April 1, 2021
Von Emrawi
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Gegen jede Abschiebung – Blockade der Zufahrtsstraßen zum Flughafen Wien am 30. MĂ€rz 2021

Bleiberecht fĂŒr Alle

Presseaussendung vom 30.03.2021, 08:50 Uhr

Hainburgerstraße / Ostautobahn wegen Sammelabschiebung blockiert + Erneutes deutliches Zeichen gegen Abschiebepraxis in Österreich + Breiter Widerstand gegen Abschiebungen ‹

Wien, 30.03.2021. Heute frĂŒh blockierten ca. 50 Menschen die geplante Sammelabschiebung von ungefĂ€hr 45 Personen von Österreich nach Kabul in Afghanistan. Mit verschiedenen Blockademitteln und Sitzblockaden an mehreren Stellen, versperrten die Menschenrechtsaktivist*innen die Zufahrtsstraße zum Flughafen, um die Abschiebung zu verhindern. Am Nachmittag wird diesbezĂŒglich um 16 Uhr eine Demonstration am Oskar-Morgenstern-Platz stattfinden; auch am Tag zuvor fanden bereits Proteste der afghanischen Öffentlichkeit vor dem österreichischen Innenministerium statt.‹

“Wir stehen im Gegensatz zur tĂŒrkis-grĂŒnen Politik glaubhaft fĂŒr humanitĂ€re Werte ein und lassen deshalb nicht zu, dass 45 Menschen in das derzeit gefĂ€hrlichste Land der Welt abgeschoben werden. Wir fordern den Stopp aller Abschiebungen und ein Bleiberecht fĂŒr alle!” so Aktivistin Alicia Becker aus der Blockade. ‹‹

FĂŒr Afghanistan gilt derzeit laut Bundesministerium fĂŒr europĂ€ische und internationale Angelegenheiten eine Reisewarnung der sechsten, und damit höchsten Stufe. Im Jahr 2020 stufte der Global Peace Index das Land als gefĂ€hrlichstes Land der Welt ein. Menschen denen eine Abschiebung nach Afghanistan droht, wissen in welches Schicksal sie gezwungen werden. ‹

“Wir machen heute nicht nur die Regierung, sondern auch die Fluggesellschaften fĂŒr diese rassistische Praxis sowie FlughĂ€fen als Orte der Klimazerstörung verantwortlich. Jede Fluglinie und sogar die Crew an Bord hĂ€tte die Möglichkeit nicht an solchen Abschiebungen mitzuwirken und damit ein Zeichen der SolidaritĂ€t zu setzen” so Aktivistin Mara Lund vom BĂŒndnis Bleiberecht fĂŒr alle.

Getragen wird die Aktion von einem breiten BĂŒndnis aus Bleiberecht- sowie Klimagerechtigkeits-Aktivist*innen, unter ihnen auch SchĂŒler*innen. Unter dem Namen “Bleiberecht fĂŒr alle” setzen sie sich dafĂŒr ein, dass Abschiebungen in kein Land, weder nach Afghanistan noch in andere LĂ€nder, vertretbar sind. ‹Auch weisen sie darauf hin, dass Flucht und Migration mittlerweile immer mehr ein Produkt der Klimakrise sind. Menschen werden aufgrund von Naturkatastrophen sowie ökonomischen Krisen, die auch durch die Klimakrise bedingt sind, zur Flucht gezwungen. LĂ€nder die von der jahrhundertelangen Ausbeutung des Menschen und des Planeten profitieren, mĂŒssen auch bereit sein Verantwortung dafĂŒr zu ĂŒbernehmen. Dies umfasst auch das Sicherstellen von Menschenrechten wie dem Recht auf Asyl.‹

Fotos unter: flickr.com/photos/192244696@N03/

E-Mail: presse@bleiberechtfueralle.com

Twitter: twitter.com/stopdep

Website: www.bleiberechtfueralle.com

Quelle: bleiberechtfueralle.com

Aktivist*innen blockieren aneinander gekettet und betoniert die Zufahrtsstraßen zum Flughafen Wien

Das steckt hinter der Blockade der Flughafen-Autobahn

30. MĂ€rz 2021 – Die Wiener Flughafen-Autobahn A4 steht. Die Strecke, auf der heute morgen 45 Menschen nach Afghanistan abgeschoben werden sollten, ist blockiert. WĂ€hrend sich im Hintergrund Aktivist*innen von einer BrĂŒcke abseilen, spricht Mosaik-Blog mit Juli vom AktionsbĂŒndnis „Bleiberecht fĂŒr Alle” ĂŒber die BeweggrĂŒnde der Aktion.

