August 15, 2022
Von Indymedia
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1. Teil: Was seit Februar passiert ist

In der Vorstellungsrunde fĂ€llt schon auf, dass viele neu sind. Es trifft sich etwa die HĂ€lfte als beim Treffen im Februar. 1/3 davon war vorher noch bei keinem der Treffen. Überwiegend sind es Personen aus Gruppen, die sich langfristig organisieren. Darunter eine Gruppe, die sich seit einem Jahr Zeit nimmt, um VorwĂŒrfe gegen ein Gruppenmitglied aufzuarbeiten und nach den Ursachen in der eigenen Struktur fragt. Zwei kleinere Gruppen, die VorfĂ€lle hatten, die aber schon weiter zurĂŒckliegen. Ein Vertreter von Soli-Antifa-Ost ist auch da. Außerdem zwei Großgruppen, die davon berichten konnten, was es fĂŒr interne Strukturen zur Bearbeitung von VorwĂŒrfen gibt, aber auch welche Formen der PrĂ€vention innerhalb der Gruppen gibt. Mindestens eine Person war anwesend, gegenĂŒber der es VorwĂŒrfe gibt und das auch transparent gemacht hat.
ZunĂ€chst ging es um GrĂŒnde fĂŒrs Fernbleiben vieler Leute: Das ein bestimmtes Spektrum fehlt, kurz nachdem der Verrat durch Domhöver bekannt wurde, ist verstĂ€ndlich. Es ist zudem gefĂŒhlt der heißeste Tag des Jahres, aber vor allem sind solche Treffen in der Mobilisierung (noch) keine SelbstlĂ€ufer. Viele werden zudem nichts Neues zu berichten gehabt haben und deshalb fernbleiben.

Es folgte  ein Input zu den Treffen, die bereits gelaufen sind. Die wichtigsten Punkte vom Dezember-Treffen (Bericht unter https://www.anarchistischefoderation.de/aufarbeitung-des-patriarchalen-i…) war die gemeinsam erarbeitete Liste von Maßnahmen gegen sexualisierte Gewalt, die sich auf unterschiedliche Handlungsebenen bezog (persönlich, in Beziehungen, in der Gruppe, in der Szene). Im Februar-Treffen (https://kontrapolis.info/6452/) ging es viel ĂŒber (Un)Möglichkeiten der verpflichtenden Arbeit am Thema – also schlicht Organisierung, RegelmĂ€ĂŸigkeit, Verbindlichkeit bzw. dem Verhindern des Auseinanderlaufens. Ein großer Bestandteil im Februar war auch die Arbeit in Kritischen MĂ€nnlichkeitsgruppen. Um Ansprechbarkeit und Kritik zu ermöglichen wurde eine E-Mail-Adresse (antipat030@systemli.org) eingerichtet. Seit dem letzten Treffen ist da aber nur eine Presseanfrage des Neuen Deutschlands eingegangen, die was zu “metoo in der linken Szene” machen wollten.

In der Runde dazu, was in den letzten vier Monaten passiert ist, ging es lĂ€nger um Soli-Antifa-Ost (SAO). FĂŒr viele war ĂŒberraschend, dass der Prozess zu aktivem TĂ€terschutz, ĂŒber Machtstrukturen innerhalb des Bekanntschaftskreises um Johannes Domhöver zunĂ€chst sehr schleppend war, nun aber ganz stagniert. Hintergrund ist einerseits die Repression, die diesen Kreis aktuell trifft, aber auch dass sich viele erschlagen fĂŒhlen von der Vielfalt der Problemfelder (TĂ€terschutz, Frauenfeindlichkeit, Gewalt&Patriarchat, Militanz vs. Gewalt). Das SAO-BĂŒndnis konnte nicht der Motor fĂŒr die nur unwillig gefĂŒhrten Auseinandersetzungen sein und hat sich daran aufgerieben. Manche sind ausgetreten, andere fĂŒhren die Soliarbeit in anderen Strukturen fort. Die Treffen zu kritischer MĂ€nnlichkeit sind fĂŒr Cis-MĂ€nner, die bei der Soliarbeit mitmachen wollen, mittlerweile verpflichtend. Die Transparenz darĂŒber ist gegenĂŒber der Öffentlichkeit mĂ€ĂŸig – vor allem um sich vor staatlicher Repression zu schĂŒtzen. Es gibt Versuche mehr in internen Treffen zu berichten. In Dresden gab es eine grĂ¶ĂŸere Veranstaltung zu Antipatriarchat und TĂ€terschutz (https://www.soli-antifa-ost.org/diskussionsveranstaltung-am-03-mai-in-dr…). Es gab Ende Mai eine kurze Stellungnahme vom MĂ€nnertreffen des SAO (https://www.soli-antifa-ost.org/taeterschaft-taeterschutz-und-was-bei-un…) und Einzelpersonen haben lĂ€ngerfristige Persönlichkeitsprozesse begonnen.

