November 19, 2022
Von Indymedia
220 ansichten

Dass Faschisten und ihre Freunde für rechte Aufmärsche nach Leipzig mobilisieren ist nicht neu. Gerade mit dem Beginn der rechten Anti-Corona-Proteste war Leipzig Mobilisierungsmagnet für alles, was bereit war, sich unter den Fahnen des Stumpfsinns zu versammeln: Vom Eso-Hippi, über die sogenannten „Freien Linken“, bis hin zu Nazis, AFDlern und Hools war alles dabei. Besonders im Gedächtnis geblieben sein dürfte dabei der 7.11.2020, wo es dieser zumindest vordergründig kruden Melange gelang, die Polizei zu überrennen und unter „oh wie ist das Schön“-Gesängen sich in der Leipziger Innenstadt breitzumachen. Mehrere Zehntausend waren es damals, denen auch der gut mobilisierte antifaschistische Widerstand zahlenmäßig nicht beikommen konnte. Nachdem durch die Lockerungen der Corona-Maßnahmen der rechte Protest auf einen kleinen Rest zusammenschrumpfte, stieg deren Mobilisierungspotential zuletzt wieder an, angeheizt durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und die unter anderem damit zusammenhängenden Versorgungsengpässe vor allem bei Gas, Strom und Öl, sowie den allgemein steigenden Preisen. Dabei verdichtete sich das Bild, welches sich zu Beginn der neurechten Fusion vor allem gegen die „Merkel-“ und „Maskendiktatur“ richtete und demgegenüber für „Frieden“ und „Freiheit“ auf die Straße ging, hin zu einem immer enger werdenden Weltbild, in welchem alles Schlechte zusammengefasst und als von einer einzelnen, bösen Quelle ausgehend angenommen wird. Wer dabei diese böse Quelle ist, darin brauchte es bisher in rechten Kreisen keine Einigkeit; gerade diese „Liberalität“ in Bezug auf die Ursache aller Probleme ermöglichte den Zusammenschluss. Unter dieser Voraussetzung konnten die wirrsten und widersinnigsten Annahmen mit offen rechten und faschistischen Ideologien zusammenkommen. Möglich wurde und ist dies, weil es im Grunde auch egal ist, wie diese Quelle des Bösen heißt; wichtig ist nur, dass sie irgendwo identifiziert und personifiziert werden kann, und ihre Vernichtung dann die Welt hervorbringt, wo sich alle „lieben, wie Jesus es wollte“.

Die gut organisierten Faschisten wie Elsässer und Höcke dürften dabei wohl wissen, dass das Meiste, was Allerortens auf den Montagsdemonstrationen zum Besten gegeben wird, im Grunde einfach nur Blödsinn ist. Genauso, wie die Nazi-Hools, die mit Esospinnern auf irgendwelchen Marktplätzen versammelt sind, und mit diesen gemeinsam „Ommmm-Meditationen“ durchführen, diesen bei nächster Gelegenheit ein paar in die Fresse hauen wollen. Akzeptiert werden alle nur als mögliche Mobilisierungsmasse, mit der dann die je eigenen faschistischen Interessen durchgesetzt werden können. Diese sind den meisten dieser Montagsdemonstranten dann immer noch zu abschreckend, weswegen eben die eigenen rechten Interessen in Verschwörungsquatsch verpackt werden und die Anwesenheit von Nazis einfach geleugnet wird. Die Frage, die sich in faschistischen Organisationen wie der AFD und Hetzheften wie Compact gestellt werden muss ist, ab wann sich die Massen, unter die man sich bisher vor allem mischt, ohne dort allzugroß die Welle zu machen, stark genug fühlen, so dass sie sich auch offen unter einem faschistischen Programm versammeln lassen.

Hieraus erklärt sich das doch irgendwie überraschende und altbackene Motto „Ami go home!“ mit welche Elsässer nun genau diesen Schritt machen möchte. Der Ami als böser Feind, die Amis und die USA als jener Quell des Bösen, aus welchem alles Übel der Welt entspringt, sind der Versuch, die im Grunde inhaltsarmen verschiedenen „Strömungen“, die sich derzeit versammeln, unter einer politischen Ideologie zu vereinen. In der Demo am 26.11. versuchen also die organisierten faschistischen Kräfte einen inhaltlichen Sprung: Die politische Vereinigung der inhaltlich verstreuten rechten Kräfte. Nicht nur hohe Preise, Maskenpflicht, Krieg, Genderwahn, Bedrohung durch böse Geister, negative Energien und so weiter sollen Thema sein, sondern es soll ein Schuldiger für all das benannt werden, und dieser Schuldige, der hohe Preise, Maskenpflicht, Krieg, Genderwahn, Bedrohung durch böse Geister, negative Energien und so weiter zu verschulden hat, das ist: der Ami – und der böse Ami, der soll „home“ gehen, damit die Menschen hier wieder frei von seinem bösen Einfluss werden.

