April 8, 2021
Von Soligruppe FĂŒr Gefangene
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Alfredo Maria Bonanno: Klassenkrieg

Quelle dieses Textes: pantagruel-provocazione.blogspot.com sowie die Textsammlung „Movimento e Progetto Rivoluzionario“, Alfredo Maria Bonanno; Prima edizione, giugno 1977, stampato per conto delle Edizioni della Rivista «Anarchismo», Casella Postale 61 – 95100 con tipi della Edigraf di Catania, via Alfonsetti 90 – Tel. 22.63.31

Die beiden Texte sind teilweise unterschiedlich und wurden in der vorliegenden Ausgabe gegenseitig ergÀnzt.

Originaltitel ist Guerra di classe, dieser Text wurde erstmals in der Publikation Anarchismo Nr. 4-5, 1975 veröffentlicht. SpĂ€ter in der Textsammlung „Movimento e Progetto Rivoluzionario“ erweitert.

Einleitung der Soligruppe fĂŒr Gefangene,

es ist eine Weile her seitdem wir an der Übersetzung von diesem Text gearbeitet hatten. Durch einen Zufall haben wir erfahren wie dieser auf einer anderen Seite veröffentlicht wurde und uns ist aufgefallen dass die Übersetzung einige Fehler hatte und keine Informationen zu dem Kontext, sei es durch Fußnoten oder durch eine Einleitung, gab.

Nun, ohne die Intention und die Arbeit von anderen schmĂ€lern zu wollen, veröffentlichen wir nun diese Version, wo wir wie in fast allen unseren Übersetzungen, dem Text einige ErgĂ€nzungen beifĂŒgen.

Dieser ist auch nur einer von einer Reihe von Texten die wir von Alfredo Maria Bonanno veröffentlichen wollen.

Bei dieser Veröffentlichung gab es aber ein gewisses Wirrwarr, weil wie wir im Verlauf der Übersetzung und Korrektur sehen konnten, waren alle uns zur VerfĂŒgung stehenden Versionen (die 1975, die 1977 und die Übersetzung ins Englische) etwas unterschiedlich und wir haben sie zusammgefĂŒgt.

Diese Schrift von A.M.Bonanno gilt als eine seiner frĂŒheren Schriften, die wie in der Quellenangabe, in einer der frĂŒheren Ausgaben der Publikation Anarchismo veröffentlicht wurden. Mit frĂŒheren Schriften meinen wir eben auch die Zeit vor den 1990er. Alfredo spiegelt mit der Thematik und seiner Darlegung des Klassenkrieges eine Situation wieder, die gerade in Italien stattfand. Wir reden von jener Zeit der proletarischen und jugendlichen Revolten, die ganz Italien in Aufruhr versetzten. Alfredo beschreibt sehr gut den Einsatz des Staates mittels des Gewaltmonopols um dieser Revolte, ja quasi BĂŒrgerkrieg, Einhalt zu gebieten.

Was wir an diesen Text sehr gut finden, ist wieder diese Genauigkeit die VerhÀltnisse zu verstehen und analysieren um daraus auch einen Kampf gegen diesen entwickeln zu können.

Als wir diesen Text ĂŒbersetzten waren uns viele Parallelismen zur heutigen Zeit aufgefallen, wichtige Merkmale, die fernab von diesem historischen Text immer von Bedeutung sind, die anscheinend vielen Anarchisten und Anarchistinnen nicht mehr einfallen, oder vergessen haben.

Es geht um die Rechnung, die die ausgebeuteten Menschen immer bezahlen, die der Staat als Blutzoll fordert um seine historische Aufgabe vollziehen zu können. NĂ€mlich den Kapitalismus zu verwalten und diesen zu verewigen. Diese Rechnung heißt auch Tod und die Tinte mit der dieser geschrieben wird, um das Kapital im Umlauf zu lassen, ist das Blut der Ausgebeuteten und heißt Gewaltmonopol.

Der Staat wird niemals mit der Wimper zucken und tausende mittels Waffen und Repression ĂŒber die Klippe springen lassen, wenn seine Existenz als Verwalter des Kapitalismus in Gefahr steht. Das bemerkenswerteste ist, dass dies ja auch in jener Zeit stattfindet, die wir als den sozialen Frieden kennen. Das ist die Zeit in der tausende ĂŒber die Klippe springen mĂŒssen, aber auf stille und geordnete Art und Weise.

Nun wir als Anarchisten und Anarchistinnen sehen nach wie vor die absolute Notwendigkeit den Staat, das Kapital und sÀmtliche Formen der Herrschaft und Ausbeutung des Menschen durch den Menschen ein Ende zu setzen. Entweder wir zerstören die kapitalistische NormalitÀt die wir als Alltag kennen, oder diese wird die komplette Menschheit und die Welt niederwalzen.

Diesen Text ĂŒbersetzten wir auch um fĂŒr kommende Diskussionen eine weitere historische Grundlage zu haben auf die wir uns beziehen werden können.

Und nicht zuletzt, vielen Dank an dicke Lippe, der sich die Zeit nahm um die Texte zu vergleichen, korrigieren und ohne ihn wÀre dies nicht möglich gewesen, vor allem nicht in dieser vollstÀndigeren Version.

Soligruppe fĂŒr Gefangene


Alfredo Maria Bonanno: Klassenkrieg

In Italien ist ein BĂŒrgerkrieg im Gange. Wie in jedem anderen Teil der Welt hat der tödliche Zusammenstoß genau definierte Merkmale in Bezug auf die Bedingungen der Ausbeutung, die von der herrschenden Klasse auferlegt werden. Deshalb sprechen wir vom Klassen-(bĂŒrger)-Krieg.

Die staatliche Gewalt und defensive Klassengewalt stehen sich in einem Spannungsfeld gegenĂŒber, das nur die politisch Kurzsichtigen nicht sehen wollen. Der Terrorismus der verschiedenen Organisationen im Dienste der Bosse ist ein stĂ€ndig wahrnehmbares Element, so wie auf der anderen Seite eine Organisation der Verteidigung gegen die staatlichen Mörder entsteht, Organisationen, die es in ihren Grenzen und Perspektiven zu untersuchen und zu bewerten gilt. Auch der andere Diskurs, der so genannte legalitĂ€re1, der Diskurs, der im Parlament seinen eigenen phonetischen Ausdruck findet, kann genau dann bewertet werden, wenn er in die Logik eines laufenden Konfliktes eingefĂŒgt wird.

Die Gewalt der Bosse und ihrer Diener

In einer ErklĂ€rung gegenĂŒber der Tageszeitung „Il Giorno“ vom 19. April 1968 erklĂ€rte der Generaldirektor des INAIL2, dass das PhĂ€nomen der ArbeitsunfĂ€lle (weißer Tod3) die Dimension eines Krieges angenommen habe: „jede Stunde ein Toter, alle 6 Sekunden ein Verwundeter“. Es sind die Arbeiter, die an der Front der Ausbeutung fallen, wĂ€hrend die „MĂ€nner der Linken“ ihre parlamentarischen Possen fortsetzen. Unmögliches Arbeitstempo, Akkord-Arbeit, Zunahme der Nervenanspannung, Monotonie, die Unmöglichkeit, Reflexe an die Maschine anzupassen. Die gefĂ€hrlichste Zeit fĂŒr das Leben des Arbeiters sind die letzten Arbeitsstunden des Tages. Es ist ein wahres Schlachthaus. Amputationen von HĂ€nden und unteren Gliedmaßen, der Verlust von Augen, Verbrennungen, VerkrĂŒppelungen, die zu Rheuma, Bronchitis, Taubheit, Verdauungsstörungen, NervenzusammenbrĂŒchen und Herzinfarkt fĂŒhren. 80 Prozent der Schweißer in den Schiffswerften sind taub. Ein sehr hoher Prozentsatz der Arbeiter im Bergbau und in SteinbrĂŒchen leiden an der Lungenkrankheit Silikose. Diejenigen, die am Fließband bei Fiat arbeiteten, stellten nach einigen Jahren fest, dass ihre sexuelle LeistungsfĂ€higkeit erheblich reduziert wurde. 50 Prozent der Arbeiter im Textilsektor leiden an Dermatitis und Atemwegserkrankungen.

Hinzu kommen die tödlichen UnfĂ€lle, die als „normale“ UnfĂ€lle angesehen werden, die aber mit der Logik der Produktion zusammenhĂ€ngen. Im Jahr 1960 sprach die Statistik von einem stĂŒndlichen Todesfall, heute kennen wir die genauen Zahlen nicht mehr, aber sie sind sicherlich nicht zurĂŒckgegangen. Es genĂŒgt, die Zeitungen zu lesen, um zu erkennen, wie viele Arbeiter jeden Tag aufgrund der Arbeitsbedingungen sterben, getötet am Ort der Ausbeutung durch die Bosse und ihre Diener. Man muss jedoch erkennen, dass die Arbeit des Industriellen nicht immer die des Metzgers ist. Der Chef Ă€rgert sich sehr ĂŒber ArbeitsunfĂ€lle, weil ihn das sowohl auf psychologischer Ebene (viel weniger) als auch auf wirtschaftlicher Ebene (viel mehr) stört. Aber die Logik der Ausbeutung hat ihre notwendigen Schritte, aus denen sie sich nicht selbst herausziehen kann. Ihre Geduld geht jedoch zu Ende, wenn der Ausgebeutete trotz aller FĂŒrsorge, die man ihm entgegenbringt, und trotz aller VorbeschĂ€ftigungen, die man hat, darauf besteht, sich der Ausbeutung nicht gefĂŒgig zu unterwerfen. Dann ist es eine ganz andere Sache. Zu der unvermeidlichen Logik des kapitalistischen Prozesses kommt der mörderischer Wille und die Entschlossenheit hinzu. Der Chef wendet sich an den Staat, um sein hochheiliges Recht zu erhalten, zu töten, zu zerstĂŒckeln, das menschliche Material, das er gekauft hat und das ihm daher zur VerfĂŒgung steht, zu schĂŒtzen.

