September 8, 2021
Von Bure Bure Bure
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Rund um die Aktionstage gegen CIGEO am Rande des Rayonnantes Camps auf dem Bahnhof von Luméville im August ist einiges passiert. Eine kurze EinschÀtzung der Ereignisse und ein Aufruf zur Intensivierung unseres Widerstandes von ein paar RÀuber*innen.

Aktionen im Vorfeld
Bereits vor dem Rayonnantes-Camp gab es Interventionen der Gruppe B.O.R.I.S.
In einer koordinierten Aktion gab es Angriffe mit Farbe und Glasbruch auf die Landwirtschaftskammer SAFER in Bar-le-Duc und Nancy. Auch die an der Zivilklage der Gemeinde Bure beteiligte Versicherungsgesellschaft Groupama wurde mit Sachschaden bedacht. Auf der zu renovierenden Zugtrasse zwischen Ligny und Gondrecourt sabotierten Aktivist*innen Teile der Gleise mit Wagenhebern.

Graffitis und Collagen vor dem Camp
In den Tagen vor Beginn des Aktionscamps vermehrten sich SprĂŒhereien gegen das Endlager und zum Antrag auf Anerkennung öffentlichem Nutzens (DUP), etwa in Saudron und Mandres-en-Barrois. In vielen anliegenden Dörfern gab es Collagen und Plakatieraktionen, um auf die Demonstration des 21.08. in Horville, die DUP und das Rayonnantes Camp hinzuweisen.

Brennender 5G-Mast am 18.08.
Mit einem Bekenner*innenschreiben von „erleuchteten Jogger*innen“ gegen „5G und Kernkraft“ wurde die Zerstörung eines Funkmastes in der NĂ€he von Nancy begrĂŒndet. Dieser stand in der Nacht auf den 19. August in Flammen.

Landwirtschafts-Aktion am 19.08.
Am Donnerstag verließen rund 100 Demonstrant*innen das Camp am Bahnhof von LumĂ©ville, um mit Samba und Parolen gegen drohende Landenteignungen und fĂŒr kleinbĂ€uerlichen Widerstand in Richtung Haute-Marne zu ziehen. Dort wurde kollektiv die Struktur eines landwirtschaftlichen Schuppens nahe der geplanten Bahntrasse errichtet. Das Ganze geschah unter den Augen der spĂ€t alarmierten Cops, die erst nach einer knappen Stunde auf die Bau-Demonstration aufmerksam wurden.

Sabotage am 21.08.
FĂŒnf „Finger“, von denen einer im Camp verweilte, setzten sich im Umfeld von Gondrecourt-le-ChĂąteau in Bewegung. WĂ€hrend die Cops sich am vor allem auf die „Goldenen-“ und blauen „Zirkusfinger“ konzentrierten, welche sich am offiziellen Treffpunkt in Horville sĂŒdlich von Gondrecourt trafen, konnten sich der „Lila“ und der „GrĂŒne“ Finger zunĂ€chst weitestgehend unbehelligt im nördlicheren Abainville einfinden. In Horville hatte die PrĂ€fektur vorsorglich sĂ€mtliche dekorativen Steine am Straßenrand verrĂ€umen lassen.
Nach der Teilung der beiden DemozĂŒge in Abainville, die aus je ca. 200 Atomkraftgegner*innen in MaleranzĂŒgen bestanden, stoppten die Cops den „Lila Finger“ am Ortseingang von Gondrecourt. In diesem Demoszug gab es einen Übergriff auf die Begleitperson einer Rollstuhlfahrerin, der die Cops völlig grundlos auf den Kopf knĂŒppelten. SpĂ€ter gelang es dem lila Demozug ĂŒber den Stadtrand zum Logistik-Depot der ANDRA zu gelangen, wo er erneut mit TrĂ€nengas gestoppt wurde.
Der „GrĂŒne Finger“ konnte derweil unter strahlender Sonne und mit geringst denkbarer Bullen-Begleitung entlang der Bahntrasse nach SĂŒden ziehen. WĂ€hrend eine Gruppe das NachrĂŒcken mit Barrikadenbau verhinderte, machten sich einige dutzend Aktivist*innen daran, Gleisabschnitte zu demontieren und zu verbiegen. Mit Rauch und Regenschirmen wurden sie von den Blicken des Gendarmerie-Hubschraubers und einem AufklĂ€rungs-Flugzeug der Behörden geschĂŒtzt. Nach einer guten Stunde zog der Demozug unter dem Motto „ANDRA dĂ©gage – Vive le bricolage“ weiter, um in die NĂ€he des „Lila Fingers“ zu gelangen.

