September 3, 2021
Von FAU Bronheim
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Am Freitag, dem 13. August 2021, haben wir eine Kundgebung anlĂ€sslich der Aktion von Arbeitsunrecht vor der Niederlassung der Gorillas um in der Rider-Branche gegen die miesen Arbeitsbedingungen protestiert. Weitere Aktionen fanden in 9 anderen StĂ€dten statt.

Die folgende Rede haben wir vor Ort in der Friedrichstr. 24 gehalten:

Hi. Ich bin dein Lieferfahrer bei Gorillas.

Ich liefer dir deinen Wocheneinkauf, dein Feierabendbier, die Schokolade fĂŒr den Fressflash vor dem Fernseher, dein KaterfrĂŒhstĂŒck. In unter zehn Minuten.

Die Großstadt hat ihre VorzĂŒge. Von 8-23 Uhr bin ich unterwegs, damit du nicht zum Supermarkt laufen musst. Mein Vorarbeiter ist eine App. Bestellung fĂ€llig in 3 Minuten, sagt der kleine Countdown oben. Das wird eng. Ich guck links und rechts und fahre ĂŒber die rote Ampel.

Ich liefere in unter zehn Minuten, auch bei Gewitter und strömenden Regen.Das muss so, sagen die Chefs. Da gibt es das meiste Trinkgeld, die meisten Bestellungen.

Und die meisten schweren ArbeitsunfÀlle. Wenn es richtig regnet, gibt es mehrere pro Tag.
„Das ist der Job,“ sagen meine Kollegen. „Das ist Rider Life.“Die meisten wissen nicht, dass selbst die Leute auf dem Bau aufhören wenn’s richtig kĂŒbelt.
„Wenn du nicht nass werden willst, bist du im falschen Job,“ sagen die Chefs.Ein Autofahrer hupt mich an. Er hat mich nicht gesehen, nicht sein Fehler, nicht mein Fehler. Die Firma besteht auf schwarzer Kleidung, wegen dem Branding. Keiner hĂ€lt sich daran. Das wĂ€re tödlich. Ich bremse scharf, mein Fahrrad fĂ€ngt an zu schwimmen. FĂ€llig in 0 Minuten, sagt die App.

„Bist du bescheuert?“ brĂŒllt der Autofahrer.

„Bisschen, ja!“ Schieße ich zurĂŒck. Muss ich ja wohl sein.

FĂŒr meine Eskapade gibt es einen Euro Trinkgeld. Der CEO sagt, wir sind eine Familie. Es war vorher eher selten, mehrere Bestellungen im Rucksack zu haben. Das machten wir bei Unwetter und an extrem stressigen Tagen. Inzwischen sind zwei Bestellungen auf einmal normal, manchmal sind es drei. Die Chefs sagen, sie testen unsere Limits. Sie nennen das Performance Optimizing. Unser Gehalt hingegen ist sehr selten pĂŒnktlich oder optimal.
Die Chefs glauben, alles zu wissen.

Was sie nicht wissen, ist dass ich bei der Gewerkschaft FAU organisiert bin. Dass es unter meinen Kollegen brodelt. Dass wir jeden Tag wĂŒtender das Warehouse verlassen. Dass jeder Fehlschritt des Managements genau beobachtet wird. Und das meine Gewerkschaft nicht bloß vor dem Arbeitsgericht klagt, sondern deutlich kreativer sein kann.

Riders unite!




Quelle: Bonn.fau.org