November 27, 2020
Von Revista BUNA
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Von Adrian Tătăran

Nach dem Fall der kommunistischen Diktatur 1989 konnten die durch fĂŒnf lange Jahrzehnte totalitĂ€rer Herrschaft in RumĂ€nien vergessenen und unterdrĂŒckten anarchistischen Ideen wieder entdeckt und verbreitet werden. Zu Beginn geschah dies durch die „Do-it-Yourself“ (D.I.Y.) Punk und Hardcore-Musik-Szene, die zu dieser Zeit in StĂ€dten wie Temeswar und Craiova langsam Form annahm. WĂ€hrend der 1990er und den frĂŒhen 2000er Jahren blieben diese zwei StĂ€dte die hauptsĂ€chlichen Orte fĂŒr die vielfĂ€ltigen autonomen Initiativen, die von anarchistischen Ideen und Praktiken beeinflusst waren.

Betrachtet man die spezifischen sozialen, politischen und ökonomischen Bedingungen RumĂ€niens in dieser Zeit, dann ist die relativ schnelle Entwicklung der anarchistischen Szene und ihr bemerkenswerter Einfallsreichtum in den harten Jahren des „Übergangs“ Wert zur Kenntnis genommen zu werden. Zuallererst hatte die brutale kommunistische Herrschaft versucht, alle möglichen Spuren der vergangenen anarchistischen „Stimmen“ und zuvorderst jene der rumĂ€nischen Anarchistinnen und Anarchisten auszulöschen. Neben dem Fakt, von der eigenen „Geschichte der Freiheit“ abgeschnitten worden zu sein, waren die Anarchistinnen und Anarchisten, zumindest wĂ€hrend der 1990er und 2000er Jahre zudem relativ abgeschnitten von Europa. Daraus folgte im Gegenzug eine Verknappung von Informationen und Materialien fĂŒr die anarchistischen Kollektive im Land und eine gewisse Isolation von der grĂ¶ĂŸeren anarchistischen „Szene“ zu dieser Zeit. Nicht zuletzt waren die wenigen Anarchistinnen und Anarchisten mit einer Ă€hnlichen Isolation „zu Hause“ konfrontiert sowie mit der kontinuierlichen Repression durch die Staatsgewalt. Dies alles ist ein Grund, weshalb man im RĂŒckblick mit Fug und Recht von der Anzahl und Vielfalt von „Zines“, die zu dieser Zeit erschienen sind, von den zahlreichen Konzerten und Festivals, die mit wenig oder gar keinen Mitteln organisiert wurden sowie von den vielfĂ€ltigen, von Anarchistinnen und Anarchisten initiierten Aktionen wie beispielsweise Mai-Feiern, „Food not Bombs“-Veranstaltungen, Anti-Kriegs-Propaganda und Proteste, anarcho-feministischer und antifaschistischer Initiativen usw. erstaunt sein muss. FĂŒr jene, die sich mit dieser erst kĂŒrzlichen, doch wenig bekannten Vergangenheit des Anarchismus in RumĂ€nien vertraut machen möchten, hat das Zine Buruieni vor ein paar Jahren eine Spezialausgabe veröffentlicht, die dieser Zeit gewidmet ist. Die Ausgabe beinhaltet eine Reihe von ausgewĂ€hlten BeitrĂ€gen einer anderen Publikation, welche die ost-europĂ€ischen anarchistischen Initiativen dokumentierte, die Abolishing the Borders from Below. Die Artikel, Interviews und Berichte, allesamt bezogen auf die rumĂ€nische anarchistische „Szene“ in den frĂŒhen 2000er Jahren, sind in Englisch verfasst. [1] ZusĂ€tzlich dazu erschien 2014 unter dem Titel Fanzinul Fanzinelor eine wirklich eindrucksvolle Sammlung rumĂ€nischer Punk- und Anarchismus-Zeitschriften. [2] Obwohl darin nur Publikationen aus Temeswar zwischen den frĂŒhen 1990er Jahren und 2012 dokumentiert werden, deckt die Sammlung eine lange Zeitspanne ab, und, mehr noch, beinhaltet sie eine Menge an Informationen ĂŒber die anarchistischen Gruppen, die in anderen rumĂ€nischen StĂ€dten aktiv waren.

