November 22, 2021
Von Indymedia
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Die Revolution von Rojava und ihre Errungenschaften sind seit fast 10 Jahren ein Leuchtfeuer fĂŒr fortschrittliche und revolutionĂ€re Bewegungen auf der ganzen Welt. Ziel der kurdischen Befreiungsbewegung ist das multiethnische demokratische Gesellschaftsmodell im gesamten Nahen und Mittleren Osten zu etablieren. Damit steht es im Widerspruch zu den kapitalistischen Staaten. Schließlich versuchen diese gerade in dieser Region Ethnien und Religionen gegeneinander auszuspielen. Die Revolution steht insbesondere dem tĂŒrkischen Staat im Weg. Solange die kurdische Befreiungsbewegung Widerstand leistet, kann die TĂŒrkei nicht zur Regionalmacht werden. Auch verschĂ€rft der Widerstand die politische Krise des tĂŒrkischen Staats.

Daher hat die TĂŒrkei den Krieg niedriger IntensitĂ€t, den sie permanent gegen West- und SĂŒdkurdistan fĂŒhrt, in den letzten Monaten enorm verschĂ€rft: Systematisch zerstört sie Natur und Landwirtschaft, setzt Söldner und Drohnen ein, schneidet die Zufuhr von Nahrung und den Zufluss von Wasser ab, betreibt Propaganda gegen den gesellschaftlichen Zusammenhalt und nimmt die Frauen und die Jugend – die prĂ€genden und vorantreibenden Pfeiler des fortschrittlichen Projekts – verstĂ€rkt ins Visier.

Die tĂŒrkische Armee scheitert seit Ende April daran die Kontrolle ĂŒber die befreiten Guerilla-Gebiete in SĂŒdkurdistan zu erlangen – trotz hunderten EinsĂ€tzen von Giftgas und einer Strategie von Vertreibung, verbrannter Erde und Angriffen auf die Zivilbevölkerung. Darum bereitet die TĂŒrkei nun einen Einmarsch in Rojava vor. Die Armee hat bereits ihre Truppen an die tĂŒrkisch-syrische Grenze verlegt und dschihadistische Söldner wurden mobilisiert.

Die Guerilla in SĂŒdkurdistan hat in den vergangenen Monaten ihre militĂ€rische Strategie den Gegebenheiten angepasst und konnte die Angriffe erfolgreich abwehren. Auch die kommende MilitĂ€roperation der TĂŒrkei gegen Rojava wird auf den Widerstand der Guerilla, der revolutionĂ€ren KrĂ€fte und der Zivilbevölkerung treffen. Ob sie die tĂŒrkische Armee zurĂŒckschlagen werden, wird die Zukunft des revolutionĂ€ren Projekts in Kurdistan bestimmen, aber auch ĂŒber Sieg oder Niedergang des Faschismus in der TĂŒrkei.

Die kriegerische Außenpolitik Erdogans charakterisiert sich durch die Ambition einen relevanten Teil Asiens zu kontrollieren. Die Propaganda von Krieg und Nationalismus soll aber auch nicht zuletzt von den Problemen in der TĂŒrkei ablenken. Die Krise des Kapitalismus hat verheerende Auswirkungen auf die Bevölkerung: Enorme Arbeitslosigkeit und Armut, steigende Selbstmordrate und tödliche UnfĂ€lle gehören zum Arbeitsalltag. Die Verwaltungskrise des tĂŒrkischen Staats vertieft sich immer mehr. Die Antwort der korrupten Eliten, die natĂŒrlich weiterhin ihre Rendite einfahren, ist es, die Ausbeutung und die Repression anzuziehen und den faschistischen Mob von der Leine zu lassen. Tausende politische Gefangene und Pogrome sind das Ergebnis dieser „Krisenlösung“. Die Angriffe richten sich u.a. gegen GeflĂŒchtete und RevolutionĂ€r:innen. Vermehrt zielt der tĂŒrkische Staat darauf ab Frauen* einzuknasten, denn sie sind ein zentraler Teil des Widerstandes geworden.

Den antifaschistische Widerstand zu brechen, ist ein vordringliches Ziel der AKP-MHP Regierung. Auch darum wird ein Krieg gegen Rojava anvisiert. Ein Krieg gegen Rojava ist ein Krieg gegen ein Modell des befreiten Zusammenlebens, das geprĂ€gt ist von bedingungsloser SolidaritĂ€t. Ein Modell, das Antwort und Alternative ist zu Faschismus, Individualismus, Konkurrenz, brutaler UnterdrĂŒckung und Ausgrenzung. Ein Modell, das damit nicht nur Erdogan ein Dorn im Auge ist.

Die Revolution in Rojava, alle ihre Errungenschaften und ihre kontinuierliche Existenz sind Kampfansagen an den globalen Kapitalismus. In Kurdistan mĂŒssen Imperialismus, Nationalismus und Patriarchat tĂ€glich Niederlagen einstecken. Und das können die selbsternannten WeltmĂ€chte nicht zulassen. Wenn es ums Neutralisieren von fortschrittlichen KrĂ€ften geht, dann sind sich USA, Russland und Europa einig. Noch scheinen die GesprĂ€che Erdogans mit Russland und USA kein Ergebnis geliefert zu haben – es ist aber nur eine Frage der Zeit.

Und wer darf nicht fehlen, wenn es darum geht das kapitalistische System zu retten? Genau, das imperialistische Deutschland. Der deutsche Staat und das deutsche Kapital gehören zu den wichtigsten UnterstĂŒtzern Erdogans. Deutsche Unternehmen haben ein Interesse ihre millionenschweren Investitionen in die TĂŒrkei weiterhin ungehindert abzusetzen. Besonders die deutschen RĂŒstungsunternehmen profitieren von der AggressivitĂ€t der TĂŒrkei. Seit Jahrzehnten ist sie der wichtigste Abnehmer von MilitĂ€rfahrzeugen, Kriegsschiffen, Panzerfabriken und vielen weiteren deutschen RĂŒstungsgĂŒtern. Finanziert wird die AufrĂŒstung auch durch die Millionenpakete aus dem FlĂŒchtlingsdeal.

Es gilt jetzt SolidaritĂ€t zu zeigen mit der kurdischen Befreiungsbewegung, mit der Revolution in Rojava und mit dem antifaschistischen Widerstand in der TĂŒrkei. SolidaritĂ€t heißt den Kampf auf die Straßen hier zu tragen. Besonders am Tag X des Einmarschs. SolidaritĂ€t heißt aber vor allem auch die Kollaborateure, Nutznießer, UnterstĂŒtzer des AKP-MHP Regimes anzugreifen. Es gilt gegen die diplomatische, politische, finanzielle, wirtschaftliche, militĂ€rische und technologische UnterstĂŒtzung vorzugehen.

Es lebe der antifaschistische Internationalismus!

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Die Kampagne RiseUp4Rojava hat einen Aufruf zum Tag.
Im folgenden der Link: riseup4rojava.org/de/kein-krieg-in-nordsyrien-tag-x-mobilisierung/




Quelle: De.indymedia.org