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“Hoch die Löhne, runter die Waffen“ lautete ein zentrales Motto, unter dem am 22. April in ganz Italien Arbeiter*innen gegen die durch den Ukraine-Konflikt verschĂ€rfte Kriegsgefahr protestierten. Aufgerufen zu den Protesten hat die Basisgewerkschaft Union Sindicale di Base (USB). Die Proteste wurden auch von linken außerparlamentarischen Gruppen und Organisationen der SchĂŒler*innen und Student*innen unterstĂŒtzt. In ganz Italien gab es Kundgebungen und Demonstrationen, an denen sich zehntausende Menschen beteiligten. Es sind nicht die ersten wesentlich von Arbeiter*innen getragenen antimilitaristischen Aktionen der letzten Wochen in Italien. Schon am 14. MĂ€rz weigerten sich BeschĂ€ftigte am Flughafen Pisa, Waffen, Munition und Sprengstoff in die Ukraine zu transportieren. DafĂŒr musste ein anderer Airport gefunden werden. Ende MĂ€rz 2022 gab es bereits erfolgreiche Blockaden und Streiks gegen Waffentransporte ĂŒber den Hafen von Genua in den Jemen. Die Bevölkerung in dem Land leidet seit Jahren unter einen BĂŒrgerkrieg, der vom Regime in Saudi Arabien angeheizt wird. Die Protestierten betonten, dass sie Militarismus und Krieg aller Seiten bekĂ€mpfen. „Keinen Pfennig, kein Gewehr und keinen Soldaten fĂŒr den Krieg. Lassen Sie uns unsere HĂ€fen fĂŒr den Waffenhandel sperren. Als Hafenarbeiter haben wir nicht die Absicht, den neuen Kriegswinden, die wieder in Europa wehen, gleichgĂŒltig gegenĂŒberzustehen“, heißt es in einer ErklĂ€rung der Basisgewerkschaften.

Auf den Seiten der Menschen – nicht der Regierungen

Die Gewerkschaften betonen, dass sie auch im aktuellen Konflikt in Osteuropa an der Seite der Menschen in der Ukraine, dem Donbass und Russland stehen, aber nicht zu Komplizen in einem Konflikt werden wollen, unter den die Arbeiter*innen aller Seiten leiden. Auch in Griechenland haben sich Mitte MĂ€rz Eisenbahnarbeiter*innen geweigert, Nato-Panzer von einem nordgriechischen Hafen an die ukrainische Grenze zu transportieren. Erst nach mehreren Tagen gelang es der Eisenbahnverwaltung, Arbeiter*innen zu finden, die die mittlerweile mit roter Farbe ĂŒbergossenen Panzer schließlich transportierten. Bereits Mitte MĂ€rz haben in Belarus Eisenbahnarbeiter*innen die Zugverbindung in die Ukraine gekappt und damit den Nachschub der russischen Armee fĂŒr einige Zeit unterbrochen. Die Aktion ist in dem Land besonders hervorzuheben, weil den Kolleg*innen dort hohe Strafen drohen. Aber auch die BeschĂ€ftigten, die in den sogenannten demokratischen LĂ€ndern des Westens RĂŒstungstransporte durch Streiks behindern, mĂŒssen mit Repressalien rechnen. Das zeigte die Polizeirazzia am 6. April in der Zentrale der Basisgewerkschaft USB in Rom.

Historische BezĂŒge

Der Kampf von linken Arbeiter*innen gegen Militarismus und Krieg kann sich auf kĂ€mpferische Traditionen der Arbeiter*innenbewegung berufen, die in Deutschland weitgehend vergessen werden. So gab es wĂ€hrend des 1. Weltkriegs in allen beteiligten Staaten, auch in Deutschlands, Massenstreiks zunĂ€chst gegen die sozialen Folgen des Kriegs, dann gegen den Krieg und die verantwortliche Herrschaftsclique. Diese Streiks wurden in Deutschland von den RevolutionĂ€ren Obleuten, einer Selbstorganisation von BeschĂ€ftigten vor allem in Berliner Fabriken, organisiert. BekĂ€mpft wurden diese Arbeitsniederlegungen von den Gewerkschaften, in deren Tradition sich heute auch der DGB sieht. Es ist daher nicht verwunderlich, dass auch heute die FĂŒhrungen der DGB-Gewerkschaften keine Interesse haben ,um das Wissen um die KĂ€mpfe von organisierten Arbeiter*innen gegen den Krieg zu vermitteln. In mehreren StĂ€dten, wie beispielsweise in Bremen, wurde sogar Druck auf Gewerkschafter*innen ausgeĂŒbt, die sich klar gegen den Krieg und Militarismus auf beiden Seiten ausgesprochen haben. Wer sich ĂŒber diese KĂ€mpfe in den verschiedenen LĂ€ndern informieren will, sei der Blog Labournet.de empfohlen.

Beitragsbild: https://www.usb.it/leggi-notizia/cinquemila-lavoratori-in-piazza-insieme-agli-studenti-contro-lo-sfruttamento-il-carovita-e-la-guerra-usb-oggi-a-roma-e-cominciata-una-storia-nuova-18010-1.html




Quelle: Direkteaktion.org