Seit dem Herbst 2013 und den massiven, landesweiten Protesten gegen das Bergbau-Projekt in Roșia Montană, scheint es einen Aufschwung an Interesse fĂŒr anarchistische Ideen, Veranstaltungen und anarchistisch inspirierte Organisierung zu geben. WĂ€hrend sie noch immer in einem bestimmten Maß mit den Punk- und Hardcore„Szenen“ verbunden ist, scheint diese „neue Welle des Anarchismus“ auf der anderen Seite weniger abhĂ€ngig davon zu sein und weit gefĂ€cherter in ihrem Herangehen sowie in ihren Ausformungen. Ein typisches Beispiel dafĂŒr ist Cluj, eine UniversitĂ€tsstadt, in welcher Anarchistinnen und Anarchisten in den letzten Jahren ausgesprochen aktiv und sichtbar sind, so auch wenig ĂŒberraschend wĂ€hrend den Protesten gegen Roșia Montană.

Aktuell sind zwei anarchistische Gruppen in Cluj aktiv: Die A-casă-Gruppe und das LMA Kollektiv, ein kleines D.I.Y Punk Kollektiv. Wie auch immer, die meisten der AktivitĂ€ten werden von den beiden Gruppen gemeinsam organisiert und finden entweder bei A-casă, einem unabhĂ€ngigen und selbstorganisierten Zentrum statt, oder im Rizom, einem Keller, der gewöhnlich fĂŒr Konzerte genutzt wird. [3] Diese beiden Gruppen waren zudem in den letzten beiden Jahren darin erfolgreich, zwei gut bestĂŒckte Bibliotheken mit hauptsĂ€chlich anarchistischen Magazinen und BĂŒchern zusammenzubringen.

Das in dieser Ausgabe von BUNĂ publizierte Interview, prĂ€sentiert sowohl einen detaillierten Überblick ĂŒber die vielfĂ€ltigen AktivitĂ€ten der Gruppen in Cluj als auch ĂŒber die Ideen, die sie inspirieren. Mehr noch, fĂŒr die daran Interessierten können die Webseiten der beiden Kollektive weitere Informationen zu ihren generellen Zielen und den spezifischen Initiativen, die sie unterstĂŒtzen, bieten. [4]

In Anbetracht dessen konzentriere ich mich auf die letzte Reihe „informeller Veranstaltungen“, die von den Anarchistinnen und Anarchisten in Cluj organisiert und ausgerichtet wurden. Unter der Bezeichnung „Laolaltă“ („Zusammen“), fanden die Veranstaltungen zwischen dem 16. September und dem 9. Oktober 2017 statt. Das kleine Flugblatt von „Laolaltă“, das vor dem Beginn der Serie herausgegeben wurde, erklĂ€rt in einer sehr prĂ€gnanten und klaren Weise die Ideen und Empfindungen hinter der Initiative und die generellen Prinzipien, die sie anleiten.

„Wir leben unter einem bestĂ€ndigen Angriff durch ein System, das uns ausbeutet, entfremdet und unsere Freiheiten jeden Tag mehr und mehr einschrĂ€nkt. Wir sind gezwungen, unser Leben so zu leben, dass wir miteinander in Konkurrenz stehen und darĂŒber die StĂ€rke vergessen, die wir haben können, wenn wir zusammen kommen. Konfrontiert mit unserer eigenen PrekaritĂ€t und der Gentrifizierung der Stadt begreifen wir, dass wir mehr denn je unabhĂ€ngige und selbstorganisierte Zentren benötigen, in denen wir uns treffen, Ideen austauschen und entwickeln können. Wir alle haben verschiedene Kenntnisse, FĂ€higkeiten und Emotionen, die wir gegenseitig teilen können. Zusammen können wir sichere RĂ€ume fĂŒr jeden schaffen, ohne Hierarchie und so wenig als möglich abhĂ€ngig vom Kapitalismus. Wir laden dich zu „Laolaltă“, eine Serie von Veranstaltungen mit Diskussionen, PrĂ€sentationen, Arbeitsgruppen und FilmvorfĂŒhrungen ein. Diese Veranstaltungen sind ausschließlich die Arbeit und Mitwirkung der Teilnehmenden, weswegen es dort keinen Unterschied zwischen den Organisatoren und dem Publikum gibt. Ihr seid alle willkommen, unabhĂ€ngig deiner ethnischen Herkunft, deines Geschlechts, deiner Rasse, Bildung oder körperlichen FĂ€higkeiten. Wir werden Verhalten nicht tolerieren, die diskriminieren und Formen von Hierarchien herausbilden.“

Als Teilnehmer einiger dieser Veranstaltungen, und mehr noch, Vortragender ĂŒber die Geschichte des Anarchismus in RumĂ€nien, gibt es einige Sachen, die ich bei „Laolaltă“ ausdrĂŒcklich bemerkenswert fand und die ich herausstellen möchte.

