Januar 27, 2021
Von Indymedia
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Wer steckt dahinter?

Hauptverantwortliche fĂŒr die neugegrĂŒndete “Partei” ist die, in der Modebranche bekannte, Hutmacherin Rike Feurstein. Sie brĂŒstet sich gern mit prominenter KĂ€uferschaft und betreibt einen Hutladen in der Rosa-Luxemburg-Str. 28. Feurstein zeichnet sich verantwortlich fĂŒr Impressum und Kontakt der Partei, sowie fĂŒr die Markenpatentierung von “Team Freiheit”. Jedoch nicht mit dem Namen Rike Feurstein, sondern als Viviane Fischer. In der Coronaleuger*innenszene kennt mensch sie unter diesem Namen als RechtsanwĂ€ltin, die zusammen mit dem Rechtsanwalt Reiner Fuellmich und weiteren Mitstreiter*innen das Projekt “Stiftung Corona-Ausschuss” betreibt. In diesem Zusammenhang leugnen die beiden in stundenlangen YouTube-Videos mit geladenen GĂ€sten, die Gefahr des Coronavirus genauso wie die von HIV. Die Produktion all dieser Videos ĂŒbernimmt die Firma OVAL.media, die in der Christburger Str. 47 ansĂ€ssig ist.

Auch bei den “ParteigrĂŒndungstreffen” im “Scotch&Sofa” ĂŒbernahm OVAL.media die technisch aufwĂ€ndige Dokumentation. Fischer/Feurstein kĂŒmmerte sich indes um den Transport des hochpreisigen technischen Videoequipments.

Fischers Kompagnon Fuellmich macht sich die Taschen voll, indem er bei “Querdenkern” eine ominöse Sammelklage gegen die Regierung fĂŒr 800 Euro pro Person einwirbt. Er hört sich selbst fast genauso gern reden, wie Carl-Richard KlĂŒtsch (Vorsitzender BĂŒndnis Grundeinkommen), der die Versammlungen im “Scotch&Sofa” leitete. Nicht zu vergessen ist in diesem Zusammenhang auch der Youtuber Eric Protzner aus Prenzlauer Berg, der den ParteigrĂŒnder*innen reichlich Platz in seiner “Zorro Kenji Show” gab. Der letze im Bunde ist Sören Pohlen, der Betreiber des “Scotch&Sofa”. Er ist kein argloser Wirt, der von seinen GĂ€sten getĂ€uscht wurde, sondern ist selbst MitbegrĂŒnder der Partei.


“Partei” als juristisches Schlupfloch

Mit dem Überbau einer Partei haben die Coronaleugner*innen von “Team Freiheit” nun eine juristische LĂŒcke gefunden, die es ihnen ermöglicht Veranstaltungen, Kneipenabende oder Öffnungen von LĂ€den auch im Lockdown und darĂŒber hinaus zu realisieren. Ihr Angebot lautet: GrĂŒndet ein eigenes “Team Freiheit” und damit kann dann jedes eurer Treffen eine “Parteiveranstaltung” und jeder offene Laden eine “Parteilocation” sein. Mit ihrem Angebot richten sie sich vor allem an selbststĂ€ndige Laden- und Gastrobetreiber*innen, um diese auf ihre Seite zu ziehen. Gleichzeitig schaffen sie damit eine Handlungsvorlage, die es Coronaleugner*innen im gesamten Bundesgebiet ermöglicht sich zu organisieren und zu treffen, ohne Restriktionen befĂŒrchten zu mĂŒssen.


