MĂ€rz 21, 2021
Von InfoRiot
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In Brandenburgs AfD bekĂ€mpfen sie sich untereinander – zuweilen bis aufs Blut. Nicht von ungefĂ€hr kommt ein Aufruf zur Geschlossenheit. Beim Parteitag am Samstag in einer Turnhalle auf dem OlympiastĂŒtzpunkt von Frankfurt (Oder) heißt es: Der Gegner sitze nicht hier drin, der stehe draußen.

An der Zufahrt haben sich am Morgen rund 250 Menschen zum Protest gegen die AfD versammelt. Das hiesige BĂŒndnis »Kein Ort fĂŒr Nazis« hat dazu aufgerufen. »Das ist ein deutliches Zeichen, dass hier kein Platz fĂŒr Nazis ist! Nicht in den Parlamenten, nicht auf der Straße«, freut sich BĂŒndnissprecher Jan Augustyniak ĂŒber die rege Beteiligung. Die Linke-Landtagsabgeordneten Bettina Fortunato und Andrea Johlige sind ebenso erschienen sowie die Abgeordneten Ricarda Budke und Sahra Damus von den GrĂŒnen und SPD-Fraktionschef Erik Stohn. Gemeinsam zeigen sie »Flagge fĂŒr Demokratie und Miteinander«, wie Stohn sagt.

Auch Stefan Kunath ist da – Direktkandidat der Linken im Bundestagswahlkreis 63, der aus Frankfurt (Oder) und dem Landkreis Oder-Spree besteht. Er sei hier, weil die Stadt fĂŒr Weltoffenheit stehe, sagt er. »Das erste Bild, das ich bei Frankfurt im Kopf habe, ist die StadtbrĂŒcke, die zwei LĂ€nder verbindet.« Diese BrĂŒcke sei Symbol der grenzĂŒberschreitenden Zusammenarbeit von Deutschen und Polen, Symbol fĂŒr Frieden und Humanismus. »Das ist das Gegenteil von dem, wofĂŒr die AfD steht«, erklĂ€rt Kunath. »Keine Stimme fĂŒr alte und neue Nazis« steht auf dem Transparent, das seine Linkspartei bei der Kundgebung entrollt.

Mitte vergangener Woche hatten Unbekannte die Turnhalle mit antifaschistischen Zeichen und SprĂŒchen besprĂŒht. Am Sonnabend sammelt die AfD dann auf dem Parteitag Spenden, um diesen »Antifa-Dreck« entfernen zu lassen, wie es heißt. Nur als Gast ist der Landtagsabgeordnete Andreas Kalbitz in der Halle. Weil er einst bei seinem Eintritt in die AfD verschwiegen haben soll, frĂŒher bei den Republikanern und bei der neofaschistischen Heimattreuen Deutschen Jugend mitgemacht zu haben, wurde seine Parteimitgliedschaft 2020 annulliert. Er wehrte sich juristisch – bislang vergeblich.

Bundestagsfraktionschef Alexander Gauland geht auf den Fall Kalbitz ein, als er sich am Sonnabend beim Parteitag um einen Platz auf der AfD-Landesliste fĂŒr die Bundestagswahl im September bewirbt. Er grenzt sich ab, allerdings mit geschickten Formulierungen, die ihm fĂŒr den Fall der FĂ€lle noch eine RĂŒckzugsmöglichkeit lassen. Es werde behauptet, er habe die Hand ĂŒber Kalbitz gehalten. Das sei Quatsch. »Ich wollte immer die Einheit der Partei«, erklĂ€rt Gauland, warum er sich im Bundesvorstand auf dessen Seite gestellt hat. Fehlverhalten sollte aufgeklĂ€rt werden, aber man mĂŒsse den Blick in die Zukunft richten. In der Landtagsfraktion gebe es »Verwerfungen«. Die Landtagsabgeordneten Lars HĂŒnich, Steffen Kubitzki und Dennis Hohloch, die er schĂ€tze, stĂŒnden »plötzlich auf der anderen Seite«. Da mĂŒsse man neu nachdenken.

Dass er mit 80 Jahren wieder zur Bundestagswahl antritt, begrĂŒndet Gauland damit, dass er der Fraktion zu StabilitĂ€t verhelfen wolle, die noch nicht gesichert sie. Zusammen mit Alice Weidel habe er die Bundestagsfraktion »gut gefĂŒhrt«. Anders als die Partei sei die Fraktion nicht gespalten. Gauland ist Ehrenvorsitzender in Brandenburg. Sein Wort hat Gewicht. Man dankt ihm fĂŒr seine Rede mit stehenden Ovationen. Er wird mit 192 von 290 möglichen Stimmen auf Platz eins der Landesliste gewĂ€hlt. Auf den PlĂ€tzen zwei und drei folgen die von ihm empfohlenen Bundestagsabgeordneten RenĂ© Springer und Steffen KotrĂ©. AnhĂ€nger von Kalbitz fielen durch. Doch es gibt auch Widerspruch. Umstritten ist neben der Causa Kalbitz auch das Agieren in der Coronakrise. Nur wenn die anwesenden AfD-Mitglieder ĂŒber »Asylanten«, »Klimawahnsinn« und »Gender-Gaga« schimpfen und ihre ĂŒbersteigerte Heimatliebe hinausposaunen, sind sich offenbar alle einig.




Quelle: Inforiot.de