Dezember 2, 2021
Von InfoRiot
224 ansichten

Massentötung von HÀftlingen

Angeklagter im KZ-Prozess: War als Landarbeiter tĂ€tig

02.12.2021, 13:39

| Lesedauer: 3 Minuten


Der angeklagte ehemalige KZ-Wachmann im Gerichtssaal.

Der angeklagte ehemalige KZ-Wachmann im Gerichtssaal.

Foto: dpa

Mehrfach wurde der Angeklagte aufgefordert, sich zu seiner TĂ€tigkeit als Wachmann der SS zu Ă€ußern. Doch der Vorsitzende Richter und die die NebenklĂ€ger werden enttĂ€uscht.

Brandenburg/Havel. Im Prozess um die Massentötungen von HĂ€ftlingen im Konzentrationslager Sachsenhausen hat der Angeklagte erklĂ€rt, von 1941 bis 1945 zum grĂ¶ĂŸten Teil als Landarbeiter bei Pasewalk (Mecklenburg-Vorpommern) tĂ€tig gewesen zu sein.


In einer von seinem Verteidiger zusammengefassten ErklĂ€rung Ă€ußerte sich der 101-JĂ€hrige erstmals zu seiner angeblichen TĂ€tigkeit in Deutschland wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs. Zuvor hatte er in dem Prozess mehrfach bestritten, als Wachmann der SS in dem KZ tĂ€tig gewesen zu sein, wie die Staatsanwaltschaft ihm vorwirft.

Laut Anklage soll der heute 101-JĂ€hrige als SS-Wachmann in dem KZ von 1942 bis 1945 Beihilfe zum Mord an Tausenden HĂ€ftlingen geleistet haben. Die Staatsanwaltschaft stĂŒtzt sich dabei auf Dokumente zu einem SS-Wachmann mit dem Namen, dem Geburtsdatum und dem Geburtsort des Angeklagten. In dem Prozess hatte auch der Historiker Stefan Hördler zahlreiche Belege zur TĂ€tigkeit dieses Mannes in mehreren SS-Wachkompanien geliefert.

Der Angeklagte war 1941 als sogenannter Volksdeutscher von Litauen nach Deutschland umgesiedelt worden. ZunĂ€chst habe er in einer kleinen Firma Ersatzteile fĂŒr die Wehrmacht hergestellt, hieß es in seiner ErklĂ€rung. Anschließend habe er von einem Umsiedlungslager in Pasewalk aus in verschiedenen landwirtschaftlichen Betrieben gearbeitet. Zum Kriegsende sei er nach Kolberg abkommandiert worden, um als Zivilarbeiter SchĂŒtzengrĂ€ben zu schaufeln und UnterkĂŒnfte zu bauen. Anschließend sei er bis Juni 1946 in russischer Kriegsgefangenschaft gewesen.

Der Vorsitzende Richter Udo Lechtermann hielt dem Angeklagten vor, dass er bei seinem Rentenantrag im Jahr 1985 fĂŒr die Zeit von September 1940 bis Mai 1945 “Wehr- und Kriegsdienst” angegeben habe. Dies widerspreche seinen Angaben im Prozess deutlich. Dagegen erklĂ€rte der Verteidiger Stefan Waterkamp, der Antrag sei damals bei einer Rentenberatung und nicht von seinem Mandanten persönlich ausgefĂŒllt worden. Dazu bemerkte Lechtermann an den Angeklagten gewandt: “Ich habe ganz erhebliche Schwierigkeiten, Ihnen zu glauben, was Sie hier erzĂ€hlen.”

NebenklĂ€ger-Anwalt Thomas Walther regte an, das Gericht solle eine Psychologin und weitere SachverstĂ€ndige hören. Damit solle bewiesen werden, dass der Angeklagte seine Beteiligung an der Vernichtung von Leben in dem KZ verleugnet und verdrĂ€ngt und sich stattdessen eine Scheinwelt aufgebaut habe. Das Gericht entschied zunĂ€chst nicht darĂŒber.

Der Prozess vor dem Landgericht Neuruppin findet aus organisatorischen GrĂŒnden in einer Sporthalle in Brandenburg/Havel statt. Bislang sind Termine bis in den Januar anberaumt.

Im KZ Sachsenhausen waren zwischen 1936 und 1945 nach Angaben der dortigen GedenkstÀtte mehr als 200.000 Menschen inhaftiert. Zehntausende HÀftlinge kamen dort durch Hunger, Krankheiten, Zwangsarbeit, medizinische Versuche und Misshandlungen um oder wurden Opfer systematischer Vernichtungsaktionen.

© dpa-infocom, dpa:211202-99-229576/2





Quelle: Inforiot.de