Dezember 14, 2021
Von InfoRiot
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Tötungsdelikt

850 Teilnehmer bei Corona-Protest in Königs Wusterhausen

Aktualisiert: 14.12.2021, 09:44

| Lesedauer: 4 Minuten

Alexander Rothe und Philipp Siebert


Foto: Jörg Krauthöfer / FFS

Nach dem Tötungsdelikt in Senzig haben „Querdenker“ in Königs Wusterhausen gegen Corona-Maßnahmen demonstriert.

Königs Wusterhausen. Der Kirchplatz von Königs Wusterhausen ist weihnachtlich geschmĂŒckt. In den BĂ€umen hĂ€ngen Lichterketten, der große Tannenbaum ist mit roten Kugeln geschmĂŒckt. An einem Ende des breit gezogenen Platzes hat die AfD eine kleine BĂŒhne fĂŒr ihr jĂ€hrliches Weihnachtssingen aufgebaut. Zwischen Menschen mit Kerzen und LiederblĂ€ttern in den HĂ€nden sind teilweise Transparente zu sehen. „Schule ist zum Lernen und nicht zum Foltern. Gegen Zwangstests und Maskenpflicht“, steht auf einem der Plakate.

Kurz nach der Gesangsveranstaltung geht es fĂŒr viele Teilnehmende auf die andere Seite des Kirchplatzes, zu einer Demonstration gegen Corona-Maßnahmen. Familien mit Kindern, jĂŒngere und Ă€ltere Frauen und MĂ€nner reihen sich in einen langen Zug von Demonstrierenden ein. Die Zusammensetzung ist gemischt: „Ich bin geboostert und heute zum ersten Mal hier“, erzĂ€hlt ein Teilnehmer, der seinen Namen nicht nennen möchte. „Ich bin gegen die Maßnahmen der Regierung, die keinen Sinn machen, wie Maskenpflicht im Freien.“ Gleichzeitig spricht er sich gegen eine Impfpflicht aus, jeder sollte seiner Meinung nach selbst entscheiden.

Nach einigen Minuten setzt sich der Zug in Dreier- bis FĂŒnfergruppen in Bewegung. Insgesamt bleibt die Stimmung sehr ruhig, hin und wieder skandierte „Wir sind das Volk“-Rufe bleiben die Ausnahme. AngefĂŒhrt wird der Zug von Trommlern – und von Roald Hitzer, Direktkandidat vom Demokratischen Forum fĂŒr Königs Wusterhausen bei der Bundestagswahl 2021. Laut Polizei sind am Montag rund 850 Personen da.

Am Ende blieb die Demonstration friedlich, nachdem die Polizei vor erhöhter Gewaltbereitschaft unter Corona-Leugnern gewarnt hatte. Im Ortsteil Senzig war es zu einem Tötungsdelikt gekommen, das mit der Querdenker-Szene in Verbindung steht. Nach Erkenntnissen der Ermittler hatte Devid R. seine drei Kinder (zehn, acht und vier Jahre) und seine Ehefrau (40) erschossen, ihre Leichen wurden am 4. Dezember im Haus der Familie im Stadtteil Senzig gefunden. Anschließend tötete der 40-JĂ€hrige sich selbst.



In seinem Abschiedsbrief soll R. laut Cottbusser Staatsanwaltschaft angegeben haben, Angst vor einer Zwangsimpfung seiner Kinder und seiner eigenen Verhaftung gehabt zu haben, weil er fĂŒr seine Frau ein Impfzertifikat fĂ€lschen ließ. Das soll ihrem Arbeitgeber, der Technischen Hochschule Wildau, aufgefallen sein. Mehreren Medienberichten zufolge war R. auch Mitglied der Kleinpartei „Die Basis“, die als politischer Arm der Querdenker-Szene gilt.

Corona-Leugner: Sicherheitsbehörden warnen vor Gewaltbereitschaft

Laut eines „RBB“-Berichts soll er bereits im Juli in die Telegram-Gruppe geschrieben haben: „Ich bin bereit mich mit allem, was ich aufzubieten habe, zu wehren und bin brennender UnterstĂŒtzer derjenigen, die gerade fĂŒr Frieden, Freiheit und Grundrechte ganz vorne kĂ€mpfen.“ Die Gruppe scheint mittlerweile nicht mehr zu existieren. Der Aufruf zur Demonstration am Montag wurde in einer Gruppe mit dem selben Namen veröffentlicht, die am 8. Dezember gegrĂŒndet wurde.

Die Sicherheitsbehörden warnen bundesweit vor einer erhöhten Gewaltbereitschaft aus dem Querdenker- und Impfgegner-Milieu. Immer wieder gibt es Berichte von Übergriffen – auch aus Berlin. So soll ein Masken-Verweigerer einen Mann krankenhausreif geschlagen haben, der ihn zuvor aufforderte, in der Tram eine Maske zu tragen. In den entsprechenden Gruppen vor allem auf Telegram bleiben VorfĂ€lle dieser Art meist unerwĂ€hnt oder werden als „Notwehr“ umgedeutet – so auch teilweise im Mordfall von Senzig.

In Brandenburg machen Gegner der Corona-Maßnahmen bereits lĂ€nger mobil – zuletzt etwa in Cottbus oder Bernau. Auch die Brandenburger Polizei verzeichnete zuletzt eine deutliche Zunahme vor allem im SĂŒden des Landes. Auch die Aufrufe fĂŒr Königs Wusterhausen am Montag seien „bekannt“, sagte Polizeisprecher Torsten Herbst auf Anfrage. Man werde der Lage „mit angepassten Einsatzmaßnahmen“ begegnen.






Quelle: Inforiot.de