September 3, 2020
Von RiseUp4Rojava
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From KobanĂȘ to the World: Rise Up against Fascism

Heraus zur Internationalen Aktionswoche vom

01. – 08. November 2020:

Welt-KobanĂȘ-Tag und die Revolution in Rojava

Am 1. November 2014 nahmen sich Millionen von Menschen auf der ganzen Welt die Straßen, um ihre SolidaritĂ€t mit dem heldenhaften Widerstand von KobanĂȘ zum Ausdruck zu bringen. Millionen Frauen und MĂ€nner, Alte und Junge, fortschrittliche Menschen unterschiedlichster politischer Coleur, standen vereint in ihrer Unterschiedlichkeit, entschlossen an der Seite der Menschen Rojavas und bezeugten ihre UnterstĂŒtzung im Kampf gegen die Barbarei der Mörderbanden des Islamischen Staates. Die Welt hielt den Atem an und verfolgte gebannt, wie die KĂ€mpferInnen der Frauen- und Volksverteidigungseinheiten YPJ und YPG sich der Dunkelheit in den Weg stellten und Haus fĂŒr Haus, Straße um Straße, in KobanĂȘ, die Menschlichkeit verteidigten.

Mit dem Widerstand von KobanĂȘ, der zum Anfang des Endes des selbsternannten Kalifats werden sollte, begann auch eine globale Bewegung, der SolidaritĂ€t, des Widerstandes und des gemeinsamen Kampfes zu wachsen, die sich heute ĂŒber alle Grenzen hinweg organisiert und ihre Hoffnung verteidigt. Die Revolution von Rojava wurde zur Hoffnung und Inspiration fĂŒr Menschen und KĂ€mpfe weltweit, denn damals wie heute wird in Rojava mehr verteidigt, als nur das Land, die StĂ€dte und die Dörfer. Mit der Autonomen Selbstverwaltung, schufen die Gesellschaften Nordsyriens, ein lebendiges Beispiel fĂŒr eine freie und demokratische Zukunft des Mittleren Ostens, jenseits von lokaler Despotie und auslĂ€ndischer Fremdbestimmung. Auf Basis des gleichberechtigtem Zusammenlebens aller ansĂ€ssigen Bevölkerungsgruppen, der Befreiung der Frau, einer ökologischen und bedarfsorientieren Lebens- und Wirtschaftsweise und einer beispiellosen Form radikaler Demokratie, erblĂŒht im Norden Syriens, inmitten des Chaos, der Zerstörung und den Leiden des Krieges, ein alternatives System zur Lösung der Krise.

Mit ihren radikalen AnsĂ€tzen zur Lösung bestehender gesellschaftlicher Probleme, strahlt die Revolution von Rojava heute schon weit ĂŒber die Grenzen des Mittleren Ostens hinaus. In einer Zeit, in der Menschen auf der ganzen Welt nach neuen Lösungen und einem Ausweg aus dem Abgrund in den das kapitalistische System die Menschheit gesteuert hat, suchen, erbringen die Menschen in Nordostsyrien, ganz praktische Antworten auf die großen Menschheitsfragen unseres Zeitalters.

Ob gegen Feminzid und Gewalt an Frauen, um der andauernden Zerstörung und grenzenlosen AusplĂŒnderung unserer natĂŒrlichen Umwelt Einhalt zu gebieten, gegen staatliche Morde und rassistsiche Polizeigewalt oder um den globalen Vormarsch des Faschismus aufzuhalten – ĂŒberall auf der Welt strömen Menschen zu Hundertausenden, zu Millionen auf die Straßen und verleihen ihrer Wut und ihrer Unzufriedenheit Ausdruck. An allen Enden dieser Welt regt sich der Widerstand gegen ein System, das die Menschheit und die Natur schon vielzulange unter seinem Joch gefangen hĂ€lt. Die Revolution in Rojava/Nordsyrien erhĂ€lt vor diesem Hintergrund erst ihre wirkliche Bedeutung. Trotz aller Widrigkeiten und Hindernisse, im Krieg und zu Zeiten der Corona-Pandemie, bauen die Menschen dort Tag fĂŒr Tag an ihrer eigenen Alternative und erbringen den praktischen Beweis dafĂŒr, dass eine andere Welt möglich ist. Ein Leben jenseits von staatlicher UnterdrĂŒckung und kapitalistischer Ausbeutung, selbstverwaltet und frei, wird schon heute StĂŒck fĂŒr StĂŒck lebendige RealitĂ€t. Damit verkörpert die Revolution von Rojava in Nordsyrien die Hoffnung auf ein wĂŒrdevolles, gerechtes und freies Leben im 21. Jahrhundert.

