŒr alle Menschen und in allen Menschen direkt zugĂ€nglich ist, unabhĂ€ngig von Alter, Geschlecht, Ethnie, NationalitĂ€t, sexueller Orientierung, religiösem und kulturellem Hintergrund, Ausbildung, ökonomischem und gesellschaftlichem Status.«

QuĂ€kerinnen und QuĂ€ker sind auch da vor Ort, wo politische, wirtschaftliche und militĂ€rische Entscheidungen von weltweiter Bedeutung getroffen werden. Der QuĂ€kerrat fĂŒr europĂ€ische Angelegenheiten (QCEA) in BrĂŒssel und die QuĂ€kerbĂŒros bei den Vereinten Nationen (QUNO) in Genf und New York vertreten vor Ort QuĂ€ker-Standpunkte. Ein Highlight in der QuĂ€ker-Geschichte war 1947 die Verleihung des Friedensnobelpreises fĂŒr ihre Hilfsleistungen an die ĂŒberlebenden Opfer des Zweiten Weltkriegs, darunter Millionen hungrige Kinder.

Die Schwerpunkt-Seiten vermitteln einen Eindruck davon, »wie QuĂ€ker heute ticken« (insbesondere die 256 Mitglieder, die in Deutschland und Österreich leben). Ab 2020 hat Corona die QuĂ€ker gezwungen, neue AnsĂ€tze einzufĂŒhren, wenn sie sich nicht von Angesicht zu Angesicht treffen können. Viele sind ĂŒberrascht, wie gut ein stilles Zoom-Meeting funktionieren kann. Zoom-Seminare und -Komitees haben es dieser sehr kleinen und verstreuten Gemeinschaft ermöglicht, auf eine Art und Weise miteinander zu kommunizieren und voneinander zu lernen, wie es sich GrĂŒndervater George Fox (1624-1691) nie hĂ€tte vorstellen können.

Link: www.quaeker.org


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Quelle: Contraste.org