Schlimm ist daran zweierlei: Zum einen, dass es keine Großtat ist, zu erkennen, dass es eben nicht „der Ami“ ist, der die Probleme der Welt hervorbringt, sondern „der Kapitalismus“, und dass diese beiden nicht ineinander fallen, dass „Ami“ und „Kapitalismus“ nicht das Gleiche sind, auch nicht. Zudem ist der rechte Protest nicht die Sammlung einer irgendwie ungebildeten Unterschicht; er speist sich vielmehr aus der bürgerlichen Mitte. Es muss also davon ausgegangen werden, dass es einen gewissen Antrieb auch bei denen gibt, die sich hinter sogenanntes „Geschwurbel“ zurückziehen, den Problemen der Welt eine faschistische Lösung überzuhelfen, was eben bedeutet, strukturelle Zusammenhänge in Menschen zu projezieren und sie zu „lösen“, indem diese Menschen beseitigt werden. Man muss sagen, dass diese Herangehensweise die letzte Lösung des Bürgertums ist, wenn sie die Probleme, die es selbst verursacht hat, nicht mehr im Griff hat.

Zweitens ist es tragisch, dass es auch immer noch Linke gibt, die diesen Unsinn glauben wollen. Unter anderem deswegen gefällt wohl insbesondere Elsässer das Motto „Ami go home“, träumt er doch – seit er sich in den 90ern aus der deutschen Linken verabschiedete, in welcher er sich vorher verortet hatte – von der großen Querfront. Dass es irgendeine Möglichkeit gibt, „rechts“ und „links“ zu vereinen gegen die „Quelle des Bösen“, ist für die Querfront wesentlich. Das, was zwischen Esohippies und Nazi-Hools funktioniert, also eine gewisse Offenheit gegenüber dem Namen, den man diesem Bösen gibt, weil ja doch alle dahinter das Gleiche meinen, soll hier den Teil der (radikalen) Linken ansprechen, die selbst über die Vorstellung, dass doch irgendwie „der Ami“ und „Die USA“ alles schlecht werden lassen, nicht hinausgehen. Damit aber kommt jener Teil der Linken aber auch nicht über das Bürgerliche hinaus, beziehungsweise zeigt damit immer wieder nur die Zugehörigkeit zu diesem. Revolutionäre Tendenzen werden damit erstickt, dem Faschismus kann so nicht radikal entgegengetreten werden.

Der geplante Aufmarsch ist also zweierlei: Einmal der Versuch einer ideologischen Einigung nach innen in Bezug auf die Querdenken- und Energieproteste, und ebenso der Versuch, die Querfront zu verwirklichen. Gut möglich, dass Elsässer und Co sich hier verschätzen und der Versuch der ideologischen Einordnung ist zu offensichtlich und zugleich zu abschreckend. Aber: Sich auf solch eine „gute Möglichkeit“ zu verlassen, ist einfach nur fahrlässig. Denn es ist ebenso gut möglich, dass mindestens ein Teil der Interessen, die sich hinter „Ami go home“ verbergen, verwirklichen lassen. Dann aber wäre die faschistische Bewegung um ein weiteres Stück gewachsen und darauf dürfen wir es nicht ankommen lassen. Gerade mit Höcke und den „Freien Sachsen“ hat Elsässer ein großes Mobilisierungspotential auf seiner Seite, gerade was den rechten Kern der Proteste angeht.

In Leipzig gibt es bekannterweise eine lange antifaschistische Tradition. Zuletzt am 7.11.2022, dem Jahrestag der großen rechten „Montagsdemo“ von 2020 gelang es uns durch eine engagierte Blockade den rechten Aufmarsch zu stoppen und die rechte Demo zum Umkehren zu zwingen. Das Gejammer und das gleichzeitige Muskelspielenlassen, für welches sich die ganzen rechten Socialmedia-Spezialisten nicht zu schade sind, hat auch noch einmal gezeigt, wie bedeutsam es ist, die Nazis konkret auf der Straße aus ihrer Märchenwelt zu holen, in welcher sie sich als Spitze eines neuen deutschen Volksaufstandes sehen. Aber machen wir uns nichts vor: Auch bei der letzten Blockade waren die Zahlenverhältnisse nicht schlichtweg zu unseren Gunsten. Wenn Faschisten, Nazis&Co einen Mobilisierungserfolg hinlegen, dann wird der Widerstand allein aus Leipzigs radikaler Linken nicht reichen. Gerade dann aber ist der Widerstand umso dringlicher, weil ein faschistischer Erfolg in Leipzig Auswirkungen ach auf andere Mobilisierungen der Faschisten haben wird; ein Erfolg hier wird sich andernorts fortsetzen. Gleiches aber gilt auch für die antifaschistische Mobilisierung. Sollte der rechte Aufmarsch am 26.11. in Leipzig an unserem Widerstand scheitern, machen stattdessen wir einen Schritt nach vorn.

Damit uns das gelingen kann, ist es wichtig, sich vor allen Dingen zu vergegenwärtigen: Wir sind insbesondere dann stark, wenn sich alle Formen des antifaschistischen Kampfes zusammenfinden. Nicht an der Frage, ob wir friedlich oder militant gegen den Faschismus kämpfen, wird das Ergebnis bestimmen, sondern vor allem, wie entschlossen wir sind, vor allem, wie entschlossen wir in unserer Solidarität zueinander sind. Deswegen: Kommt zusammen! Kommt am 26.11.2022 nach Leipzig und stellt den faschistischen Feind – no pasaran!

Am 26.11.2022 auf die Straße!

Naziscum, fuck off!

Es lebe der autonome Antifaschismus – her zu uns!




Quelle: De.indymedia.org