MĂ€rz 3, 2021
Von FAU Dresden
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Seit mehreren Jahren kommt es am 8. MĂ€rz weltweit wieder verstĂ€rkt zu feministischen Streiks mit Millionen Streikenden. GrĂŒnde gibt es leider immer noch genug: Gender Pay Gap (Lohnunterschied zwischen Frauen* und MĂ€nnern)(1), Gender Pension Gap (Unterschiede in der Höhe der Renten)(2), Morde und Gewalt an trans Personen und Frauen (3), patriarchale FamilienverhĂ€ltnisse, UnterstĂŒtzung antifeministischer Regime wie der TĂŒrkei durch die Bundesrepublik und viele mehr. Die Corona-Krise hat die hĂ€usliche Gewalt und die soziale Isolation insbesondere von Frauen in ZwangsverhĂ€ltnissen verschĂ€rft, Frauen, mutmaßlich auch trans und nicht-binĂ€re Personen, aus dem Erwerbsleben heraus gedrĂ€ngt und weiblich geprĂ€gte Berufe wie die Pflege und den Einzelhandel vielerorts weiter prekarisiert.

Als Kollektivbetriebe versuchen wir, manche sexistische VerhĂ€ltnisse abzufedern und auszugleichen, trotzdem bleiben wir von ihnen betroffen. Unsere trans, nicht-binĂ€ren und/oder weiblichen Kolleg:innen kommen in unsere Kollektive mit ihren Gewalt- und Diskriminierungserfahrungen, oft mit schlechterer, finanzieller Absicherung, grĂ¶ĂŸeren finanziellen Belastungen und Zukunftssorgen. Sie leisten in ihrem Alltag immer noch mehr unbezahlte Haus- und Sorgearbeit. Außerdem scheint es, als wĂŒrden ĂŒberdurchschnittlich mehr MĂ€nner von neu geschaffenen, kollektiven ArbeitsplĂ€tzen profitieren. Weiterhin hören sexistische Vorurteile und mĂ€nnliche Dominanz nicht einfach durch den Eintritt in einen Kollektivbetrieb auf, ihre Überwindung bleibt ein permanentes Thema. Noch viel drastischer ist die Lage fĂŒr Kollektivist:innen in anderen LĂ€ndern, bspw. in Nord-Ost-Syrien, wo kollektive Betriebe, speziell zur finanziellen UnterstĂŒtzung von Frauen geschaffen und vom tĂŒrkischen Regime und seinen dschihadistischen VerbĂŒndeten mit deutschen Waffen und deutscher RĂŒckendeckung militĂ€risch bedroht werden. (4)

Wir möchten als Kolleg:innen daher dazu aufrufen, den 8. MĂ€rz auch bei euch in den Betrieben zum Anlass zu nehmen, ĂŒber geschlechtsspezifische Mehrbelastungen zu diskutieren, Konzepte dagegen zu entwickeln und auszuprobieren.

Was wir tun können
Wir möchten euch bitten, als Akt der SolidaritĂ€t und um die Vision vom globalen, feministischen Streik zu unterstĂŒtzen, den Betrieb am 8. MĂ€rz ruhen zu lassen. Politischer Streik, wie es ein Fem-Streik ist, steht in Deutschland nicht nur vor dem Problem, von den Gerichten verfolgt zu werden (siehe dazu die StreikrechtsbroschĂŒre der FAU), sondern ist auch eine absolute Seltenheit. Gesellschaftliche und politische Auseinandersetzungen sind fĂŒr die meisten Menschen von der betrieblichen SphĂ€re scharf getrennt. Grundlage fĂŒr eine erfolgreiche Streikbewegung ist es also zunĂ€chst, ĂŒberhaupt eine gedankliche VerknĂŒpfung von politischen Anliegen und dem als “un- oder vorpolitischen” Raum verstandenen Arbeitsplatz zu erreichen.

Wenn wir die Kollektivbetriebe am 8. MĂ€rz geschlossen lassen, geht es also zunĂ€chst weniger um den volkswirtschaftlichen Druck. Es geht vorrangig darum, Kolleg:innen aus Chef:innenbetrieben Mut zu machen. DafĂŒr wĂ€re es schön, wenn ihr Abwesenheitsnotizen und News auf eurer Website und AushĂ€nge in den Schaufenstern erstellt. Mit dem Aussetzen der Arbeit ermöglichen wir den Kollektivist:innen, ihre Problemlagen und KĂ€mpfe an dem Tag auf die Straße zu tragen. Außerdem werden beim Fem-Streik unsere HĂ€nde und Köpfe sicher gebraucht – und auch unsere Produkte und Betriebsmittel: StreikcafĂ©s in der Produktionshalle oder im BĂŒro, der Lieferwagen als Lauti, mit den FahrrĂ€dern eine Critical Mass veranstalten: Zeigen wir am 8. MĂ€rz, welche Power unsere Kollektive haben!

FĂŒr einen solidarischen und gemeinsamen Kampf der LohnabhĂ€ngigen in Kollektiv- und Chef:innenbetrieben, fĂŒr eine bessere Gesellschaft jenseits von Staat, Ausbeutung und Patriarchat!

Die Union Coop Föderation

* Es gibt verschiedene Umgangsformen und Interpretationen in der sprachlichen Darstellung von Geschlecht. Wir benutzten hier das Adjektiv trans fĂŒr alle, die nicht das Geschlecht haben, dass ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Den Begriff „Frauen„ (ohne Stern) nutzen wir fĂŒr alle Frauen, egal ob trans oder cis (das Gegenteil von trans). Sofern wir von Statistiken sprechen, sind in diesen i.d.R. nur Frauen erfasst, deren Geschlecht auch staatlich anerkannt ist.

(1) 2019 in Deutschland 19% laut statistischem Bundesamt

(2) 2011 betrug der Unterschied in Deutschland 59,6% nach Fraunhofer-Institut fĂŒr Angewandte Informationstechnik

(3) Jede Woche sterben in Deutschland allein 3 Frauen durch Gewalt ihres Partners.

(4) Zu Kollektivbetrieben in Nord-Ost-Syrien werden die Kampagne „Make Rojava Green Again“ und die Union Coop Föderation demnĂ€chst eine BroschĂŒre heraus bringen. Aktuelle EinschĂ€tzungen zur militĂ€rischen und politischen Lage vor Ort findet ihr auf https://riseup4rojava.org/de/hintergrund/




Quelle: Dd.fau.org