In diesem Fall greift die Polizei ein. Schauen wir uns die FĂ€lle an, in denen die Polizei in Italien absichtlich in die Menge geschossen und Arbeiter getötet hat, die ihr eigenes Recht auf Leben forderten. Die Antwort wurde in Kugeln gegeben, die zwischen 1946 und 1970 133 Todesopfer unter Arbeitern, Arbeitslosen, Angestellten, Erntearbeitern und Studenten gefordert haben. Betrachtet man die Listen der Arbeiter, die bei Demonstrationen von der Polizei getötet wurden, so findet man nur 1969 den Tod einer Lehrerin (Teresa Ricciardi), also sind alle anderen sehr arme Menschen, „der Pöbel“ der seit Jahrhunderten immer ungestraft beschossen worden ist. In einem Artikel in „L’Unità“4 wurde 1950 geschrieben: „La Celere (schnelle Eingreiftruppen) organisieren prĂ€ventiv“, und fĂŒhren Listen in dem die polizeilichen Anklagen wegen Demonstrationen und Schießereien im Einzelnen aufgefĂŒhrt sind; andere „prĂ€ventive“ Versionen im Zusammenhang mit Waffen im Besitz von Arbeitern werden fĂŒr die Regierung und die „unabhĂ€ngige“ Presse ausgearbeitet, um den Einsatz von Waffen durch die Polizei zu rechtfertigen. In Catania wurde auf der Piazza Stesicora wĂ€hrend einer Demonstration gegen die Regierung Tambroni der kommunistische Bauarbeiter Salvatore Novembre im Alter von 19 Jahren getötet, nachdem er wiederholt mit Schlagstöcken geschlagen worden war, und als er hinfiel und das Bewusstsein verlor, hat ein Polizist absichtlich wiederholt auf ihn geschossen. Ein, zwei, drei SchĂŒsse, bis er niedergemetzelt und nicht wiederzuerkennen war. Dann verlor sich der Polizist in der Menge und setzte seine Aktion fort. Salvatore, der noch nicht tot war, wurde in die Mitte des Platzes geschleift, um den BĂŒrgern von Catania als Beispiel zu dienen. AngerĂŒckte Carabinieri setzten Maschinengewehre ein, um zu verhindern, dass sich jemand dem armen Jugendlichen nĂ€herte, der an Blutverlust verstarb. In Reggio Emilia schossen die Carabinieri und die Polizei am 7. Juli desselben Monats vierzig Minuten lang ununterbrochen in die Menge und töteten fĂŒnf Menschen. Piergiuseppe Murgia berichtet ĂŒber das Ereignis: „
inmitten des blendenden Rauchs konnte man die SchĂŒsse hören. Die Polizei schießt. Sie schießen in die Menge. Die Menschen bleiben schockiert fĂŒr einen Moment stehen. Sie können es nicht glauben. Sie schießen aus allen Ecken des Platzes. Sie schießen aus nĂ€chster NĂ€he. Auf Menschen. Sie schießen ohne Pause. Der erste, der fĂ€llt, ist Lauro Ferioli, 22 Jahre alt, Vater eines kleinen Jungen. Bei den ersten SchĂŒssen warf er sich unglĂ€ubig auf die Polizei zu, als wolle er sie aufhalten: Die Agenten sind hundert Meter von ihm entfernt: Sie schießen ihm voll in die Brust, sie schießen ihm ins Gesicht. Ein Junge, der dies miterlebte, sagte: „Er machte ein oder zwei Schritte, mehr nicht, und dann kamen sofort die Maschinengewehrsalven. Ich befand mich direkt an seiner Seite und sah, wie er sich umdrehte, stĂŒrzte und Blut aus seinem Mund floss. Er fiel auf mich, mit all dem Blut (
).“. WĂ€hrenddessen erschien der Arbeiter Marino Serri, der vor Wut weinte, an der Straßenecke, um schreiend zu protestieren: „Mörder, Mörder“. Eine weitere Salve traf ihn, und auch er ist gefallen (
) Ovidio Franchi, ein junger Arbeiter im Alter von 19 Jahren, starb kurz danach. Eine Kugel hatte ihn in den Unterleib getroffen. Verletzt versuchte er, sich aufzurichten, indem er sich an einem Fensterladen festhielt. Ein anderer, leicht verletzter Junge wollte ihm helfen, dann tauchte einer in Uniform auf und schoss auf beide. Emilio Beverberi, 30 Jahre, Arbeiter, ehemaliger Partisan: durch Maschinengewehrfeuer in zwei Teile gespalten. Der Arbeiter Afro Tondelli, 35 Jahre, wird von einem Polizisten kaltblĂŒtig ermordet, der auf die Knie geht, um genau anzuvisieren und unfehlbar auf ein regungsloses Ziel schießt“.

Danach wird im Auftrag der politischen FĂŒhrer und durch Beschluss der Ausbeuter, die Mordtaktik der Polizei im Sinne einer subtileren Verfeinerung modifiziert. Es ist in der Tat kein Zufall, dass es selbst in den akutesten Spannungsmomenten keine Massaker mehr auf den Straßen gegeben hat. Von den Dutzenden und Aberdutzenden von Toten in den Jahren 1946 – 1950 ging es weiter zu den elf Toten von 1960 (Spitzenjahr der ArbeiterkĂ€mpfe), bis hin zu 1972 mit einigen wenigen Toten pro Jahr. Im Gegenzug wurde die Strategie der Spannung5 entwickelt, die darauf abzielte, die Linke einzubeziehen und mit der erwiesenen Komplizenschaft bestimmter institutioneller Einrichtungen einen Staatsstreich durchzufĂŒhren. Seit dem Tod von Paolo Rossi im April 1966 bis zum Tod der vier kommunistischen GefĂ€hrten6 im April 1975 wurde eine andere Tötungstechnik eingefĂŒhrt. Die AttentĂ€ter im Dienste der Bosse haben bei verschiedenen Bombenangriffen auf Banken und ZĂŒge7 arme, wehrlose Menschen getroffen, mit dem Ziel, die große Masse in jene Ordnung zu drĂ€ngen, in der sich die Faschisten und Bosse auf institutioneller Ebene zu BeschĂŒtzern gemacht hatten. Wenn auf der einen Seite die Reaktion der Menschen ĂŒber die Wahlen8 derart war, dass alle diese Versuche und all diese Massaker zwecklos gemacht wurden, so kann nicht geleugnet werden, dass diese neue Art der Tötung von Menschen es zumindest von 1969 bis 1973 schaffte, den Regierungstroß ĂŒber Wasser zu halten. Aber sie hatte noch eine andere Wirkung. Es besteht ein Abgrund zwischen der damaligen Reaktion der kommunistischen Partei, zum Beispiel bezĂŒglich des Angriffs auf Togliatti9, und ihrer Reaktion anlĂ€sslich der Tötung der vier GefĂ€hrten im April vor zwei Jahren. In der jĂŒngsten Version solcher Reaktionen tauchte Berlinguer10 in einem Anzug auf, um Moro11 zu besuchen und seine Klagen zu ĂŒberbringen, und zu dieser Farce kam noch ein mehrstĂŒndiger Streik hier und da und eine sehr charakteristische formelle Debatte im Parlament hinzu. Worauf es ankommt, ist das Wahlergebnis, sobald dieses sicher ist, wen kĂŒmmert es, ob GefĂ€hrten sterben, die durch die Gewalt der Bosse und ihrer Diener getötet werden. Solange nichts die Idylle der Macht stört, wird jedes Menschenopfer an diesen blutrĂŒnstigen Gott gebilligt und gepriesen.

Es ist bewiesen, dass bei dieser Strategie der Spannung die Faschisten von den Bossen in Zusammenarbeit mit zumindest drei „Staatsorganen“ benutzt wurden: der Armee, der Justiz, der Regierung. Die Armee hat ihre Sonderkommandos eingesetzt. Wie die Geheimdienste und die Polizei (in diesem Sinne schließen wir fĂ€lschlicherweise die gesamte Polizei ein und nicht nur die Carabinieri und die Armee), um das Netz der verschiedenen Komplotte zu erweitern, um auf der Ebene der Razzien, der EinschĂŒchterung und der Hinrichtung einer Reihe von Elementen der Linken, insbesondere der Anarchisten, zuzuschlagen; um auf der Ebene der Geheimdienste Kontakte mit anderen Staaten zu unterhalten. Die Justiz hat ihre vertrauenswĂŒrdigsten Richter eingesetzt, um die heikelsten Verfahren „an sich zu ziehen“, die Ermittlungen gegen die Faschisten bezĂŒglich der MailĂ€nder BombenanschlĂ€ge zu vereiteln, den Superintendenten Juliano abzusetzen, der versucht hatte, die Faschisten anzuzeigen, die Telefonanmeldungen von [dem Faschisten] Freda aufzuheben, die nicht explodierte Bombe in der MailĂ€nder Handelsbank in die Luft zu sprengen, um so den Haltegriff eines Schildes12 loszuwerden, der von der Explosion ĂŒbriggeblieben war, und so weiter. Die Regierung hat die nötige Genehmigung erteilt (im Fall des Kommisars Julian erklĂ€rte Fais selbst, er habe Befehle vom Innenministerium erhalten) und organisierte die komplexe Operation um Gleichgewicht zwischen den gegensĂ€tzlichen Extremismen herzustellen, indem sie alles in den Topf der Gewalt und einer langen Reihe von Morden jedes mögliche Mittel und jeden möglichen Behelf warf, um weiterhin eine Macht zu verwalten, die nach allen Seiten auszulaufen drohte. Wie wir weiter unten sehen werden, ist die Komplizenschaft der Regierung nicht nur auf politischer Ebene, sondern erreicht eine grĂ¶ĂŸere Effizienz auf wirtschaftlicher Ebene und trĂ€gt zum systematischen Diebstahl auf Kosten aller Ausgebeuteten bei.