Von anderen wurde berichtet, dass sie durch die Treffen in Berlin und die allgemein stĂ€rkere BeschĂ€ftigung mit dem Thema in der Szene, sicherer geworden sind bei VorfĂ€llen aktiv zu reagieren und Verantwortung zu ĂŒbernehmen. In BĂŒndnissen und bei befreundeten Gruppen können sexualisierte Gewalt begĂŒnstigende Mechanismen viel eher angesprochen werden, weil wir uns auf gemeinsame Grundlagen beziehen können.
Ein Vertreter einer Großgruppe berichtete, dass es bei ihnen nicht-verpflichtende MĂ€nnlichkeitstreffen gibt, die auch fĂŒr FLINTA* offen stehen. In denen geht es darum die patriachale Praxis in der Gruppe und die HintergrĂŒnde davon zu reflektieren. Die Themen werden fĂŒr ein Jahr festgelegt. Etwa 1/3 der cis-MĂ€nner aus der Gruppe beteiligen sich. FĂŒr diesen Kreis wurde nun eine externe Moderation dazu geholt, um die Hierarchien in der Gruppe (immer die gleichen Personen, die einladen usw.) zu dem Thema aufzulösen. Da wurde Kritik/Selbstkritik mehr geĂŒbt. Das MĂ€nnlichkeitstreffen gibt wiederum Feedback in die Gesamtgruppe. Es gibt außerdem noch eine Ansprechkommission in der Gruppe, die als Supportstruktur fĂŒr Betroffene fungieren kann.
Eine andere Großgruppe berichtete von einer einfachen Praxis zur Etablierung von Kritik und Selbstkritik. Nach den regulĂ€ren Gruppenplena wird sich in kleinen Tandems/Tridems ĂŒber die Genderdynamiken des Plenums ausgetauscht und reflektiert. Da wird dann z.B. Redeverhalten kritisiert. Die Idee war gut, aber diese Nachbereitungen sind meistens nicht sehr tiefgehend. Weiterhin gibt es in unregelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden MĂ€nnlichkeitstreffen, um ĂŒber aktuelle Probleme zu sprechen. Das dann meist in gendergetrennten Vollversammlungen. FĂŒr die MĂ€nnlichkeitstreffen wird auch ĂŒber eine externe Moderation nachgedacht. Auch in dieser Gruppe gibt es eine Ansprechgruppe fĂŒr Betroffene sexualisierter Gewalt und es gibt einen Leitfaden zur Bearbeitung und Handlungsempfehlungen (Support der Betroffenen, transformative TĂ€terarbeit, aktuelles Beispiel https://outing-koeln.org/). Beide Großgruppen finden es hilfreich aus anderen Gruppen von Aufarbeitungsprozessen zu erfahren.
Zwei kleinere Gruppen berichteten, dass die Selbstbildung schleppender vorankommt, weil dann doch andere Alltagsthemen dominieren. EingefĂŒhrt wurde der feministische Top auf dem Plenum. Feministischen Events werden mehr unterstĂŒtzt. BerĂŒhrungspunkte zu Outcalls sind insgesamt gering, weshalb es schwer fĂ€llt da jeweils Kontakt aufzunehmen und Hilfe anzubieten.
Eine Antirepressionsgruppe macht wöchentliche Treffen fĂŒr alle, die eine unterdrĂŒckende Rolle im Patriarchat haben. Die sind teilweise nicht so gut vorbereitet, aber helfen bei der Reflexion. Um das zu verbessern sollen kurze Text-Inputs helfen. Themen sind TĂ€terbegriff/Schutz, Warnzeichen fĂŒr patriarchales Verhalten, familiĂ€re Beziehungen als Grundlage, Drogenkonsum als Bedingung fĂŒr Übergriffigkeit, Verteidigungsmechanismen gegen Kritik und Verteilung von Care-Arbeit.
Eine Gruppe, hat eine Person mit VorwĂŒrfen in der Gruppe. Sie haben sich gegen einen Ausschluss entschieden und interne Workshops fĂŒr alle gemacht. U.a. wurden Texte von anderen Gruppen gelesen und in der Szene bekannt gewordene FĂ€lle nachbereitet. Themen der internen Arbeit waren: Die eigene Biografie, aber auch wie man in die Gruppe/Szene gekommen ist, wie FLINTA* davon abgehalten wurden, wie die Rollenverteilung (auch ĂŒber die Gruppe hinaus) ist, warum es in den letzten Jahren Austritte gab, welche Methoden von MĂ€nnern benutzt werden um sich als “gut” / “besser” darzustellen und auch was GewaltausĂŒbung mit linker Politik zu tun hat.
Eine andere Gruppe hat verpflichtende MĂ€nnlichkeitstreffen alle zwei Wochen. Das reicht aber nicht zur Vertiefung. Deshalb mĂŒssen sich alle MĂ€nner alle drei Monate zu ihren Reflexionsprozessen Ă€ußern. Das funktioniert gut, weil alle gut und lange befreundet sind. Es gibt einen großen Wunsch danach mehr praktisch zu werden und nicht nur intern an den einzelnen so organisierten cis-MĂ€nnern zu arbeiten. Also eine konkretere feministische Praxis zu haben und auch dafĂŒr kritisierbar zu sein.  Bisher erschöpft sich das im Boykott von Gruppen und RĂ€ume gegen die es VorwĂŒrfe gibt.

