Juli 29, 2021
Von InfoRiot
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Seit Anfang 2020 kommt es im S‑Bahnbereich der S5 zwis­chen Neuen­hagen und Straus­berg ver­stĂ€rkt zu dem Auf­tauchen rechter Stick­er und SprĂŒhereien bis hin zu einem Angriff auf andere Jugendliche. Die ver­ant­wortliche Gruppe ist gefĂ€hrlich und erfol­gre­ich dabei, Net­zw­erke ins neon­azis­tis­che Milieu in Berlin-Bran­den­burg zu knĂŒpfen – genau­so wie in die AfD. Trotz des jun­gen Alters der Akteure (von 14 Jahren bis Anfang 20) sind diese nicht als harm­lose Jugend­clique zu unterschĂ€tzen.


Divi­sion MOL – Von recht­en Stick­ern ĂŒber organ­isierte Aktio­nen hin zum III. Weg 
Der „harte Kern“ der Divi­sion MOL bestand bis zum Herb­st 2020 aus San­jay Sklarek, Mal­wig Stel­ter (Jahrgang 2004), Franz
Richard Schrandt, Thore (Nach­name unbekan­nt) und Lyon/Leon (Nach­name unbekan­nt). Es ist davon auszuge­hen, dass noch mehr Per­so­n­en unter der Beze­ich­nung agieren und es ein dynamis­ches Unter­stĂŒtzerum­feld gibt. Erste Aktio­nen im Raum Peter­sha­gen trat­en bere­its im Jan­u­ar 2020 auf. Kurz nach­dem sich die Ober­schule, die am Peter­sha­gen­er Bahn­hof gele­gen ist, der Ini­tia­tive „Schule ohne Ras­sis­mus – Schule mit Courage“ anschloss, wur­den im Umfeld der Schule rechte Sprayereien ent­deckt (siehe Chronik rechter Vor­fĂ€lle in MĂ€rkisch Oder­land). Die Schmier­ereien ĂŒber Runen, Hak­enkreuze und SchriftzĂŒge wie „FCK ANTIFA“ hĂ€uften sich. Bis min­destens Novem­ber hat­te die Gruppe einen eige­nen Insta­gram-Account, dieser ist mit­tler­weile inak­tiv. Der Account hat­te mehr als 170 Abonnent*innen, darunter viele AfD- und NPD- Accounts oder neon­azis­tis­che Kad­er. Dort postete die Divi­sion nicht nur eigene Stick­er-Aktio­nen, son­dern auch Fotos mit ein­er Fahne der Jun­gen Nation­al­is­ten bei der großen Quer­denken-Demo am 7.11.2020 in Leipzig. Bei der Demon­stra­tion mit mehreren zehn­tausend Teil­nehmenden kam es zu gewalt­tĂ€ti­gen Auss­chre­itun­gen durch Schwurbler*innen und Neon­azis. Am 31.01.21, im Nach­gang ein­er Gedenkkundge­bung fĂŒr den von Ras­sis­ten tot­geprĂŒgel­ten Phan Văn ToáșŁn in Fred­er­s­dorf, zer­störte die Divi­sion MOL Blu­men, Schilder und ein Trans­par­ent. Mit dem umge­dreht­en Trans­par­ent posierten sie in Hooli­gan-Manier fĂŒr ein Foto, welch­es spĂ€ter auf dem Twit­ter-Account der JN Berlin-Bran­den­burg veröf­fentlicht wurde. Die Divi­sion MOL beteiligte sich mit den Jun­gen Nation­al­is­ten Berlin-Bran­den­burg an der bun­desweit­en geschicht­sre­vi­sion­is­tis­chen Aktion “Gedenk Dres­den” im Feb­ru­ar 2021. Auch hier erfol­gten immer wieder Veröf­fentlichun­gen auf den Social-Media Accounts der JN-Berlin-Bran­den­burg. Nicht nur in Bran­den­burg, auch in Berlin fĂ€llt die jugendliche Naz­i­clique auf. So waren sie in Begleitung des Marzah­n­er Nazi-Hools AndrĂ© Schlouns am 20.03.2021 beim Auf­marsch von Neon­azis und Hooli­gans auf dem Platz des 18. MĂ€rz vertreten (https://www.flickr.com/photos/recherche-netzwerk-berlin/51058296388/in/album-72157718731325468). Gemein­sam mit Schlouns waren sie am 03.04.2021 auch bei der ver­schwörungside­ol­o­gis­chen Kundge­bung „Frei­heit ist nicht ver­han­del­bar“. (https://www.flickr.com/photos/recherche-netzwerk-berlin/51093858217/in/album-72157718845985513/, https://www.flickr.com/photos/recherche-netzwerk-berlin/51093842119/in/album-72157718845985513/, https://www.flickr.com/photos/recherche-netzwerk-berlin/51093764156/in/album-72157718845985513/, https://www.flickr.com/photos/recherche-netzwerk-berlin/51094571950/in/album-72157718845985513/)

 

