April 14, 2021
Von InfoRiot
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Im Februar und M√§rz 2021 nahmen sich drei Gefl√ľchtete aus Potsdam, Eberswalde und Berlin das Leben. F√ľr Angeh√∂rige und Berater*innen steht fest: Die drei M√§nner wurden durch das Asylsystem massiv unter Druck gesetzt.

Asylpolitik kostet Leben

Drei Suizide von Gefl√ľchteten in Berlin und Brandenburg innerhalb weniger Wochen

Im Feb¬≠ru¬≠ar und M√§rz 2021 nah¬≠men sich drei Gefl√ľchtete aus Pots¬≠dam, Eber¬≠swalde und Berlin das Leben. F√ľr Ange¬≠h√∂rige und Berater*innen ste¬≠ht fest: Die drei M√§n¬≠ner wur¬≠den durch das Asyl¬≠sys¬≠tem mas¬≠siv unter Druck geset¬≠zt. Sie erhiel¬≠ten nicht den Schutz, den sie in Deutsch¬≠land gesucht hatten. 
Pots­dam:
A. H. aus Afghanistan nahm sich am 16. Feb¬≠ru¬≠ar 2021 mit 43 Jahren das Leben.
Er hat¬≠te seit neun Jahren um die Fam¬≠i¬≠lien¬≠zusam¬≠men¬≠f√ľhrung mit sein¬≠er Frau gek√§mpft. 
Ohne Erfolg. 
In sein¬≠er Zeit in Deutsch¬≠land war A.H. psy¬≠chisch und k√∂r¬≠per¬≠lich zunehmend erkrankt. Er hat¬≠te eine Niere ver¬≠loren und litt unter starken Schmerzen auf¬≠grund von drei Br√ľchen an der Wirbel¬≠s√§ule. Nach neun Jahren auf der Flucht hat¬≠te er im Dezem¬≠ber endlich den Fl√ľchtlingssta¬≠tus in Deutsch¬≠land bekom¬≠men. Doch die neun¬≠j√§hrige Tren¬≠nung von sein¬≠er Frau und sein jahre¬≠langer Kampf um Fam¬≠i¬≠li¬≠en¬≠nachzug war verge¬≠blich und trieb ihn in die Verzwei¬≠flung. Er hat¬≠te psy¬≠chother¬≠a¬≠peutis¬≠che Behand¬≠lung, Gesund¬≠heits¬≠ber¬≠atung und eine Selb¬≠sthil¬≠fe¬≠gruppe in Anspruch genom¬≠men. Seit der Pan¬≠demie litt er jedoch unter einem Man¬≠gel an geeigneten Ange¬≠boten Pots¬≠dam und an sozialer Isolation.
Shorreh Bad­dieh, Trau­mather­a­peutin bei XENION:
‚ÄěIns¬≠beson¬≠dere in Bran¬≠den¬≠burg ist die Ver¬≠sorgungsstruk¬≠tur f√ľr gefl√ľchtete Men¬≠schen mit psy¬≠chis¬≠chen Prob¬≠le¬≠men schlecht. Ich mache mir aktuell um mehrere mein¬≠er Patien¬≠ten gro√üe Sor¬≠gen wegen Suizidge¬≠fahr. Sie brauchen drin¬≠gend Hil¬≠fe, tre¬≠f¬≠fen aber vor allem in der Akutver¬≠sorgung immer wieder auf Men¬≠schen mit geringer interkul¬≠tureller Kom¬≠pe¬≠tenz und erhal¬≠ten keine Dol¬≠metschung in ihre Muttersprache.‚ÄĚ
Chris­tiane Weber, Psy­chol­o­gis­che Psy­chother­a­peutin bei XENION:
‚ÄěWir sehen aktuell, dass der psy¬≠chis¬≠che Druck ger¬≠ade bei den Men¬≠schen, die sich in ein¬≠er unsicheren Aufen¬≠thaltssi¬≠t¬≠u¬≠a¬≠tion befind¬≠en und auf¬≠grund ihrer Geschichte bere¬≠its schw¬≠er belastet sind, enorm steigt. Coro¬≠na wirkt dabei wie ein Bren¬≠n¬≠glas. Das gro√üe Prob¬≠lem ist, dass es keine reg¬≠ul√§re Ver¬≠sorgungsstruk¬≠tur im Sinne von qual¬≠i¬≠fizierten ther¬≠a¬≠peutis¬≠chen Ange¬≠boten f√ľr sie gibt, und auch der Zugang zu den Akut¬≠sta¬≠tio¬≠nen der Psy¬≠chi¬≠a¬≠trien oft schwierig ist. Dies ist aber ger¬≠ade jet¬≠zt umso n√∂tiger, um Men¬≠schen in Exis¬≠ten¬≠zkrisen zu st√§rken und damit Suizid¬≠pr√§ven¬≠tion zu erm√∂glichen. Hinzu kommt, dass unsere Gutacht¬≠en, in denen wir auf die psy¬≠chis¬≠che Belas¬≠tung und Suizidal¬≠it√§t hin¬≠weisen, mit¬≠tler¬≠weile immer h√§u¬≠figer von Beh√∂r¬≠den und Gericht¬≠en als Gef√§l¬≠ligkeitsgutacht¬≠en diskred¬≠i¬≠tiert werden.‚ÄĚ
Eber¬≠swalde: 
Salah Tayar aus dem Tschad nahm sich am 11.3.2021 mit 35 Jahren das Leben. 
Er hat¬≠te seit acht Jahren um ein Recht zu bleiben gek√§mpft. 
Ohne Erfolg. 
Salah Tayar kam als junger Mann im Tschad wegen Unge¬≠hor¬≠sam in ein Mil¬≠it√§rge¬≠f√§ng¬≠nis. In den zweiein¬≠halb Jahren dort wur¬≠den er regelm√§√üig gefoltert. Nach jahre¬≠langer Flucht durch Libyen und √ľbers Mit¬≠telmeer erre¬≠ichte er Deutsch¬≠land. Sein Asy¬≠lantrag wurde abgelehnt, weil der Tschad als sich¬≠er gilt. Im April h√§tte er einen let¬≠zten Ter¬≠min vor dem Ver¬≠wal¬≠tungs¬≠gericht Frankfurt/Oder im Klagev¬≠er¬≠fahren ‚Äď mit kaum Aus¬≠sicht auf Erfolg- gehabt. Fre¬≠unde und Ange¬≠h√∂rige beschreiben, dass die unklare Aufen¬≠thaltsper¬≠spek¬≠tive ihn in eine tiefe Depres¬≠sion st√ľrzte.
Sein Cousin Yahia Mohammed:
‚ÄěSalah hat jahre¬≠lang f√ľr ein men¬≠schen¬≠w√ľrdi¬≠ges Leben gek√§mpft, im Tschad und in Deutsch¬≠land. Trotz allem, was er durchgemacht hat, wurde ihm kein Schutz gew√§hrt. Sein Asyl wurde abgelehnt, obwohl er seine ganze Geschichte offen¬≠gelegt hat¬≠te. Das hat ihm jede Per¬≠spek¬≠tive auf ein Leben in W√ľrde ger¬≠aubt. Daran ist Salah zerbrochen.‚ÄĚ 
Weit¬≠er f√ľhrt Yahia Mohammed aus:
‚ÄěSalah hat 8 Jahre im Heim in Eber¬≠swalde gelebt, er hat¬≠te eine Dul¬≠dung und damit keine umfassende Arbeit¬≠ser¬≠laub¬≠nis. Die Sit¬≠u¬≠a¬≠tion im Heim ist schlimm, es gibt nichts zu tun, das treibt Men¬≠schen in die Hoff¬≠nungslosigkeit. Der Ras¬≠sis¬≠mus im √∂ffentlichen Raum in Eber¬≠swalde kommt hinzu. Es gibt viele Men¬≠schen, den es so geht, die nicht mehr wis¬≠sen, wie sie die Sit¬≠u¬≠a¬≠tion aushal¬≠ten sollen.‚ÄĚ