Die Anschuldigungen gegen die Arbeiter nahmen plötzlich zu, als sich die KĂ€mpfe um die Hausbesetzungen in Celio in Rom und MacMahon in Mailand entwickelten, und wieder einmal sah man die bereits erwĂ€hnten AttentĂ€ter mit ihrer ĂŒblichen Ungeniertheit zum Angriff auf Frauen und Kinder ĂŒbergehen.

Ein weiteres „demokratisches“ Merkmal der Schweine in jeder Uniform ist die Anwendung von Folter gegen verhaftete Proletarier. Lelio Basso (den man sicher nicht des Extremismus bezichtigen kann) hielt dazu fest: „
wenn jemand aus den privilegierten sozialen Schichten (A.d.Ü., Klassen) wegen eines gewöhnlichen Verbrechens verhaftet wird, und ich verwende das Wort in einem sehr weiten Sinne, kann er sicher sein, von Zwangsmaßnahmen verschont zu bleiben, auch wenn er darauf beharrte, alles zu leugnen. Stell Dir vor, ein Diplomat G. oder eine GrĂ€fin B. oder ein Herr L. oder ein Industrieller X. oder ein Beamter Y. wĂŒrden einer solchen Behandlung unterzogen!“ In der Tat, Folter ist an der Tagesordnung. In den Kasernen, den GefĂ€ngnissen, den Strafanstalten, den WaisenhĂ€usern. Die tugendhaften Bourgeois tun so, als wĂŒssten sie nichts von der institutionellen Bedeutung der Folter. Sie sind entsetzt ĂŒber die Untaten der alten Inquisition und behaupten, sie wĂŒssten nicht, dass diese verdienstvolle Institution nie aufgehört hat zu arbeiten. Sie sind entsetzt angesichts der Krematoriumsöfen der Nazis und tun so, als wĂŒssten sie nicht, dass es die Gefangenenlager der Endlösung immer gegeben hat, auch in unserem Land, und dass sie besonders effizient sind. Aber lasst uns fĂŒr einen Moment von Folter sprechen.

In einem alten Text von 1777 (V. Malerba „Ragionamento sopra la tortura“ [Überlegungen zur Folter – A.d.Ü.]) lesen wir auf Seite 36: „Die Folter wird nicht zur Bestrafung eines Verbrechens durchgefĂŒhrt, dessen Urheber nicht bekannt ist, sondern um aus dem Mund des Angeklagten die Wahrheit herauszubekommen, die wegen der SchwĂ€che der Vernunft und der UnfĂ€higkeit, der List und Falschheit der Zeugen oft im Dunkel der Ungewissheit verborgen liegt.“

Und weiter auf den Seiten 108-109: „Aber man gesteht den Gegnern zu, dass ein gefolterter Unschuldiger dem Schmerz nachgibt und sich fĂŒr schuldig erklĂ€rt, und zwar in dem verhandelten Fall, in dem die Folter vom Richter angeordnet wurde mit allen Bedingungen, die das erfordert. Worin liegt dabei das Gute? Der Seltenheit dieses Beispiels stelle ich den öffentlichen Nutzen entgegen, der sich aus dem Foltergesetz ergibt. Ich möchte vielmehr sagen, dass die Unannehmlichkeit, einen Unschuldigen zu unterwerfen, der in der Folter ein Verbrechen gesteht, nicht der Ungerechtigkeit und Barbarei der Folter zugeschrieben werden sollte, sondern einer schuldhaften SchwĂ€che und dem Mangel an tugendhafter StĂ€rke. Geduld ist eine Pflicht, eine unabdingbare Pflicht. Der Unschuldige, der zu Qualen verurteilt ist, muss mit Resignation annehmen und mit Toleranz alle Leiden ertragen, wie ein Knecht, der seine Schulter unter der Peitsche beugt, die ihn schlĂ€gt, indem er aus seiner Pein ein Mittel zum Erwerb des Guten macht.“

Diese Auffassungen sind auch heute noch jene, welche die Arbeitsweise unserer republikanischen und antifaschistischen Polizei bestimmen, und welche das andernfalls unerklĂ€rbare stillschweigende EinverstĂ€ndnis unserer republikanischen und antifaschistischen Justiz erlĂ€utern. Sie erklĂ€ren uns die Gesundheits-, und GefĂ€ngnispolitik (welche klar auf die Auslöschung der rebellischsten Teile des Proletariats ausgerichtet ist), unserer republikanischen und antifaschistischen Regierung. Die Ideologie der Folter, die wir gemeinsam haben mit Institutionen auf globaler Ebene, wie dem CIA und Korrespondenten auf der ganzen Welt, ist der Kernpunkt jener Strategie des Terrorismus, welche der Staat gegenĂŒber den Ausgebeuteten mit der Illusion umsetzt, dass die Angst die sich im Gange befindlichen revolutionĂ€ren Bewegungen auf der ganzen Welt bremsen könnte. Nach dem Fall von Egidi, in dem ein Unschuldiger unter Folter dazu gezwungen wird, „zuzugeben“ ein MĂ€dchen umgebracht zu haben, wird ein ministerieller Ausschuss eingesetzt, der fĂŒr den Zeitraum 1945 – 1952, 315 FĂ€lle von Anwendung inquisitioneller Methoden aufdeckt. Aber diese Zahlen sind von der RealitĂ€t weit entfernt. Der Fall der folternden Carabinieri von Bergamo (27 Personen wurden auf einen Schlag gefoltert), unter Kommando des Majors Siani, der daraufhin wegen seiner Leistungen als Folterknecht zum Oberst befördert wurde, ist wirklich kennzeichnend fĂŒr die RealitĂ€t. Die Bredouille ist, dass unter den Gefolterten neben dem Proletariat (Angestellte, Landwirte, „ehrenvolle FachkrĂ€fte“, und ein paar Arbeiter) Vertreter der Medien und KleinbĂŒrger waren. Es kam zum Skandal der aber nichtsdestotrotz erstickt wurde, wĂ€hrend die Carabinieri freigesprochen wurden. In den GefĂ€ngnissen, den psychiatrischen Anstalten fĂŒr Kriminelle, den WaisenhĂ€usern besteht die Folter als EinschĂŒchterungssystem weiterhin. Anfangend mit den durch die SpezialistenhĂ€nde der Pfaffen und Kirchenschwestern gefolterten Kindern. Die genaue Zahl kann nicht erörtert werden, ein Skandal wie jener der „frommen Pagliuca“ wird uns nicht von großer Hilfe sein. Misshandelt, vergewaltigt, ausgehungert, in der UnmĂŒndigkeit und im Aberglauben gelassen, erfahren diese Kinder von Proletariern ein tiefgreifendes Auswahlverfahren, eine regelrechte Endlösung, allen lĂ€stig (fĂŒr die Eltern, wenn diese auffindbar sind) und fĂŒr den Staat, finden sich diese in Lagern wieder, wo diese unter den barmherzigen Augen der Madonna mit dem Kind am Arm und den zustimmenden Kruzifixen massakriert werden. Auf die Überlebenden warten die JugendgefĂ€ngnisse wo sie die angemessene Behandlung fĂŒr die verĂ€nderten physischen Möglichkeiten des Widerstandes erhalten. Die Folter ist das Leitmotiv ihres gesamten Lebens. Den alten Rechtsgelehrten, den wir zitierten, sagt uns dass die Geduld die wahre Tugend des Unschuldigen wĂ€re und dass dieser sich wie ein Knecht verhalten muss, der seinen Körper unter der Macht der Peitsche zu beugen hat, um seinen Platz im Paradies zu erhalten. Und der Folterknecht, der mit Gewandtheit und Beharrlichkeit in der Umgebung seiner Instrumente arbeitet, erwartet sich, dass der Gefolterte rebelliert. In den WaisenhĂ€usern, den GefĂ€ngnissen, den Irrenanstalten fĂŒr geisteskranke StraftĂ€ter, in den Wachzimmern, der zahlreichen Polizeidirektionen, durch die HĂ€nde, derer, die Pinelli13 ermordeten, die Serantini massakrierten, fließt weiterhin das Blut von vielen anderen Proletariern, anonymen MĂ€rtyrern. Abschließend gesagt sind die Irrenanstalten fĂŒr geisteskranke StraftĂ€ter der raffinierteste Ausdruck der Endlösung. Hier, in der totalen Abwesenheit jedweder auch nur geringsten Schimmers der Heilung, werden die Rebellen solcherart Praktiken unterworfen, dass ihr Wille, nicht nur zu reagieren, sondern auch zu leben, in nur kurzer Zeit völlig zerstört wird. Zum Beispiel Anonietta Bernardini, die im Bett zur Zwangsfixierung der Irrenanstalt von Pozzuoli lebendig verbrannt wurde, ist ein klarer Fall.

Was wir gesagt haben, ist nicht mehr als eine dĂŒrftige Behauptung ĂŒber die Gewalt der Bosse und ihrer Diener. Wir können andere Aspekte in dem finden, was ich indirekte Gewalt nenne. Die DiebstĂ€hle der Politiker, die staatlich organisierte Mafia, die wirtschaftliche Spekulation, die auf Kosten des Proletariats ausgeĂŒbt wird, stellen eine versteckte, aber ebenso wirksame und gefĂ€hrliche Gewalt dar wie die unverhĂŒllte, die den Einzelnen trifft.