Thore (Mitte) und Franz Schrandt beim Auf­marsch am 20.03.21

Mal­wig Stel­ter (links), (Name unbekan­nt) und Franz Schrandt (rechts) beim Auf­marsch am 03.04.2021

Franz Schrandt (links) und Thore (rechts) am 03.04.2021

Die Divi­sion MOL, v.l. Thore, Franz Schrandt, Name unbekan­nt, Mal­wig Stel­ter, André Schlouns, am 03.04.2021

André Schlouns am 03.04.2021

Gle­ichzeit­ig ist Schlouns mit­tler­weile aktiv­er Teil der Free­dom Parade Berlin um Michael BrĂŒn­del und nimmt an deren AufzĂŒÂ­gen teil, sowie er auch aktiv im Telegram-Kanal der Gruppe kom­mu­niziert. Es ver­wun­dert daher nicht, dass sich die jun­gen Nazis dann auch am 24.04.2021 auf ein­er Parade aus diesem Umfeld wieder­fan­den, zu deren Insze­nierung es gehört, den antifaschis­tis­chen Gegen­protest als Nazis zu beschimpfen, wĂ€hrend man selb­st mit Nazis demon­stri­ert (siehe https://www.flickr.com/photos/paulhanewacker/51157153550/in/album-72157719086473843/ und https://twitter.com/FriedensWatch/status/1386024690553077760).

Mal­wig Stel­ter (links) und (Name unbekan­nt) beim Auf­marsch am 24.04.2021

AndrĂ© Schlouns kommt aus dem hoch gewalt­tĂ€ti­gen Umfeld von Enri­co SchottstĂ€dt, dem GrĂŒn­der der Berlin­er Gruppe „BĂŒnd­nis Deutsch­er Hools“ (BDH) und war von 2015 bis 2018 regelmĂ€ĂŸig Teil der AufmĂ€rsche von BĂ€rgi­da und “Wir fĂŒr Deutsch­land (WfD)”.

WĂ€hrend Franz Schrandt, der mit­tler­weile von MĂŒnchehofe nach Trep­tow-Köpenick gezo­gen ist, weit­er­hin die NĂ€he zur JN hĂ€lt (er war beispiel­sweise Teil von deren Spon­tandemon­stra­tion am 1. Mai 2021 auf dem Alexan­der­platz), suchen die anderen die NĂ€he zur neon­azis­tis­chen Kle­in­st­partei III. Weg. Neben Plakati­er- und Fly­er­ak­tio­nen in und um Straus­berg, engagieren sich unter anderem Thore und Mal­wig Stel­ter auch bei Infos­tĂ€n­den, zum Beispiel im April in Berlin-Marzahn vor der East­gate-Cen­ter sowie am 12. 06.2021 vor dem Lin­den Cen­ter am Pre­row­er Platz (https://twitter.com/antifanordost/status/1403644952937209858). Damit befind­en sie sich in direk­tem Kon­takt mit der Span­dauer Neon­azistin Lilith Efler sowie mit Sebas­t­ian Thom, Ver­ant­wortlich­er fĂŒr die Bran­dan­schlĂ€ge im Neukölln-Kom­plex. Bei den Eltern­hĂ€usern nichts Ungewöhn­lich­es, haben wir es doch sowohl bei Thore als auch bei Mal­wig Stel­ter mit jun­gen Nazis der zweit­en Gen­er­a­tion zu tun. Stel­ter geht auf die Ober­schule in Neuen­hagen in TrĂ€ger­schaft des Inter­na­tionalen Bun­des (IB). Sein Vater Andrew Ron Stel­ter war bere­its in den Neun­ziger Jahren in der „Nation­al­is­tis­chen Front“ und der NPD aktiv und ist bre­it inner­halb der bun­desweit­en Naziszene ver­net­zt. Er ist seit Jahren regelmĂ€ĂŸig Teil von neon­azis­tis­chen AufmĂ€rschen und wurde 2020 immer wieder auch bei den Coro­n­aprotesten gese­hen. Am 03.10.2020 war der Vater Stel­ter auch beim Auf­marsch des III. Weg in Berlin-Hohen­schön­hausen dabei. Auch bei Thore ist davon auszuge­hen, dass seine Fam­i­lie neon­azis­tisch geprĂ€gt ist. Sich­er ist, dass Thore im Raum Peter­sha­gen aus seinem Auto her­aus Dro­gen wie Speed und Gras an andere Jugendliche vertickt und das gle­iche Auto auch von der Divi­sion MOL fĂŒr rechte Aktio­nen genutzt wird. Sowohl die JN als auch der III. Weg ĂŒben sich in aktiv­er Jugen­dar­beit. Mit gemein­samen Wan­derun­gen, Sport­pro­gramm und poli­tis­chen Aktio­nen bieten sie eine rechte Lebenswelt, die Jugendliche enger an sie binden soll. Bei der Divi­sion MOL offen­sichtlich mit Erfolg.

