Dezember 1, 2021
Von Assoziation Autonomer Umtriebe
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In der dritten Novemberwoche blockierten ĂŒber 100 Hafenarbeiter*innen des Collettivo Autonomo Lavoratori Portuali (CALP – Autonomes Hafenarbeiter*innen Kollektiv) den Hafen in Genau, um die Lieferung von Kriegswaffen zu verhindern oder zumindest zu blockieren. Außerdem forderten sie, stattdessen die HĂ€fen fĂŒr GeflĂŒchtete zu öffnen. Autos und LKW, die in den Hafen gelangen wollten, wurden nicht nur vom CALP gehindert, sondern auch von brennenden Autoreifen.

Die Beteiligten agieren mit einer SelbstverstĂ€ndlichkeit, was mitunter damit begrĂŒndet werden kann, dass das Collettivo Autonomo Lavoratori Portuali schon seit knapp 10 Jahren existiert und immer wieder mit Aktionen von sich reden machte.

Dass sie nicht nur fĂŒr ihre eigenen Interessen kĂ€mpfen, sondern diese im Kontext von KĂ€mpfen anderer Menschen, in diesem Falle auf der Flucht befindlichen Menschen, setzen, ist sogar fĂŒr italienische VerhĂ€ltnisse bemerkenswert. V.a. in Italien ist die von der extremen Rechten diktierte Diskussion gegen die Aufnahme von GeflĂŒchteten und gegen das Anlegen von Seenotrettungsschiffen allgegenwĂ€rtig. Krieg als Ursache fĂŒr Flucht damit zu verbinden ist nur logisch und konsequent – und der Vertrieb von Kriegswaffen ist auch fĂŒr den Waffenexporteur Deutschland von Belang. Genua dient als Umschlagsplatz fĂŒr das Verschiffen von Waffen in Kriegsgebiete.

Seit 2019 gelingen dem CALP Blockadeaktionen, beginnend mit einer damals geplanten Lieferung der saudi-arabischen Firma „Bahri“ von Munition und Generatoren in den Nahen Osten. Die Arbeiter*innen sind der Meinung, dass sie kontrollieren können mĂŒssen, was sie verladen.

Seinen Ursprung hat das Kollektiv in militanten Protesten in Rom gegen den Sparkurs der damaligen Berlusconi-Regierung, an denen sich weit ĂŒber hunderttausend Menschen beteiligten. ZurĂŒck in Genau trennten sie sich vom grĂ¶ĂŸten italienischen Gewerkschaftsverband CGIL und grĂŒndeten das CALP. Mittlerweile sind sie organisatorisch an die Basisgewerkschaft USB angegliedert. Auch am landesweiten Generalstreik am 18.10.21 gegen die Regierung Draghi und die „Padroni“ (Bosse), zu dem alle Basisgewerkschaften gemeinsam aufriefen, beteiligten sie sich in gewohnter Manier. 4000 Menschen liefen bei der Streikdemo durch Genua. Das CALP gemeinsam mit Krankenhausarbeiter*innen, GeflĂŒchteten und UnterstĂŒtzer*innen.

Ihre Tradition sehen sie im antifaschistischen Widerstand der Partisan*innen gegen Faschismus und Nazi-Deutschland und in den militanten Auseinandersetzungen um einen Parteitag des neofaschistischen MSI im Jahre 1960. Aktionen wie die des CALP, verdeutlichen den Nachholbedarf in der Bundesrepublik, was eigenstĂ€ndige Aktionen von lohnabhĂ€ngig BeschĂ€ftigten betrifft. Das Collettivo Autonomo Lavoratori Portuali beweist, dass es möglich ist. Oder in ihren eigenen Worten: „Du bist entweder dafĂŒr oder dagegen, es gibt keinen Mittelweg.“

Quellen/mehr Informationen:

https://www.infoaut.org/conflitti-globali/partito-da-genova-cargo-stipato-di-carri-armati-americani-destinati-ai-sauditi

https://www.woz.ch/2147/im-hafen-von-genua/erst-focaccia-dann-klassenkampf




Quelle: Aaud.noblogs.org