Die indirekte Gewalt der Bosse und ihrer Diener

Die „Mafia“ ist kein sizilianisches PhĂ€nomen. Sie ist eine Sichtweise auf die Dinge, eine Art, Beziehungen aufzubauen und Probleme zu lösen, aus einer Perspektive, die man „feudal“ nennen könnte. Die Mafia-Organisation schlechthin ist heute die große staatliche Managergesellschaft. UnterstĂŒtzt wird diese Mafia von einer anderen Art der Mafia, jener der Politik. Die Angelegenheiten der Antimafia14 sind wirklich zutiefst humorvoll. Gioia15, ein berĂŒchtigter Mafioso, ist ein Minister unserer Regierung. Bei der Auseinandersetzung zwischen dem PolizeiprĂ€sidenten Mangano und dem Mafioso Coppola ist man sich nicht sicher, ob man letzterem in Sachen Ehrlichkeit fast den Vorzug geben soll. In der Vergangenheit des PolizeiprĂ€sidenten stoßen wir auf sehr obskure Geschichten. Verbindungen zwischen dem Drogenhandel und der alten Mafia wurden festgestellt, ebenso wie Verbindungen zwischen letzterer und bestimmten politischen Kreisen, woraus sich ein spezifisches Interesse am Drogenhandel vieler unserer MĂ€nner der Macht ableiten ließe. Aber wir stehen erst am Anfang. Der Sindona-Skandal16 hat uns gezeigt, wie bestimmte politische Kreise arbeiten, wie bestimmte Banken, wie bestimmte staatliche Industriegesellschaften und wie bestimmte internationale Holdings arbeiten. Fangen wir mit einer „sauberen“ Arbeit an. Nach den USA, der Sowjetunion, Großbritannien, Frankreich, Kanada, China und Westdeutschland ist Italien der achtgrĂ¶ĂŸte Exporteur von Waffen. (Bericht des Stockholm International Peace Research Institute). Da die ersten vier LĂ€nder fast 90% des Weltmarktes an sich reißen, muss der Rest unter den verbleibenden Produzenten aufgeteilt werden, also ein tödlicher Kampf. Die Lösung ist, an die „schwierigen“ LĂ€nder zu verkaufen, so ist Italien Waffenlieferant fĂŒr SĂŒdafrika17 (Flugzeuge und Marine-FeuerleitgerĂ€te), Brasilien (Flugzeuge), Argentinien18 (Flugzeuge) das ehemalige Portugal19 (Flugzeuge und Schusswaffen), Israel (Hubschrauber und Panzerabwehrraketen), „Kongo-Kinshasa“ (Flugzeuge) das alte Griechenland20 (Hubschrauber), Spanien21 (Hubschrauber), und so weiter. Wie man sieht, leisten wir (A.d.Ü., Italien) einen erheblichen Beitrag zum Massaker an den Menschen, die unter kolonialistischer und faschistischer UnterdrĂŒckung stehen. Der Verlust des portugiesischen und griechischen Marktes wird ein großer Schlag sein.

Einige unserer Industriellen sind wohlbekannte Sponsoren des nationalen und internationalen Faschismus. Abgesehen von den 18.500.000 Lire, die Monti an Rauti gegeben hat, wofĂŒr es Beweise gibt, gibt es einen kontinuierlichen Strom von Finanzierungen, der solche PhĂ€nomene wie der „Windrose“22 (finanziert von Piaggio) hervorgebracht hat.

Der Zuckerskandal erlĂ€utert, wie die Gesellschaften (angefĂŒhrt von Piaggio und Monti, dieselben, die die Faschisten finanzierten) mehrere Milliarden Lire an Christdemokraten und Sozialisten zahlten. Aber von 1975 bis heute ist alles so weitergelaufen wie bisher. Wenige Monate nach dem Zuckerskandal war die Montedison an der Reihe, der Preisblockade zu entkommen, indem sie Erhöhungen bis zu 50% durchsetzte. Es ist wahrlich das Reich der Diebe. Das Finanzmanagement von großen Organisationen wie ENEL-Energia23 oder EGAM24 ist ein Mysterium, das untersucht werden könnte. Das Defizit fĂŒr das Jahr 1973 betrug 268 Milliarden, das von 1975, 750, das von 1976 sollte sich auf etwa 1600 Milliarden belaufen, das von 1978 wird mit 16800 Milliarden prognostiziert. Dies ist einer der offensichtlichsten FĂ€lle, aber es gibt auch weniger auffĂ€llige, wie die der ESPI25 oder wie die Geisterbanken, die entstehen und dann mit allen Ersparnissen der Einleger verschwinden.

Aber was kann man schon erwarten in einer politischen RealitÀt, die einen notorischen ZuhÀlter wie Bernabei vom Fernsehen auf den Stuhl der Italstat26 befördert, anstatt ihn zumindest ins Leere fallen zu lassen?

Aber all diese Machenschaften haben eine klare Bedeutung. Sie zeigen nicht so sehr eine Krankheit der heutig zugegenen italienischen Institutionen auf, eine Krankheit die man auf die eine oder andere Weise heilen könnte, als vielmehr einen chronischen Defekt der bourgeoisen demokratischen Institutionen. Falsche demokratische Institutionen, die nur das Ziel haben, das Proletariat mit Gewalt auszubeuten, und dieses ĂŒber jedwede Überzeugungsform zum Konsens zu reduzieren.

Die Gewalt der Bosse und ihrer Diener erzeugt eine Steigerung der Ausbeutung, die unglaubliche AnhĂ€ufung von Reichtum auf der einen Seite der Barrikade und die Bildung von Blasen mit entsetzlicher Armut auf der anderen Seite. Sie erzeugt auch die Notwendigkeit, diesen Reichtum vor den Angriffen der Ausgebeuteten zu schĂŒtzen, welche der physischen Gewalt gegen die Klasse der Produzenten einen neuen Schub gibt. Physische und ökonomische Gewalt können nicht getrennt werden, sondern laufen Hand in Hand, die eine beeinflusst die andere und vervollstĂ€ndigt den Rahmen der reaktionĂ€ren Front des Klassenkrieges.

Die Proletarische Verteidigung

Die Arbeiter organisieren die Klassenverteidigung. Die Gewerkschaften sollten die wesentliche Struktur dieser Verteidigung bilden, koordiniert auf reprĂ€sentativer Ebene mit den politischen Parteien der Arbeiter. Im Wesentlichen hat diese Form der Verteidigung sehr große Grenzen. Selbst wenn man die dezidiert reaktionĂ€ren Gruppen der Gewerkschaften ausklammert, gibt es auch in den ZentralverbĂ€nden der Gewerkschaften Elemente der Zusammenarbeit, die fortschrittlicher zu sein scheinen. Die Verteidigung des Arbeitsplatzes, die in den reformistischen Forderungen nach Verbesserungen enthalten ist, fĂŒhrt in Krisenmomenten dazu, nicht nur den Arbeiter, sondern auch die Organisation der Ausbeutung zu schĂŒtzen. Die politischen Parteien, die in die Regierung gekommen sind, haben ihre proletarische HĂŒlle gĂ€nzlich abgelegt, schweben im Kontrollraum und versuchen, sich besser zu positionieren, um ein StĂŒck vom Kuchen zu bekommen. Als letzte verzichtete die Kommunistische Partei auf alle Merkmale der alten revolutionĂ€ren Partei, sogar auf die weniger kompromittierenden, rein theoretischen.

Aber die Ausbeutung wird direkt auf dem RĂŒcken der Arbeiter bezahlt und nicht auf dem ihrer privilegierten Gewerkschaftsvertreter und Politiker, so dass es oft vorkommt, dass letztere von Initiativen der Ausgebeuteten ĂŒberholt werden und gezwungen sind, sich zu mĂŒhseligen Rettungsaktionen aufzuraffen. Im Wesentlichen basiert die proletarische Verteidigung nur theoretisch auch aus einem legalistischen Bereich (Gewerkschaften und linke Parteien), der eine Beziehung zur Macht unterhĂ€lt, die als Kollaboration definiert werden kann. Es ist hier nicht der Ort, das Problem des wahren konterrevolutionĂ€ren Wesens dieses legalistischen Bereichs zu untersuchen, aber er ist ein Hindernis, wenn auch nur auf offizieller Ebene fĂŒr die Macht. DarĂŒber hinaus beginnt sich die proletarische Verteidigung um autonome Gruppen zu organisieren, die die Logik der GewerkschaftsverbĂ€nde und politischen Parteien ablehnen.

In Turin, Mailand, Rom, Marghera, Pordenone, Florenz, Neapel usw. hat sich in den letzten Jahren eine Alternative innerhalb derselben Arbeiterbewegung entwickelt, die aktive Minderheiten und Avantgarden unterschiedlicher Art umfasst. Avantgardistische Strukturen mit marxistisch-leninistischem Charakter sowie aktive Minderheiten mit libertĂ€rem Charakter. In dieser Perspektive sollten die Aktionen der revolutionĂ€ren Gruppen betrachtet werden, die in die KlandestinitĂ€t gingen, um die Bosse und ihre Diener mit der Waffe in der Hand zu bekĂ€mpfen. Es macht keinen Sinn zu sagen, dass diese „Manifestationen der Gewalt“ gegen die Interessen der Arbeiterbewegung sind, unrealistisch und abenteuerlich und objektiv provokativ. Der bewaffnete Kampf in kapitalistischen Gesellschaften wie Italien, Deutschland, Britannien, Frankreich, ist möglich und wurde von Gruppen wie den Roten Brigaden, der NAP27, der RAF, der Angry Brigade28, der GARI29 demonstriert. Es geht nicht um abenteuerliche Positionen, sondern um Positionen, die logisch aus den gleichen KĂ€mpfen der Ausgebeuteten folgen.