Mustafa Hussien von Barn¬≠im f√ľr Alle:
‚ÄúSalah floh vor Folter, vor der Unter¬≠dr√ľck¬≠ung und Poli¬≠tik der tschadis¬≠chen Regierung unter der F√ľhrung von Dik¬≠ta¬≠tor Idriss Deby. Salah lebte unter uns als ruhiger und guter Men¬≠sch. Es gibt eine Gruppe von Gefl√ľchteten, die noch leben, aber unter den gle¬≠ichen Bedin¬≠gun¬≠gen wie Salah lei¬≠den. Wir als Gruppe ‚ÄöBarn¬≠im f√ľr Alle‚Äô und als in der Region lebende Gefl√ľchtete erk¬≠l√§ren unsere v√∂l¬≠lige Ablehnung dieser Poli¬≠tik und wollen daf√ľr k√§mpfen, dass sich die Geset¬≠ze ver√§ndern.‚ÄĚ
Alpha Oumar Bah aus Guinea nahm sich in der Nacht vom 16.3.2021/17.3.2021 mit 27 Jahren das Leben. Er hat¬≠te seit mehr als drei Jahren um eine Bleibeper¬≠spek¬≠tive gek√§mpft. Ohne Erfolg. Er hat¬≠te sehr gro√üe Angst vor ein¬≠er Abschiebung. 
Alpha Oumar Bah lebte in ein¬≠er Unterkun¬≠ft f√ľr Gefl√ľchtete in Berlin und ver¬≠di¬≠ente seinen Leben¬≠sun¬≠ter¬≠halt bei ein¬≠er Reini¬≠gungs¬≠fir¬≠ma. Er war im Asylver¬≠fahren und lebte in der Angst vor Abschiebung.
Der Berlin¬≠er Innense¬≠n¬≠a¬≠tor Andreas Geisel hat¬≠te im Feb¬≠ru¬≠ar eine Del¬≠e¬≠ga¬≠tion des Regimes in Guinea ein¬≠ge¬≠laden, um die Iden¬≠tit√§t von Gefl√ľchteten aus Guinea zu kl√§ren und damit die n√∂ti¬≠gen Doku¬≠mente f√ľr eine Abschiebung ausstellen zu k√∂n¬≠nen. Im Vor¬≠feld wur¬≠den schwarze Men¬≠schen im G√∂r¬≠l¬≠itzer Park wegen ange¬≠blich¬≠er Deal¬≠erei kon¬≠trol¬≠liert. Nach Aus¬≠sagen der Polizei gegen√ľber der taz sei die Polizei zu dieser Zeit zudem auf der Suche nach ‚Äěrel¬≠e¬≠van¬≠ten Per¬≠so¬≠n¬≠en zur Vorstel¬≠lung vor der Guineis¬≠chen Expertenkom¬≠mis¬≠sion‚ÄĚ[1]gewe¬≠sen. Bei einem Pres¬≠seter¬≠min in G√∂r¬≠l¬≠itzer Park unter¬≠stre¬≠icht der Innense¬≠n¬≠a¬≠tor diese ras¬≠sis¬≠tis¬≠che Prax¬≠is. Bish¬≠er wurde in 15 von 22 Men¬≠schen aus Berlin die Guineis¬≠che Staats¬≠b√ľrg¬≠er¬≠schaft fest¬≠gestellt und die Betrof¬≠fe¬≠nen abgeschoben. Als eines von drei Bun¬≠desl√§n¬≠dern beteiligte sich Berlin unter anderem am 16.3. an den bun¬≠desweit¬≠en Sam¬≠me¬≠lab¬≠schiebun¬≠gen nach Guinea. Die Del¬≠e¬≠ga¬≠tion soll im Herb¬≠st erneut nach Berlin kom¬≠men. Am 15.03.2021 gab es in der Unterkun¬≠ft, in der Alpha Oumar Bah lebte, einen Polizeiein¬≠satz, um die Abschiebung ein¬≠er anderen Per¬≠son zu vol¬≠lziehen. Es ist anzunehmen, dass all dies Alpha Oumar psy¬≠chisch mas¬≠siv unter Druck setzte.
