MĂ€rz 7, 2021
Von FAU Frankfurt
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Pressemitteilung:  Buchhandelskette Walther König – grundlegende Arbeitsrechte vorenthalten

Studentische BeschÀftigte wehren sich gegen untragbare ZustÀnde

Seit dem 08.02.2021 liegen bei der Buchhandelskette Walther König, welche zu den bundesweit renommiertesten Anbietern im Bereich Kunst und Design zĂ€hlt, die Forderungen auf dem Tisch, die die studentischen BeschĂ€ftigten der drei MĂŒnchner Filialen formuliert haben. Es geht dabei um grundlegende Arbeitsrechte, die den Werkstudenten vorenthalten werden. Der gesetzlich geregelte Urlaubsanspruch wird den BeschĂ€ftigten komplett verwehrt, eine ebenfalls gesetzlich geregelte Lohnfortzahlung im Krankheitsfall wird ignoriert, im Gegenteil – die verpassten Schichten werden als Minusstunden verbucht.

Dieses Problem hat sich mit Beginn der Corona-Krise noch weiter verschĂ€rft. Der Arbeitgeber war mit der Schließung der Filialen verpflichtet, den Lohn weiter zu zahlen. Dieser sogenannte Annahmeverzug gilt auch fĂŒr behördlich verordnete Schließungen. Walther König zahlte den Lohn jedoch nur als Vorschuss und rechnete die Zahlungen als Minusstunden fĂŒr die BeschĂ€ftigten ab. Die Folge: Die Studenten sitzen nun auf einem riesigen Berg Minusstunden, den sie in Zukunft mĂŒhsam abarbeiten mĂŒssten, das Studium wĂŒrde entsprechend leiden.

Walther König will offenbar möglichst kostenneutral, jedoch auf dem RĂŒcken der studentischen BeschĂ€ftigten durch die Lockdown-Zeiten steuern. Eben jene Studenten bilden jedoch das RĂŒckgrat der MĂŒnchner Walther-König-Filialen. In manchen Zeiten kommen hier elf Werkstudenten auf drei festangestellte VollzeitkrĂ€fte, die wĂ€hrend der Pandemie in Kurzarbeit blieben.

Einher geht dies mit einer hohen Verantwortung, denn die Studenten mĂŒssen die GeschĂ€fte oft alleine betreuen. Die Bezahlung jedoch bewegt sich mit 9,85 Euro nur knapp ĂŒber dem Mindestlohn.

Die prekĂ€re Situation studentischer BeschĂ€ftigter beobachtet die Basisgewerkschaft FAU MĂŒnchen regelmĂ€ĂŸig. Viele GeschĂ€ftsmodelle basieren auf der Ausbeutung und Entrechtung von Minijobbern, Studentinnen oder auch Migranten. Und auch bei der Lohnfortzahlung wĂ€hrend der aktuellen Betriebsschließungen ducken sich viele Arbeitgeber weg und verwehren den Angestellten ihre Rechte. Durch befristete ArbeitsvertrĂ€ge werden die BeschĂ€ftigten austauschbar gemacht. So wird Kritik an solchen ZustĂ€nden fast unmöglich, da man dadurch in der Regel seinen Arbeitsplatz gefĂ€hrdet. So hat auch Walther König bereits die ersten vier ArbeitsvertrĂ€ge nicht mehr verlĂ€ngert, was durchaus als Reaktion auf die Forderungen der BeschĂ€ftigten gesehen werden kann.

„Jetzt plötzlich behauptet der Arbeitgeber, er sei immer gesprĂ€chsbereit gewesen. Wir bekamen jedoch immer nur finale Schreiben vorgesetzt und er weigert sich nun die auslaufenden VertrĂ€ge der Werkstudenten, die sich jetzt mal geĂ€ußert haben, zu verlĂ€ngern. Dies kommt einer KĂŒndigung gleich. Deshalb fordern wir die VerlĂ€ngerung der ausgelaufenen VertrĂ€ge und die Einhaltung der gesetzlichen Mindeststandards fĂŒr die BeschĂ€ftigten!“ so ein Werkstudent.

„Wir sind dennoch weiterhin dialogbereit und erhoffen uns ein Einlenken vom Arbeitgeber, vor allem, da die Zusammenarbeit vor Ort in den Filialen eine positive war“ fĂŒgt eine andere BeschĂ€ftigte hinzu.

Die FAU MĂŒnchen hat den BuchhĂ€ndler zu Verhandlungen aufgefordert, welche aber bisher verweigert werden. „Zu all den offenkundigen MissstĂ€nden bei Walther König gesellt sich scheinbar auch noch eine gewisse Gewerkschaftsfeindlichkeit. Doch die Gewerkschaft wird nicht von der GeschĂ€ftsfĂŒhrung ausgesucht, sondern von den BeschĂ€ftigten“, so Patrick Lohner, SekretĂ€r der FAU MĂŒnchen. „Die Haltung der GeschĂ€ftsfĂŒhrung, den Studenten Arbeitsrechte sowie eine angemessene Bezahlung vorzuenthalten, werden wir jedenfalls nicht hinnehmen.“

Noch sind die Buchhandlungen geschlossen. Die BeschĂ€ftigten kĂŒndigten jedoch bereits an, bei Wiedereröffnung entsprechende Proteste vor den Filialen zu organisieren, sollte Walther König nicht einlenken.

Denn auch die Corona-Krise kann keine Rechtfertigung fĂŒr Rechtsbruch und Lohndumping sein.

MĂŒnchen, den 24.02.2021

Pressesekretariat der FAU MĂŒnchen

Patrick Lohner

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Quelle: Frankfurt.fau.org