Willkommen bei “Team Heimat”

Wir haben es hier nicht mit Nazis zu tun, wohl aber mit Leuten die im Zuge der Coronaproteste, durch ihre Akzeptanz oder das aktive Hofieren von Verschwörungsideologen, rechtsoffenen Esoteriker*innen und ReichsbĂŒrgern, Rechten eine öffentliche Plattform ermöglicht haben, die sie selten so bekommen. Und so verhĂ€lt es sich auch mit einigen aus der Gruppe, die sich da im Prenzlauer Berg nun seit einigen Wochen trifft. Bei den großen Querdenken-Demonstrationen in Mitte habe Rike Feurstein keine Rechten gesehen, behauptet sie. Dieser selektiven Wahrnehmung folgend, wurde die Reichstagstreppe dann auch nicht von ReichsbĂŒrgern gestĂŒrmt, sondern von besorgten Maßnahmenkritiker*innen. Mittendrin beim sogenannten “Sturm auf den Reichstag” war der, bei Hardcore-Nazis und Coronaleugner*innen beliebte Youtuber Nikolai Nerling (“Der Volkslehrer”). Auch diesen waschechten Neonazi setzte Eric Protzner auf dieselben InterviewstĂŒhle, auf denen nur wenige Monate spĂ€ter auch das “Team Freiheit” Platz nehmen sollte. “Der Volkslehrer” war bei weitem nicht der einzige rechte Gast Protzners. Der Youtuber ist dem engeren Kreis vom “Team Freiheit” zuzuordnen. So machte er z.B. am 21. Januar beim ersten gelungenen ParteigrĂŒndungstreffen den Einlass und wies unliebsame Presse ab. Anwesende freie Journalist*innen bis zur B.Z. wurden an diesem Abend vom Inhaber der Bar als “linksextrem” bezeichnet. Eine Woche zuvor nannte er die Antifa eine Terrororganisation und lobte Trump dafĂŒr, dass der Ex-US-PrĂ€sident dies als einziger so benannt habe. Seine Nachbarschaft bezeichnete er im selben Interview als “Gutmenschen”, ein Kampfbegriff der politischen Rechten. Zudem Ă€ußerte er, dass er aktuell “alle Parteien verbieten” wĂŒrde. All dies lĂ€sst erkennen, aus welchen Telegram-Gruppen Sören Pohlen derzeit sein Weltbild bezieht.


Auch ohne Reichskriegsflagge ein Scheißverein

So gerechtfertigt die Kritik an dieser Bewegung als TĂŒröffner fĂŒr Faschos ist, so sehr wird deren verbindendes Element und Kernproblem in den Hintergrund gerĂŒckt. Die selbsternannten “Querdenker” leugnen die Tödlichkeit von Corona, in Teilen sogar die Existenz des Virus. Das ist es was sie alle verbindet, egal wie radikal oder gemĂ€ĂŸigt sie sich politisch verorten: Ihre wahnhafte Parallelwelt, in der das Tragen einer Maske gefĂ€hrlicher ist als das Virus, macht diese Menschen in GĂ€nze zu einer Gefahr fĂŒr die Gesundheit aller. Allen voran fĂŒr Alte, fĂŒr Menschen mit Lungenproblemen oder anderen chronischen Krankheiten und fĂŒr Menschen ohne Zugang zum Gesundheitssystem. Es ist im Kern das Prinzip der Auslese, das “Recht des StĂ€rkeren”, dass sie propagieren. Wer nicht stark, jung oder gesund genug ist, stirbt eben am Virus. Sie selbst sehen sich natĂŒrlich nicht so, es ist aber der reale Effekt ihres Handelns und ihrer gefĂ€hrlichen LĂŒgenpropaganda.

