April 25, 2021
Von SchwarzerPfeil
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Die Meinung bei Menschen, die sich (wissenschaftlich) mit dem Coronavirus beschĂ€ftigen ist sehr einheitlich: Die Ansteckungsgefahr ist draußen an der frischen Luft gering bis sehr gering.
Studien gehen von einem 20- bis 3500-mal geringeren Übertragungsfaktor als in InnenrĂ€umen aus. Also selbst verhalten geschĂ€tzt ist das Risiko im Vergleich zu drinnen bei einem Zwanzigstel bzw. 5% und das ohne Maske. FPP2-Masken schĂŒtzen etwa zu 95%, also reduziert draußen sein allein das Risiko einer Infektion Ă€hnlich stark wie das Tragen von Masken. Eine Kombination von Rausgehen und Masketragen wĂ€re selbstverstĂ€ndlich noch sicherer.
Wissenschaftler*innen, die sich mit Aerosolen beschĂ€ftigen sagen, dass mit 1,5-2 Meter Abstand eine Infektion draußen fast unmöglich ist. Trotzdem gelten draußen die gleichen BeschrĂ€nkungen wie in InnenrĂ€umen und teilweise noch stĂ€rkere Maßnahmen im Form von Ausgangssperren, Veranstaltungs- und Versammlungsverboten. In Hamburg wurde diesen Sommer beinahe eine Person von der Polizei durch Überfahren ermordet, nur weil sie draußen(!) keine Maske trug und eine Person umarmte. All das, wĂ€hrend Menschen zur Schule gehen, in der Fabrikhalle schuften oder im GroßraumbĂŒro arbeiten. Wieso ist das so?

Die Kontrollen unter freiem Himmel: AufstandsbekÀmpfung

(Hinweis: Das Video ist kein Aufruf zu dargestellten Handlungen, aber auch keine Distanzierung, ihr mĂŒsst selbst entscheiden was ihr tut).

Um das zu verstehen, mĂŒssen wir zurĂŒck in die Geschichte schauen: Im Mittelalter, als die Menschen hauptsĂ€chlich in Dörfern und kleinen StĂ€dten lebten, wurde der öffentliche Raum kaum kontrolliert. Nachdem die Menschen durch Enteignungen (hĂ€ufig gemeinschaftlicher Felder) in die StĂ€dte gezwungen wurden, wuchsen die StĂ€dte immer weiter, die Industrialisierung begann.
In den nun immer grĂ¶ĂŸer werden StĂ€dten drĂ€ngten sich die Armen auf immer engeren Raum. Es kam zu AufstĂ€nden und die Herrschenden konnten die Lage immer schlechter kontrollieren. Außerdem betrieben viele Arbeiter*innen Handel auf der Straße und mussten so nicht in den gefĂ€hrlichen Fabriken schuften. Die Eliten schufen die Polizei und immer mehr Gesetze und Verordnungen zur Kontrolle der Öffentlichkeit. Dies ist der Ursprung von dem was heute im Amtssprech Erhalt der „Öffentlichen Sicherheit und Ordnung“ heißt. Auch heute haben Staat, Kapitalismus und deren Eliten Angst vor AufstĂ€nden:
Wenn Menschen draußen in grĂ¶ĂŸeren Gruppen unkontrolliert sind, könnten sie anfangen die Institutionen des Staates anzugreifen, sich den von den Reichen gestohlenen Besitz zurĂŒckzunehmen oder solidarische Formen von Leben und Wirtschaften zu verwirklichen. Um dies zu verhindern, patrouillierte die Polizei durch die InnenstĂ€dte, werden Menschen bestraft die Versammlungen nicht anmelden und gibt es Verbote von Vermummung, Schutzkleidung und Waffen bei Demonstrationen.
Die mit dem Schutz vor Infektionen begrĂŒndeten EinschrĂ€nkungen unserer Bewegungen und Gemeinschaft im Freien sind ein weiter Schritt dieser Kontrolle, bis hin zu einem Zustand in dem wir völlig wehrlos sind.

