Dezember 31, 2021
Von SchwarzerPfeil
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Was ursprĂŒnglich nur als kurze Pause gedacht war, ist aufgrund kĂŒrzlicher Vorkommnisse nun dauerhaft. Der Bogen bricht. Aber jedes Ende kann auch der Beginn von etwas Neuem sein.

Anmerkung: Der Beitrag wurde von unserer GefĂ€hrtin Elany verfasst — die GrĂŒnde klĂ€ren sich im Laufe des Beitrags

Über Klagen, Repression und Abschiede

Im Herbst kam es zur ersten Copyright-Streitigkeit, da wir bei Übersetzungen auch stets die Bilder ĂŒbernehmen. FĂŒr ein „geklautes“ Foto wurden wir schließlich zur Kasse gebeten. Mithilfe eines Anwalts konnte die ursprĂŒngliche Forderung etwas gemindert werden, die Sache wurde als „Shit happens“ verbucht und schließlich beglichen. Im Dezember ging das Ganze in die zweite Runde. Unter Tausenden von Fotos finden die geldgeilen SĂ€cke eine Kopie des Fotos auf dem Server und es kommt nun zur Klage. Und diese Forderung kann, broke wie wir sind, nicht einfach mal beglichen werden. Ein*e GefĂ€hrt*in wies uns darauf hin, wir sollten nicht sĂ€mtliche Einnahmen von den BĂŒchern spenden, sondern auch etwas fĂŒr uns zurĂŒcklegen, aber wir wollten nicht hören (siehe ganz unten, wenn du unterstĂŒtzen möchtest und kannst).

Gleichzeitig meldet sich unsere GefĂ€hrtin, die seit einiger Zeit in Polen ist, dass sie dort bleiben und definitiv keine Zeit mehr fĂŒr den schwarzen Pfeil finden wird — die UnterstĂŒtzungsarbeit von GeflĂŒchteten an der Grenze und Aktivist*innen, die aufgrund dieser TĂ€tigkeit mit staatlicher Repression konfrontiert sind, ist bereits zu krĂ€ftezehrend. Eine weitere GefĂ€hrtin kĂŒndigt an, dass sie im Januar 22 „zurĂŒck in die Heimat“ kehren wird. Dass GefĂ€hrt*innen die Vereinigung verlassen, immer in Kombination mit der Suche nach Perspektive in anderen LĂ€ndern, ist nichts Neues hier. Es gab auch stets NeuzugĂ€nge, so wie ich es auch mal war.

Ab hier entschieden wir uns eine kurze Pause einzulegen, um einerseits auf die Klage zu reagieren und andererseits die Ressourcen darauf zu verwenden die bereits angekĂŒndigten BĂŒcher fertigzustellen. Das Buch „Wild & Queer“ musste dennoch auf den Januar verschoben werden, denn es sollte genau so umfangreich wie „Schwarze Saat“ werden. Zwischenzeitlich wurde „Indigene Anarchie gegen linke Gespenster“ fertiggestellt — nur leider bis zum heutigen Tag noch an niemanden ausgeliefert, da es in der Druckbranche aufgrund der Pandemie momentan einen krassen Papiermangel gibt und es daher zu erheblichen Verzögerungen kommt.

Über die Feiertage — wir bereiten bereits die volle Wiederaufnahme vor — sollte es schließlich anders kommen. Eine Person aus unserer Vereinigung wird mit polizeilicher Repression konfrontiert. Zum gegenwĂ€rtigen Zeitpunkt können dazu keine Einzelheiten genannt werden, außer dass es indirekt mit der TĂ€tigkeit beim schwarzen Pfeil zusammenhĂ€ngt.

Es trifft die selbe Person, welche auch bereits die Copyright-Klage erhalten hat. Und zudem seit lĂ€ngerer Zeit mit erheblichen gesundheitlichen EinschrĂ€nkungen zu kĂ€mpfen hat und bereits selbst mit dem Gedanken gespielt hat eine zumindest lĂ€ngere Pause einzulegen, wollte mich aber nun auch nicht alleine lassen und warten, bis es wieder NeuzugĂ€nge gibt. Denn fĂŒr mich stand immer fest: Ich mache weiter, egal was kommen wird.

