Februar 12, 2021
Von FAU Flensburg
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Sammelklagen gegen kriminelle Unternehmen mĂŒssen auch in Deutschland möglich sein! Gerade im Arbeitsrecht.

Wie verkommen muss ein milliardenschwerer Konzern sein, seine BeschĂ€ftigten systematisch um Trinkgeld zu betrĂŒgen? In den USA stimmte Amazon am 2. Februar 2021 einem Vergleich mit der US-Verbraucherschutzbehörde FTC zu und zahlt 61,7 Mio. US-Dollar an Paket-Fahrer von Amazon Flex zurĂŒck.1 Bereits im Jahr 2008 verurteilte eine US-Richterin die Kaffee-Kette Starbucks wegen systematischer Trinkgeld-Unterschlagung zur Zahlung von 100 Mio. USD. Rund 100.000 BeschĂ€ftigte sollten aus einem Fonds entschĂ€digt werden, in den Starbucks einzahlt.2

Jahrelanger Betrug beim Trinkgeld. Was ist das fĂŒr ein Wirtschaftssystem, in dem solche Marken wie Fett auf der Suppe schwimmen? Moment
 Es wird doch wohl nicht an Seattle liegen, wo die Firmenzentralen von Amazon und Starbucks sind
? Weht der Geist des Geizes durch die Stadt, in der Grunge-Rock erfunden wurde, wo neben dem Sub-Pop Label (Nirvana, Sonic Youth) auch Microsoft (Bill Gates) sitzt?

Der kleine Staat Washington im Nordwesten der USA erhebt zwar keine Unternehmenssteuern, gilt aber nicht als ausgewiesene Steueroase wie Delaware. Die Donald-Duck-MentalitĂ€t, auch PfennigbetrĂ€ge nicht gering zu schĂ€tzen, dĂŒrfte Jeff Bezos von der Wall Street mitgebracht haben. Bevor er Amazon grĂŒndete war er stellvertretender Chef des Hedgefonds D. E. Shaw & Co. Auch globale Consulting-Firmen und RechnungsprĂŒfer helfen gegen ĂŒppige StundensĂ€tze gerne bei der optimalen (und nicht immer ganz legalen) Auspressung derer, die ganz unten in der Nahrungskette stehen.

Die Erschaffung eines digitalen Sub-Proletariats

Im konkreten Fall baut Amazon Flex einen Lieferdienst nach dem Vorbild von Uber auf. Privatleute können sich dort einloggen und fahren. Ihnen wurden 18-25 Dollar Stundenlohn versprochen.3 Die Amazon-PR rĂŒhmt sich auch noch, die höchsten Stundenlöhne aller Liefedienste zu zahlen. Aber: Wenn die Fahrer ihr Stundensoll nicht geschafft hatten, wurde mit dem Trinkgeld aufgefĂŒllt, dass die Kunden online vergeben können.

Die US-Verbraucherschutzbehörde schaltete sich vermutlich ein, weil Amazon auch die Kunden betrogen und missbraucht hat, die in gutem Glauben einen Teil der garantierten Lohnkosten ĂŒbernahmen, obwohl sie den Boten doch ein Extra zukommen lassen wollten.

Was die Amazon-PR komplett unterschlĂ€gt: Die 25 Euro Stundenlohn, mit denen Amazon Flex in Deutschland wirbt, sind Augenwischerei. Die selbstĂ€ndigen Flex-Fahrer verursachen keinerlei Lohnnebenkosten, Amazon hat keinerlei FĂŒrsorgepflicht. Rechnet man Versicherungen (Krankheit, Rente, Unfall), Fahrzeugkosten, Reparaturen, heraus, ergibt sich höchstwahrscheinlich nur ein Hungerlohn. Oder ein digitales Sub-Proletariat ohne Kranken- und Rentenversicherung.

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Quelle: Fau-fl.org