Juli 27, 2021
Von End Of Road
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Vor fast einem Monat beschlossen wir als Bewegung*, defensive Strategien zu ĂŒberwinden und unsere OffensivitĂ€t zu stĂ€rken. Als Ergebnis lĂ€ngerer Diskussionen, und es soll angemerkt sein dass diese Diskussionen nur mit anhaltender Organisierung zu Ergebnissen fĂŒhren, begannen Strukturen mit der Umsetzung einer neuen Strategie gegen ZwangsrĂ€umungen und der Fokussierung auf die Zerstörung der „roten Zone“ und grĂŒndeten ihre eigene Zone im Nordkiez. Eine Zone, die dieses Mal auf Selbstorganisation und SolidaritĂ€t basierte. Sie schafften es, die PassivitĂ€t der „rote Zone“ zu „dekonstruieren“ und schufen kollektive Momente und Erfahrungen.
Nach einem erfolgreichen Mittwoch und einem Kampf auf der Straße, verteidigten die Leute das Haus R94 wĂ€hrend der Invasion durch die Bullen, am 17. Juni. Die Menschen kĂ€mpften an diesem Tag fĂŒr Selbstorganisierung und Selbstbestimmung, gegen Privateigentum, UnterdrĂŒckung und Ausbeutung, gegen die Stadt der Reichen.Am gleichen Tag, am Donnerstagabend, fand die von der Interkiezionale organisierte Demo statt. 2000 Menschen versammelten sich in festlicher AtmosphĂ€re und demonstrierten vom SĂŒdkiez bis zum Dorfplatz, wo die Rigaer Str. zurĂŒckerobert wurde.

Diesmal entschieden wir uns, zu einer Demo aufzurufen, die versuchen sollte, das potentiell belagerte Projekt zu erreichen. Bei der Entscheidung, das bedrohte Projekt zu erreichen, ging es diesmal vor allem darum, unsere Freunde und Genossen zu stĂ€rken, die vielleicht im Haus gefangen waren. Aber die RealitĂ€t ĂŒbertraf unsere Erwartungen und die Demo konnte ein offenes Haus erreichen und vor dem Projekt abhĂ€ngen, um den Widerstand unserer Leute und den RĂŒckzug der Bullen, des sogenannten Vermieters und der Hausverwaltung zu feiern. Trotz der verschiedenen Stopps am Anfang, die den dynamischen Start verhinderten, war die Demo zuversichtlich und ermĂ€chtigend. Im SĂŒdkiez griffen die Menschen die Zivten vom PMS an, was zeigte, dass die vorangegangenen Tage uns Kraft und StĂ€rke gaben, uns motivierten und inspirierten. Als wir das Projekt erreichten, war die Stimmung noch besser. Auf den DĂ€chern, an den Fenstern und vor der TĂŒr standen Menschen aus dem Haus, die die SolidaritĂ€tsdemo begrĂŒĂŸten und sich an der anschließenden fröhlichen Kundgebung auf dem Dorfplatz beteiligten. Die hohe Beteiligung an der Demo, aber auch die zahlreichen SolidaritĂ€tsaktionen und -bekundungen zeigten, dass sich die Menschen nicht, wie von der Presse behauptet, von radikalen KĂ€mpfen distanzieren, sondern sie aktiv unterstĂŒtzen, in ihnen Lösungen fĂŒr unsere Alltagsprobleme und Werkzeuge zum Widerstand gegen die UnterdrĂŒckung und Ausbeutung, die wir erleben, erkennen. Offen lassen wĂŒrden wir die Frage inwiefern die Demo dazu beigetragen hat, dass die Bullen ihren eigentlich fĂŒr zwei Tage geplanten Einsatz bereits nach dem ersten Tag abgebrochen haben.

Leider war unser Gesa-Support wieder einmal nicht so gut strukturiert, da es an KapazitÀten mangelte. Wir arbeiten an unseren Defiziten und bereiten uns auf die kommenden RÀumungsversuche vor.