2. Teil: Bedarfe und WĂŒnsche – Organisierung

Nach dieser lĂ€ngeren Vorstellungsrunde ging es im Murmelrunden um „Bedarfe & WĂŒnsche“ oder vielmehr um die Fragen woran konkretere Praxis zum Thema scheitert und was sich die einzelnen Gruppen in Zukunft vornehmen.

Hauptthema war “Organisierung”, worum es auch schon beim Februartreffen viel ging. Wie schon vorher diskutiert steht der praktische Wert der Vernetzung, gegenseitiger Bildung und Hilfestellung bei der Bearbeitung von FĂ€llen der Gefahr gegenĂŒber eine weitere MĂ€nnervernetzung zu schaffen. FLINTA* aus den ZusammenhĂ€ngen wollen sich an soetwas erstmal nicht beteiligen. Eine regelmĂ€ĂŸig stattfindende Vernetzung kann auch die transformative Arbeit dazwischen nicht ersetzen, sondern höchstens fĂŒr Informationsfluss sorgen und Angebote koordinieren. Die Teilnahme von cis-MĂ€nnern aus organisierten Gruppen kann verpflichtend gewĂ€hrleistet werden. Allerdings bleiben “Unorganisierte”, Menschen die nicht greifbar, wohl aber Teil der Bewegung sind, außen vor. Wie werden die MĂ€nlichkeitsprobleme da bearbeitet? Es braucht vermutlich andere Formate um Standards zu etablieren (z.B. Anti-Pat-Medics). Antipatriarchale Haltung muss deutlicher in der Politik sichtbar sein, in BĂŒndnissen zur Sprache kommen und normaler werden, damit sich auch der vermeintlich “unorganisierte” Teil daran orientieren kann. Beispiele: Sich nicht nur als UnterstĂŒzer an feminstistischer Arbeit beteiligen sondern auch in BĂŒndnisse gehen und quasi trotz MĂ€nnlichkeit Politik machen
Aktuell beschĂ€ftigt sich der Zusammenschluss bedrohter Projekte und UnterstĂŒtzer aufgrund von VorfĂ€llen in Hausprojekten auch mit dem Thema. Die zwei Vollversammlungen, die dazu stattgefunden haben, waren allgender, TĂ€ter und auch tĂ€terschĂŒtzende Kollektive hatten keinen Zutritt. Die Zusammenarbeit hat also Grenzen, aber gemeinsame Standards werden auch hier erarbeitet (siehe Protokoll vom April https://kontrapolis.info/7210/)
Eine Vernetzung kann auch nachhaltig sein, wenn sie als Plattform fĂŒr weiteres gedacht wird. Es können aus den grĂ¶ĂŸeren treffen kleinere AGs zu LeitfĂ€den oder Tools oder auch zur Arbeit an konkreten FĂ€llen entstehen. Als Problem wurde identifiziert dass es in konkreten FĂ€llen zu wenig Support gibt und auch das gegenseitige in Verantwortung nehmen nicht funktioniert. RegelmĂ€ĂŸige Trffen, Fallbesprechungen und kollektiver Problemanalyse vor Outings können helfen die Strukturen mehr in solche Prozesse zu integrieren. Denkbar sind auch Gruppen-Buddies um Prozesse in den anderen Gruppen zu prĂŒfen. Alle Anwesenden fanden das richtig und gut und deshalb trifft sich diese Plattform/Vernetzung 3-4mal im Jahr.