Rachid von Ayében Berlin
‚ÄěDie Del¬≠e¬≠ga¬≠tion aus Guinea hat die Aus¬≠bil¬≠dungs¬≠dul¬≠dung nicht anerkan¬≠nt. Men¬≠schen, die mit¬≠ten in der Aus¬≠bil¬≠dung standen, wur¬≠den nach Guinea abgeschoben. Wir fra¬≠gen den Innense¬≠n¬≠a¬≠tor von Berlin, wie kann das sein? Dieses Vorge¬≠hen hat Panik aus¬≠gel√∂st. Die Angst vor ein¬≠er Abschiebung ist unsag¬≠bar gro√ü. Dass die Del¬≠e¬≠ga¬≠tion erneut im Herb¬≠st 2021 nach Deutsch¬≠land kom¬≠men soll, erschreckt die Men¬≠schen sehr.‚ÄĚ
Alpha von Ayében Berlin
‚ÄěDie Sit¬≠u¬≠a¬≠tion in Guinea ist sehr schwierig, zum einen ist die Bev√∂lkerung schut¬≠z¬≠los der glob¬≠alen Covid-19 Pan¬≠demie aus¬≠ge¬≠set¬≠zt, auf der anderen Seite bre¬≠it¬≠et sich Ebo¬≠la erneut aus. Hinzu kommt, dass viele Oppo¬≠si¬≠tionelle im Gef√§ng¬≠nis sitzen. Gle¬≠ichzeit¬≠ig gibt es schwere Men¬≠schen¬≠rechtsver¬≠let¬≠zun¬≠gen. Die Lage in Guinea ist desastr√∂s.‚ÄĚ
Wir fordern von der Berlin¬≠er und Bran¬≠den¬≠burg¬≠er Lan¬≠desregierung poli¬≠tis¬≠che Konsequenzen: 
> √Ėffentliche voll¬≠st√§ndi¬≠ge Aufk¬≠l√§rung der Suizide.
> Anerken¬≠nung des Gesuch¬≠es auf Schutz und Asyl.
> Erle¬≠ichterung der Familienzusammenf√ľhrung.
> Gedol­metschte und kul­tursen­si­ble Akutver­sorgung und Therapieangebote.
> Bleiberecht f√ľr psy¬≠chisch belastete und trau¬≠ma¬≠tisierte Menschen.
> Keine Abschiebung in L√§n¬≠der, die von Men¬≠schen¬≠rechtsver¬≠let¬≠zun¬≠gen gekennze¬≠ich¬≠net sind.
> Keine Zusam­me­nar­beit mit dik­ta­torischen Reg­i­men zur Beschaf­fung von Abschiebepapieren.
Wir laden ein zur Kundgebung: 
13. April, 12‚Äď17 Uhr
Eber­walde Ausländerbehörde
Pfeilstr/Schicklerstr. 

https://www.berliner-krisendienst.de/ar

https://www.berliner-notruf.de

Si vous √™tes en crise ou si le sui¬≠cide est un sujet dif¬≠fi¬≠cile pour vous en ce moment, prenez soin de vous si vous voulez lire ce texte maintenant. 
Con¬≠seil anonyme √† :

 

If you are in cri¬≠sis or sui¬≠cide is a dif¬≠fi¬≠cult top¬≠ic for you right now, please take care of your¬≠self if you want to read this text right now. 
Anony¬≠mous coun¬≠selling at: 
Wenn du in ein¬≠er Krise bist oder Suizid ger¬≠ade f√ľr dich ein schwieriges The¬≠ma ist, bitte achte auf dich, ob du diesen Text ger¬≠ade lesen m√∂chtest.
Anonyme Beratung unter:






Quelle: Inforiot.de