November 29, 2021
Von InfoRiot
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Potsdam – Dauerkritik an der AuslĂ€nderbehörde im Rathaus, Schwierigkeiten bei der Sprachförderung, zu wenig bekannte Beratungsangebote: Potsdam hat in Sachen Integration trotz vieler guter AnsĂ€tze noch einigen Nachholbedarf. So lĂ€sst sich eine aktuelle Bestandsaufnahme zur Umsetzung des vor vier Jahren von der Stadtpolitik beschlossenen Integrationskonzeptes zusammenfassen, die Potsdams AuslĂ€nderbeauftragte Magdolna Grasnick jetzt fĂŒr die Stadtverordneten erarbeitet hat.  

Demnach sind von genau 137 im Jahr 2017 geplanten Maßnahmen nur 35 auch erfolgreich umgesetzt worden – also 25 Prozent. 55 Ideen habe man teils verwirklichen können, heißt es in dem Report. Demnach ist bei 47 weiteren Ideen die Umsetzung laut Bericht unklar oder nicht zustande gekommen. Das entspricht 35 Prozent. 

Plan zur GrĂŒndung einer BĂŒrgerstiftung fĂŒr Migranten nicht umgesetzt

Die gelungenen Ideen und die Negativbeispiele fĂŒhrt Grasnick, die nach vielen Jahren im Amt in den nĂ€chsten Wochen in den Ruhestand geht, auf knapp 70 Seiten aus. Einer ihrer Hauptkritikpunkte: Generell habe es, unter anderem wegen Personalmangels, keine Gesamtsteuerung fĂŒr die Umsetzung des Integrationskonzeptes gegeben. So seien einige unspezifisch formulierten Maßnahmen eben auch „nicht weiter konkretisiert worden“.  

Zum Beispiel hatte man sich eine zentrale Informationsplattform fĂŒr Beratungsangebote im Bereich Migration vorgenommen. Doch ein Angebot fĂŒr eine derartige BegrĂŒĂŸungsapp sei vom Rathaus nicht angenommen worden, heißt es in der Analyse. Die Folge ist, dass fĂŒr Neu-Potsdamer solche Angebote immer noch „nicht gut zu finden“ sind. Ebenso schwer aufzufinden seien UnterstĂŒtzungsangebote fĂŒr GrĂŒnder mit Migrationshintergrund. 

Auch der Plan, eine BĂŒrgerstiftung fĂŒr Migranten zu grĂŒnden, wurde laut dem Grasnick-Bericht nicht umgesetzt. Sie wĂŒrde Ă€hnlich wie die bereits bekannte Stiftung Altenhilfe funktionieren und konkrete Hilfsangebote in begrenztem Rahmen finanzieren.

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FĂŒr die Analyse wurden dieses Jahr verschiedene Vereine, SozialtrĂ€ger, der Migrantenbeirat und die Vertreter der Stadtverwaltung befragt, aber auch Potsdamer mit auslĂ€ndischen Wurzeln. Ein weiterer Befund: Das in den vergangenen Jahren mehrfach in der Kritik stehende AuslĂ€nderamt des Rathauses sei noch keine Willkommensbehörde – Vorhaltungen gebe es nicht nur von Migranten, sondern auch von den fĂŒr auslĂ€ndische Studenten und Forschern zustĂ€ndigen International Offices der Potsdamer Wissenschaftseinrichtungen. 

So fehle es an Transparenz bei den Prozessen, aber auch an zeitnahen Terminen sowie an Möglichkeiten der RĂŒcksprache online oder telefonisch, wird in dem Report die Nutzerkritik an der Behörde prĂ€zisiert. Hier sei allerdings zeitnah wieder ein Austausch ĂŒber Verbesserungen geplant, heißt es weiter.  

Knapp zehn Prozent der Potsdamer stammen aus dem Ausland

Gelingende Integration ist in Potsdam ein politisch ĂŒber Parteigrenzen hinweg artikuliertes Anliegen. Statistisch gesehen stammten laut Angaben der Stadt vom Herbst genau 9,9 Prozent der Potsdamer aus dem Ausland: 18.095 Personen. Zum Vergleich: Vor fĂŒnf Jahren lag diese Zahl noch bei 12.000, der Anteil somit bei 7,1 Prozent. Aktuell sind unter dem Begriff „AuslĂ€nder“ auch 4926 BĂŒrger aus der EU aufgefĂŒhrt – also 27 Prozent. Jeder Vierte. Dazu verzeichnet die Verwaltung aktuell mehr als 4000 FlĂŒchtlinge. Zu knapp 50 Prozent stammen diese aus Syrien und zu 13 Prozent aus Afghanistan.  

Gerade die Kinder von FlĂŒchtlingen stehen in dem Grasnick-Report im Fokus. Schon eine Untersuchung aus dem vergangenen Jahr hatte gezeigt, dass bei den damals knapp 2000 nichtdeutschen SchĂŒlern in Potsdam der Anteil jener, die ohne Abschluss nach der Schule blieben, in den Jahren zuvor deutlich gestiegen war – auf mehr als 17 Prozent. Diese Zahlen werden in der Analyse nicht noch einmal referiert.  

Mehr Hilfsangebote in Familienzentren gefordert

Allerdings wird fĂŒr Kitakinder mit Migrationshintergrund unter anderem gefordert, hier mĂŒsse es zusĂ€tzliche finanzielle Mittel geben, um die Erzieher zu qualifizieren – und es mĂŒsse generell mehr Hilfsangebote in Familienzentren geben. FĂŒr SchĂŒler etwa aus FlĂŒchtlingsfamilien wird mehr Sprachförderung angemahnt. Handlungsbedarf gebe es ferner fĂŒr mehrsprachige, psychosoziale Angebote zur Aufarbeitung von Traumata. Positiv herausgehoben wird in dem Bericht allerdings, dass an vielen Bildungseinrichtungen Schulsozialarbeiter vorhanden seien – oder geförderte Integrations- und Berufssprachkurse einem grĂ¶ĂŸeren Personenkreis zur VerfĂŒgung stĂŒnden. Auch seien NachbarschaftshĂ€user als Orte der Begegnung gesichert worden, heißt es. Und: In Potsdam sei eine „aktive Stadtgesellschaft vielfĂ€ltig um eine Willkommenskultur“ bemĂŒht.  

FĂŒr die anstehende Überarbeitung des Integrationskonzepts hat Grasnick – neben der Bearbeitung der offenen Punkte – einen weiteren Wunsch: Das schwierige Thema Rassismus mĂŒsse endlich auch in diesem Konzept behandelt werden. (dpa)




Quelle: Inforiot.de