August 20, 2021
Von Anarchistische Bibliothek
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Ausweise ermöglichen die effizientere Kontrolle und Verwaltung der mit ihnen erfassten Bevölkerung – egal ob sie die IdentitĂ€t einer Person feststellen sollen… oder auch Gesundheitsdaten der Menschen erfassen sollen, wie beispielsweise der „Gelbe Schein“ fĂŒr Prostituierte im zaristischen Russland oder der von der WHO herausgegebene gelbe Impfausweis… oder auch der Dokumentation von zusĂ€tzlichen Daten dienen, wie die von der GAVI und ID2020 in Bangladesch getesteten, digitalisierten Ausweise mit Impfdaten. Und je effizienter dabei auf die vorhandenen Daten zugegriffen werden kann, je besser deren Richtigkeit im Sinne der ausstellenden Behörden kontrolliert werden kann, je flĂ€chendeckender diese Kontrollen stattfinden, desto wirksamer funktioniert diese Verwaltung. Digitalisierung und die maschinelle Auswertbarkeit dieser Daten im Allgemeinen erhöht diese Effizienz heute ebenso wie damals, zu Beginn des letzten Jahrhunderts, als VolkszĂ€hlungen mithilfe von Lochkartensystemen nicht nur beschleunigt wurden, sondern auch völlig neue Möglichkeiten der Auswertung der dabei erfassten Daten schufen.

Vor diesem Hintergrund kann auch die EinfĂŒhrung des hiesigen digitalen Impfausweises CovPass begriffen werden. Und nur vor diesem Hintergrund macht er Sinn. Denn entgegen anderslautenden propagandistischen Behauptungen kann der digitale Impfausweis selbstverstĂ€ndlich ebenso verloren gehen wie der analoge, und er bietet auch ansonsten keinerlei Vorteile – was nicht bedeuten soll, dass nicht auch sein analoger VorgĂ€nger ein Instrument zur Bevölkerungskontrolle ist. Sinn dieses digitalen Impfausweises ist, eine einheitliche Kontrollierbarkeit des darin gespeicherten Zustands (geimpft) zu schaffen und damit die Kontrolldichte zu vergrĂ¶ĂŸern. Kein mĂŒhsames hĂ€ndisches Abgleichen der Impfpassdaten mehr, keine FĂ€lschungen mehr – zumindest konzeptionell, usw. Einfach den Barcode des digitalen Impfausweises scannen, schon entscheidet ein grĂŒner oder roter Bildschirm ĂŒber den Zugang zu Veranstaltungen, GebĂ€uden, Verkehrsmitteln, ĂŒber die Ein- und Ausreise, usw. Praktisch, nicht wahr? Warum nicht gleich ĂŒberall kontrollieren, dass nur diejenigen mit grĂŒnem digitalen Passierschein Einlass gewĂ€hrt bekommen? Und ĂŒberhaupt: Warum das Ganze auf die Frage des Geimpftseins beschrĂ€nken? Könnte man nicht auch gleich die ĂŒbrigen Dimensionen des in China erfolgreich eingesetzten Social Scoring-Systems ĂŒbernehmen? Wer will schon neben einem StraftĂ€ter in der U-Bahn sitzen? Wer will zukĂŒnftig Party machen mit Leuten, die als Coronaleugner gelten? Wer will mit einem Juden reisen, oder mit einem Schwarzen? Hoppla. Nein, solche Dinge sollten vielleicht lieber nicht erfasst und kontrolliert werden 


Oder vielleicht doch? Wenn es doch gar nicht zentral gespeichert ist, sondern nur auf dem GerĂ€t der jeweiligen Person? Das ist doch etwas anderes als die Hollerith-Lochkarten, etwas anderes als staatliche Datenbanken, die missbraucht werden können. Das ist doch … richtig, die kybernetische Variante der IdentitĂ€t, bei der eine zentrale Datenbank ĂŒber diese Daten völlig unnötig ist, weil die Daten auch bei jeder der tagtĂ€glich hunderten Kontrollen der Menschen erfasst und ausgewertet werden können. Raffinierter, subtiler und womöglich genauer und effizienter als alle bisherigen Erfassungssysteme.




Quelle: Anarchistischebibliothek.org