Zuvorderst: Die reine Anzahl an vorgestellten und angekĂŒndigten AktivitĂ€ten ist beeindruckend, vor allem dann, wenn man die relativ kleine Anzahl von Leuten in betracht zieht, welche den problemlosen Ablauf wĂ€hrend der Veranstaltungen und die gesamte Organisation im Hintergrund sicherstellten. Zudem basierten, wenn auch nicht alle AktivitĂ€ten direkt auf anarchistische Themen Bezug nahmen, die gesamten Rahmenbedingungen, um diese durchzufĂŒhren und zu begleiten, auf anarchistischen Prinzipien: Selbstorganisation, Autonomie und gegenseitige Hilfe in einer anti-autoritĂ€ren und nicht-hierarchischen Umgebung. Zudem war die bestimmende Idee hinter dieser „informellen Serie von Veranstaltungen“, die wir locker als „anarchistisch“ bezeichnen können, eigentlich eine Idee der Inspiration zur GrĂŒndung neuer autonomer, alternativer RĂ€ume, von neuen Wege des freien Zusammenkommens. Viele der Gruppen und Personen, die bei „Laolaltă“ teilgenommen haben, wĂŒrden sich möglicherweise nicht als „Anarchisten“ definieren. Manche von ihnen waren sich sogar nicht bewusst darĂŒber, dass sie von Anarchistinnen und Anarchisten eingeladen wurden und mit diesen zusammen arbeiteten. Dieser Sinn fĂŒr Offenheit, ein entschlossener Wille, „die Grenzen niederzuwerfen“, ist exakt die Form von Energie, welche, nach meiner Auffassung, den vollen Erfolg der Initiative, sowohl in Bezug auf die Konditionen als auch der direkten Beteiligung der Leute und der Besucherzahl, sicher stellte. Im Gegensatz zum „predigen“ einiger Prinzipien, die Menschen eher als „Abstrakt“ empfinden können und folglich als irrelevant, kann ihre Anwendung veranschaulichen, dass diese nicht nur „schön“ und „idealistisch“ sind, sondern praktisch und, in einer gewissen Weise, schon jetzt Allgemeingut. Von diesem Standpunkt aus denke ich, dass die entschlossene, diskrete und harte Arbeit unserer Genossinnen und Genossen in Cluj wĂ€hrend der Monate von „Laolaltă“ ein bemerkenswertes Beispiel der „Propaganda der Tat“ darstellt, die allumfassend eine wirklich unerwartete Anzahl an Menschen erreichte und einbezog. Es scheint, dass zu diesem Anlass die „Anarchie“ schlicht perfekt funktionierte.

