November 19, 2021
Von SchwarzerPfeil
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Der nachfolgende Beitrag ist eines von 85 Artikeln aus dem Buch Schwarze Saat – Gesammelte Schriften zum Schwarzen und Indigenen Anarchismus. Eine gedruckte Ausgabe kannst du hier bestellen und damit BIPOC-Strukturen und anarchistische Gefangene unterstĂŒtzen.

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Afrofuturist Abolitionists of the Americas

„Wir sagen, dass wir den Kapitalismus nicht mit Schwarzem Kapitalismus bekĂ€mpfen werden, sondern mit Sozialismus.“ – Fred Hampton

LEBEN UNTER DEM KAPITALISMUS

Das Leben im Kapitalismus ist nicht einfach der „normale“ Zustand oder das Ergebnis der „menschlichen Natur“.

Der Kapitalismus ist ein grundlegend rassistisches, anti-Schwarzes, sexistisches, ökozidales und ausbeuterisches Wirtschaftssystem, das auf dem Privateigentum an den Produktionsmitteln (Land, Fabriken, Maschinen, etc.) und deren Betrieb fĂŒr den Profit der Wenigen auf Kosten der Vielen basiert.

Zentrale Merkmale des Kapitalismus sind der Besitz von Privateigentum (nicht zu verwechseln mit öffentlichem oder persönlichem Besitz), Kapitalakkumulation, Lohnarbeit, gewaltsamer Land- und Ressourcendiebstahl und die Ausbeutung, UnterdrĂŒckung und Ermordung von Schwarzen und Braunen Menschen auf der ganzen Welt.

Im Kapitalismus versuchen Unternehmen und Arbeitgeber*innen, so viel Arbeit und Zeit wie möglich aus den Arbeiter*innen herauszuquetschen (besonders aus Schwarzen und Braunen), wĂ€hrend sie so wenig wie möglich zahlen und so wenig Leistungen wie möglich bieten. Diejenigen, die nicht in der Lage oder nicht willens sind, Profite fĂŒr die Kapitalist*innen zu machen, werden als entbehrlich betrachtet und kriminalisiert.

Der Staat benutzt die Polizei und die Gerichte als Werkzeuge der UnterdrĂŒckung, um die Gesetze durchzusetzen, die von der kapitalistischen besitzenden Klasse festgelegt wurden.

Um sich selbst zu erhalten, stehlen die kapitalistischen Staaten die Arbeitskraft und die natĂŒrlichen Ressourcen Afrikas, SĂŒdamerikas, des Nahen Ostens und der armen Schwarzen und Braunen Menschen in den sogenannten entwickelten LĂ€ndern, bombardieren uns, verbrennen uns, vertreiben uns, gentrifizieren uns, zerstören unsere HĂ€user und unsere Kulturen und sperren uns fĂŒr Profit ein, nur weil wir versuchen zu ĂŒberleben.

Der Kapitalismus wird Schwarze und Braune Menschen nicht retten; er benötigt die fortgesetzte brutale Ausbeutung Schwarzer und Brauner Menschen in den Vereinigten Staaten und auf der ganzen Welt, um zu ĂŒberleben. Genauso wenig wird es helfen, fĂŒr das kleinere Übel zu stimmen, oder fĂŒr mehr „ReprĂ€sentation“ in den Medien. Ein paar hochkarĂ€tige Erfolgsgeschichten oder ein paar mehr reiche Schwarze Schauspieler*innen, Sportler*innen oder Politiker*innen sprechen nicht zu den alltĂ€glichen Erfahrungen der Mehrheit der Schwarzen und Braunen Menschen, die unter diesem weißen, rassistischen Wirtschaftssystem kĂ€mpfen.

Sozialismus (oder Kommunismus) ist eine politische und wirtschaftliche Theorie der sozialen Organisation, die dafĂŒr eintritt, dass die Produktions-, Verteilungs- und Tauschmittel der Gemeinschaft als Ganzes gehören oder von ihr reguliert werden sollten, nicht von einigen wenigen AuserwĂ€hlten und Privilegierten.

Anstelle des Kapitalismus und der AbhĂ€ngigkeit vom Staat glauben wir, dass der einzige Weg nach vorne fĂŒr Schwarze und Braune Menschen in den USA und auf der ganzen Welt darin besteht, StĂ€rke innerhalb unserer eigenen Gemeinschaften aufzubauen, indem wir uns dem Prinzip der gegenseitigen Hilfe verschreiben (miteinander teilen und einander helfen) und damit beginnen, die harte Arbeit des Aufbaus unserer eigenen Gemeinschaftsinstitutionen und -dienste außerhalb derer, die vom Staat nur unzureichend bereitgestellt werden, in Angriff zu nehmen.

Dazu gehören unsere eigenen freien Schulen, eine frei zugĂ€ngliche, qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung fĂŒr jedes Mitglied unserer Gemeinschaft, Arbeitskooperativen, die Infrastruktur fĂŒr den Anbau und die Verteilung unserer eigenen Lebensmittel und eine Kultur der gemeinschaftlichen Verteidigung.