Angriff auf das Depot am 21.08.
Dem „Goldenen Finger“ gelang es derweil von SĂŒden her bis zum Depot des Endlagerkonzerns ANDRA zu gelangen und den Zaun wie auch die Fassade zu beschĂ€digen. Beim RĂŒckzug erfolgte die einzige Festnahme des Aktionswochenendes.


WĂ€hrend die „Lila“ Gruppe am Ortseingang nach Gondrecourt zum zweiten Mal gestoppt wurde, zog der „GrĂŒne Finger“ zielstrebig zur Nordseite des ANDRA Depots. Im Handumdrehen ging der Zaun zu Boden und ĂŒber hundert Aktivist*innen stĂŒrmten das GelĂ€nde. WĂ€hrend sich mit prĂ€parierten Farb-Feuerlöschern und SprĂŒhdosen auf der Fassade ausgelassen wurde, zerstörten die Kernkraftgegner*innen einen Großteil der Fensterscheiben. Auch im Inneren des GebĂ€udes gab es VerwĂŒstungen und ein Betriebsauto wurde demoliert und um 180° gewendet. Nach knappen zehn Minuten waren die Demonstrant*innen wieder von GelĂ€nde verschwunden – die nachrĂŒckende Hundertschaft kamen fĂŒr jegliche Intervention zu spĂ€t. Die solidarische Haltung des „stressfreien“ blauen Fingers, die auf der entscheidenden Kreuzung FreudentĂ€nze zum Rhythmus von Samba und klirrenden Scheiben einlegten, erleichterte den RĂŒckzug und schufen eine solidarische Bezugnahme.

Angriffe auf Bullen am 21.08.
Der RĂŒckzug der fortan vereinten grĂŒnen und lila DemozĂŒge erfolgte mit etwas Verzögerung. Leichte ScharmĂŒtzel zwischen den Demonstrant*innen und Bullen, in Form von Pyrotechnik, Stein- und TrĂ€nengasbeschuss, fĂŒllten den Nachmittagsbeginn. Nach einer Ruhepause, wĂ€hrend der die Beweismittel den Flammen ĂŒbergeben wurden, zogen die Aktivist*innen entlang der Bahntrasse zurĂŒck nach Abainville. Die „Goldenen-“ und „Zirkusfinger“ hatte bereits den langen RĂŒckweg in Richtung Camp angetreten.
Ab Abainville spitzte sich die Situation ein letztes Mal zu: Barrikaden hinderten die Cops am NachrĂŒcken und die Demonstrant*innen mussten sich erneut gegen TrĂ€nengasgebrauch zur Wehr setzen. In der NĂ€he des Ortskerns flogen ordentlich Steine in Richtung Gendarmerie – sogar der stolze P4-Jeep wurde lĂ€diert. Mithilfe der UnterstĂŒtzung spontan improvisierter Shuttles konnten die Aktivist*innen mit Wasser versorgt und von einer langen Autoschlange in Sicherheit gebracht werden.

Fazit
In erfolgreichen Aktionstagen wurde in diesen Tagen erneut offensiv gegen die ANDRA und ihr AtommĂŒllprojekt CIGEO vorgegangen. Es gab wenige Verletzte und nur eine Festnahme. In einem Schnellverfahren vor dem Gericht in Bar-le-Duc wurde die Person am Montag nach knappen 48 Stunden zu einem Meuse-Verbot verurteilt. Im September soll sie in einem Prozess wegen SachbeschĂ€digung und Ablehnung von DNA-Entnahme verurteilt werden. Die BullenprĂ€senz blieb weit hinter den BefĂŒrchtungen zurĂŒck und somit kam es zu deutlich weniger Konfrontationen als ĂŒblich. Die SolidaritĂ€t und der Mut, sowie eine fĂŒr Frankreich neue dezentrale „Finger-Strategie“ waren aufgegangen und hatten die ĂŒberraschend knapp aufgestellten Bullen in den Schatten gestellt. Es wurde erneut ein deutliches Zeichen gegen das Projekt gesetzt und nebst vielen inhaltlichen Veranstaltungen auch einiges an Wut nach Außen getragen. ANDRA strebt die Anerkennung öffentlichen Interesses (DUP) an und will bei der Enteignung und mit den BauantrĂ€gen vorankommen. Am 15. September beginnt die „Öffentlichkeitsbeteiligung“ mit Anhörungen zur DUP in Montiers-sur-Saulx. Es ist höchste Zeit ihnen einzuheizen!

Übersetzung : Kontrapolis

08/09/2021




Quelle: Bureburebure.info