November 26, 2020
Von Anarchistische Gruppe Essen
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Letzten Sonntag haben wir uns in aller FrĂŒhe auf den Weg in den Hambi begeben. Am frĂŒhen Vormittag sind wir schließlich in Buir angekommen. Unser erster Anlaufpunkt war die Mahnwache, bei der wir den Weg nach Hazelnut erfragt und freundliche Auskunft erhalten haben. Außerdem wurde uns die Warnung mitgegeben, an der Straße vorsichtig zu sein, da wohl Antiaktivisten bewusst gefĂ€hrdend mit ihren Autos ĂŒber die Landstraßen preschen.

ZunĂ€chst haben wir uns allerdings dem Schrecken gestellt. Es ist ein beklemmendes GefĂŒhl, aus diesem wundervollen Wald zu treten und nur noch eine braun-graue WĂŒste vor sich zu sehen. In der Ferne große Schlachtschiffe, die scheinbar unaufhaltsam alles immer weiter zerstören. Wir sind ĂŒber einen Sandwall geklettert und bis zur Abbruchkante gegangen. Vor uns ein riesiges braunes Tal, durchzogen von einem schwarzen Förderband, dessen Rattern wir trotz großer Distanz hören konnten. Durch diesen Anblick lĂ€sst sich das Ausmaß der Zerstörung durch RWE vermutlich noch einmal anders begreifen. Hier wollten wir aber natĂŒrlich nicht lange bleiben. Also haben wir noch schnell ĂŒber die Kante gepinkelt und sind schließlich zu Hazelnut gelaufen.

Dort waren wir mit einem Menschen verabredet, der uns netterweise eine WaldfĂŒhrung zugesagt hatte. Bei dieser haben wir verschiedene Barrios und beeindruckende BaumhĂ€user gesehen. Die Bewohner*innen eines Baumhauses haben uns ihr Zuhause auch von innen besuchen lassen. Danke nochmal dafĂŒr :). FĂŒr einige von uns war es der erste Aufenthalt in einem Baumhaus.

Manche von uns haben auch Bekanntschaft mit Freilufttoiletten gemacht. Geruchstechnisch sind diese den meisten öffentlichen Toiletten sowie Dixiklos definitiv ĂŒberlegen. Sie folgen einem einfachen Prinzip, was erstaunlich gut funktioniert: Hinsetzen, Kacken, Abwischen, Aufstehen, Laub drauf, fertig.

So viel zu den dinglichen EindrĂŒcken. Spannend sind aber natĂŒrlich vor allem die Menschen, die temporĂ€r oder dauerhaft im Hambi leben und diesen schĂŒtzen. Es besteht eine internationale Gemeinschaft, in der die Menschen sich gegenseitig unterstĂŒtzen und ihre FĂ€higkeiten miteinander teilen und weiterentwickeln. Wir wurden ĂŒberall freundlich begrĂŒĂŸt und konnten nervige Fragen stellen, ohne den Eindruck vermittelt zu bekommen zu stören oder Ă€hnliches. Diese Offenheit ist wirklich toll.

Nach der Waldbegehung haben wir uns noch eine Weile in Hazelnut aufgehalten, entspannt und ein wenig pleniert. Hierbei hat uns ein KĂ€fer Gesellschaft geleistet:

Am Ende haben wir uns in glĂŒhender Hitze zurĂŒck zur S-Bahn-Haltestelle geschleppt. Geschafft, aber glĂŒcklich.

Fazit: Es war toll. Nur liebe Menschen, super Organisation, solidarisches Handeln – ein Beispiel fĂŒr funktionierenden Anarchismus!

Hambi bleibt!

Dieser Bericht enthÀlt an rechtlich relevanten Stellen Unwahrheiten!




Quelle: Agessen.blackblogs.org