3. Teil: Thematische Arbeitsgruppen

(1) Umgang mit VorwĂŒrfen im eigenen Umfeld (z.B. Outcalls).
Vor der Schwelle zum Outcall kommt selten was zur Sprache, weil es kein Vertrauen darin gibt, dass Betroffenen Glauben geschenkt wird und Konsequenzen gezogen werden. Deshalb als erstes, wenn was im Raum steht ein Austausch ĂŒber die Interessen von Betroffenen. Sofort darauf eingehen und nicht neue Orga-Schleifen drehen, die nur verzögern.
In der AG wurden FĂ€lle aus den eigenen Gruppen gesammelt und jeweils ĂŒber den Diskurs/Definition und Handlungsmacht ĂŒber den Vorfall gesprochen. Die Ansprechbarkeit fĂŒr Betroffene innerhalb der Gruppe muss gwĂ€hrleistet sein. Tratsch und Desinformation fĂŒhren schnell zum Entgleisen der Diskurse. Deshalb sind so LeitfĂ€den / code of conduct fĂŒr FĂ€lle grundlegend fĂŒr ein besonnenes Bearbeiten. Betroffenenzentrierte Arbeit beruht darauf dass bekannt ist was Betroffene wollen. Sie ist aber auch möglich wenn nicht alles total klar oder manches widersprĂŒchlich ist. Die Aussage, dass “die Betroffene nicht darĂŒber reden möchte” oder “das ist nicht abgesprochen” sind oft falsch. Meistens wollen Betroffene ganz konkrete Dinge (etwa in einer bestimmten Art darĂŒber zu reden). Nachfragen und und Vorsicht sind immer gut.
Beobachtet wird hĂ€ufig wie das jeweilige Umfeld versucht, sich schnell vom TĂ€ter zu distanzieren und  gemeinschaftliche Verantwortung von sich zu weisen. Distanz zum TĂ€ter ist wichtig, um Konsequenzn zu ziehen. Wie wir gehört haben, ist die Kommissionen in der einen Großgruppe formal dafĂŒr gedacht. Freundschaften und andere LoyalitĂ€ten in der Gruppe sorgen oft dafĂŒr dass Kritik nicht konsequent genug ist. Anderseits besteht so auch die Möglichkeit in einem VertrauensverhĂ€ltnis miteinander zu arbeiten. Daher ist die Zusammensetzung von TĂ€terarbeitsgruppen gut zu wĂ€hlen.
Ein Pool von Leuten die TĂ€ter- und Betroffenenarbeit leisten, wĂ€re gut. DafĂŒr braucht es wieder Vertrauen in Standards und die Mthoden in denen die erarbeitet werden: Klausuren, LeitfĂ€den, damit nicht immer wieder neu angefangen und verstĂ€ndigt werden muss.