Lasst uns diesen schwierigen Punkt untersuchen: Die Arbeiterbewegung schafft KĂ€mpfe unter dem Druck eines stĂ€ndig wachsenden Klassenbewusstseins, oft entziehen sich diese KĂ€mpfe der Kontrolle der FĂŒhrungskrĂ€fte, sowohl aus lokalen als auch aus zufĂ€lligen GrĂŒnden, als auch weil die Arbeiter ihr Vertrauen in die Gewerkschaftskader und politischen Parteien verlieren. Diese Erfahrungen des autonomen Kampfes, wild, zerstörerisch, erfassen das Wesen der kapitalistischen Ausbeutung: Mord und Raub; werden zum Erbe der politisch bewussten Minderheit, die sie, jeder in seiner eigenen politischen Perspektive, weiter zu entwickeln sucht. Und hier liegt der kritische Moment. Denn tatsĂ€chlich zeigt der Machthalter im Kampf zwischen den Klassen die möglichen Grenzen des Konflikts an, die sogenannten Grenzen der LegalitĂ€t, bei deren Überschreitung der Repressionsmechanismus einsetzt. Auf diese Weise versucht die aktive Minderheit, mit dem Wahrnehmen des Erfahrungsschatzes der autonomen KĂ€mpfe der Ausgebeuteten voranzugehen, ein Bezugspunkt, ein Hinweis zu sein, ist dabei aber gezwungen, ihre eigene Position gegen die Repressionsmechanismen des Staates zu radikalisieren. Dies wird bis an die Ă€ußersten Grenzen getrieben, bis zur bewaffneten Verteidigung gegen das Maschinengewehr der Polizei, bis zum Angriff, um zu ĂŒberleben, bis zum Tod. Wir haben gesehen welches der Fehler am Ausgangspunkt dieser Position war, d.h. die Beziehung selbst zwischen der Minderheit und der Masse, aber hier sind wir interessiert daran den Mechanismus selbst zu unterstreichen, der von der Macht in Bewegung gesetzt wird, welche die Minderheit kriminalisiert, indem sie diese im Ghetto der militĂ€rischen Partei einschließt. Um aus dieser Falle zu entkommen bleibt als einzige Alternative die, bezĂŒglich der Basis, offene Organisation, welche aus einer großen Menge von kleinsten Gruppen von GefĂ€hrten besteht, die, ohne sich von der RealitĂ€t des Territoriums abzukapseln (der politischen und ökonomischen RealitĂ€t), maßgenauen bewaffneten Angriffsaktionen gegen die Institutionen und Personen, welche diese RealitĂ€t reprĂ€sentieren, Leben einhauchen. Diese Organisation, ist, indem sie eine libertĂ€re Strategie anwendet, fĂŒr die Macht viel schwieriger angreifbar. Indem sie den militĂ€rischen Professionalismus des Guerrigliero (A.d.Ü., GuerillakĂ€mpfer) vermeidet, erschafft sie die Figur des militanten Arbeiters, der – auch mit Waffen in der Hand – den Staat angreift, ohne den Kontakt mit der eigenen BasisrealitĂ€t zu verlieren.

Zu sagen, dass die Erfahrungen des bewaffneten Kampfes in Italien und Europa heute Erfahrungen sind, die von der Rechten orchestriert werden, faschistische Provokationen und kriminelle Erfahrungen, ist verbrecherisch und nur der Clowns und der Ausverkauften der Kommunistischen Partei30 wĂŒrdig, nicht nur, weil es das Opfer, das so viele GefĂ€hrten gebracht haben, beleidigt, die ihr Leben fĂŒr ihr kommunistisches Ideal hingeben, sondern, und ich wĂŒrde in erster Linie sagen, vor allem, weil sie den Erfahrungen der Basis des Proletariats im Kampf jeden weiteren revolutionĂ€ren Ausgang versagen.

In Anbetracht dessen, der nĂ€heren Erfahrung mit den Roten Brigaden mĂŒssen wir zunĂ€chst sagen, dass wir mit der allgemeinen politischen Linie (marxistisch-leninistisch), die sie vertreten, nicht ĂŒbereinstimmen können, obwohl wir zugeben mĂŒssen, dass es sich um die konsequenteste marxistische revolutionĂ€re Gruppe handelt, die heute in Italien agiert. Abgesehen davon mĂŒssen wir die GĂŒltigkeit ihrer Aktionen anerkennen, ein Urteil, dem nicht widersprochen werden kann, wenn man es in die richtige revolutionĂ€re Perspektive stellt. Die terroristische Gewalt der Bosse und ihrer Diener ist stĂ€ndig in Aktion, jeden Tag werden Arbeiter am Arbeitsplatz systematisch umgebracht, jeden Tag in den GefĂ€ngnissen, in den Anstalten fĂŒr Kriminelle, in den Befotrofios (A.d.Ü. Kinderheimen), Proletarier und Kinder von Proletariern erleben jene Gewalt, die wohlgenĂ€hrte Reformisten nur vom Hörensagen kennen. Gegen dieses System, das Folter und Terror zu den beiden wesentlichen Grundlagen der Produktion macht, kann man nicht auf der Stufe des friedlichen Protestes verharren, kann man nicht weiterhin die Besuche des Herrn Berlinguer im Anzug mitmachen, um gegen die Mörder zu protestieren, die aus der parlamentarischen ImmunitĂ€t heraus das Massaker an den Arbeitern genehmigen und dazu aufrufen. Obwohl viele GefĂ€hrten den außerparlamentarischen Bewegungen angehören und nicht wenige Anarchisten, die mit dem Problem des bewaffneten Kampfes konfrontiert sind, haben sie sich gegen diesen ausgesprochen. Als wir 1972 in einer einzigen Ausgabe von der unumgĂ€nglichen Notwendigkeit des bewaffneten Kampfes sprachen, die studiert und erwogen werden muss, um eine unabdingbare letzte Auseinandersetzung mit den faschistischen und klerikalen KrĂ€ften (demnach zĂŒgellos) zu fĂŒhren, erhielten wir eine Flut von Kritik und Anschuldigungen, die sogar so weit gingen, uns zu beschuldigen, Provokateure zu sein. Aber die Wahrheit ist, dass es selbst innerhalb der außerparlamentarischen KrĂ€fte und der anarchistischen Bewegung eine vorherrschende pazifistische, abwartende Strömung gibt, die sich weiterhin der Illusion hingibt, auf diese Weise einen Raum der politischen Betriebsamkeit zu retten, den die Macht jederzeit aufheben kann.

Es geht uns hier nicht darum, die Arbeit der Roten Brigaden zu verteidigen, so wie wir auch nicht daran interessiert sind, den Nutzen oder die NegativitÀt des bewaffneten Kampfes in Italien absolut zu theoretisieren. Wir wollen nur die Aufmerksamkeit auf die Tatsache lenken, dass es in unserer gegenwÀrtigen Situation, angesichts von Folter, Misshandlung, Ausbeutung, Mord, etwas gibt, das sich bewegt, einen Willen, sich zu organisieren und zu kÀmpfen.

Eine andere Gruppe, die viel problematischer ist als die Roten Brigaden, bildet die NAP. Über diese Organisation ist nicht viel bekannt, abgesehen von ein paar verteilten FlugblĂ€ttern, von denen eines unter den Dokumenten am Ende dieser Schriften veröffentlicht ist. Das spezifische Aktionsfeld sind die GefĂ€ngnisse. Warum eigentlich?

Zu diesem Thema wĂ€re eine Rhetorik des Anlasses einfach. Die RealitĂ€t ist viel schockierender. Folter, physische und moralische Vernichtung, Tötungen, der Einsatz von Bettfesseln, plötzliche Verlegungen, Drohungen, Isolation. Das GefĂ€ngnis kann ein Ort der Ruhe sein, fast ein Ort zur Erholung fĂŒr die Mafiafreunde der Politiker oder fĂŒr kollaborierende Spitzel; fĂŒr Rebellen und Vertreter der aktiven Minderheit des Proletariats und der revolutionĂ€ren Linken wird es zur Hölle. In dieser RealitĂ€t hat die revolutionĂ€re Propaganda immer gedeiht. Heute findet sie noch leichteren Boden, sowohl wegen der großen Zahl von GefĂ€hrten, die in den letzten Jahren ins GefĂ€ngnis gekommen sind, als auch wegen der Reformen, die vom Parlament beschlossen wurden, die vollkommen undurchfĂŒhrbar sind, wie die letzten, die zu den Ereignissen von Rebibbia31 fĂŒhrten. Die NAP hat versucht, in der rebellischen Perspektive der GefĂ€ngnisse zu arbeiten, und eine Reihe ihrer Mitglieder ist im Verlauf von Schießereien mit der Polizei gefallen oder unter mysteriösen UmstĂ€nden ums Leben gekommen. Aber jenseits der Roten Brigaden und der NAP, die zwei unĂŒbersehbare Beispiele dafĂŒr sind, wie sich die KrĂ€fte einiger marxistisch-leninistischer oder neu-marxistischer Avantgarden organisieren, gibt es auf dem Gebiet des bewaffneten Kampfes eine Unzahl von kleinen Störaktionen auf eigene Faust, von KĂ€mpfen gegen die Bosse und ihre Diener, die unter dem Zeichen der Autonomie bemerkenswerte und nennenswerte direkte Aktionen umfassen. In dieser Perspektive ist der Diskurs noch völlig offen.