Als Interkiezionale wurden wir durch die Aktionen unserer Genoss*Innen in der Rigaer Str. bestĂ€rkt und motiviert. Apropos kollektive Momente: der Kampf um Rigaer94 hat es geschafft, Menschen zusammenzubringen, Beziehungen zu schaffen, eine Perspektive fĂŒr unseren Kampf zu geben. Diese Tage haben uns gezeigt, wie wichtig unsere Netzwerke und Infostrukturen sind, wie notwendig einzelne Initiativen sind – wie der spontane Aufruf zur Demonstration am 16. Mai -, wie notwendig jeder Einzelne ist und wie wichtig letztendlich die SolidaritĂ€t ist. Der Kampf wurde von den Menschen im Haus, den Menschen auf der Straße, all den Menschen, die an Kundgebungen, Demos, Aktionen teilnehmen, gefĂŒhrt. Die Menschen, die wĂ€hrend der Angriffe gejubelt haben, die SolidaritĂ€tstexte hochgeladen haben, die Demos angemeldet haben. All diese Menschen sind Teil unserer Bewegung, einer Bewegung, die auf gegenseitiger Hilfe und SolidaritĂ€t beruht, einer Bewegung, die gegen ZwangsrĂ€umungen kĂ€mpfen kann, die gegen die Stadt der Reichen kĂ€mpfen kann. Und wenn wir entschlossen zusammen arbeiten und kĂ€mpfen, können wir die PlĂ€ne der Bullen und Vermieter zerstören oder zumindest ein Hindernis schaffen, wie es am 17. Juni geschah, als der sogenannte EigentĂŒmer und die Hausverwaltung erfolglos versuchten, die Leute im Haus zu verklagen und dabei völlig versagten, die Kontrolle ĂŒber die RĂ€ume zu ĂŒbernehmen. Allen Beteiligten war bewusst dass es hier nie um Brandschutz ging, schließlich wurde dieser bereits zweimal ohne nennenswerte MĂ€ngel geprĂŒft. Vielmehr kommunizierte Hausverwalter Luschnat offen seine PlĂ€ne das Haus fĂŒr unbewohnbar erklĂ€ren zu lassen. Diese Haltung weckte bei den Bullen der unteren und mittleren RĂ€nge eine Erwartungshaltung endlich ihre TrĂ€ume verwirklicht zu sehen. Durch diesen Druck ließ sich Innensenator Geisel in eine Situation drĂ€ngen in der er nurnoch verlieren konnte. Entweder er verlĂ€sst seinen vermeintlich legalistischen Kurs und zieht eine illegale RĂ€umung durch, angesichts der Aufmerksamkeit auf dem Kampf in diesen Tagen des Wahlkampfs eine zweifelhafte Idee. Oder er verheizt seine SchlĂ€ger in einer sinnlosen Eskalation fĂŒr eine BrandschutzprĂŒfung fĂŒr die er auch den alten Bericht von Schmidt hĂ€tte kopieren können.

Von nun an liegt es in unseren HĂ€nden, diese Strategie zu verbreiten und mehr Leute und mehr KĂ€mpfe in sie einzubeziehen. Indem wir uns darauf konzentrieren, urbane KĂ€mpfe zu verbinden, sollte es unser Ziel sein, als Bewegung grĂ¶ĂŸer zu werden und mehr KĂ€mpfe und Themen in unsere Alltagspolitik zu integrieren.

Der Strategie der Tag-X Demo folgend, Motivation, Hoffnung und Optimismus zu gewinnen, stellen die 2 Tage in der Rigaerstr. ein Beispiel fĂŒr Widerstand, SolidaritĂ€t, OffensivitĂ€t dar, ein Moment, der unsere zukĂŒnftigen PlĂ€ne und Strategien begleiten wird, ein Moment, in dem die Szene zu einer Bewegung wurde.

Der Kampf geht immer noch weiter! SolidaritÀt mit allen bedrohten Projekten!

P.S: Da im Reallife diskutieren doch am schönsten ist veranstalten wir eine VV am 25.07. im Mehringhof

Quelle: https://interkiezionale.noblogs.org/




Quelle: Endofroad.blackblogs.org