September 16, 2020
Von Squat.net
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Am 18.September findet im Evelpidon Gericht in Athen die Verhandlung gegen zwei GefĂ€hrten aus Berlin und zwei GefĂ€hrten aus Athen statt. Am 26.November 2017 wurden die vier Personen bei der gewaltsamen RĂ€umung des Gare Squat, im Athener Stadtteil Exarchia, festgenommen. Neben weiteren Anklagepunkten wird Ihnen Hausfriedensbruch, versuchte gefĂ€hrliche Körperverletzung, Verweigerung der kriminaltechnischen Identifizierung sowie der Besitz von explosionsgefĂ€hrlichen Stoffen und Sprengbomben vorgeworfen. Diese RĂ€umung war die erste von dreien, in deren Folge die vier GefĂ€hrten fĂŒr 4 Tage inhaftiert wurden. Sie wurden unter Auflagen, bzw. gegen Kaution freigelassen und sollen sich nun, fast drei Jahre spĂ€ter, vor Gericht verantworten.

SpĂ€testens seit dem 17. November 1973 hat sich Exarchia als ein Viertel des Widerstands entwickelt. In den letzten Dekaden wurde eine Vielzahl an HĂ€usern besetzt, unter anderen eine Reihe von und fĂŒr Refugees. Es gibt selbstorganisierte Strukturen, welche vornehmlich in der Krise entstanden sind, wie ein selbstverwaltetes Krankenhaus, Essensausgaben und Wohnraum. Innerhalb der Nachbar*innenschaft sind Strukturen fĂŒr das soziale Zusammenleben entstanden, wie ein Park mit einem Spielplatz und GĂ€rten. Zudem gibt es diverse Besetzungen, die von diversen politischen Strömungen bewohnt oder bespielt werden und eine VielfĂ€ltigkeit an politischer Auseinandersetzung befördern. Im Kiez kommt es aufgrund der WiderstĂ€ndigkeit und der Art des Zusammenlebens, welche sich oft jenseits der staatlichen Kontrolle abspielt, hĂ€ufig zu Auseinandersetzungen mit den Cops. In den verschiedenen Phasen waren diese Auseinandersetzungen unterschiedlich intensiv. Die repressiven Maßnahmen gegen das Viertel und dessen Bewohner*innen reichen von dem umstellen des Viertels mit MAT- Einheiten, Patrouillen mit gepanzerten Fahrzeugen, willkĂŒrlichen Kontrollen bis hin zum regelmĂ€ĂŸigen Einsatz von Anti-Terror-Einheiten im Viertel. Diese Maßnahmen werden oft von einer medialen Kampagne gegen einen rechtsfreien Raum, in dem mit Drogen gehandelt und der von der Mafia kontrolliert wird, begleitet. Hiermit wird der lokale Kampf entpolitisiert und der Widerstand gegen verschiedene Staatliche Interventionen marginalisiert.

Die Besetzungen im Viertel sind ein elementarer Bestandteil um den Widerstand zu ermöglichen. Sie bieten RĂŒckzugsraum, Wohnraum, Infrastruktur fĂŒr das soziale Zusammenleben und fĂŒr diverse BedĂŒrfnisse, wie Essen, Strom, Waschen und Internet. Sie sind Treffpunkte unterschiedlicher politischer Kollektive, VeranstaltungsrĂ€ume und Basis politischer Diskussionen, Anlaufpunkt fĂŒr Aktivist*innen und Infrastruktur fĂŒr die Bewegung. So haben sie sich zu Schnittpunkten zwischen der Bewegung und der Nachbar*innenschaft entwickelt. Gerade aufgrund der staatsfeindlichen, antiautoritĂ€ren Haltung der Besetzungen und ihrer Autonomie, legt der Staat einen Fokus auf deren Eliminierung und greift sie offen an. Hierbei ist irrelevant, welche Partei zur Zeit an der Macht ist, RĂ€umungen und andere Angriffe auf Besetzungen fanden und finden immer statt.
Ähnliches passiert auch in Berlin. Vor allem die Strukturen, die sich offen gegen den Staat stellen, erfahren die meiste Repression und gerade diejenigen, die nicht auf Legalisierungsangebote eingehen, vom Staat nicht einnehmbar sind und Reformierungsversuche ablehnen, werden mit aller HĂ€rte bekĂ€mpft. In diesem Jahr sind diverse RĂ€umungen von Projekten angekĂŒndigt, eines wurde gerĂ€umt und die große Welle ist fĂŒr den Herbst zu erwarten. Hiergegen regt sich seit langem Widerstand, welcher die KĂ€mpfe stadtweit in den unterschiedlichen Nachbar*innenschaften aufflammen lĂ€sst. Das kollektive Widersetzen gegen diese staatlichen Angriffe hat zur Folge, dass wir eine neue StĂ€rke finden.

