Juli 20, 2021
Von Paradox-A
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Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Vortrag wurde am 10.04. bei der Tagung des Netzwerk Utopie zur Staatskritik (https://freieassoziation.noblogs.org/staatskritik/) online gehalten und ist nun zugänglich. Unten folgt der Beschreibungstext der Veranstaltung.

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Föderation autonomer und dezentraler Kommunen

Staatskritik hat im Anarchismus bekanntlich eine große Tradition. Anarchistische Positionen entstanden in Kritik und Auseinandersetzung mit dem modernen Staat. Die enorme Ausdehnung von Staatlichkeit im 18., 19. und 20. Jahrhundert, ihre spezifische Rationalität, ihre unpersönliche, bürokratisch wirkende Macht, ihre Sogwirkung zur Zentralisierung, ihr Militarismus, Nationalismus und ihre Grenzziehung, erschien Anarchist*innen zurecht als Knotenpunkt der Herrschaftsordnung schlechthin. Der moderne Staat disziplinierte und normalisierte über die Zwangsinstitutionen von staatlicher Verwaltung, Militär und Schule die ihm unterworfene Bevölkerung und erschuf sie als staatsbürgerliche Subjekte erst, wobei staatliche Ideologie und Logik zunehmend verinnerlicht wurden.

Staat als hierarchisches Institutionen-Ensemble wurde von Anarchist*innen daher keineswegs als zivilisatorischer politischer Fortschritt, sondern vielmehr als ungeheuerliche Maschine angesehen. Er stelle in keiner Weise eine Vorbedingung für eine libertäre sozialistische Gesellschaft dar, sondern würde ihre Entfaltung in jeglicher Hinsicht hemmen. Dies war nicht vorrangig dogmatische Phrase, sondern speiste sich aus Erfahrungen von relativ autonomen emanzipatorischen sozialen Bewegungen. Im Anarchismus werden neben der Kritik an Herrschaftsordnung und -verhältnissen allerdings zugleich Alternativen zu ihr gesucht und diskutiert.

Mit einem Ansatz der politischen Theorie kann dies als „Streben nach Autonomie“ beschrieben werden. Anarchistischer Individualismus, Mutualismus, Kommunismus, Syndikalismus und Kommunitarismus können als unterschiedliche Strategien aufgefasst werden, einerseits Distanz von Herrschaft zu gewinnen, andererseits Alternativen zu ihr zu verwirklichen. Dies betrifft mehrere, miteinander verknüpfte Dimensionen, die ökonomische, politische, geschlechtliche, ökologische, kulturelle und ethische. Was „die“ Politik angeht lässt sich im anarchistischen Denken eine merkwürdige Paradoxie zwischen Bezugnahme und Ablehnung von „Politik“ feststellen. Anarchist*innen verwerfen die Organisation von politischen Parteien, den Parlamentarismus, diePartizipation an staatlichen Apparaten und kritisieren darüber hinaus auch die „politische“ Logik von NGOs oder außerparlamentarischen Gruppen.

Eine spannende Frage dabei lautet aber: Wodurch kann die politische Verwaltung des Staates ersetzt werden? Hierbei wird das Konzept der Föderationen dezentraler und autonomer Kommunen bedient, mit welchem nicht zuletzt ein Leben nach einer sozialistischen Ethik verwirklicht werdenkönnte. Handelt es sich hierbei tatsächlich um einen herrschaftsfreien Modus von Politik? Oder bedeutet dies die Abschaffung von „Politik“? Diese Frage soll als Aufhänger dienen, um ein althergebrachtes, aber wirkmächtiges und beständiges Konzept für die (anti-)politische Organisation einer libertär-sozialistischen Gesellschaftsform zu diskutieren.




Quelle: Paradox-a.de