Mai 11, 2021
Von Graswurzel Revolution
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Jacinta Nandi: Die schlechteste Hausfrau der Welt. Nautilus Verlag, Hamburg 2020, 208 Seiten, 16 Euro, ISBN 978-3-96054-240-7

Wer dachte, sie wĂŒsste schon alles ĂŒber Hausfrauen – nach gefĂŒhlt 100 Jahren feministischer Debatte ĂŒber Care-Arbeit und Care-Revolution – wird hier eines Besseren belehrt. Bei der LektĂŒre der Kolumnen von Jacinta Nandi kann man sich köstlich amĂŒsieren, denn die geschilderten Beobachtungen aus dem Alltag einer Hausfrau und Mutter sind nicht nur einfach sehr lustig, sondern auch sehr gut beobachtet, und zwar gerade dort, wo sie den Finger in die Wunde legen. Auch in so manche feministische Wunde.

Jacinta Nandi schildert ihr Leben als Mutter eines Teenagers und eines Babys, im Zusammenleben mit dem Vater des Babys, der aber ĂŒberhaupt nichts im Haushalt tut. Ihr „Schlechtsein“ als Hausfrau macht sich allerdings nicht daran fest, dass sie ungeschickt wĂ€re oder dieses oder jenes nicht könnte, sondern daran, dass die Protagonistin ĂŒberhaupt kein VerstĂ€ndnis dafĂŒr hat, was man „normalerweise“ tut. Sie ist eine schlechte Hausfrau, weil sie einfach nicht versteht, warum alle Welt von ihr erwartet, dass sie diese Sachen machen muss – und nicht irgendjemand anders!

ZusĂ€tzlich spannend wird die LektĂŒre, weil Nandi, die die ersten 20 Jahre ihres Lebens in London aufgewachsen ist und dann nach Berlin kam (inzwischen ist sie 40), die „deutsche Hausfrauensache“ noch mal mit einem internationalen Blick betrachtet. Köstlich etwa, wenn sie ĂŒber das deutsche Abendbrot schreibt. Dabei enthalten ihre Texte auch allerlei Informatives, etwa wenn man Einblick in die aktuelle „Hausfrauenbubble“ im Internet bekommt oder in die Probleme und Debatten der aktuellen hippen oder linken oder queerfeministischen Hausfrauen- und/oder Eltern-Szene. Eine perfekte BettlektĂŒre wird das Ganze schließlich noch dadurch, dass das Buch in einzelne Kolumnem unterteilt ist, so dass man es wunderbar hĂ€ppchenweise genießen kann.




Quelle: Graswurzel.net