Die besetzten HĂ€user haben ihre Relevanz nicht aufgrund der Steine, aus denen sie gebaut sind, sondern aufgrund der Ideen, die in ihnen entstehen und gelebt werden. Diese Ideen finden sich ĂŒberall auf der Welt wieder und werden auch ĂŒberall von den Herrschenden angegriffen. Das macht internationale Vernetzung und SolidaritĂ€t notwendig, um gemeinsam Widerstand zu leisten und unsere Ideen zu verteidigen.

So findet in Athen jĂ€hrlich am 6.Dezember eine Demonstration in Gedenken an Alexandros Grigoropolous, einen anarchistischen Jugendlichen, der 2008 in Exarchia von Bullen ermordet wurde, statt, zu der auch viele UnterstĂŒtzer*innen aus aller Welt anreisen, um sich mit der lokalen Bewegung zu solidarisieren und das Viertel aktiv gegen die Cops zu verteidigen. Die Revolte, die unmittelbar nach dem Tod von Alexis 2008 entstanden ist und die StĂ€rke der Bewegung ist ein Grund fĂŒr die intensivierten staatlichen Angriffe jedes Jahr um diese Zeit. Die erste RĂ€umung des Gare-Squats, bei der die vier Angeklagten verhaftet wurden, fand unmittelbar vor diesem Datum statt. In Anbetracht der Rolle, die das Gare in den Vorjahren bei der Vorbereitung der Aktionen und um den 6. Dezember inne hatte, war die Wahl des Zeitpunktes fĂŒr die RĂ€umung nicht ĂŒberraschend. Sie war ein Versuch, die Bewegung in diesen KĂ€mpferischen Tagen zu schwĂ€chen.

Auch im letzten Jahr hat die, kĂŒrzlich gewĂ€hlte, konservative Nea Demokratia-Regierung zwei Wochen vor dem 6.Dezember mit einem massiven, medial begleiteten, Angriff auf die Bewegung begonnen. Der Minister fĂŒr BĂŒrgerschutz, Michalis Chrysochoidis, hat öffentlich angekĂŒndigt, diverse Squats, vor allem in Exarchia, zu rĂ€umen und ein Ultimatum gestellt. Um die Bewegung zu spalten, forderte die Regierung alle Besetzungen dazu auf, VertrĂ€ge mit dem Staat zu unterzeichnen. Alle die sich widersetzen, sollen gerĂ€umt werden. Zudem erstellte Chrysochiodis eine Liste derer Squats, die zuerst gerĂ€umt werden sollten. Keine der Besetzungen hat sich auf das Angebot der Legalisierung eingelassen. Schon wenige Tage nach dem 6.Dezember wurden die ersten HĂ€user gerĂ€umt und leisteten massiven Widerstand, der zu einer Welle der internationalen Solidarisierung fĂŒhrten. Die Angriffe des Staates auf die Bewegung und insbesondere die Besetzungen gehen weiter, um den Widerstand, vor allem in Exarchia, endgĂŒltig zu brechen. Die Eliminierung der AntiautoritĂ€ren Bewegung, die in Griechenland eine lange Geschichte hat, und die Gentrifizierung Exarchias hat MinisterprĂ€sident Mitzotakis schon in seinem Wahlkampf und dem der Nea Demokratia, zu einer PrioritĂ€t gemacht, um die vornehmlich rechte WĂ€hler*innenschaft fĂŒr sich zu gewinnen. Auch wenn dies bis dato nicht komplett gelungen ist, so wurden doch einige Squats gerĂ€umt, zuletzt das Dervenion in Exarchia am 26. Juni. Wir mĂŒssen uns gemeinsam auf weitere Angriffe des Staates vorbereiten.

Zeigt euch solidarisch, begleitet den Prozess gegen die Angeklagten und leistet gemeinsam Widerstand gegen Staatliche Angriffe auf uns und unsere Projekte!

SolidaritÀt mit der L34, Meuterei, Potse, Syndikat, SabotGarden in Berlin!

SolidaritÀt mit** Dimitros Chatzivaseilidis und allen anderen von Repression Betroffenen und Verfolgten!**


Gare squat, Exarcheia https://squ.at/r/2y9b

Gruppen: Athen https://radar.squat.net/de/groups/city/athens/country/GR
Veranstaltungen: Athen https://radar.squat.net/de/events/city/Athens/country/GR

Gruppen: Griechenland https://radar.squat.net/de/groups/country/GR
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Quelle: De.squat.net