Es gibt berechtigte Kritik am aktuellen Gesundheitssystem. Dennoch steht es den meisten zur VerfĂŒgung und sorgt u.a. dafĂŒr, dass Kinder nicht an Mumps oder Röteln sterben. Coronaleugner*innen sind dissoziale Wohlstandsprofiteure, die von genau diesen noch verbliebenen, erkĂ€mpften sozialen Mindeststandards zehren. Ihre Meinung und ihr Handeln können sie sich leisten, weil sie sich keine Gedanken um Fragen der finanziellen und gesundheitlichen Grundsicherung machen mĂŒssen. Anders als beispielsweise in Lateinamerika oder Asien, wo Epidemien als reale Gefahren im Gemeinschaftsbewusstsein existieren und sich die Leute entsprechend verhalten. Coronaleugner*innen sind Egoist*innen, die auf das Leben und die Gesundheit anderer scheißen und bereit sind fĂŒr ihre vermeintliche Freiheit andere mit einer tödlichen Krankheit anzustecken. Wer ohne Maske im Pulk durch Einkaufszentren tanzt und dabei singt “Ein bisschen SARS muss sein”, spuckt allen Menschen ins Gesicht, die Freunde und Angehörige durch Covid19 verloren haben, die in der Pflege oder KrankenhĂ€usern arbeiten oder sich im Alltag seit Monaten an die Hygienemaßnahmen halten. Und genau darum mĂŒssen diese Leute mit aller gebotenen HĂ€rte bekĂ€mpft werden – nicht von den Bullen, die die “Querdenker” sowieso gewĂ€hren lassen, sondern von den Leuten aus dieser Stadt, von all denen die die Fresse voll haben von diesen ignoranten, egoistischen, selbstgerechten Arschlöchern!


Maske auf! Profite runter!

Wir tragen keine Masken und halten Abstand, weil wir “Merkels Knechte” sind, so wie es Nazis und “Querdenker” gern darstellen, sondern weil wir uns solidarisch zu unseren Mitmenschen verhalten wollen. Wir leben SolidaritĂ€t weil wir sehen, dass das Virus die Ärmsten der Gesellschaft und die SchwĂ€chsten unserer Klasse trifft.

Die Infektionszahlen steigen nicht bloß weil sich gerade in der kalten Jahreszeit öfter zu Hause getroffen wird oder Coronaleugner*innen die Infektion organisiert vorantreiben, sondern maßgeblich weil sich die meisten von uns trotz Lockdown auf dem Weg zur Arbeit in die volle U-Bahn drĂ€ngen mĂŒssen oder die Arbeit im GemeinschaftsbĂŒro trotzdem weiterlĂ€uft. Es ist ein Unding, dass der Bevölkerung Verzicht im privaten und der Freizeit abverlangt wird, wĂ€hrend die Mehrwertproduktion weiter brummt. Diese Krise ist keine Privatsache und genau darum braucht es einen solidarischen Lockdown, der das Runterfahren der Produktion beinhaltet und die finanzielle Absicherung der Menschen mit einschließt. Außerdem bedarf es der sofortigen Patentfreigabe der Impfstoffe, damit Ă€rmere LĂ€nder nicht weiter in AbhĂ€ngigkeiten geraten. Und wer soll das Bezahlen? Ganz einfach: Die Reichen sollen zahlen!

Statt individualistischem Verschwörungsdenken und Impfgegnerschaft gilt es zusammenzustehen und fĂŒr bessere Lebensbedingungen fĂŒr alle zu kĂ€mpfen!

Gleichzeitig gilt es den Coronaleugner*innen entschlossen entgegenzutreten. Wenn wir den Spuk “Team Freiheit” in Prenzlauer Berg jetzt nicht beenden, wird dies eine weitere BestĂ€rkung fĂŒr deren bundesweite Netzwerke bedeuten, die das Modell “Partei-GrĂŒndung” kopieren. FĂŒr den Kiez selbst heißt das, womöglich einen Coronaleugner*innen-Treffpunkt und damit einen Hotspot fĂŒr gefĂ€hrliche Coronaparties und menschenverachtende Verschwörungsmythen im Viertel dulden zu mĂŒssen. Kommt daher zu den Kiez-Demonstrationen am 28. Januar und 4. Februar!
Coronaleugner*innen raus aus dem Kiez!
“Scotch&Sofa”-Bar sofort dicht machen!

Gesundheit fĂŒr alle statt Profite fĂŒr die Wirtschaft!

Demonstration:
Do. 28.01.2021 / 18.00 Uhr / U-Bhf. Eberswalder Straße
Do. 04.02.2021 / 18.00 Uhr / U-Bhf. Sendefelder Pl. (Kollwitz / Wichertstr.)

www.antifa-nordost.org
www.berlingegenrechts.de




Quelle: De.indymedia.org