„Junge Alter­na­tive Bran­den­burg“ als ver­meintlich­er „Ausstieg“
Der Son­der­fall in der Gruppe ist San­jay Sklarek, der behauptet, aus der Divi­son MOL aus­gestiegen zu sein. Sklarek geht in die 11. Klasse der Fachober­schule fĂŒr Sozial­we­sen des Ober­stufen­zen­trums in Straus­berg und strebt so eine TĂ€tigkeit im sozialen Bere­ich an. Er ist Vor­sitzen­der des Kinder- und Jugen­dauss­chuss Hoppe­garten
und pen­delt zwis­chen Fred­er­s­dorf und Straus­berg. Sklarek war SchĂŒler an der Gesamtschule mit gym­nasialer Ober­stufe Peter­sha­gen der FAW gGmbH. Dort wurde er auf­grund der Nöti­gung von MitschĂŒlern von der Schule gewor­fen. Sein „Ausstieg“ aus der Divi­sion MOL bedeutet hier gle­ichzeit­ig eine steigende Aktiv­itĂ€t bei der AfD und bei der Jun­gen Alter­na­tive Bran­den­burg. Mit dem AfD-Poli­tik­er Rain­er Thiel zusam­men besuchte er am 11.09.2020 einen den Vor­trag von Björn Höcke im Restau­rant “Mit­telpunkt der Erde” zum The­ma “125 Jahre Ernst JĂŒnger”. (Foto: https://www.flickr.com/photos/recherche-netzwerk-berlin/50333213547/)

Sanjay Sklarek

San­jay Sklarek (Mitte) mit Rain­er Thiel und Lars GĂŒnther

San­jay Sklarek am 11.09.21 mit Höcke im “Mit­telpunkt der Erde” in Hönow

Rain­er Thiel, Frak­tionsvor­sitzen­der der AfD in Straus­berg, fĂ€llt immer wieder unan­genehm auf. Mehrfach belĂ€stigte er bei Face­book junge Frauen* mit sex­u­al­isierten Post­ings (https://inforiot.de/strausberger-afd-stadtverordnete-ruft-zum-aufstand-auf/). Beim “Mit­telpunkt der Erde” ließ sich Sklarek Arm in Arm mit Björn Höcke umgeben von der JA Bran­den­burg ablicht­en (Quelle: JA Bran­de­burg Face­book Pro­fil). Der Emp­fang mit offe­nen Armen zeigt sich auch bei der Teil­nahme von Sklarek beim Lan­desparteitag der AfD Bran­den­burg im Kongress-Cen­ter Frankfurt/Oder am 20.03.21., wo er im ein­heitlichen Masken-Look der Jun­gen Alter­na­tive auf­trat, wie in einem rbb-Beitrag zu sehen ist.

San­jay Sklarek beim Lan­desparteitag der AfD am 20.03.2021 in Frankfurt/Oder.


Über­grif­fig und bei der Jugen­dor­gan­i­sa­tion der faschis­tis­chen AfD aktiv – das kann unmöglich als „Ausstieg“ beze­ich­net wer­den.
Es ist vielmehr ein Wech­sel von ein­er offen neon­azis­tis­chen Grup­pierung in die extrem rechte AfD, die sich dank poli­tis­chen Ämtern in Land­ta­gen und Bun­destag ver­sucht kon­ser­v­a­tiv zu tar­nen, aber genau dem gle­ichen braunen Sumpf entstammt, wie die NPD oder der III. Weg. Dass solch eine Per­son im sozialen Bere­ich arbeit­en möchte, wider­spricht der men­schen­recht­sori­en­tierten Ethik der Sozialen Arbeit.

Nazis ernst nehmen – Betrof­fene schĂŒtzen 
Die Divi­sion MOL ist kein los­er Zusam­men­schluss rechter Jugendlich­er. Vielmehr entstam­men sie auch dank frĂŒher Erziehung in entsprechen­den Fam­i­lien­zusam­men­hĂ€nge, ein­er gefes­tigten neon­azis­tis­chen Szene und haben mit den Kon­tak­ten zu JN, III. Weg und Nazi-Hooli­gans die besten Voraus­set­zun­gen, die nĂ€ch­ste Gen­er­a­tion gewalt­tĂ€tiger Neon­azis zu stellen. Dies bedeutet eine direk­te Bedro­hung fĂŒr alle, die nicht in ihr neon­azis­tis­ches Welt­bild passen, ob in Bran­den­burg, Berlin oder ander­swo. Und auch Sklareks Dop­pel­spiel zwis­chen Jugend­par­la­ment und der Jun­gen Alter­na­tive ist nicht weniger bedrohlich, wird doch hier mit Mit­teln der par­la­men­tarischen Demokratie ver­sucht, demokratis­che Grund­sĂ€tze wie die Gle­ich­w­er­tigkeit aller Men­schen in Frage zu stellen.

Lasst sie uns stop­pen, bevor es zu spĂ€t ist. 

Mis­cht euch ein und meldet Infos zur Neon­azi-Grup­pierung Divi­sion MOL und ihren Akteuren an eure lokale Antifa: recherche-division-mol@riseup.net

Kein Platz fĂŒr Faschis­mus, kein Raum der Divi­sion MOL!






Quelle: Inforiot.de