MĂ€rz 11, 2021
Von Anarchistische Bibliothek
176 ansichten


In wenigen Jahrzehnten wurde die ganze Welt mit verschiedenen neuen Netzen ĂŒberzogen. Das Internet, das Handynetz & Co… Wie rasant dieses Netz sich ausbreitete, wie es immer verflochtener eingewoben wird… das zu prophezeien hĂ€tte wohl kaum jemand gewagt. Die Glasfaserkabel, die wie Adern unter den StĂ€dten durchgezogen sind, die Signale die mit immer höherer Frequenz durch die Luft schwirren, Antennen, Modems, Handys, Wireless, Home Monitoring, Internet der Dinge, Smart City…

Heute wird inflationĂ€r von sozialen Netzwerken gesprochen, von Vernetzung, Networking, dem Web, etc… Diese Begriffe finden Eingang ins Vokabular von Firmen, von Politik, von InteressenverbĂ€nden und Freundeskreisen… eigentlich wirklich ĂŒberall ist davon die Rede. Es ist eine völlige Umwandlung der Theorien ĂŒber Organisation, was auch nicht ĂŒberraschen sollte, wird derzeit doch die komplette Gesellschaft auf gĂ€nzlich neuen Grundlagen re- und umstrukturiert.

Doch welchen Zweck hat ein Netz? Fraglos: eine Spinne baut ihr Netz, um Insekten zu fangen, in dem sie diese dann lebendig fressen kann. Ein Fischer braucht sein Netz, um Fische zu fangen. Also wozu ist das schöne neue weltumspannende Netz, das von verschiedensten Firmen und staatlichen Institutionen gebaut wurde, und mehr und mehr ausgebaut wird, gut? Nun: die Menschen, die dieses Netz spinnen und es finanzieren, haben’s vor allem auf einsabgesehen: Kapital. Alles, was in diesem Netz eingefangen wurde, wird zu Information in Form von Nullen und Einsen, potentiell verwertbarer Information, welche fĂŒr diejenigen, die „up to date“ sind, mehr Kapital bedeutet.

An diesem Netz wird nun erst seit einigen Jahrzehnten gewoben, und viele sehen darin noch einiges an Ausbaupotential. Was wĂ€re, wenn wir das Netz immer mehr ĂŒber die stĂ€dtische Architektur ausbreiten? In die Wohnungen einweben? Oder sogar in die Menschen? Das wĂŒrde noch vielmehr Information abwerfen. Detailliertere Information, Information die vielleicht die ganze RealitĂ€t widerspiegeln könnte, was bedeuten wĂŒrde: noch vielmehr Kapital. Kapital in Form von Sicherheit, von Kontrolle, von Geschwindigkeit, von Voraussicht und Berechenbarkeit…

Mit der gegenwĂ€rtigen Umstrukturierung, die zur Rettung des Kapitalismus veranstaltet wird, Ă€ndern sich auch die HerrschaftsverhĂ€ltnisse. Dies zeichnet sich schon lĂ€nger ab. Auf gewisse, jetzt eben altmodische Dinge, die zu viel Unmut hervorgerufen haben, wurde mehr und mehr verzichtet, auch wenn sich dies in Zukunft natĂŒrlich wieder Ă€ndern könnte. Zumindest kann das direkte, persönliche und offen autoritĂ€re Verhalten ĂŒberall, in Familie, Schule, bei der Arbeit etc. mehr und mehr abgeschwĂ€cht werden, da eben die direkte und unvermittelte menschliche Beziehung ĂŒberhaupt mehr und mehr schwindet. An deren Stelle tritt die Logik von Netzwerken, transparenten Netzwerken, die im besten Falle eine produktive Masche im grossen Netz bilden. Die Herrschaft ist darin immer unpersönlicher und undurchsichtig bleibt, nach wessen Algorithmus wir gerade tanzen, wie er programmiert wurde, wer das Programm gerade kontrolliert… Wie Fliegen in einem Spinnennetz kleben wir fest, ausser das uns allem Anschein nach der Instinkt, uns zu winden und zu versuchen, einfach davonzufliegen, abhanden gekommen zu sein scheint. Wir wissen oftmals schon gar nicht was das heisst – fliegen.

Als Anarchisten, so denke ich, sollten wir den Diskurs von Netzwerken etc. nicht einfach so ĂŒbernehmen. Ein Netz ist etwas,womit man jemanden einfĂ€ngt, in das man sich verstrickt und woraus man kaum wieder rauskommt. Vielmehr ist es die lose Organisation, die frei eingegangen wird und die von den daran Teilnehmenden immer aufgelöst werden kann, wenn sie das fĂŒr sinnvoll erachten, und die direkte und unvermittelte Beziehung, jenseits aller gesellschaftlicher Normierungen und Hierarchien, jenseits von Algorithmus und Programm, worauf wir unseren Kampf basieren sollten.

Und wĂ€hrend die Menschen allem Anschein nach sprichwörtlich wie die Fliegen ins Netz gehen, geködert mit flimmernden Bildern, Annehmlichkeiten und Spielereien bis zum Überdruss, sollten wir wohl besser darĂŒber nachdenken, wie wir ihm durch die Maschen gehen und die FĂ€den durchtrennen können, auf dass das ganze Netz zerreisst!




Quelle: Anarchistischebibliothek.org