In den jĂŒngsten bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen marginalisierten Proletariern, Studenten und Arbeitslosen und der Polizei, sind viele von klĂ€render Natur. Wir sind endlich bei der treffsicheren Antwort des physischen Zusammenstoßes angekommen. Man geht nicht mehr auf die wehrlose Demonstration, um völlig ĂŒberrascht sich mit den Kugeln der Polizei wiederzufinden. Man geht auf die Demonstrationen um anzugreifen. Die Initiative geht zum ersten Mal auf die Ausgebeuteten ĂŒber. Das sind neue Zeichen der Zeit.

Die Taktiken

1969 schrieb Baader: „Wir bekrĂ€ftigen, dass die Organisation des bewaffneten Widerstandes heute 
gerecht, möglich, gerechtfertigt ist
 wir sagen nicht, dass der illegale bewaffnete Widerstand als Ersatz fĂŒr die proletarische legale Organisation durchgeht und dass individuelle Aktionen den Klassenkampf ersetzen können; wir sagen nicht, dass der bewaffnete Kampf als Ersatz fĂŒr die politische Arbeit in den Fabriken und Stadtvierteln durchgeht. Wir bekrĂ€ftigen, dass der bewaffnete Kampf die unverzichtbare Voraussetzung fĂŒr die Entwicklung und den Erfolg aller anderen ist.“

Die Essenz der Position der deutschen RevolutionĂ€re, ist also die der bewaffneten Verteidigung der proletarischen KĂ€mpfe. Im Gegensatz dazu wollte die Kritik, welche von den reformistischen Organisationen hervorgebracht wurde, nur einen Vorwand sehen eine einzige Taktik durchzusetzen: den bewaffneten Kampf. Stattdessen ist der Hinweis, der uns von den Organisationen, die im Untergrund arbeiten, erreicht hat, dass neben den KĂ€mpfen der Ausgebeuteten, die sogar von den Gewerkschaften und Parteien manipuliert werden, neben der TĂ€tigkeit zur AufklĂ€rung ĂŒber das substanziell konterrevolutionĂ€re Vorgehen, welche diese Körperschaften eingeschlagen haben, neben der Aufgabe der AufklĂ€rung ĂŒber die immer neuen Formen der Repression, Verteidigungsorganisationen des Proletariats entwickelt werden sollten, Organisationen, die in der Lage sind, die zukĂŒnftige Arbeit festzumachen und als Kontrolle in Bezug auf die reaktionĂ€ren Versuche der Machtergreifung mit Hilfe der Faschisten zu dienen.

Gewiss, indem sich der bewaffnete Konflikt auf Massenebene entwickelt, wie in den letzten ZusammenstĂ¶ĂŸen zwischen Demonstranten und Polizei in den Straßen klar sichtbar wurde, setzen sich verschiedenste, mitunter verworrene KrĂ€fte aufs Spiel, unter welche sich die Provokationen und die zersetzenden TĂ€tigkeiten der Faschisten, der Geheimdienste und anderer Staatsinstitutionen mischen können. All diese Dynamiken mĂŒssen berĂŒcksichtigt werden, aber dĂŒrfen die Aufgabe der Anarchisten nicht bremsen, welche es ist in diesen KĂ€mpfen prĂ€sent zu sein um in Richtung grĂ¶ĂŸerer, bedeutenderer, konkreterer Ziele der revolutionĂ€ren und befreienden Absichten des Anarchismus zu treiben. Niemals, in keinstem Fall dĂŒrfen die Anarchisten ausschließlich die Kleidung des Sittenrichters [censore] und des Kritikers ĂŒberziehen und sich aus den KĂ€mpfen heraushalten. Sie mĂŒssen mittendrin sein, mĂŒssen, mit ihrem Beitrag, alles in Richtung eines Projektes treiben, welches die Entwicklung aufstĂ€ndischer UmstĂ€nde unter revolutionĂ€ren Tatsachen möglich macht, wĂ€hrend sie die Engstirnigkeiten der Avantgarde und der Partei versagen.

Was aus der Taktik der Stadtguerillagruppen in Italien heute hervorgeht, ist eine pluralistische Botschaft. Sie leugnen nicht die Notwendigkeit – im gegenwĂ€rtigen Zustand der kapitalistischen Entwicklung – der ArbeiterkĂ€mpfe, aber gleichzeitig verurteilen sie jeden Versuch, die Verteidigungsmittel des Proletariats abzuschneiden, als Mord. Im Falle einer physischen Konfrontation mit der Reaktion und mit den Faschisten wĂŒrden Tausende von GefĂ€hrten unnötigerweise der gegenwĂ€rtigen vorsĂ€tzlichen Stumpfheit der FĂŒhrer und MitlĂ€ufer der Kommunistischen Partei geopfert werden.

Wie wir in demselben Artikel gesehen haben, werden die Behauptungen einer möglichen militĂ€rischen und faschistischen Lösung, mit der schĂŒtzenden Intervention der CIA, viel stĂ€rker, je grĂ¶ĂŸer die Wahlbedrohung der PCI32 wird und ihre Zusicherung, ihre ZĂ€hne nicht zu zeigen, immer unglaubwĂŒrdiger wird. Die Bosse, selbst wenn sie auch Vertrauen in die Ausverkauften33 wie Berlinguer und Partner haben können, können sich nicht vormachen, dass die Basis so formbar ist, da sich nicht alle den Anzug angezogen haben34. Aus dem Spiel des Gleichgewichts der GegensĂ€tze (ebenso gĂŒltig wie das Schema der gegensĂ€tzlichen Extremen) könnten viel effizientere Lösungsversuche im Sinne des Putsches hervorgehen. In diesem Fall wĂŒrden ein paar Dutzend Helden nichts lösen und Tausende von GefĂ€hrten wĂŒrden am Ende massakriert werden. Die Taktik der Guerilla-Armee in Italien deutet heute auf die Gefahren einer fĂŒr unser Land geeigneten „chilenischen“ Situation hin. Aber nehmen wir einmal den umgekehrten Fall an: das Ende jeder Putschbestrebung; Beseitigung (d.h. Streichung der Finanzierung) der Faschisten, kommunistische Verwaltung. Die Ausgebeuteten fallen in einen anderen Abgrund, aus dem es keinen Ausweg mehr gibt.

Ideologischer Deckmantel, der einen erschaudern lĂ€sst. Rote Fahnen und patriotische Lieder in voller LautstĂ€rke. Aber noch raffiniertere und grausamere Ausbeutung und Völkermord am Arbeitsplatz, weil (anscheinend von denselben ArbeiterkrĂ€ften verwaltet). In dieser Perspektive wĂ€re der revolutionĂ€re Diskurs ebenso gĂŒltig: nicht mehr gegen die faschistische Diktatur, sondern gegen eine andere, nicht weniger schreckliche Diktatur, wenn auch von anderer Farbe. Der Versuch, die Massen – nicht nur physisch, sondern auch psychologisch – zu entwaffnen, kann fĂŒr die potentiellen Urheber eines MilitĂ€rputsches funktional sein, kommt aber in Wirklichkeit der Kommunistischen Partei gelegen (und wird bis zum bitteren Ende verteidigt), die die Verwaltung der Macht mit all der Ruhe ĂŒbernehmen will, die dieses Vorgehen erfordert, ohne jemanden zu stören, um die Kader der Ausbeuterklasse der Zukunft zu bilden.

Der neue bewaffnete Widerstand muss sich also einen möglichen zukĂŒnftigen Kampf gegen den Putschversuch der Rechten vorstellen, ebenso wie eine kommunistische Diktatur, die von der BĂŒrokratie der Partei und der Gewerkschaften umgesetzt wird. Heute jedoch ist er gezwungen, mit dem gegenwĂ€rtigen Faschismus zu kĂ€mpfen, der durch einen schwer definierbaren Zustand reprĂ€sentiert wird, und mit der Dunkelheit, die alle betrifft, die Rechten, die Linken, die Mitte und sogar die „extreme“ Linke. Und genau dieser gegenwĂ€rtige Kampf, Kampf auf Leben und Tod, um zu ĂŒberleben, zwingt die Guerilla-Armee in Italien dazu, taktische und strategische Probleme zu lösen, die nicht einfach sind, aber ein Erbe von großem Interesse fĂŒr all jene sind, die sich, wie wir Anarchisten, einen doppelt möglichen zukĂŒnftigen Kampf geben.

Wie wir gesehen haben, fĂŒhrt die Radikalisierung des proletarischen Kampfes dazu, dass einige aktive Minderheiten Handlungsebenen erreichen, die von der Macht als „geĂ€chtet“ angesehen werden. Von diesem Moment an geht man „in den Untergrund“. Die Bedingungen des Überlebens sind dann sehr prĂ€zise. Zuerst muss man das Geld auftreiben, das fĂŒr das eigentliche Leben der Militanten und die DurchfĂŒhrung einiger Aktionen notwendig ist: Dieses Geld wird im Allgemeinen durch die revolutionĂ€ren Enteignungen eingenommen, die die Minderheit der Ausbeuterklasse entnimmt, in Voraussicht auf die Enteignung und das endgĂŒltige Ziel, das die soziale Revolution sein wird. Das sind Aktionen, die von RevolutionĂ€ren jeder Epoche durchgefĂŒhrt wurden (von Garibaldi bis Stalin, um ein nicht allzu relevantes Beispiel zu nennen), die sich heute, wie in der Vergangenheit, der wĂŒtenden Kritik der Reformisten ausgesetzt sehen, die Angst haben, dass die Masse ihr offenes Programm mit dem der allgemeinen StraßenrĂ€uber verwechseln könnte. Der Rest der Aktionen, die EntfĂŒhrung von Personen, die fĂŒr die proletarische Ausbeutung verantwortlich sind, Spione, Faschisten; Sabotageakte gegen das Staatseigentum, gegen die politischen Zentren, die BĂŒros der reaktionĂ€ren politischen Parteien usw. Und unzĂ€hlige andere Entdeckungen von Zeit zu Zeit revolutionĂ€rer proletarischer Phantasie, bilden das Gebiet dessen, was man „bewaffnete Propaganda“ nennt. NatĂŒrlich kann man von Zeit zu Zeit viele Kritiken ĂŒber die politische OpportunitĂ€t dieser oder jener Aktion, die Zeitlinse, den Grund fĂŒr eine Wahl usw. anbringen, und wir sagen hier nicht, dass wir mit der Taktik, zuerst zu schießen, absolut einverstanden sind, weil wir auf diese Weise am Ende immer Recht haben, im Gegenteil, wir wollen nur sagen, dass dieser Erfahrungsschatz nicht ĂŒber Bord geworfen, sondern studiert, analysiert und kritisiert werden sollte.