Um einen kleinen Einblick ĂŒber die eingebrachten AktivitĂ€ten und ihre Vielfalt zu geben, kann ich hier die interessanten Diskussionen ĂŒber Veganismus und Tierrechte, ĂŒber die Formen, mit staatlicher Repression umzugehen (Festnahmen, Strafzahlungen, etc.), ĂŒber Gartenarbeit und den Austausch von Saatgut, ĂŒber die aktuelle Situation in Roșia Montană oder ĂŒber die aktuellen Straßenbewegungen in RumĂ€nien und den aktuellen politischen Kontext anfĂŒhren. Einerseits haben die Dokumentarfilme „The Antifascists“ und „Class divide“ eine grĂ¶ĂŸere Anzahl an Besuchern erreicht, wĂ€hrend es andererseits so scheint, dass die verschiedenen Workshops – zur Fahrradreparatur, zum selbstgemachten Bier brauen, ĂŒber das Herstellen von Transparenten und Schablonen oder ĂŒber simultane Interpretationen ein spezifischeres Publikum ansprach. Die Eröffnungsparty, die beiden Hardcore- und Metal-Konzerte (mit Bands aus Polen und Russland) und der D.I.Y.- Hip-Hop Abend unter dem Slogan „No DJs, no Masters“ garantierten mit UnterstĂŒtzung des von den Leuten von A-casă hausgemachten Bieres, die feierliche und fröhliche AtmosphĂ€re – genauso wie den gelegentlichen Kater danach 
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Der öffentliche Vortrag, den ich gab, „Anarchismus in RumĂ€nien: Eine vergessene Geschichte?“, versuchte etwas Licht auf die ĂŒberraschenderweise vielfĂ€ltige, reiche, und gleichzeitig komplett vergessene Geschichte des Anarchismus in RumĂ€nien zu werfen. Die Zeitspanne, auf die ich mich fokussierte, war jene, bevor die stalinistisch inspirierte Diktatur das Land in Folge des Endes des Zweiten Weltkrieges ĂŒbernahm. Eine meiner wichtigsten Absichten, neben der Bekanntmachung einiger außergewöhnlicher Personen und anarchistischer „Stimmen“, bestand konkret darin, einiges der alten „offiziellen“ Parteipropaganda zu zerlegen. Diese versuchte durch eine teilweise entstellte Geschichtsschreibung und Vereinnahmung, beispielsweise von Personen wie Panait Mușoiu oder Ștefan Gheorghiu – wĂ€hrend gleichzeitig deren anti-autoritĂ€ren Überzeugungen heruntergespielt oder ĂŒbergangen wurden – die unbarmherzige Parteiherrschaft zu legitimieren. Ich sprach auch ĂŒber die hauptsĂ€chlich anarchistische Orientierung der rumĂ€nischen sozialistischen Bewegung zu ihrem Anfang, ĂŒber die darauf folgende Marginalisierung der anarchistischen Tendenz und, spĂ€ter dann, von ihrer vollstĂ€ndigen UnterdrĂŒckung durch das kommunistische Regime. WĂ€hrend ich versuchte, die freudige, idealistische und rebellische Energie wachzurufen, welche die Jugend am Ende des XIX. Jahrhunderts fĂŒr anarchistische und sozialistische Ideen begeistert hatte, versuchte ich auch das Leben und die Arbeit einiger Anarchisten dieser Periode zu beschreiben: Zamfir Arbure, den anarchistischen Aristokraten, Freund von Bakunin und Reclus, Dr. Russel, den Arzt Zubcu-Codreanu, Mircea Rosetti, den nihilistischen Studenten Constantin Mille, den Dichter des Symbolismus Mircea Demetriade, den utopischen Schriftsteller und Syndikalisten Neagu-Negulescu, Panait ZosĂźn, oder, spĂ€ter dann, den „Humanitaristen“ Eugen Relgis, den vergessenen utopischen Schriftsteller und TrĂ€umer Valeriu Buja, oder den bemerkenswerten Esperantisten und VerkĂŒnder des Veganismus, Ion Ionescu-CăpÄƒÈ›Ăąnă. Ein weites und interessantes Kapitel, das ich leider nicht in der Breite ausfĂŒhren konnte, dass es verdient hat, war jenes ĂŒber die Anarchisten aus RumĂ€nien, die zu Beginn des XX. Jahrhunderts in die USA emigrierten, wie beispielsweise Joseph Ishill, der renommierte Kunstdrucker oder die kleine Gruppe in Leclaire, Illinois, die das handgeschriebene Magazin „The Wastebasket“ publizierten.

Ein weiterer ausfĂŒhrlicher Teil meiner PrĂ€sentation war der „anarchistischen Presse“ gewidmet und der bedeutsamen anarchistischen Publizistik, die zum Großteil dem lebenslangen Engagement von Panait Mușoiu geschuldet ist. Die fĂŒr gewöhnlich ĂŒbersehene, manchmal komplizierte Beziehung zwischen „Anarchie“ und den literarischen und kĂŒnstlerischen Welten, war ein weiterer Aspekt, den ich versuchte zu streifen. Panait Istrati, einer der meist geliebten Schriftsteller von Anarchistinnen und Anarchisten ĂŒberhaupt, ist zudem ein Schriftsteller nahe an der „Anarchie“, nicht nur im Geist, sondern auch in seinen „Zuneigungen“ und Freundschaften. Mit einer Menge publizierter Artikel in der anarchistischen Presse, mit seiner rebellischen Natur und seiner ZurĂŒckweisung von Parteiherrschaft und UnterdrĂŒckung ist es kein Wunder, dass dieser „schreibende Vagabund“ die Freundschaft und Inspiration von Ștefan Gheorghiu und Victor Serge genoss. Eine weitere literarische Person, die ich erwĂ€hnte, war George Bacovia, der melancholische Poet, der, wie es scheint, zu einem bestimmten Punkt von der anarchistischen „anderen Flamme“ angezogen wurde, – um hierbei Panait Istrati zu zitieren.

