Dezember 6, 2021
Von Paradox-A
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Bilder sagen mehr als tausend Worte
 Vor allem einerseits ĂŒber diejenigen, die sie produzieren anderseits ĂŒber jene, welche auf sie Bezug nehmen. Das Bild stammt von der Demo „Wir sind alle linX“, am 18.09. in Leipzig als Teil der gleichnamigen Kampagne gegen die Kriminalisierung von Antifaschismus. Je nach dem, wer sich das Bild betrachtet, wird es unterschiedlich interpretieren. Eine erste Aussage könnte sein: Leipzig ist der Hotspot des sogenannten „Linksextremismus“ im deutschsprachigen Raum. Zweitens scheint es in dieser Stadt immer etwas zu sehen und zu erleben zu geben. Touristen und Juristen kommen auf ihre Kosten und werden gut unterhalten und beschĂ€ftigt. Beide Gruppen sind Voyeuristen – sie beglotzen, bereisen, beurteilen und verurteilen die fabelhafte Welt des Widerstands.

Drittens haben wir es offensichtlich mit einer Projektion zu tun. Der Fotograf lichtet ein Schreckensszenario ab – nicht jedoch, ohne ein ironisches Augenzwinkern hinein zu legen. Denn er weiß: Was den BĂŒrger*innen einen kleinen Schreckmoment bereiten soll, erregt die GemĂŒter der Rebellischen im positiven Sinne. Entscheidend hierbei ist neben dem schwarzen Block im Kontrast zum Bus der Gaffenden die schwarze Anarchie-Fahne. Mit ihr sollen die bĂŒrgerlichen Ressentiments der radikalen Linken angesprochen und abgerufen werden. GrĂ¶ĂŸtenteils bestehen dabei so gut wie keine Vorstellungen davon, was Anarchismus ist. Aber das Anarchie dabei ist und kommt, wenn die Autonomen durch die Straßen ziehen, die Hippies unsere Kinder erziehen, sich die Alternativen im Kulturbereich und die Linken im Journalismus breit machen usw. – das scheint unausgesprochen klar zu sein. Umgekehrt in den radikalen FlĂŒgeln emanzipatorischer sozialer Bewegung Anarchie als vager und offen gehaltener Bezugspunkt.

Auch viele Menschen, die sich in linken „Szenen“ bewegen, haben recht diffuse Vorstellungen dazu, was Anarchie war, ist und sein kann. Teilweise sind sie auch im bĂŒrgerlichen Vorurteil befangen, welches auch viele von ihnen zur Rebellion gegen den eigenen Hintergrund fĂŒhrte. Diese Menschen bleiben auf der Suche – danach, dass die gesellschaftlichen VerhĂ€ltnisse sich doch grundlegend Ă€ndern lassen könnten. Danach, dass die Bedingungen fĂŒr ein gutes, reiches, gelingendes, erfĂŒlltes Leben fĂŒr Alle geschaffen werden können. Danach, dass sie selbst anders und wahrhaftiger Leben können in einer Welt voll Zerstörung, Zwang und herrschendem Chaos. – Daher bleibt die A-Fahne fĂŒr Journalist, Tourist, Jurist und Antifaschist eine Augenweide.




Quelle: Paradox-a.de