November 16, 2021
Von FAU Flensburg
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BeschĂ€ftigte aus dem Gesundheitswesen gingen am 30. Oktober  in Bern auf die Straße. Sie wollten ein klares Zeichen fĂŒr ein „Ja zur Pflegeinitiative“ setzen. Über diese Initiative wird am 28. November abgestimmt. Circa 5000 Menschen folgten dem Aufruf von Gewerkschaften und Pflegeinitiativen.

Delegationen aus der gesamten Schweiz fanden sich auf der SchĂŒtzenmatte ein und zogen von dort zum Bundesplatz. Vor dem Bundeshaus fand eine Kundgebung statt. Auf dieser sprachen VertreterInnen und BeschĂ€ftigte aus dem Gesundheitswesen. Seit 20 Monaten arbeiten sie am Limit und weit ĂŒber ihre Grenzen hinaus. Die Arbeitsbedingungen in der Pflege waren schon vor der Pandemie prekĂ€r. Doch nun verschĂ€rft sich der Pflegemangel immer weiter. Viele verlassen den Beruf, weil sie dem Druck nicht mehr standhalten.

Applaus und warme Worte allein reichen weder in der Schweiz noch in Deutschland. Es braucht bessere Arbeitsbedingungen und mehr PflegekrĂ€fte. Denn „FĂŒr gute Pflege braucht es viele HĂ€nde“, so ist auf einem der zahlreichen Plakate zu lesen. Die Pflegeinitiative fordert, ausbildungsoffensiven zu starten. Die Arbeitsbedingungen mĂŒssen verbessert werden, um Berufsausstiege zu verhindern. Denn es braucht nicht weniger, sondern viel mehr Personal in SpitĂ€lern und Altenpflegeheimen. In der Schweiz ist die QualitĂ€t der Pflege gefĂ€hrdet. Laut der Initiative sind derzeit 11700 Stellen unbesetzt. Vier von Zehn Pflegenden verlassen den Beruf frĂŒhzeitig. Dabei brauche es bis 2029 weitere 70000 neue Pflegende. Hier finden sich weitere Infos zur Initiative.

Deniz Killi, Pflege HF i.A. l PrĂ€sidium Verein Pflegedurchbruch, betonte in ihrer Rede, die Pandemie habe nur verdeutlicht, was schon zuvor klar war: „Dieses System macht uns krank“. Sie kritisierte, dass in Altenpflegeheimen der Nachtdienst unterbesetzt ist. Dies bedeute, der Nachtdienst wurde von drei auf eine Kraft reduziert, und diese ist dann fĂŒr 98 PatientInnen zustĂ€ndig.  Neben der Betreuung der BewohnerInnen mĂŒssen auch noch andere Aufgaben wie Medikamente fĂŒr den FrĂŒhdienst vorbereiten geschafft werden. Aufgrund des Zeitdrucks werden BewohnerInnen oftmals nur einer unwĂŒrdigen „KatzenwĂ€sche“ unterzogen, weil fĂŒr mehr die Zeit fehlt. In SpitĂ€lern kommt es zu mangelnder FrĂŒhmobilisierung nach Operationen, und oft mĂŒssen PatientInnen lange auf eine Medikamentengabe warten. In den Psychiatrien kann Einzelbetreuung bei psychisch Erkrankten nicht gewĂ€hrleistet werden, weil Personal und Zeit fehlt. Auch wenn Zeit Geld ist, eine gute Pflege braucht genug Zeit, das lĂ€sst sich nicht wegsparen.

An den freien Tagen einspringen zu mĂŒssen, kommt viel zu hĂ€ufig vor, denn: „Ja, sagen braucht manchmal weniger Energie als Nein“, und so arbeite man sieben Tage die Woche aus VerantwortungsgefĂŒhl gegenĂŒber PatientInnen und KollegInnen. Weiter sagte Killi: „Wir sind frustriert, wir können unsere Freizeit nicht gestalten und wir werden selber krank. Was macht das alles mit uns? Mir könne nim, möge nim und so wan mir nim.“

Auf Plakaten, Transparenten und Luftballons verdeutlichten die DemonstrantInnen ihre Forderungen und Anliegen wie: „Ja, zur Pflegeinitiative“, “Gesundheit vor Profit. Pflegende sind keine Maschinen. Gesundheit ist keine Ware“, „Who Care(s)?“, „Applaus reicht nicht aus“, „Streiken bis der Arzt kommt“, „Weil wir keine Oktopusse sind, braucht es mehr Menschen in der Pflege“, „Gesundheitspersonal – En Lutte“ (Gesundheitspersonal – Im Kampf). Aber auch Angehörige machten deutlich, was der Pflegenotstand fĂŒr Auswirkungen hat. So war auf einem Plakat eines Mannes zu lesen, dass er fĂŒr seine Mutter keinen Pflegeplatz findet, weil das Personal fehlt.

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Quelle: Fau-fl.org