Die weiße Vorherrschaft und der Kapitalismus möchten uns glauben machen, dass wir in diesem Kampf allein sind und dass wir machtlos sind. Wir sind nicht allein und wir sind nicht machtlos. Wir glauben, dass wir, wenn gewöhnliche Menschen zusammenkommen und die Arbeit der Gemeinschaft tun, die Macht und die FĂ€higkeit haben, unsere Nachbarschaften zu organisieren, mit ihnen zu kĂ€mpfen, sie zu ernĂ€hren, zu erziehen und zu verteidigen, besser als es der Staat, die Polizei oder Menschen von außerhalb unserer Gemeinschaften jemals tun könnten.

WAS IST GEGENSEITIGE HILFE?

Armut und Mangel sind das direkte Ergebnis dieses ekelhaften kapitalistischen Systems, verstĂ€rkt durch Systeme von Rassismus, Sexismus, Ableismus, cis-heterosexuellem Patriarchat, Landraub und Arbeitsraub, die zusammen die Ungleichheit und Ungerechtigkeit in unseren HĂ€usern, in unseren Nachbarschaften und in der Gesellschaft aufrechterhalten. Der Kapitalismus sagt uns, dass jede*r fĂŒr sich selbst ist und dass wir „schuften“ mĂŒssen, um zu essen und zu leben. Wir glauben, dass qualitativ hochwertiges Essen, eine sichere und komfortable Unterkunft, medizinische Versorgung und Bildung Dinge sind, zu denen jeder Mensch uneingeschrĂ€nkten Zugang haben sollte und dass die Ressourcen in unseren Gemeinschaften bereits vorhanden sind, um diese Dienste bereitzustellen.

Gegenseitige Hilfe ist ein freiwilliger, gegenseitiger Austausch von Ressourcen und Dienstleistungen zum gegenseitigen Nutzen aller. Gegenseitige Hilfe, im Gegensatz zu WohltĂ€tigkeit, impliziert keine moralische Überlegenheit des Gebenden ĂŒber den Empfangenden. Beispiele sind das Organisieren und Nutzen von Lebensmittelsammlungen, das Spenden von Kleidung oder Geld direkt an BedĂŒrftige, finanzielle Beratung, Nachhilfe, Kinderbetreuung, Hilfe beim Umgang mit sozialen Diensten und Netzwerke zur Verteidigung der Gemeinschaft, um nur einige zu nennen. Gegenseitige Hilfe basiert auf dem Prinzip, jetzt in unsere Gemeinschaften zu investieren, um spĂ€ter eine Gegenleistung zu erhalten. Im Kapitalismus kann die Person, die heute Hilfe anbietet, die Person sein, die morgen Hilfe braucht. Starke Gemeinschaften praktizieren gegenseitige Hilfe.

WIE VERBINDE ICH MICH MIT NETZWERKEN GEGENSEITIGER HILFE IN MEINER GEMEINSCHAFT? WAS IST GÜTERBASIERTE GEMEINSCHAFTSENTWICKLUNG?

Asset-Based Community Development (ABCD) ist ein Ansatz, der VerÀnderung und Entwicklung anregt, indem er die vorhandenen Gaben und FÀhigkeiten der Menschen und ihrer Gemeinschaften nutzt.

Das ABCD-Modell entmutigt Entwicklung, die von außen kommt, und regt stattdessen VerĂ€nderung und Entwicklung von innen an.

FĂŒr eine wirklich nachhaltige Entwicklung ist es wichtig, sich auf die StĂ€rken einer Gemeinschaft zu konzentrieren und nicht nur auf ihre BedĂŒrfnisse. Der wichtige Faktor ist, den Bereich zu finden, in dem die lokalen StĂ€rken auf die lokalen BedĂŒrfnisse treffen.

Die Schaffung von Gemeinschaften, die in der Lage sind, sich selbst zu verwalten und die ihr eigenes soziales Sicherheitsnetz bereitstellen können, wird die Notwendigkeit des Staates stark reduzieren.

Zu den GĂŒtern der Gemeinschaft gehören unsere Parks, unsere Kirchen, Gemeinschaftszentren, Lebensmittelbanken und kostenlose Rechtsberatung, um nur einige zu nennen; aber vor allem unsere Gemeinschaftsmitglieder, die Ärzt*innen, KĂŒnstler*innen, LehrkrĂ€fte, Redner*innen, Sportler*innen, Ingenieur*innen, PflegekrĂ€fte, Lebensmittelanbauende, Musiker*innen, Organisator*innen, etc. sind. Die Menschen sind unser grĂ¶ĂŸtes Gut, denn jedes Mitglied der Gemeinschaft hat etwas zu geben.

„Es ist unsere Pflicht, fĂŒr unsere Freiheit zu kĂ€mpfen.

Es ist unsere Pflicht, zu gewinnen.

Wir mĂŒssen einander lieben und uns gegenseitig unterstĂŒtzen.

Wir haben nichts zu verlieren außer unseren Ketten.“

– Assata Shakur

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~ Burn this world to build a new. ~

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Quelle: Schwarzerpfeil.de