August 24, 2021
Von Emrawi
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Seit ĂŒber zwei Jahren sind unsere neuen GenossInnen von der Workers Solidarity Intitiative WSI in Pakistan aktiv. Diese junge anarchosyndikalistische Gewerkschaft ist schon beachtlich gewachsen, und momentan ist sie in zehn Pakistanischen StĂ€dten aktiv. Gefestigte Syndikate gibt es momentan in Karachi, Islamabad, Lahore und Peshawar. Daher tritt die WSI in jĂŒngster Vergangenheit auch vermehrt als „Workers Solidarity Federation“ WSF auf. Sie hat vor, nĂ€chstes Jahr ihren Status als „FreundInnen der IAA“ auf Vollmitgliedschaft zu Ă€ndern, wie wir es diese Jahr gemacht haben, und wird um Aufnahme als Sektion in unsere weltweite Gewerkschaftsföderation ansuchen.

Vielvölkerstaat Pakistan und Situation in Peshawar

Das Syndikat in Peshawar, in der Nord-Westlichen Grenzregion zu Afghanistan, hat direkte Kontakte zu Anarchistinnen in Afghanistan. Dies ist nicht verwunderlich, da die Sprache gleich ist, und in der Region schon derzeit an die drei Millionen Afghanische Schutzsuchende leben. Peshawar ist eine Zwei-Millionen-Stadt wie Wien. Leider handelt es sich aber auch um die Gegend, in der die meisten islamischen Fundamentalisten aktiv sind. Die Gegend gilt als RĂŒckzugsort fĂŒr die Taliban, und die UnterstĂŒtzung der Pakistanischen Armee und des Geheimdienstes fĂŒr die Afghanischen Klerikalfaschisten dĂŒrfte mittlerweile allseits bekannt sein. Dennoch bemĂŒht sich das dortige Syndikat darum, den herrschaftsfreien Sozialismus bekannter zu machen und sich mit vielen ArbeiterInnen zu organisieren. Unter derzeit widrigsten UmstĂ€nden, wie man sich vorstellen kann. Die Islamisten demonstrieren tĂ€glich auf den Straßen, die Pakistanische Armee hat die Grenzen derzeit komplett geschlossen und lĂ€sst – abseits von Taliban – niemanden rein oder raus, tageweise sind die Handymasten abgedreht, und stabiler Internetzugang ist immer wieder aufs Neue ein GlĂŒcksspiel.

Die derzeitige Situation und die Ziele

Das Syndikat in Peshawar will nun so bald wie möglich die Genossinnen aus Afghanistan herausholen. Ja, ihr habt richtig gelesen, es handelt sich ausschließlich um Frauen! Das erste Ziel ist, sie so bald wie möglich nach Pakistan zu bekommen, noch bevor die Herrschaft der Taliban sich verfestigen kann. Derzeit sitzen die anarchistischen Frauen in Afghanistan fest,und ihre Situation muß als tendenziell lebensgefĂ€hrlich betrachtet werden. Sobald irgendwie möglich, sollen sie aus Afghanistan ausreisen. In weiterer Folge wollen wir ihnen ein Leben in der Region ermöglichen und sie auch dauerhaft dem Zugriff und der Gefahr durch die Taliban entziehen. Auch sowas kostet viel Geld. Es handelt sich um eine ĂŒberschaubare Gruppe von Frauen, die auch alle persönlich bekannt sind. Uns ist es wichtig das zu betonen, da es sich um eine direkte Gegenseitige Hilfe im ursprĂŒnglichsten Sinne der ArbeiterInnen-SolidaritĂ€t handelt. Wir sprechen hier nicht von einer diffusen „Spendenkampagne“ oder einer unpersönlichen Charity-Aktion, sondern von einer Direkten Aktion unserer GenossInnen, die ihre Leute da rausbekommen und retten wollen!

Ein zweites Ziel ist es dann, falls noch Geld ĂŒber ist, die schon derzeit in der Region lebenden HacklerInnen, die als FlĂŒchtlinge aus Afghanistan gekommen sind, zu unterstĂŒtzen. Es handelt sich dabei nicht um Mitglieder der WSI/ WSF, jedoch um ArbeiterInnen die in extremer Armut leben mĂŒssen. Alle sind anti-Taliban eingestellt und das Ziel ist den Fundamentalisten in der Gegend das Feld nicht zu ĂŒberlassen, sondern die HacklerInnen direkt zu unterstĂŒtzen.

Situation und finanzielles Koordinatensystem

Leben kostet in Pakistan fĂŒr einfache/ arme Menschen ab 120,- Euro pro Monat und Nase. BilligarbeiterInnen-Einkommen starten bei 100,- Euro im Monat. Ein Liter Milch kostet 0,6 Euro im Supermarkt, ein Brot 0,5 Euro. Der Kaufkraftfaktor dĂŒrfte in vielen Bereichen 1:5 zu Österreich betragen. Ein Euro bringt also vor Ort mindestens fĂŒnf mal so viel wie in Österreich. Aber; man kann – sofern es ums reine Weiterexistieren geht – mit wenig Geld wirklich viel machen. Die EinschĂ€tzung ist, daß man mit 50,- Euro einer ArbeiterIn ein Monat lang das Überleben sichern kann.