(2) Wie werden antipatriachale und profeministische AnsprĂŒche in unseren ZusammenhĂ€ngen umgesetzt? Diese AG sollten ein Erfahrungsaustausch zwischen Gruppen sein und aufzeigen welche strukturelle VerĂ€nderungen und Schwerpunktsetzungen das Thema besser einbetten.
Die Hierarchien in Gruppen und die dahinterliegenden Machtmittel (Ressourcen wie Wissen, KnowHow, Bekanntschaftsnetzwerke) sollten geprĂŒft und verĂ€ndert werden. Eine Gruppe berichtete dass persönliche Kontakte zu anderen Gruppen an FLINTA weitergereicht wurden und dass nur noch im Duo (Flinta + cis-Mann) zu BĂŒndnistreffen gegangen wird um die Ansprechbarkeit anders zu verteilen und die öffentliche Wahrnehmung der Gruppe zu verĂ€ndern.
Berichtet wurde, dass FLINTA* aufgeworfen haben, dass manche BĂŒndnistreffen/Treffen mit anderen Gruppen zur Vorbereitung von Aktionen/Demos usw. oft so patriarchal geprĂ€gt sind, oder einfach kein Sinn hinter diesen Treffen gesehen wird, dass sie wirklich ungern hingehen. Entsprechend muss auch auf den PrĂŒfstand ob sich die Gruppe an den BĂŒndnissen beteiligt. Die Arbeit der Gruppe und die Zusammenarbeit mit anderen wird sich also auch Ă€ndern. Es ging auch um die dadurch gestiegene Arbeitsbelastung fĂŒr Flinta*. Die hĂ€ngt letztlich aber nicht nur von der Frequenz vn zusĂ€tzlichen Treffen ab, sondern ob MĂ€nnlichkeit in der Gruppe reflektiert wird, es zu insgesamt weniger unangenehmen Situationen kommt, die wieder von FLINTA* aufgearbeitet werden mĂŒssen, solange MĂ€nner es nicht gelernt haben zu intervenieren.
Ein Problemfeld wurde von einer Gruppe aufgemacht, deren interne Bildung nicht so richtig voran kommt. Gute feministische Texte lesen und darĂŒber sprechen ist eine Praxis, die nicht alle beherschen. Eine Möglichkeit ist sich Zitate aus verschiedenen Texten zu einem Thema zu nehmen und daran freier zu diskutieren. Beispiel: „TĂ€ter“ und „-arbeit“. Ist weniger anspruchsvoll als ganz Texte zu lesen. Andere Formate der Bildungsarbeit sind geleitete Workshops, AusflĂŒge, emotionale ZugĂ€nge.
Eine Gruppe hat ihren Fokus auf Privilegien bzw. die unterschiedliche Verteilung von Ressourcen in der Gruppe. Es gibt auch andere Formen der UnterdrĂŒckung außer das Patriarchat. Diese werden oft nicht reflektiert. Dazu wurde Audre Lorde gelesen. Gegenstrukturen zu den UntersrĂŒckungsmechanismen sind faktisch in der Kleingruppe unmöglich aber die Reflektion hat dazu gefĂŒhrt diese UnterdrĂŒckung, die auf alle anders wirkt, mitzudenken. Das regelmĂ€ĂŸige Treffen zu Rassismus, Sexismus, Klassismus, Alter, Erfahrung usw. findet einmal die Woche statt. Starkes Commitment.
Es gibt immer noch eine gefĂŒhlte und strukturelle Trennung von politischer Arbeit (an anderen) und Reflexion (an uns). Diese Hemmnisse an die internalisierten UnterdrĂŒckungsmechanismen ranzugehen, mĂŒssen auch irgendwo bearbeitet werden. Eine andere Gruppe macht weniger Treffen dazu, um den Druck zur Teilnahme zu erhöhen und die Frustration bei denen die immer kommen geringer zu halten. Die Frag ist ja auch nicht nur was Druck macht, sondern auch wie motiviert man rangeht. Und je weniger Treffen stattfinden, desto mehr fallen die Ausfaller auf und es ist besser möglich das zu thematisieren.
Zum Schluss ging es noch um die Ausstiege aus Gruppen, die auch untr der Frage diskutiert werden mĂŒssen. ob es nicht Probleme mit dem Patriarchat gab. Also Leistungsdruck, schlechtes Gewissen, NormalitĂ€t von Patriarchalen Verhalten.

(3) Welche Möglichkeiten pro_feministischer Organisierung gibt es aktuell in Berlin und welche HĂŒrden und Fallstricke gibt es.

