September 22, 2021
Von Emrawi
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WĂ€hrend also Gewalt, ZwĂ€nge und Herrschaft den Alltag der meisten Menschen im Kapitalismus bestimmen, geht es bei den nach der Sommerpause wieder anlaufenden Corona-Demos um völlig anderes. In einer unheiligen Allianz marschieren Neonazis Seite an Seite neben abgehalfterten Rechts-Politikern, SchlagersĂ€ngern, christlichen Fundamentalist:innen, esoterisch-bewegten Halbfaschist:innen und wild gewordenen KleinbĂŒrger:innen. Der Kern der Organisator:innen besteht aus einem (strukturell) antisemitischen Milieu von VerschwörungsglĂ€ubigen.

In ihrer Programmatik geht es auch schon lĂ€ngst nicht mehr um eine Kritik an den Folgen der Corona-Krise. Hinter ihrem Ruf nach „Frieden“ verbirgt sich ihr EinverstĂ€ndnis mit den herrschenden VerhĂ€ltnissen. Sie wollen nur zurĂŒck zu jenem tristen Alltagstrott aus Lohnarbeit, Freizeitbespaßung und Konsum, den sie schon immer als einzig mögliche aller Welten anerkannt haben. Ihre Forderung nach „Freiheit“ ist Ausdruck der Herrschaft der falschen Freiheit, die im Endeffekt Ohnmacht, Ausbeutung und Konkurrenz hervorbringt. Nicht ohne Grund schreiben sich gerade jene gerne das PrĂ€dikat „freiheitlich“ auf die Fahnen, die eigentlich das Individuum und IndividualitĂ€t dem vermeintlichen großen Ganzen aufopfern wollen – sei es nun Volk, Heimat oder Standort. Im Wunsch nach „SouverĂ€nitĂ€t“ drĂŒckt sich ein völkischer ErmĂ€chtigungswille aus, der eine noch ordentlichere Ordnung und nicht etwa die Abschaffung von Herrschaft als Ganzer zum Ziel hat. Kurzum handelt es sich hier um einen Personenkreis, von denen eins nicht nur aus infektiologischen GrĂŒnden besser auf Abstand gehen sollte. Sie leisten keinen Widerstand, sie gehen mit Nazis Hand in Hand, und werden dabei noch von der Polizei freundlich hofiert.

Eins mag die Corona-Demos belĂ€cheln, doch aus den dort geteilten VerschwörungserzĂ€hlungen kann sich ein mörderisches Potential zusammenbrauen. Vor kurzem wurde in Deutschland ein 20-JĂ€hriger Mitarbeiter in einer Tankstelle von einem Mann erschossen, weil er ihn zuvor auf die Maskenpflicht aufmerksam machte. Erst im September detonierte eine selbstgebaute Rohrbombe in der Donaustadt und in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden werden bei Neonazis Waffendepots ausgehoben. Rechter Terror bleibt eine reale Gefahr. Rechtsterroristische Taten sind niemals EinzelfĂ€lle! Sie sind eingebunden in den rassistischen, antifeministischen und antisemitischen Normalzustand.

Am 02. Oktober wollen wir als Antifaschist:innen nicht der extremen Rechten und ihren MitlĂ€ufer:innen die Straßen von Wien ĂŒberlassen. Deshalb rufen wir zu einer Kundgebung sowie einer anschließenden Fahrraddemo auf, um kollektiv, entschlossen und dynamisch dem Aufmarsch des Grauens zu begegnen und uns den öffentlichen Raum mit unseren eigenen Inhalten anzueignen. Der rechten ErzĂ€hlung setzen wir SolidaritĂ€t und die Möglichkeit eines Endes der organisierten Traurigkeit des Kapitalismus entgegen! Gemeinsam gegen Nazis, Staat und Kapital!




Quelle: Emrawi.org