Unser Aufuf zur PandemiebekĂ€mpfung: Das Leben auf die Straße verlagern

Um das Coronavirus zu bekĂ€mpfen und und gleichzeitig Widerstand gegen die staatliche Kontrolle der Öffentlichkeit zu leisten, rufen wir daher auf im FrĂŒhjahr und Sommer 2021 rauszugehen und das Leben unter den freien Himmel zu verlagern. Am besten mit etwas Abstand – wenn es zu eng wird seid kreativ: Es gibt in den StĂ€dten jeden Menge Orte, die umgenutzt werden können zu selbstorganisierten Treffpunkten. Wir denken da z.B. an ParkplĂ€tze oder auch andere kommerziell und staatliche genutzte FlĂ€chen. Habt den Mut auch Veranstaltungen und Versammlungen abzuhalten, wenn wir dabei aufeinander aufpassen und uns dezentral verteilen ist das sicher möglich. Masken schĂŒtzen dabei auf jeden Fall gegen Repression und in engen Situation auch gegen das Virus.

Raus aus dieser Gesellschaft!

Langsam ist ist absolut realitĂ€tsfern, dass die Gesellschaft nach der Pandemie wieder „normal“ wird. Vor allem fordern alle, die zurĂŒck auch zu einer „neuen NormalitĂ€t“ wollen, ein ZurĂŒck in einer Gesellschaft, die vorher schon scheiße und unvertretbar war.
Die wirtschaftlich und sozial katastrophale Situation weltweit aufgrund der staatlich-kapitalistischen „Lösungen“ fĂŒr die Coronapandemie, sowie die sich durch die immer weiter verschĂ€rfenden Klimakatastrophe verschlimmernden ZustĂ€nde werden auch die Menschen im von Deutschland beanspruchten Gebiet hart treffen. SpĂ€testens wenn im europĂ€ischen SĂŒden immer grĂ¶ĂŸere AufstĂ€nden ausbrechen, wird sich die deutsche Gesellschaft nicht mehr innerhalb ihrer Grenzen abkapseln können.
Wir können uns weiterhin in dieser Gesellschaft einsperren, Menschen im Stich lassen, immer mehr den Bezug zur RealitĂ€t verlieren und durch unser Hinnehmen und Weitermachen Staat & Kapital helfen Andere zu unterdrĂŒcken. Oder wir beginnen mit ernsthafterem Widerstand.
Eine revolutionĂ€re Perspektive ist hier vielleicht ein langer Weg, aber durch Selbstorganisation, direkte Aktion und Widerstand können wir so vielen Menschen helfen wie möglich und gleichzeitig dem deutschen Staat Ressourcen zur UnterstĂŒtzung der Niederschlagung von revolutionĂ€ren Bewegungen an anderen Orten nehmen. Fangen wir endlich an mehr direkt zu handeln!
Wir stellen uns an dieser Stelle gegen Spaltungsversuche in friedlich und militant. Wir möchten Teil einer Bewegung sein, die eine Vielzahl von Mitteln und Taktiken respektiert. Gemeinsam sagen wir Unterzeichner*innen dieses Aufrufs: Machen wir uns auf dem Weg in andere Gesellschaft(en). Wenn wir weiter den Weg dieser gehen, wird es nur schlimmer werden. Alle raus hier!

Unterzeichner_innen

1weltohnecops

Antifa393

Anarchistische Gruppe LĂŒbeck

ASAN Berlin

ASJ Wien

Atopic – anarchistisches Kollektiv aus Berlin

Demo Ticker Berlin

Enough 14 Info-Kollektiv (Wuppertal)

Freie Arbeiter_innen Union Köln

SchwarzerPfeil – anarchistische Assoziation

Schwarze Ruhr-Uni (Bochum/Ruhrgebiet)

VioletRiot161

Falls ihr/du ebenfalls Unterzeichner*innen werden willst schreibe eine Mail an alleraushier(at)riseup.net

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Quelle: Schwarzerpfeil.de