August 3, 2021
Von InfoRiot
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Brumm, brumm.... AfD

Brumm, brumm…. AfD

Foto: dpa/Silke NauschĂŒtz

Vor der Stadthalle Cottbus parkt am Sonnabend der »Volksexpress«, ein blauer Bus der AfD, auf dessen Seite die Losung prangt: »Deutsche Leitkultur statt Multikulti!« Mit AuslĂ€ndern soll nicht geteilt werden. GeflĂŒchtete sollen verschwinden. Nun sitzt aber auf dem Stadthallenvorplatz, wo die brandenburgische AfD ihren Wahlkampfauftakt inszeniert, eine arabische Familie, die keine Ahnung hat, was die AfD fĂŒr eine Partei ist. Das Kleinkind entert die HĂŒpfburg und tollt dort eintrĂ€chtig mit einem deutschen Knirps herum. Beide kennen noch keine Vorurteile.

Aber ein angetrunkener Vater bemĂŒht sich doch, seinem Sohn beizubringen, welche Partei er spĂ€ter mal wĂ€hlen solle. Da kommt ihm das GlĂŒcksrad gerade recht, an dem alle im Bundestag vertretenen Parteien verzeichnet sind. Dreht man auf die AfD, gibt es eine Tasse und einen Kugelschreiber der Partei geschenkt. Alle anderen Parteien sind Nieten. Blöderweise erwischt der Sohn bei zwei Versuchen immer die SPD. Die Tasse und den Kugelschreiber bekommt er dann durch leichtes Nachdrehen trotzdem. Etwa 120 Menschen sind gekommen, von denen sich meist mehr als die HĂ€lfte im hinteren Volksfestbereich aufhĂ€lt, wo es Freibier und Rostbratwurst gratis gibt. Vor der BĂŒhne, wo ein Bereich fĂŒr die politische Kundgebung mit Absperrband abgeteilt ist, bleibt viel Platz – mehr als fĂŒr die 1,50 Meter Abstand erforderlich ist, die wegen der Corona-Pandemie zueinander eingehalten werden mĂŒssen. Die amtierende AfD-Landesvorsitzende Birgit Bessin brĂŒllt ins Mikrofon, damit sie auch hinten bei den Biertischen gut verstanden wird. »Gemeinsam miteinander statt gegeneinander«, das habe die Partei stark gemacht, beschwört sie.

Nun ist der Wahlkampfauftakt aber ein Spiegel der Zerstrittenheit. Es fĂ€llt auf, wer sonst oft in Cottbus auftritt, aber hier fehlt, aus welchen GrĂŒnden auch immer. Landtagsfraktionschef Christoph Berndt zum Beispiel, der mit seinem asylfeindlichen Verein »Zukunft Heimat« frĂŒher bis zu 4000 Demonstranten mobilisieren konnte, oder auch der Landtagsabgeordnete Steffen Kubitzki, der Nachfolger des aus der Partei geworfenen Landesvorsitzenden Andreas Kalbitz werden möchte. Es scheint, als stĂŒnden hier die letzten Getreuen von Kalbitz aus dem offiziell aufgelösten völkischen FlĂŒgel allein. Leider sei es kein Zufall, wer in Cottbus dabei ist und wer nicht, bestĂ€tigt einer, der mit Kalbitz gebrochen hat. Aber ganz so einfach sind die Risse in der AfD dann doch nicht zu beschreiben. Denn der Landtagsabgeordnete Daniel MĂŒnschke ist einer der Redner an der Stadthalle. Er wird nicht dem FlĂŒgel zugeordnet. Zur Rechtfertigung heißt es vor Ort auch, angesichts vieler Veranstaltungen in den nĂ€chsten Wochen mĂŒsse man das Personal dafĂŒr aufteilen.

Dass es ZerwĂŒrfnisse gibt, ist aber unbestritten. »Solange die Partei Erfolg hatte, deckte das die Risse zu«, sagt Rechtsextremismusexperte Christoph Schulze vom Potsdamer Moses-Mendelssohn-Zentrum. »Jetzt, wo es nicht mehr so gut lĂ€uft, werden die Risse sichtbar.« Zum Start des Bundestagswahlkampfs 2017 sind noch rund 500 Teilnehmer in Cottbus zusammengekommen und nicht nur 120 wie jetzt.

Peter Scholz fragt Olaf Scholz
SPD-Kanzlerkandidat steht BĂŒrgern Rede und Antwort

»Die AfD ist trotz aller internen Dinge immer noch die beste Partei fĂŒr mich«, will Daniel MĂŒnschke an der Stadthalle seinen Zuhörern Mut machen. Die anderen Parteien seien doch alle gleich – alle fĂŒr offene Grenzen, Energiewende und »vollkommen ĂŒberzogene Corona-Maßnahmen«. MĂŒnschke kandidiert in Cottbus und Spree-Neiße fĂŒr den Bundestag. Es sei »machbar«, dass er den Wahlkreis gewinne, sagt er – und hat dafĂŒr Argumente, die nicht von der Hand zu weisen sind. Schließlich gewann er selbst 2019 einen der Landtagswahlkreise in der Gegend und auch die drei anderen Wahlkreise in Cottbus und Spree-Neiße holte die AfD. Wenn MĂŒnschke im Bundestag sitzt, könnte er den Kohleausstieg auch nicht mehr rĂŒckgĂ€ngig machen. »Soviel Realist muss man sein«, bekennt er.

So ehrlich ist der Vizelandesvorsitzende Daniel Freiherr von LĂŒtzow nicht. »Die Kohle muss erhalten bleiben«, verlangt er. »DafĂŒr mĂŒssen wir weiter kĂ€mpfen.« Sollte die AfD bei der Wahl am 26. September nicht gut abschneiden, kann das in der Logik von LĂŒtzows nur an Betrug liegen. Er fordert seine ParteigĂ€nger auf, sich als Wahlhelfer zu melden und aufzupassen, »damit wir nicht beschissen werden«. In einigen Wahllokalen sei das frĂŒher geschehen. Überhaupt werde so sehr fĂŒr die Briefwahl geworben, weil man die AfD damit leichter betrĂŒgen könne, poltert von LĂŒtzow.

Von der BĂŒhne herunter wird auch behauptet, es gĂ€be ein Kartell der Journalisten, die AfD totzuschweigen. TatsĂ€chlich ist diese Partei im Moment einfach relativ uninteressant. Sie hat an Zuspruch verloren und mit der Frage, wer Kanzler wird, nichts zu tun.




Quelle: Inforiot.de