Das wurde an Hand der pro_feminsitschen Vernetzung Berlin vorgestellt und diskutiert. Diese hat sich im August 2020 gegrĂŒndet als Reaktion auf die sexualisierte Gewalt die auf dem Festival Monis Rache stattfand. Ziel war eine dauerhaft bestehende pro_feministische Struktur zu etablieren, die nicht nur reagiert wenn Scheiße passiert sondern auch proaktiv, feministische KĂ€mpfe unterstĂŒtzt und dabei eigene Standpunkte entwickelt ohne feministische KĂ€mpfe zu vereinahmen. Weiter will sich die pro_feminsitschen Vernetzung Berlin radikal und kritisch mit MĂ€nnlichkeiten, Sexismus und Patriarchat auseinandersetzen und gemeinsam mit Feminist:innen fĂŒr die Überwindung der jetzigen VerhĂ€ltnisse kĂ€mpfen. Dies findet statt durch z.B. KĂŒfa, Kinderbetreuung, Gesa-Support und Mobi fĂŒr feministische Aktionen oder auch durch die Organisierung von Workshops, VortrĂ€gen, Filmabende, offene Treffen und einen kritisch, solidarischen Umgang untereinander.
Es wurde kurz die Struktur vorgestellt und im Anschluß ein Input ĂŒber Probleme, HĂŒrden und WidersprĂŒche gegeben, die sich bisher in der Arbeit aufgetan haben. Dies wurde an Hand von 5 Punkten exermplarisch vorgestellt und mit den anderen Personen aus der Arbeitsgruppe diskutiert. Eigene Erfahrungen und Probleme wurden reingetragen und gemeinsam nach Verbesserungen und Lösungen gesucht.

Wir wĂŒrden hier einen kurzen Abriss dieser Punkte geben, da wir denken, dass sie auch bei anderen Personen / Gruppen & Strukturen auftreten und darĂŒber geredet werden sollte.

A. MĂ€nner* erkennen Patriarchat als UnterdrĂŒckungsstruktur, aber organisieren sich nicht dagegen. Das bedeutet es gibt sowohl ein theoretisches Erkennen und Anerkennen patriarchaler VerhĂ€ltnisse, als auch ein Interesse sich zumindest in der Theorie mit dem Thema auseinanderzusetzen. Was jedoch fehlt ist der Transfer dessen in die Praxis. Das bedeutet zum einen eigene Verhaltensweisen aktiv und konsequent zu verĂ€ndern und das stetig reflektieren (es gibt kein Ende dieses Prozesses)! Wie bspw.: sich verletzlich/angreifbar machen, sich auch mal zurĂŒcknehmen, Kritik anzunehmen und nicht abzublocken (egal wie sie gestellt ist), die Comfort-Zone verlassen, mit Freunden ĂŒber eigene GewaltausĂŒbung zu sprechen…
Zum anderen bedeutet es bestehende Polit.-Strukturen zu hinterfragen und zu verÀndern. (Geschlechterzusammensetzung, Redeverhalten, Wissenshierarchien, Sexismus, VerantwortungsverhÀltnisse). Dabei ist nicht nur ein Verstehen notwendig, sondern auch eine aktive verantwortungsvolle Organisierung. Das bedeutet PrioritÀten langfristig zu Àndern, möglicherweise neue Strukturen zu schaffen, neue zu suchen oder alte Strukturen zu verlassen oder zu verÀndern.
 
B. Viele MĂ€nner*, die aus der Theorie in die Praxis pro_feministischer Arbeit gehen, haben Angst vor dem Vereinnahmen des feministischen Kampfes. Diese Angst ist berechtigt und hat gute GrĂŒnde. Eine Vereinnahmung darf in keinem Fall passieren. MĂ€nner* und pro_feministische Praxis sollten sich immer an feministischen KĂ€mpfen orientieren und an diese angebunden und integriert sein. Das bedeutet, konkret herauszufinden was die BedĂŒrfnisse, WĂŒnsche und Forderungen von Feminist:innen sind, diese als zentral fĂŒr die Arbeit anzusehen und auf Grundlage dessen zu arbeiten.
Gleichzeitig ergibt sich daraus ein anderer Widerspruch: Zwar möchten wir in feministische KĂ€mpfe eingebunden sein, aber trotzdem gibt es viele Themen bei denen es  möglich/notwendig ist auch eigene Standpunkte zu entwickeln. Bspw. in Bereichen wie MilitĂ€r, Kirche, Sport, SexualitĂ€t (Incels, „Pickup-Artists“) Überall dort könnten wir aus einer mĂ€nnlichkeitskritischen Perspektive aktiv werden.

