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Seit Monaten schon halten wir uns zurĂŒck, bleiben zuhause, treffen weniger Freund*innen, feiern nicht. Der Staat dankt uns mit immer neuen Lockdowns, Ausgangssperren, Abstandsregeln, KontaktbeschrĂ€nkungen im Privaten, wĂ€hrend fĂŒr die Wirtschaft ArbeitsplĂ€tze und Schulen munter und ohne große Auflagen weiter das Virus verbreiten dĂŒrfen.

Seit einigen Wochen kommt es nun vermehrt zu Schwerpunktkontrollen an öffentlichen PlĂ€tzen, bei denen insbesondere wir Jugendlichen im Fokus der Polizei stehen. Wenn wir nicht gerade aussehen als wĂ€ren wir ein Heteropaar, das eine romantische Runde durch die Innenstadt dreht, dĂŒrfen wir bezahlen. Bezahlen dafĂŒr, dass wir an der frischen Luft mit einer*m Freund*in Spazieren gehen. Bezahlen mit Geld, dass wir als jugendliche bekanntermaßen sowieso eher weniger als mehr in unseren Taschen haben.

Wir haben es satt uns fĂŒr dumm verkaufen zu lassen. Wir wissen genau, dass sich im Freien die Gefahr einer Ansteckung stark in Grenzen hĂ€lt, vor allem wenn wir sowieso nur zu zweit oder in kleinen Gruppen unterwegs sind. Wir wissen auch, dass nicht wir diejenigen sind, die verhindern, dass sich diese Pandemie endlich einem Ende zubewegt. Es ist lĂ€cherlich uns unsere letzten freien RĂ€ume zu nehmen und unsere Kontakte noch weiter einzuschrĂ€nken, wĂ€hrend die Wirtschaft weiterhin alle Freiheiten der Welt genießt.

Wir werden weiterhin auf die Straße gehen, uns nicht vertreiben lassen und wenn die Polizei uns schikaniert und mit Repressionen ĂŒberhĂ€uft, organisieren wir uns dagegen.

#alleraushier

Diese Maßnahmen und Kontrollen haben nichts mit Covid-19 zu tun sondern ausschließlich mit Kapitalinteressen. Gerade in Zeiten der Pest sind Parks die letzten Orte in denen wir uns halbwegs sicher treffen können.

Wir sind die, die keine tollen Wohnungen mit RĂŒckzugsmöglichkeiten und Luxuseinrichtung haben. Was fĂŒr die Reichen daheim die Dachterrasse ist, ist fĂŒr uns ein ĂŒberfĂŒlltes Zimmer wo wir gemeinsam mit unseren Geschwistern oder unseren Eltern leben, arbeiten und schlafen mĂŒssen.

Parks und öffentlicher Raum bedeuten fĂŒr uns nicht nur einfach eine Wiese und ein paar BĂ€ume. FĂŒr uns jungen Menschen bedeuten Parks einen sozialen Treffpunkt – frei von Konsumzwang! Gerade wĂ€hrend der Krise sind Parks fĂŒr uns noch wichtiger geworden: denn wenn sichere Treffen fĂŒr alle Menschen daheim nicht mehr möglich sind, dann bleiben sie uns als einziger öffentlicher Raum.

Parks bedeuten (gerade jetzt) aber auch, dass die kleinen Geschwisterchen bzw. die Kinder einmal am Tag raus können. Dass ihnen nicht sofort die Decke auf den SchĂ€del fĂ€llt. Jeder Mensch, der schon mal lĂ€nger als einen Tag mit einem Kind zusammen gewohnt hat, weiß wie wichtig es ist auch mal raus zu können – gerade jetzt wo es sonst kaum Möglichkeiten zu sozialem Kontakt gibt.

Aber die Maßnahmen dieser Regierung, insbesondere die Ausgangssperren, zielen genau darauf ab, uns diesen Raum zu nehmen. Vermutlich haben sie es satt, dass wir junge Menschen auf der Suche nach sozialen Kontakten und sicheren Möglichkeiten des zusammenkommens auch mal in ihre Bonzen-Wohngegenden spazieren.

Die Polizei in Wien ist sowieso schon fleißig dabei Jugendliche einzukassieren wo sie können sobald sie mal das Haus (oder die Schule, oder die AusbildungsstĂ€tte, oder den Skilift) verlassen. An den Schwerpunktaktionen rund um den Stephansplatz, wo in den letzten Wochen hunderte Jugendliche willkĂŒrlich (meistens aber doch rassifiziert) kontrolliert und ihnen Strafen auferlegt wurden, sehen wir wie motiviert sie dabei sind. So sehr tut es euch also weh, wenn wir jungen Menschen uns auf einmal eure ach so tollen Touri-Gebiete und Bonzen-Wohngegenden anschauen? Am Ende des Tages sollte der öffentliche Raum allen Menschen gehören: Ob ihr uns da dabei haben wollt oder nicht ist uns nicht den kleinsten Schas wert. Wir werden da sein!

#alleraushier

FĂŒr mehr Infos zu #alleraushier https://alleraushier.blackblogs.org/

+++ Info fĂŒr Zeug*innen und Opfer von Polizeigewalt +++

Du bist Zeug:in oder Opfer polizeilicher Gewalt geworden? Dann melde dich bei https://antirepressionsbuero.at/. Als Polizei(Gewalt)Meldestelle sind sie die richtigen Ansprechpartner:innen. Ihr Ziel ist es, unangemessene GewaltausĂŒbung seitens der Polizei zu dokumentieren und Betroffenen eine Stimme zu geben. Die gesammelten anonymen Daten werden ausgewertet und in einem jĂ€hrlichen Bericht ĂŒber Polizeigewalt in Österreich veröffentlicht. Dieser soll dazu dienen, die vielen VorfĂ€lle sichtbar zu machen und das Thema anhand empirischer Daten in der öffentlichen Diskussion etwas prĂ€senter zu machen. Die Berichte sollen einen Überblick und eine Grundlage fĂŒr weitere Forschung bieten und eine politische Auseinandersetzung mit dem Thema anregen. DarĂŒber hinaus gibt es fĂŒr Betroffene von Polizeigewalt die Möglichkeit, Kontakt aufzunehmen. Nach Wunsch werden Betroffene durch persönlichen Kontakt an kompetente nicht-staatliche Organisationen weiter geleitet, die rechtliche oder psycho-soziale UnterstĂŒtzung gewĂ€hrleisten können.




Quelle: Asjwien.wordpress.com