Der Nachteil wird zum Vorteil

Beim Vertrieb von BĂŒchern war es ein Nachteil, dass wir alle an unterschiedlichen Orten leben, der Hauptgrund wieso wir auf eine kommerzielle Druckerei zurĂŒckgreifen. Dieser Nachteil wird nun zum Vorteil — denn die Repression betrifft „nur“ eine Person. Und nachdem ich kĂŒrzlich jemanden kennengelernt habe, welche mit mir weitermachen möchte, kann die Person sich nun um die eigene Gesundheit kĂŒmmern. Selfcare hat Vorrang.

Der Name Schwarzer Pfeil ist aber Geschichte, auch wenn der Name fĂŒr mich sicher sehr passend ist, so als Schwarze BogenschĂŒtzin. Doch der Name ist bereits mit dem Namen einer Person und Repression verbunden, zudem bin ich auch einfach zu broke um jedes Jahr 70€ fĂŒr Domain und Webhosting zu zahlen. Daher geht es fĂŒr mich, und die neue Flamme an meiner Seite, auf FERAL FIRE weiter. UrsprĂŒnglich als englischsprachiges Projekt gedacht, nutze ich die Webseite nun doch auf andere Weise.

Die Domain Schwarzer Pfeil mitsamt der ganzen BeitrĂ€ge wird bald gelöscht. Etwas mehr als die HĂ€lfte aller BeitrĂ€ge wurden auf Feral Fire ĂŒbernommen. Besonders viele BeitrĂ€ge aus dem Jahr 2020, als es noch den Einheitsquatsch von „ein Mag fĂŒr alle Farben des Anarchismus“ gab, sind es aber nicht wert gerettet zu werden. Auch auf FF können noch BeitrĂ€ge eingereicht werden — aber die QualitĂ€tsansprĂŒche sind deutlich strenger.

Die Social Media Accounts werden bald umgewandelt. Warum auch wegwerfen und bei Null beginnen? Wer mit der Richtung von FF nicht warm wird, kann auch einfach entfolgen.

Was wird aus den BĂŒchern?

Da FF in der Schweiz ansĂ€ssig ist, können auch keine BĂŒcher versendet werden. Die Person, welche sich hier bisher um die BĂŒcher gekĂŒmmert hat — die selbe Person, welche mit der Klage, Repression und gesundheitlichen Problemen zu kĂ€mpfen hat — wird zumindest noch offene und eingehende Bestellungen bearbeiten. Ansonsten gibt es „Schwarze Saat“ auch bei Black Mosquito, „Indigene Anarchie gegen linke Gespenster“ bald auch. Das Werk „Wild & Queer“ wird hier allerdings nicht mehr fertiggestellt. Diejenigen, die bereits ein Exemplar bestellt haben, werden in KĂŒrze kontaktiert, um entweder ein anderes Buch zu erhalten oder natĂŒrlich Geld zurĂŒck. Ein ganz so großer Verlust ist es aber nicht: beim MaschinenstĂŒrmer Distro gibt es zB ganz frisch „Wild gewordene Queers“ und „Gegen den vergeschlechtlichten Alptraum“. Eine andere Gruppe arbeitet an der kompletten Übersetzung von Bash Back! (Siehe etwa den Beitrag Kriminelle IntimitĂ€t — ein Beitrag von Bash Back!, der auch in „Wild & Queer“ erschienen wĂ€re).

An BĂŒchern werde ich weiterhin arbeiten. Wie diese veröffentlicht werden, kann ich allerdings noch nicht sagen. Vielleicht auch nur als Online-Veröffentlichung.

Buch- und InfolĂ€den, die hier bereits einige Male bestellt haben, können sich melden und erhalten die Druckdateien der bereits fertiggestellten BĂŒcher und können entweder selbst bei der Druckerei bestellen oder auch selber drucken.

UnterstĂŒtzung bei der Klage

Kommen wir zum Schluss: Wer bei der Klage finanziell unterstĂŒtzen kann und möchte, kann sich unter schwarzerpfeil@riseup.net melden. Es gibt auch noch einen Karton voll Aufklebern (siehe hier), die seit einiger Zeit zu den BĂŒchern mitgeschickt werden. Diese werden stapelweise mit Gewinn abgegeben um damit nun die Kosten fĂŒr die Klage zumindest etwas zu decken.

Happy new fear! Wir sehen uns auf den Barrikaden und 2022 auf FERAL FIRE!




Quelle: Schwarzerpfeil.de