Her mit da Marie

Wir haben uns also entschieden, den Aufruf der WSI/ WSF Geld nach Pakistan zu schicken, nicht nur als WAS zu unterstĂŒtzen und selber soviel wie möglich abzugeben, sondern auch öffentlich dazu aufzurufen und von euch – interessierte Öffentlichkeit – einen Beitrag einzufordern. Das hat mehrere GrĂŒnde. Einerseits wollen wir eine Gewerkschaft, die es noch nicht solange gibt mit leuchtendem Beispiel beeindrucken! 😉 Andererseits ist es gerade in Gegenden, die nicht westlich geprĂ€gt sind besonders wichtig, herrschaftsfreie Strukturen zu stĂ€rken. AnarchistInnen in Afghanistan und Pakistan sind auch wirklich grundsĂ€tzlich sehr bemerkenswert und können weiteren UnterdrĂŒckten des Globalen SĂŒdens und mit imperialistischer UnterdrĂŒckungserfahrung zum Vorbild gereichen, und die VorzĂŒge des Anarchosyndikalismus nĂ€her bringen. Wir denken darĂŒber hinaus, daß es nichts Besseres als direkte Hilfe von ArbeiterInnen zu ArbeiterInnen gibt.

Da wir eben mit Peshawar in direktem Kontakt stehen, koordinieren wir den Transfer fĂŒr den deutschsprachigen Raum. Wir sammeln das Geld ein, und sorgen dafĂŒr, daß es in Pakistan ankommt. Dazu können wir uns auf ein verlĂ€ssliches Netzwerk in der Internationalen ArbeiterInnen-Assoziation verlassen. Wir haben diese Tage auch ein ausfĂŒhrliches Telefonat mit Australischen GenossInnen gefĂŒhrt, die sehr tief in der Materie stecken und auch schon eine sichere Methode des Geldtransfers etabliert haben. Dabei geht es darum das Syndikat vor Ort unter dem Radar zu halten, und nicht mit großen BetrĂ€gen die Behörden oder lokale Islamisten aufmerksam zu machen. Manche westliche Banken mĂŒssen beispielsweise Überweisungen nach Pakistan immer an die Behörden melden, die dann einmal „Antiterrorismusnachforschungen“ anstellen. Welch ein Hohn, wenn man sich ansieht wie problemlos die Taliban in Pakistan agieren können und wie deren GeldflĂŒsse ungehindert laufen, 


Dennoch kĂŒmmern wir uns derzeit auch um direkte Transfermöglichkeiten, da wir die GebĂŒhren möglichst gering halten wollen, und Geld eher ungern einmal um den Globus schicken möchten.

Und wie?

Wir schlagen fĂŒr Wien vor, daß ihr dem Syndikatsmitglied eures Vertrauens direkt Cash in die Hand drĂŒckt. Ihr seid auch gerne eingeladen bei jedem offenen Treffen vorbeizukommen. Jeden Samstag von 18.00 bis 19.00 Uhr in Ottakring. Wenn ihr außerhalb seid, kontaktiert uns doch einfach per Mail oder Telefon, und wir sagen euch wie wir die GeldĂŒbergabe organisieren. Es steht auch ein SEPA-Konto zur VerfĂŒgung. Oder ihr könnt uns auch ganz altmodisch einen (anonymen) Brief mit Bargeld schicken.

Die französischen GenossInnen der CNT-AIT haben auch ein typische „Internet-klicki-Möglichkeit“ ins Leben gerufen, die wir euch notfalls auch mitteilen können. Wir raten aber, einerseits aus DatenschutzgrĂŒnden, andererseits aus schlechten Erfahrungen mit Geld, das dann nicht freigegeben wird, eher davon ab. Außerdem sind die GebĂŒhren exorbitant und unverschĂ€mt, und wir wollen ja Afghanischen Anarchistinnen, nicht Amerikanischen Konzernen das Leben ermöglichen und erleichtern!

Und dann?

Wir werden auch in Zukunft mit der WSI/ WSF in direktem Kontakt stehen und uns bemĂŒhen Updates zu veröffentlichen und Neuigkeiten zu publizieren, soweit es die Sicherheitslage zulĂ€sst. GrundsĂ€tzlich wĂ€re es uns aber lieber, wenn wir auch in Österreich einen Organisationsgrad erreichen, der solche Öffentlichen Aufrufe gar nicht braucht. Eine Föderation, die einfach selber einen angemessenen Beitrag ĂŒberweisen kann und kein „Marketing“ und keine „Aufmerksamkeitsökonomie im Linken Spektakel“ benötigen wĂŒrde. Wo Alle nach rein solidarischen Gesichtspunkten selbstverstĂ€ndlich als ArbeiterInnenklasse zusammenarbeiten.

BezĂŒglich diesem frommen Wunsch können wir uns von der WSI/ WSF noch einiges abschauen, die nĂ€mlich unter weit heftigeren UmstĂ€nden voranschreitet und in kĂŒrzester Zeit beachtlich gewachsen ist. Von den Afghanischen Genossinnen einmal ganz zu schweigen, bei denen es tatsĂ€chlich ums Leben geht.

Aber zuerst holen wir die jetzt mal gemeinsam da raus, und dann schauen wir weiter.

Verbreitet diesen Aufruf gerne ĂŒber alle KanĂ€le.

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WAS-IAA

Wiener ArbeiterInnen-Syndikat

Österreichische Sektion der Internationalen ArbeiterInnen-Assoziation

Gewerkschaft fĂŒr ArbeiterInnen aller Berufe und sonstige Ausgebeutete!

Internet: https://wiensyndikat.wordpress.com

Email: wien.syndikat@wiensyndikatTel.: 0664/874 34 34

Postanschrift: WAS, Stiftgasse 8, 1070 Wien

Erstveröffentlichung dieses Artikels am 21.08.2021 am WAS-Blog. Bild: WSI/WSF (https://wsipakistan.pk).




Quelle: Emrawi.org