Juli 15, 2021
Von InfoRiot
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Prenzlau – Vergangenen Freitag ist ein 43-jĂ€hriger Templiner wegen eines Angriffs auf Polizeibeamte, Körperverletzung und Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Pren­zlau — Ver­gan­genen Fre­itag ist ein 43-jĂ€hriger Tem­plin­er wegen eines Angriffs auf Polizeibeamte, Kör­per­ver­let­zung und Ver­wen­den von Kennze­ichen ver­fas­sungswidriger Organ­i­sa­tio­nen zu ein­er Geld­strafe verurteilt wor­den. Das Urteil ist noch nicht rechtskrĂ€ftig.

Eigentlich sieht der § 114 StGB “Angriff auf Voll­streck­ungs­beamte” als Min­dest­strafe eine drei drei­monatige Haft vor. Doch dieser Fall war etwas anders.

Sven W. ste­ht seit 25 Jahren unter Betreu­ung. Er hat einen Schw­er­st­be­hin­derte­nausweis und arbeit­et als Kfz-Pfleger auf dem Wald­hof. Auf dem Wald­hof gibt es zahlre­iche Ange­bote fĂŒr Men­schen mit und ohne Behin­derung. Etwa 220 Men­schen mit Behin­derung leben dort. Sven W. hat allerd­ings eine eigene Woh­nung in Tem­plin. FrĂŒher war das GebĂ€ude das Heim in dem er lebte. Er war ohne Anwalt zum Prozess gekom­men, was den Strafrichter schon zum Nach­denken brachte. Kann ein fair­er Prozess ohne Pflichtvertei­di­ger ĂŒber­haupt stattfinden?

Im Sep­tem­ber 2019 hat­te er Stre­it mit einem Kumpel in der Darg­ers­dor­fer Straße. Aus dem Stre­it wurde eine PrĂŒgelei, und er wurde am Kopf ver­let­zt. So berichtete es Sven W. freimĂŒtig dem Gericht. Eine halbe Flasche Wod­ka will er bere­its getrunk­en haben. Er sei auf 180 gewe­sen. Der Kumpel wollte abhauen. Er wollte hin­ter­her. Da waren dann plöt­zlich die “Bullen” im Weg. Die waren von sein­er dama­li­gen Fre­undin gerufen wor­den, um die PrĂŒgelei zu beenden.

“Ver­pisst euch ihr Bul­len­schweine!” will er gerufen haben. „Sieg Heil“, hat er gebrĂŒllt und den Arm zum Gruß gehoben. Dann ist er auf die Polizis­ten los. Die set­zten Pfef­fer­spray ein und rangen Sven W. zu Boden. Dabei wurde ein Polizist leicht ver­let­zt. Eine richtige Erk­lĂ€rung fĂŒr das “Sieg Heil” hat­te er nicht. Lei­der wurde auch nichts ĂŒber die Ursache der PrĂŒgelei bekannt.

Der Staat­san­walt sah nach der Beweisauf­nahme alle Anklagepunk­te als bewiesen an. Eine Haft­strafe wollte er allerd­ings nicht fordern. Er plÀdierte auf 180 TagessÀtze zu je 9 Euro. Der Strafrichter ging noch weit­er runter. Swen W. wurde zu 90 TagessÀtzen verurteilt.

Nach Ende des Prozess­es ließ der Richter Sven W. bei sein­er Betreuerin anrufen und erlĂ€uterte ihr das Urteil und die rechtlichen Widerspruchsmöglichkeiten.






Quelle: Inforiot.de