Die Kritiken

Die Kritiken, die an den Erfahrungen des bewaffneten Kampfes heute in Europa und in Italien geĂŒbt werden, sind im Grunde genommen alle gleichermaßen von schroffer Ablehnung geprĂ€gt. Das Problem wird nicht einmal in Betracht gezogen. Die GefĂ€hrten, die den bewaffneten Kampf als ein mögliches Instrument der Opposition gegen den Staatsterrorismus akzeptieren, werden als Provokateure, Agenten der Reaktion, Faschisten betrachtet. Eine solche Kritik deutet nur auf eines hin: auf die Angst, die linke Parteien, die außerparlamentarischen Speichelleckerbewegungen und auch manche Anarchisten haben, ihre politische „Beweglichkeit“ zu verlieren. Die PCI spricht von Provokateuren und Banditen. Die Extremisten sind deutlicher. Die Avanguardia Operaia35 sagt: „In Bezug auf die Wiederbelebung des sogenannten roten Terrorismus durch fanatische Propaganda, wiederholen wir unsere scharfe Verurteilung derjenigen, die sich aus der Arbeiterbewegung heraushalten. Das Pdup-Manifesto36 ist differenzierter: „Es ist nicht möglich, eine glaubwĂŒrdige Matrix fĂŒr solche Episoden auf der Linken zu finden, es gibt keinen einzigen Fall von Terrorisierung des Anschlags als Waffe des politischen Kampfes; die einzig mögliche ErklĂ€rung liegt in einer Haltung der totalen Verzweiflung und existenziellen Rebellion, die als solche weder rechts noch links ist.“ Und Lotta Continua37, „
 politische Konzeption der Verzweiflung, die einige militante Gruppen dazu treibt, die Bindung und das Vertrauen in die Klassenorganisationen der Arbeiter zu verlieren, sich in einem privaten und selbstmörderischen Krieg zu engagieren und sich Instrumente wie Bomben anzueignen, die das proletarische und antifaschistische Bewusstsein auf das SchĂ€rfste ablehnt.“

Das Kommunique der Federazioni anarchice (A.d.Ü., der verschiedenen anarchistischen Föderationen) – FAI, GAF, GIA38 zum bewaffneten Kampf ist von derselben Art: „Angesichts des von Printmedien, sowie herrschenden und staatstragenden InformationskanĂ€len, die DeckmĂ€ntelchen der Polizeirundschreiben, erneut verĂŒbten Versuchs, den Geschehnissen jĂŒngster Zeit, deren Protagonisten von der NAP (Nuclei Armati Proletari) stammen, sowie der NAP selbst eine anarchistische Matrize zu verpassen, bleibt den drei organisierten Komponenten der anarchistischen Bewegung – FAI, GIA, GAF folgendes zu verlautbaren: Die organisierte, anarchistische Bewegung a) bestĂ€tigt auf ein Neues an den Gruppen die heute in Italien den bewaffneten Kampf theoretisieren sowie praktizieren und sich selbst als bewaffnete Avantgarde des Proletariats bezeichnen, nicht beteiligt zu sein, b) bekrĂ€ftigt ihre revolutionĂ€ren Methoden, die darauf abzielen, die sozialen WidersprĂŒche zu stimulieren und gleichzeitig den selbstverwalteten Kampf und die direkte Aktion der ausgebeuteten Massen zu fördern, eine wesentliche Bedingung fĂŒr die Entwicklung sowohl der individuellen als auch der kollektiven Emanzipation c) prangert das Klima der „Hexenjagd“ an, das, ausgehend von einem typischen Manöver vor den Wahlen, dazu neigt, einerseits die Jagd auf „anarchistische Subversive“ im großen Stil zu steigern und andererseits die Provokation des faschistischen Terrorismus und des Staates, dem einzigen wirklichen Anstifter der letztgenannten Massaker und Massenmorde, die in den letzten Jahren durchgefĂŒhrt wurden, auszugleichen. Die organisierte anarchistische Bewegung, die sich der ernsten Situation bewusst ist, die in Italien besonders heute mit der Verabschiedung der Gesetze zur öffentlichen Ordnung bestimmt wird, lĂ€dt alle Arbeiter ein, sich zu mobilisieren, um eine neue Ausbeutung zu verhindern, die, wie immer bei Anarchisten beginnend, dazu tendieren wĂŒrde, jede öffentliche Demonstration und Organisation des Dissenses zu begrenzen, wenn nicht zu beseitigen.“

Wir stimmen mit diesen Kritiken nicht ĂŒberein, weil wir sie fĂŒr unvollstĂ€ndig halten. In der Tat, vor allem das Kommunique der anarchistischen Federazioni treffen das Herz der Sache (A.d.Ü., „coglie nel segno“ „das Herz der Sache treffen“), wenn sie von staatlicher Provokation und dem möglichen Einsatz im provokatorischen Sinne der Gruppen sprechen, die den bewaffneten Kampf theoretisieren und herbeifĂŒhren; und weiters treffen sie ins Schwarze, wenn sie behaupten, dass der Anarchismus nichts mit der bewaffneten Avantgarde des Proletariats zu tun hat; aber sie ĂŒberzeugen uns nicht, wenn sie die anarchistische Aktion auf die bloße Stimulierung der sozialen WidersprĂŒche reduzieren, zur UnterstĂŒtzung des selbstverwalteten Kampfes und der direkten Aktion der ausgebeuteten Masse, wenn man neben all dem es nicht fĂŒr opportun hĂ€lt – vor der Ausbreitung des Staatsterrorismus – eine Verteidigung gegen die Gewalt der Bosse und ihrer Diener zu organisieren. Auf diese Weise ist die Kritik einseitig. Die GĂŒltigkeit bestimmter KĂ€mpfe wird bejaht und die desbewaffneten Kampfes einer populĂ€ren Matrize geleugnet, wĂ€hrend man im Gegensatz dazu nicht leugnen kann, dass der Staat einen Terrorismus ausĂŒbt, der nicht nur psychologischer, sondern auch physischer Natur ist. Man sollte zu dem Schluss kommen, dass der Staat uns mit wirtschaftlicher, kultureller usw. Ausbeutung unterdrĂŒckt und mit militĂ€rischer Repression tötet, wĂ€hrend unsere Verteidigung auf der ersten Ebene aufhören muss und ihnen die Initiative ĂŒberlĂ€sst, uns zu töten, wie und womit sie wollen, mit allen Mitteln, wie al „tiro a segno“ (A.d.Ü., Scheibenschießen). Nicht nur das, die Dinge hören nicht auf, im Fall der Extraparlamentarier und der kommunistischen Partei gehen sie so weit, dass sie jeden Versuch der Verteidigung als faschistisch und provokatorisch ansehen.

Offen gesagt scheint mir diese BegrĂŒndung nicht richtig zu sein. Aber da ist noch mehr dran. Wenn man auf diesen Positionen beharrt, spielt man objektiv das Spiel der Repression, das heißt, man wendet die Regel des „teilen und herrschen“ an, die ĂŒberall erprobt wurde und die der Massenmörder Stalin meisterhaft beherrschte. Durch Instrumente dieser Art wurden in Spanien Anarchisten wie Berneri39 ermordet, die Kollektive blieben wehrlos und nicht wenige GefĂ€hrten wurden in die KlandestinitĂ€t gezwungen „es herrschte Anarchie“. Lassen wir unsere Angst fĂŒr einen Moment ruhen, halten wir inne und denken wir nach. Wenn unser Urteil perfekt mit dem der Macht ĂŒbereinstimmt, wenn unsere ErklĂ€rungen aus den millionenschweren Druckmaschinen der kommunistischen Partei zu kommen scheinen40, wenn Faschisten und Kommunisten sich gegenseitig den Ball des Terrorismus zuwerfen, um das Spiel – das der entgegengesetzten Extremismen – harmonisch auszugleichen, wenn der Polizist unsere Sprache spricht, dann muss mit uns etwas nicht stimmen, nicht mit den Instrumenten der Macht, die normalerweise solche Arten von Fehlern nicht machen. In der Praxis basieren die Verurteilungen, die wir oft gegen die Erfahrungen des bewaffneten Kampfes aussprechen, auf Nachrichten, die von der Presse geliefert werden, die im Dienste der Bosse steht; von den Aktionen, die durchgefĂŒhrt werden, von den wirklichen Motivationen, von den a priori und a posteriori von der Polizei konstruierten Komplotten wissen wir nichts. Doch unser erster Instinkt ist es, sofort alles zu verurteilen, was den programmatischen Rahmen unserer politischen TĂ€tigkeit stört.