C. Ein weiteren Problem ist die Überforderung von MĂ€nnern* aus einem GefĂŒhl heraus eh nur alles falsch machen zu können. Auch wenn es viel falsch und wenig richtig zu machen gibt, bedeutet es nicht, dass wir am Ende nichts tun sollten. Es ist ein Problem, wenn aus dieser Überforderung eine Stagnation folgt und keine Organisierung stattfindet. Gerade diese HĂŒrde lĂ€sst sich oft auf eine Angst zurĂŒckzufĂŒhren etwas falsch und sich angreifbar zu machen. Doch gerade das ist notwendig. Fehler und Kritiken sind mega unangenehm und werden auch nie angenehm sein. Sie bieten aber eine gute Grundlage Dinge anders und möglicherweise besser zu machen.

D. Problem des Stichflammen-Aktivismus. Das bedeutet, dass viele MĂ€nner* besonders zum 8.MĂ€rz bei KĂŒfa und der UnterstĂŒtzung anderer Support-Aktionen am Start sind und danach nicht mehr. Das ist tatsĂ€chlich ein Problem was wir als Struktur jedes Jahr neu erfahren und wir haben es bisher nicht geschafft das zu verĂ€ndern. Wie können wir das ĂŒberwinden? Problem der Verbindlichkeit / VerantwortungsĂŒbernahme / ernsthaften Interesses?

E. Problem von hegemonialer MÀnnlichkeit innerhalb von der eigenen Strukturen. Nicht nur stehen MÀnner* und FLINTAs innerhalb des Patriarchats in MachtverhÀltnissen zueinander. Auch MÀnner* stehen untereinander in Hierarchien zueinander. In unterschiedlichen Kontexten können sich unterschiedliche, als erstrebenswert angesehene MÀnnlichkeiten herausbilden. Dabei kann eine und dieselbe Person unterschiedliche MÀnnlichkeiten verkörpern (MÀnnlichkeiten als Verhaltensweisen). Wichtig ist diese Hierarchien auf dem Schirm zu haben, zu reflektieren und versuchen gemeinsam zu lernen. Auch wenn es möglicherweise Wissenshierarchien gibt, kann es gemeinsame LernrÀume geben. Wir alle können von unterschiedlichen Erfahrungen und Perspektiven aufeinander lernen.

4. Fazit und Feedback

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen wurden stichpunktartig ins Plenum getragen. Alles interessant, aber fĂŒr einen guten Wissensaustausch ist ein Protokoll besser, damit das weiter in den Gruppen diskutiert werden kann. Diesmal wurde entschieden das Protokoll mehr organisch wachsen zu lassen. Deshalb hat es auch sechs Wochen gedauert. Abgemacht wurde dass es ein weiteres Treffen geben soll, aber der Vorbereitungskreis offener organisiert sein sollte.
Stichpunkte aus der Feedbackrunde: Schön, dass unterschiedliche Meinungen geteilt und gewertschĂ€tzt wurden. Es war hilfreich mehr konkreteres aus den Gruppen zu hören, die Strukturen, und Beispiele fĂŒr best practice. Kleingruppenphasen könnten kĂŒrzer aber dafĂŒr öfter eingesetzt werden. Es hat den Anschein, als ob wir es schaffen das Thema aus den Gruppen heraus, auf eine höhere Ebene zur VerstĂ€ndigung und dann wieder zurĂŒck in die Gruppen zu holen. Das fĂŒhlt sich richtig und gut an. Ob da was Praktisches bei rauskommt, muss sich noch zeigen – aber schön dass das mit der Organisierung teilweise geklĂ€rt ist. Wir sollten uns bemĂŒhen die anderen wieder dazuzuholen, wenn wir wirklich 3-4mal im Jahr so ein Treffen machen. Gleichzeitig gibt es das GefĂŒhl dass wieder ein Haufen Fragen aufgerufen wurden, aber keine Antworten geboten werden. Ein Workshop zu TĂ€terarbeit wĂ€re wichtig. Die AG-Phase war nicht konkret genug um was mitzunehmen. Immerhin teilen wir Frust und Hoffnung.




Quelle: De.indymedia.org