Mosaik-Blog: In den letzten Wochen gab es mehrmals Anti-Abschiebe-Blockaden vor dem Wiener Polizeianhaltezentrum Roßauer LĂ€nde. Warum blockiert ihr heute die Flughafen-Autobahn?

Juli: Heute haben wir uns fĂŒr die Zufahrten des Flughafens entschieden, um einen Schritt weiterzugehen und mehr Aufmerksamkeit zu erzeugen. NatĂŒrlich geht es immer um das Endziel, die Abschiebung zu verhindern. Dem kommen wir heute schon sehr nahe. Momentan kommt niemand zum Flughafen hin oder von dort weg. Aber alles andere reicht uns nicht mehr. WĂ€ren wir heute nicht hier, wĂŒrde wieder niemand mitbekommen, wie Menschen abgeschoben werden.

Hat die Blockade konkrete Auswirkungen auf die geplante Abschiebung?

Wir wissen natĂŒrlich nicht, ob die Aktion in diesem Sinne erfolgreich ist. Im Grunde ist das hier mehr ein symbolischer Akt, um SolidaritĂ€t zu zeigen und dieses Thema stĂ€rker zu polarisieren. Damit wieder mehr darĂŒber gesprochen wird, was Menschen da angetan wird.

UnterstĂŒtzt von Hilfsmittel werden breite Straßen von wenigen Aktivst*innen blockiert

Es gibt wohl einfachere Blockadeorte als eine Autobahn – wie habt ihr den Verkehr gestoppt?

Vor den Autobahnzufahrten haben wir Autos umgeleitet und die Ampel fĂŒr uns auf GrĂŒn geschaltet. So konnten zwei Gruppen zu je ungefĂ€hr 40 Personen relativ ungefĂ€hrlich die vier- bis siebenspurigen Straßen blockieren.

Die Flughafen-Autobahn wurde durch Personen blockiert, die sich von einer BrĂŒcke abgeseilt haben. Das ist eine lebensgefĂ€hrliche Aktion. Wenn jemand abstĂŒrzen sollte, ist das quasi ein Todesurteil. Denn die BrĂŒcke ist sehr hoch und die Autos fahren in extrem hohem Tempo darunter hindurch. Deswegen wurde die Flughafen-Autobahn gesperrt und jetzt stehen die Leute im Stau.

Was war die Reaktion von Polizei und Passant*innen?

Ein paar Autofahrer*innen sind gestresst, sie kommen ja gerade nicht an ihr Ziel. Die Polizei war anfangs nur in geringer Zahl vor Ort. So konnten sie uns nicht rĂ€umen. Wir sind ungefĂ€hr 100 Aktivist*innen. Jetzt hat die Polizei UnterstĂŒtzung von der Feuerwehr erhalten. Die macht sich jetzt mitschuldig an der Abschiebung nach Afghanistan, weil sie von ihrem Recht der Dienstverweigerung keinen Gebrauch macht, sondern die Polizei bei ihren repressiven Maßnahmen unterstĂŒtzt.

Abschiebungen stoppen – das Transparent reicht ĂŒber mehrere Fahrspuren

Neben Aktionen wie der heutigen: Was muss passieren, damit Abschiebungen (nach Afghanistan) langfristig gestoppt werden?

Heute sollen Menschen nach Afghanistan, einen lebensgefĂ€hrlichen Ort, abgeschoben werden. Aber tatsĂ€chlich sind Abschiebungen immer unmenschlich. Wir mĂŒssen jetzt endlich anfangen umzudenken. Wir mĂŒssen uns eingestehen, dass unsere Gesellschaft bisher auf Ausbeutung beruht und unsere Verantwortung wahrnehmen. Da geht es erstens darum, Fluchtursachen wie verschĂ€rfte Klimabedingungen zu bekĂ€mpfen. Zweitens mĂŒssen wir, Menschen, die hierherkommen, dabei unterstĂŒtzen, sich eine Existenz aufzubauen.

Wir werden auf keinen Fall mit unseren Aktionen aufhören oder nachgeben. Denn hier geht es um Menschenleben.

Quelle: mosaik-blog.at

Nu Justice No Peace




Quelle: Emrawi.org