Auf diese Weise kristallisiert sich der Kampf gegen die Repression in einer einwertigen Form, die den WĂŒnschen derjenigen folgt, die ein Interesse daran haben, die stillen Wasser nicht zu sehr aufzuwirbeln. Die Gruppen, die die Notwendigkeit des bewaffneten Kampfes anerkennen, werden isoliert, was sie der Gefahr ausliefert in eventuelle Provokationen zu geraten. Es ist logisch, dass eine Gruppe, die sich bis zu einem gewissen Punkt verteidigen kann, unter bestimmten Bedingungen der KlandestinitĂ€t arbeitet und mit dem Hindernis, die ganze Linke gegen sich zu haben, zum Ziel einer abnormalen und kriminellen Kritik zu werden, die entfesselt wird, keine Instrumente der ÜberprĂŒfung hat, die Konfrontation nicht auf mehreren Fronten gleichzeitig halten kann, sowie ihre Position und sogar ihre eigenen Analysen nicht kontrollieren kann.

Die Verurteilungen der offiziellen Linken stammen aus der gleichen Matrize, die Zustimmung gibt, wenn es um den „Kampf gegen den Faschismus in Spanien und anderen unzivilisierten LĂ€ndern“ geht.

Und genau in diesen Tagen das Massaker an fĂŒnf antifaschistischen GefĂ€hrten, die vom spanischen Henker41 erschossen wurden, GefĂ€hrten, die zu klandestinen Organisationen des bewaffneten Kampfes in Spanien (ETA42 und FRAP43) gehören. Bei dieser Gelegenheit war die Wut einstimmig.

Es hat eine gewisse Wirkung, Bastarde wie die Christdemokraten auf diese Weise zu lesen: „Wir alle fĂŒhlen uns zutiefst gedemĂŒtigt und sind uns der Pflicht bewusst, das System der Freiheit zu sichern, das viele Fehler haben kann, aber solange es so bleibt, ein Element der Sicherheit fĂŒr die BĂŒrger und des Gleichgewichts und des Friedens fĂŒr die internationale Gemeinschaft darstellt.“

Und die ehrenwerten GefĂ€hrten der Kommunistischen Partei Italiens: „Die Hinrichtungen mĂŒssen alle Demokraten, alle Antifaschisten ermutigen, ihre Mobilisierung zu erweitern, die Initiativen zu verstĂ€rken, Millionen und Abermillionen von FreiheitskĂ€mpfern in Spanien in den Kampf zu ziehen.“ Und die Freiheit Italiens, Frankreichs, Deutschlands, Russlands, der Vereinigten Staaten, des Rests der Welt?

Sogar der Papst meldete sich zu Wort. Er verbarg weniger gut als die anderen politischen Verbrecher die wahre reaktionĂ€re Matrize des Katholizismus: „Wir bekrĂ€ftigen die starke Missbilligung der Serie von TerroranschlĂ€gen, die diese edle und uns immer liebe Nation in Mitleidenschaft gezogen haben, und den Mut derer, die direkt oder indirekt fĂŒr eine solche AktivitĂ€t verantwortlich sind, die fĂ€lschlicherweise als legitimes Mittel des politischen Kampfes angesehen und genommen wird. Aber dieser Verurteilung muss auch eine Verurteilung einer so harten UnterdrĂŒckung folgen, dass er auch die von vielen Seiten erhobenen Rufe gegen diese Hinrichtungen ignoriert hat.“

Aber dieser „heilige Kreuzzug“, angefĂŒhrt von Paul VI., dem wĂŒrdigen Nachfolger der heiligen VĂ€ter der Inquisition, gut charakterisiert durch die „erhabene“ Anwesenheit der Worte des wo es Ausbeutung der Bosse gibt, entweder unter dem idiotischen Zeichen des Faschismus, oder unter dem intelligenten Zeichen der bourgeoisen Demokratie, hinter der sich ein nicht weniger verabscheuungswĂŒrdiger Faschismus verbirgt, ist der bewaffnete Kampf legitim, da er fĂŒr die Verteidigung des Proletariats sorgt. Und wenn die Genossen der Kommunistischen Partei Italiens, die in diesen Tagen so viele beredte Worte gefunden haben, um die spanischen RevolutionĂ€re, die Opfer des Henkers Franco sind, zu verteidigen, konsequent mit sich selbst wĂ€ren, dann sollten sie die gleichen Worte mit den RevolutionĂ€ren unseres eigenen Hauses benutzen oder zumindest eine klare kritische Debatte ĂŒber die VorschlĂ€ge eröffnen, die von dieser Seite kommen, um zu verhindern, dass alles im Nebel einer angeblichen Provokation verschwindet, die letztlich nur der Reaktion des Chefs nĂŒtzlich ist.

Zu unseren Aufgaben muss neben der Arbeit in den Massen, der politischen KlĂ€rung, dem Vorantreiben der selbstverwalteten Initiativen und der direkten Aktion auch die der Organisation der proletarischen Verteidigung gehören. Das kann – zu Recht – nicht die Arbeit einer Avantgarde sein, die die Eroberung von etwas oder die FĂŒhrung des Proletariats vorschlĂ€gt, sondern muss die Arbeit von Gruppen sein, die versuchen, den Feind im Eigentum und im Menschen zu treffen, die die ersten Elemente des populĂ€ren Widerstands entwickeln, die die ersten Elemente des Klassenkampfes im Verlauf entwickeln, die die WidersprĂŒche des Kapitalismus in einem revolutionĂ€ren Sinne ĂŒberwinden, vielleicht in einer nicht allzu fernen Zukunft auf der ökonomischen, ideologischen und sogar militĂ€rischen Ebene den Weg zur sozialen Revolution beginnen.

Wo die Ausbeutung der Herrschaft existiert, sei es unter dem idiotischen Zeichen des Faschismus, sei es unter dem intelligenten Zeichen der bourgeoisen Demokratie, der einen nicht weniger hasserfĂŒllten Faschismus verbirgt, ist der bewaffnete Kampf ein legitimes Mittel insofern es die Verteidigung der Arbeiter gewĂ€hrleistet. Und wenn die Genossen der kommunistischen Partei nicht alle ihre Intelligenz in die HĂ€nde des Zentralkomitees abgegeben haben, könnten sie sich dessen bewusst werden.

BezĂŒglich den Anarchisten, muss in ihrem Aufgabenbereich, der auf sie wartet, neben der Arbeit im Inneren der Massen, der politischen Klarstellungen, dem Drang hin zu selbstverwalteten Initiativen und direkter Aktion, auch jene Arbeit der Organisierung der Verteidigung der Arbeiterbewegung anzutreffen sein. Diese Verteidigung kann, richtigerweise, keine Arbeit einer Avantgarde sein, die die Eroberung von etwas, oder die FĂŒhrung des Proletariats vorschlĂ€gt, sondern muss eine Arbeit von GefĂ€hrten sein, die vorschlagen den Feind anzugreifen, dessen Eigentum und der Personen selbst betreffend, jenseits des Zuganges eines Professionalismus welcher die letzten Erfahrungen kennzeichnet, solcher Art, die ersten Elemente jenes Widerstandes der Bevölkerung zu entwickeln, welche bereits selbst Teil des Weges aller sind. Ein Widerstand der somit auch in Richtung des Klassenkrieges entwickelt werden kann, der einzige, der imstande ist, endgĂŒltig den Kapitalismus und die Ausbeutung niederzuschlagen.

Die UnfĂ€higkeit der organisierten Bewegung die aktuelle Situation des Klassenzusammenstosses mit Klarheit gegenĂŒberzutreten, offenbart sich durch manche ihrer ErklĂ€rungen, durch welche die Angst und Panik durchscheinen, eine klare Entscheidung zu treffen, und die, in ihrer Vorsicht und der Gewundenheit, bestimmte Parallelen zu den ErklĂ€rungen der Kommunistischen Partei aufweisen.

Wenn es auch keinen Zweifel gibt daran, dass die Beschaffenheit der revolutionĂ€ren Konfrontation sehr fließend ist, und ohne weiteres provokative Elemente enthalten kann, gilt auch die Tatsache, dass die Bewegung im Allgemeinen, zweifellos sich auf einem sehr fortgeschrittenen Kampfniveaus befindet. In den Straßen wird auf die Polizisten (ein konkretes Symbol der UnterdrĂŒckung) geschossen und GeschĂ€fte und Fahrzeuge (ein Symbol der ökonomischen Ausbeutung) werden zerstört. Nur fĂŒr sich selbst gesehen, können solche Taten auch sehr limitiert sein und Raum fĂŒr Provokationen geben, jedoch sind sie Zeichen dafĂŒr, dass die revolutionĂ€re Bewegung diese aufgreift und sie „logisch“ werden lĂ€sst, weil sie einem bestimmten Level der Konfrontation entsprechen.

Es ist hier wo die Arbeit der Anarchisten ansetzt, auf eine Weise vorzugehen, dass sich dieses Level des Reifeprozesses sich auf grĂ¶ĂŸtmögliches Maß entwickelt, indem man grĂ¶ĂŸere Ziele ausmacht, die imstande sind, grĂ¶ĂŸere Schichten von Arbeitern und Ausgebeuteten im Allgemeinen einzubeziehen. Nur auf diese Weise, können eventuelle Provokationen im Inneren der gegenwĂ€rtigen Situation abgewendet werden.

Wenn die Anarchisten den fĂŒr sie richtigen Platz in den fortgeschrittenen Bewegungen gefunden haben, stellen sie sich nicht mehr, wie sich selbst vor ihrer eigenen Wartehaltung und der eigenen Vorsicht rechtfertigen könnten. Die Aktion im Inneren der revoltierenden Massen wird die Stellungnahmen ersetzen und von den Wortspielen wird man zu den Taten ĂŒbergehen.




Quelle: Panopticon.blackblogs.org