Diese ausfĂŒhrliche, wenn auch knappe PrĂ€sentation der Geschichte des Anarchismus in RumĂ€nien war, so viel ich weiß, eine der sehr wenigen Möglichkeiten, wenn nicht die einzige, zumindest in letzter Zeit, in der das Thema in einem öffentlichen Vortrag in RumĂ€nien direkt behandelt und diskutiert wurde. Obwohl ich nicht auf die GrĂŒnde hinter diesem befremdlichen Mangel eingehen möchte, wĂŒrde ich behaupten, dass ein mangelndes Interesse gegenĂŒber dem Gegenstand ganz sicher keine Ursache dafĂŒr sein kann. Der ĂŒberraschend große Zuspruch, die enthusiastischen Reaktionen, die mich im Anschluss erreichten, genauso wie die UnterstĂŒtzung, die ich durch verschiedene Leute und Gruppen bei der Organisation des Vortrages erhielt, ĂŒberzeugten mich, dass eine Menge an Leuten mit wirklichem Interesse auf diesen Vortrag warteten und die meisten von ihnen schließlich mit einem lebendigen Bild und der Absicht, mehr ĂŒber diese unbekannte „Geschichte der Freiheit“ zu lernen, gingen. Eine andere faszinierende Sache war, dass viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht unbedingt Leute waren, die sich mit dem Anarchismus befassten oder an ihm interessiert waren; dies zeigt nur mehr, dass das Interesse am vorgestellten Thema das zu erwartende „gewöhnliche“ Publikum ĂŒberschritt, und dass möglicherweise das lang vergessene Werk unserer „vormaligen Genossinnen und Genossen“ auch heute noch den Menschen wertvolles zu sagen hat.

Das aktuelle Projekt des kĂŒrzlich gegrĂŒndeten „Pagini Libere“-Kollektivs, eine Wiederherausgabe der 1923 erschienen anarchistischen Utopie Arimania, verfasst von Neagu-Negulescu, wird, hoffentlich ein erster Schritt auf dem aktuell eingeschlagenen Weg der Wiederentdeckung, Verbreitung und Fortsetzung der „verlorengegangen Arbeit“ und der verlorenen Geschichte unserer VorgĂ€ngerinnen und VorgĂ€nger sein. Zudem – da die Menschen, die bereits forschen, oder die gerade damit beginnen, ein konkretes Interesse an den Themen bezĂŒglich der Geschichte des Anarchismus in RumĂ€nien zu entwickeln, mehr und mehr werden, könnte die Schaffung eines diesem „exzentrischen“ Themas gewidmeten Forums einer der nĂ€chsten Schritte sein.

Der hier vorliegende Bericht ist natĂŒrlich weit davon entfernt, einen kompletten und detaillierten Überblick ĂŒber die vielfĂ€ltigen aktuellen AktivitĂ€ten zu geben, die von den AnarchistInnen in Cluj unterstĂŒtzt oder organisiert wurden.[5] Er war auch nicht als solcher geplant. Vielmehr ist er eine kleine Darstellung der Arbeit, Ausdauer und Hingabe, welche die Anarchistinnen und Anarchisten und ihre Freundinnen und Freunde in Cluj in die Erschaffung dieser seltenen und inspirierenden Orte von Menschlichkeit und Gleichheit legen, Orte, die so ein beredetes Zeugnis fĂŒr den freien, großherzigen und kreativen Geist darstellen, den wir manchmal als „Anarchie“ bezeichnen möchten.

[1] Die Ausgabe kann kostenlos unter dem folgenden Link heruntergeladen werden: https://centruldecultura.wordpress.com/2015/02/25/buruieni-3/.

[2] Fanzinul fanzinelor TM – 20 de ani de fanzine și publicații Otherground Ăźn Timișoara (1994 – 2014), Timișoara, Antropong, 2014.

[3] UnglĂŒcklicherweise muss der Rizom „Keller“ und die dortige Bibliothek in naher Zukunft einen neuen Platz finden, da das GebĂ€ude im „alten“ Teil der Stadt, in dem er sich befindet, abgerissen wird, um Platz zu schaffen fĂŒr ein neues, „profitableres“ Investment.

[4] Der A-casă Kollektiv Blog (auch in Englisch) kann unter der folgenden Adresse gefunden werden: https://acasacluj.noblogs.org/. FĂŒr den Rizom Infokiosk, BĂŒcherei und „Keller“ und die Zeitschriften des LMA-Kollektivs kannst du zu https://rizominfokiosk.noblogs.org/ und http://leavemealonezine.blogspot.fr/ gehen. Das Heft ist in englischer Sprache verfasst und kann kostenlos heruntergeladen werden.

[5] Als Beispiele könnten wir hier den „Piața autonomă” [den „UnabhĂ€ngigen Markt”] anfĂŒhren oder Ereignisse, wie die „Cultivă orașul“ und „Porodica urbană“ Initiativen, die sich auf „urban gardening“ beziehen.

Dieser Artikel ist erschienen in BUNĂ #6




Quelle: Revistabuna.wordpress.com