Kurdistan – Krieg und Widerstand

Doch den Herrschenden der Region und den imperialistischen MĂ€chten, die versuchen den Mittleren Osten nach ihren Interessen neuzugestalten, ist die Selbstverwaltung der Völker ein Dorn im Auge. Mit einem Embargo von allen Seiten und politischer, diplomatischer Ausgrenzung, sowie einem breiten Konzept psychologischer KriegsfĂŒhrung wird gezielt versucht, die befreiten Gebiete und die Bewegung in die Krise zu stĂŒrzen und sie ihrer SelbststĂ€ndigkeit zu berauben. Der faschistische tĂŒrkische Staat unter der FĂŒhrung des Diktators Erdogan, greift die Revolution in Kurdistan, ob in der TĂŒrkei, in Syrien oder im Irak, mit aller HĂ€rte und BrutalitĂ€t an. Seit 2016 ist die tĂŒrkische Besatzungsarmee gemeinsam mit ihren islamistischen VerbĂŒndeten mehrfach in die befreiten Gebiete vorgestoßen und hĂ€lt seitdem große Teile des Norden Syriens von Efrin bis nach Serekaniye besetzt. Doch bleiben die Angriffe des tĂŒrkischen Faschismus nicht auf Nordsyrien begrenzt. Wo immer in der Region die Menschen danach streben, sich ein freies Leben unter eigener FĂŒhrung aufzubauen, dort schlĂ€gt das Regime in Ankara zu.

Auch im Norden des Iraks, in SĂŒdkurdistan, versuchen die tĂŒrkischen Besatzer seit langen Jahren Fuß zu fassen und begannen zuletzt im Juni diesen Jahres mit einem großangelegten Angriff gegen die Region Heftanin. GuerillakrĂ€fte der Arbeiterpartei Kurdistans PKK leisten seitdem einen erbitterten Widerstand, um den Invasoren Einhalt zu gebieten und die Gebiete SĂŒdkurdistans zu verteidigen. Auch das selbstorganisierte FlĂŒchtlingslager Mexmur im Nordirak und das Shengal Gebirge, wo das yezidische Volk seit der Befreiung von den Schergen des Islamischen Staates, das eigene Leben in die eigenen HĂ€nde genommen hat und eine Selbstverwaltung nach dem Vorbild Nordostsyriens errichtet hat, werden nahezu wöchentlich zum Ziel tĂŒrkischer Luftangriffe. Das Ziel des faschistischen tĂŒrkischen Staates ist nicht, die Besatzung einer einzelnen Region, sondern die Vernichtung der Revolution und das Zerschlagen der Hoffnung auf Freiheit.

Turkish fascism is a global threat – it must be confronted globally

Der Besatzungskrieg, den sie unter dem scheinheiligen Namen des “Kampfes gegen den Terrorismus” gegen die Völker der Region entfesselt haben, wĂ€re undenkbar, ohne die politische, wirtschaftliche und militĂ€rische UnterstĂŒtzung, die die tĂŒrkische Republik von ihren Partnern, von der NATO bis hin zur Russischen Föderation erhĂ€lt. Ohne die UnterstĂŒtzung von Außen, den Milliarden finanzieller UnterstĂŒtzung aus der EuropĂ€ischen Union, ohne die Waffensysteme aus Deutschland, Italien, den USA und vielen anderen LĂ€ndern, sowie ohne die politische Legitimation, die der tĂŒrkische Faschismus von seinen VerbĂŒndeten erhĂ€lt, wĂ€re dieses Regime schon lange gefallen. TĂŒrkei, Kurdistan, Syrien, Irak, Libyen, Mittelmeer und andernorts – es ist das selbe Bild: Das faschistische System, das heute nicht nur das kurdische Volk und die Völker der TĂŒrkei in Gefangenschaft hĂ€lt, sondern zunehmend zu einer Bedrohung fĂŒr die gesamte Region geworden ist, wird nur durch weltweite UnterstĂŒtzung am Leben erhalten und muss deshalb auch international bekĂ€mpft werden.

Die HintermĂ€nner und UnterstĂŒtzer des Krieges gegen die Revolution, diejenigen, die sich an ihren Massakern und GrĂ€ueltaten bereichern und diejenigen, die ihre ÜberfĂ€lle legitimieren, sitzen im sicheren Hinterland und profitieren vom Morden. Es ist Zeit, die Verantwortlichen beim Namen zu nennen und zur Rechenschaft zu ziehen.

Weltweit fĂŒr eine bessere Zukunft: Rise Up against Fascism

Wir werden nicht lĂ€nger zusehen, wie sie versuchen unsere Hoffnung zu ersticken und rufen zwischen dem 1. und 8. November zu einer Woche des internationalen Widerstandes auf. Wir wissen, dass der Kampf gegen den Faschismus und fĂŒr eine andere Welt nur vereint zum Sieg gefĂŒhrt werden kann.

Lasst uns gemeinsam unserer SolidaritĂ€t mit den kĂ€mpfenden Menschen Rojavas Ausdruck verleihen und am 1. November, dem Weltkobanetag auf die Straße gehen! Lasst uns, an den anderen Tagen, die KĂ€mpfe und Ziele, die uns vereinen und global bewegen hervorheben und das gemeinsame BĂŒndnis in unserer Unterschiedlichkeit stĂ€rken, und auch dezentral die Orte der internationalen Zusammenarbeit und UnterstĂŒtzung des tĂŒrkischen Staates stören – blockieren – besetzen. Ein ausfĂŒhrlicher Aktionsplan folgt weiter unten!

