MĂ€rz 1, 2021
Von Anarchistische Bibliothek
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Die Frage, an der sich die Geister scheiden, wenn es darum geht, ob man auf Seiten der Corona-Maßnahmen steht oder auf der anderen, der der „Querdenker“ und der „Corona-Rebellen“, lautet: Ist Corona nun gefĂ€hrlich oder nicht? Denn dass Maßnahmen wie diese angemessen seien bei entsprechender Schwere einer Pandemie, steht fĂŒr viele wohl außer Frage.

Wie soll es auch anders sein, wenn wir doch nichts anderes kennen, als dass andere sich den Kopf darĂŒber zerbrechen, was fĂŒr die Menschheit, Deutschland, fĂŒr „die Bevölkerung“ am besten sei. Dass wir dabei auf Experten oder Politiker schauen und von vorherein wissen, dass sie uns enttĂ€uschen werden, geschenkt, denn irgendwer muss ja eine Entscheidung fĂŒr alle treffen und die schlechteste wird es in den meisten FĂ€llen schon nicht sein. Meistens werden uns heutzutage solche Entscheidungen ja eh als alternativlos verkauft, also kann man ja auch nur erleichtert sein, dass man selbst nicht der Depp ist, sondern jemand anders, auf den man dann mit dem Finger zeigen kann, wenn es nicht so lĂ€uft wie versprochen.

Wir wundern uns nicht darĂŒber, dass irgendwer anderes ĂŒber unser Leben bestimmt, denn was anderes kennen wir ja auch nicht. Wenn wir geboren werden, werden wir erst einmal in ein Register eingetragen, damit der Staat gleich von unserer Existenz weiß und ĂŒber uns wachen kann. Als Kinder werden wir gezwungen uns mindestens neun Jahre lang der Schule zu unterwerfen. Nur zu unserem Besten naĂŒrlich, denn nur so erhalten wir „Bildung“ und werden zu „mĂŒndigen BĂŒrgern“. Anschließend erwartet uns die Arbeit, acht Stunden am Tag, vierzig Stunden die Woche können wir nicht entscheiden, worauf wir gerade Lust haben, sondern mĂŒssen schuften, fĂŒr den Boss, fĂŒr die Kunden, fĂŒr den Markt. Selbst wenn wir eine Arbeit gefunden haben, die sich einigermaßen mit unseren Interessen und BedĂŒrfnissen deckt, bleibt sie ein Zwang, denn man kann nicht einfach damit aufhören, wenn man keine Lust mehr darauf hat.

Wir lernen, dass es fĂŒr alles Experten gibt, die besser als man selbst wissen, was gut fĂŒr einen ist. Wir lernen, dass es notwendig ist, dass uns irgendjemand anfĂŒhrt. Wir lernen, dass es einheitliche Regeln geben muss, an die sich alle halten mĂŒssen, damit ein Zusammenleben funktioniert. Wir lernen auch, dass all das „Freiheit“ genannt wird. Und wir wundern uns darĂŒber nicht. Wir haben gelernt den Faschismus und die Diktatur zu hassen, die Demokratie aber als das beste aller Systeme zu achten. Wir wissen, dass es nötig ist, dass irgendjemand ĂŒber uns herrscht, pardon, uns „regiert“, was natĂŒrlich was ganz anderes ist. Wir haben sogar Mitleid mit unseren Herrschern, pardon, unseren Politikern, denn solche Entscheidungen wĂŒrde man selbst nicht gerne treffen wollen. Wir wissen, dass es immer „Unbelehrbare“ geben wird, die sich nicht dem unterwerfen, was das Beste fĂŒr alle oder zumindest das Bestmögliche oder eigentlich das einzig Mögliche ist. Da muss man sie halt zu ihrem GlĂŒck zwingen. Das ist allgemein bekannt. Man streitet sich also nur darĂŒber, was denn nun das Beste sei und auch darĂŒber, wessen Bestes man im Blick haben sollte oder wer denn nun entscheiden sollte, was das Beste fĂŒr wen sei, oder noch, dass man misstrauisch die Frage stellt, ob diejenigen, die behaupten das Beste fĂŒr einen zu wollen, auch tatsĂ€chlich das Beste fĂŒr einen wollen oder sich eigentlich doch nur bereichern, aber das ist ja in der gesamten Geschichte eigentlich nur ein, zweimal vorgekommen. Dass es aber nun EntscheidungstrĂ€ger geben mĂŒsse, die das Beste aufzwingen, pardon durchsetzen, das ist ja völlig klar. So auch bei Corona. Deshalb ist es ja wichtig zu wissen, ob Corona nun gefĂ€hrlich ist oder eben nicht. Denn wĂ€hrend im einen Fall die Corona-Maßnahmen Ausdruck einer Diktatur wĂ€ren, sind sie im anderen nur humanitĂ€r.

Denn diese EntscheidungstrĂ€ger, die Staaten, die Unternehmen, die Stiftungen, die Banken, die Wissenschaft, sie sind ja bekannt fĂŒr ihren Humanismus. Bekannt dafĂŒr die Gesundheit aller, naja, zumindest der richtigen, immer in den Vordergrund zu stellen. Eine vergiftete und verwĂŒstete Natur, „Zivilisationskrankheiten“, ArbeitsunfĂ€lle, Fabriken, KnĂ€ste, Atomkraft, Massenvernichtungswaffen, Völkermord zeugen vom aufrichtigen Interesse dieser Akteure an unserem Wohlergehen und unserer Gesundheit. Aber das waren ja andere, die heute sind da ganz anders. Alle die, die bisher das Beste fĂŒr die Menschen wollten, die Missionare, die Inquisition, die Nazis, die Kolonisateure, die Kommunisten, die bisherigen Ärzte, die bisherige Wissenschaft, die hatten einfach nur das falsche Beste im Blick. Die hier und heute sind ganz anders.

Aber bei dieser ganzen Suche nach dem Besten fĂŒr die Menschheit oder auch nur fĂŒr die richtige Menschheit kann man sich vielleicht doch ab und zu mal die Frage stellen, ob wir uns da nicht fĂŒr dumm verkaufen lassen. Dass dafĂŒr, dass die Regierungen und die Unternehmen und die Stiftungen und die Wissenschaft und die Medizin und die Schulen nur unser Bestes und unser Wohlergehen im Blick haben, es uns eigentlich ziemlich dreckig geht. Uns und allen Tieren und allen Pflanzen. Und ob vielleicht weder die Frage ist, was das Beste fĂŒr uns ist, noch wer darĂŒber entscheiden darf, sondern die eigentliche Frage ist, warum wir ĂŒberhaupt jemanden fĂŒr uns entscheiden lassen und dass vielleicht all die Misere daher kommt, dass wir zulassen, dass andere ĂŒber uns entscheiden.




Quelle: Anarchistischebibliothek.org