Deshalb rufen wir auf zu einer Woche der SolidaritĂ€t, zu einer Woche der StĂ€rkung des antifaschistischen Kampfes global, zu einer Woche des zivilen Ungehorsams gegen faschistische Herrschaft, kapitalistische Ausbeutung und imperialistische VerwĂŒstung unserer Lebensgrundlagen

Rise Up 4 Rojava! – Rise Up against Fascism!

Es folgt eine Übersicht der Tage:

Sonntag, 1. November: Demos und Events mit dem Fokus auf Errungenschaften der Revolution

In der Tradition des Welt-KobanĂȘ-Tages lassen sich in vielen StĂ€dten gemeinsam mit der kurdischen Community Demonstrationen organisieren. Ein Hauptthema wird an diesem Tag auch die Isolation Abdullah Öcalans und die Kriminalisierung der kurdischen Bewegung in Deutschland sein. Lasst uns daher Öcalans Ideen und Errungenschaften der Revolution auf kreative Art und Weise auf die Straße bringen.

Montag, 2. November: Kriegsmaschinerie angreifen

Deutsche Waffen morden weltweit, aus diesem Grund mĂŒssen wir unserer Verantwortung gerecht werden und wollen den Montag dazu nutzen, um die Kriegsmaschinerie (Firmen, BĂŒros, Fabriken,
) zu blockieren, besetzen oder ĂŒber die Verstrickung von deutschen Konzernen mit dem tĂŒrkischen Faschismus informieren. Der KreativitĂ€t sind keine Grenzen gesetzt. Falls ihr UnterstĂŒtzung bei Informationsveranstaltungen braucht, könnt ihr euch gerne an uns wenden. Informationen ĂŒber deutsche Firmen, die gemeinsam mit der TĂŒrkei arbeiten, findet ihr hier:

Dienstag, 3. November: RevolutionÀre Kampfe weltweit

Weltweit finden gerade bedeutende soziale UmbrĂŒche statt. Damit wir diese verstehen, kennenlernen und unsere Perspektiven erweitern, wollen wir uns am Dienstag mit revolutionĂ€ren KĂ€mpfen weltweit beschĂ€ftigen. Hierbei können gemeinsame Veranstaltungen oder Aktionen mit weiteren Gruppen organisiert werden.

Mittwoch, 4. November: Frauenbefreiung

Die Revolution in Rojava ist eine Frauenrevolution. Gemeinsam wollen wir am Mittwoch auf patriarchale Angriffe in Kurdistan und auf der ganzen Welt aufmerksam machen und ĂŒber die Errungenschaften der kurdischen Frauenbewegung informieren. Dies kann durch Platzgestaltungen, Informationsveranstaltungen oder auch feministische Blockaden geschehen.

Donnerstag, 5. November: Verantwortliche besuchen (go ins)

Am Donnerstag wollen wir die Verantwortlichen, die entweder GeschĂ€fte mit dem tĂŒrkischen Faschismus machen oder ihm diplomatisch RĂŒckendeckung geben, aufsuchen. An ihren HĂ€nden klebt Blut und wir werden sie nicht in Ruhe lassen. Hier bietet sich auch an, ĂŒber Firmen zu recherchieren und Informationen vor den Filialen, BĂŒros, etc. zu plakatieren, zu flyern.

Freitag, 6. November: Fokus Ökologie

Einer der Grundpfeiler des Demokratischen Konföderalismus ist Ökologie. In der Phase der Besatzungsoperation der TĂŒrkei im letzten Herbst gab es eine breite Welle der SolidaritĂ€t aus der Klimagerechtigkeitsbewegung und von Ortsgruppen von Fridays For Future. Lasst uns wieder gemeinsam auf die Straße gehen, Flashmobs oder Blockaden organisieren.

Samstag, 7. November: Antifaschismus

Eines der formulierten Ziele von Riseup4Rojava ist der Aufbau einer internationalistischen antifaschistischen Front. Was bedeutet das fĂŒr uns? Was verstehen wir unter Faschismus und wie hĂ€ngen tĂŒrkischer und deutscher Faschismus historisch zusammen? Wie können wir den Kampf gegen den Faschismus weltweit verbinden? Mögliche Formen können WiderstandsspaziergĂ€nge, Veranstaltungen wie Lesungen oder Erfahrungsberichte, Demonstrationen etc. sein.

Sonntag, 8. November: Gedenken

Viele Freund*innen haben ihr Leben gelassen fĂŒr die Verteidigung der Revolution. Am letzten Tag der Woche der SolidaritĂ€t wollen wir ihrer gedenken. Die Woche der SolidaritĂ€t und Aktion, unser Kampf, ist auch ihr Kampf und durch den Kampf leben sie weiter. Aber auch im Bezug auf den 9. November wollen wir allen Opfern von faschistischer und rassistischer Gewalt gedenken. HĂ€ngt Bilder im Stadtbild auf, stellt gefallene RevolutionĂ€r*innen und WiderstandskĂ€mpfer*innen vor, macht Veranstaltungen und zeigt, dass die KĂ€mpfe in uns weiterleben. Weitere Informationen unter https://riseup4rojava.org/de/startseite/




Quelle: Riseup4rojava.org