November 1, 2020
Von Indymedia
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Konnte noch 2012 das auf der Cuvrybrache geplante „BMW Guggenheim Lab“ durch Proteste der Anwohner*innen und der Androhung autonomer Steineschmeisser*innnen verhindert und in den Prenzlauer Berg geschickt werden, haben sich die Parameter stĂ€dtischer KĂ€mpfe mittlerweile stark verĂ€ndert. Zu viel steht auf dem Spiel, als dass die Immobilienmafia und ihre Investor*innen aufgrund des Unmuts im Kiez noch von solch gewinnversprechendem Bauland absehen wĂŒrden.

Ja, Kreuzberg hat sich verĂ€ndert. In diesem Bezirk, der, einst von der Berliner Mauer umgeben, mal fĂŒr Wildheit und unkonventionelle LebensentwĂŒrfe stand aber vor allem ein migrantisches und proletarisches Viertel war, dominieren heute angesagte Bars, StartUps- und Coworking- BĂŒros mitsamt einer Community, welche stetig nach den neusten Trends und dem großen Durchbruch geifern. AirBnB hat auch noch die letzten Ecken dem Massentourismus preisgegeben und mittlerweile erstreckt sich hier ein „Gefahrengebiet“ an das Andere. Polizeiliche Sonderzonen also, welche politisch legitimiert durch die KriminalitĂ€tsstatistiken, große Teile des ehemaligen Postbezirkes SO36 in einen Ausnahmezustand versetzen und polizeilicher WillkĂŒr wie Racial Profiling TĂŒr und Tor öffnen und einen rechtlichen Rahmen geben.

Es ist nicht weiter verwunderlich, dass in diesem Klima ein chaotisches Zeltlager von Menschen, die sich kein zu Hause leisten können oder wollen oder die notdĂŒrftig zusammengeschusterten HĂŒtten von migrantischen Arbeiter*innen, die auf dem Wohnungsmarkt kaum Chancen haben, kein Platz mehr ist. Genauso wenig wie fĂŒr illegale Bars mit unkommerziellem Kulturprogramm, welche einst so sehr den Charme dieser Stadt geprĂ€gt haben. Berlin verkommt zu einer Metropole, in der alles sauber geleckt und gleichgeschaltet zu sein hat. So setzte die warme RĂ€umung durch ein Feuer 2014 der Besetzung der Cuvrybrache ein abruptes Ende und gleichzeitig den Grundstein fĂŒr eine Bebauung im Sinne der Investor*innen.

Das heißt ein weiteres BĂŒrogebĂ€ude, zugeschnitten fĂŒr das Paralleluniversum des Hipster-Daseins. Hauptmieter soll der Essensauslieferdienst Lieferando werden. Damit hĂ€lt ein Unternehmen Einzug, das seine Konkurrenz bereits geschluckt hat und vor Allem dafĂŒr bekannt ist, gewerkschaftliche Organisierung der Kurierfahrer*innen, welche zu unsĂ€glichen Konditionen auf die Straße geschickt werden, mit Vehemenz zu bekĂ€mpfen. DarĂŒber hinaus aber auch Teil eines Wirtschaftszweiges darstellt, der es versteht mit Hilfe neuer Technologien jegliche Bereiche des Lebens der Verwertung zuzufĂŒhren.

Eines ist klar, die Cuvrybrache liegt nun unter dem Neubau begraben und wird vorerst kein frei zugĂ€nglicher Ort mehr sein. Ein weiteres StĂŒck unserer Geschichte wurde von der Marktlogik des Kapitalismus aufgefressen. Doch wir werden nicht klein beigeben. Mit jedem Kampf, den wir fĂŒhren, erobern wir immer auch ein StĂŒck Selbstbestimmung zurĂŒck. Und so bleibt uns wenigstens die Freude, ihre Betonklötze und GlaspalĂ€ste anzugreifen, um uns zu vergewissern, dass nichts auf ewig bestĂ€ndig ist. Deshalb haben wir uns in der Nacht auf den 31. Oktober zusammengetan und Fassade und Fenster des „Cuvry-Campus“ mit Farbflaschen und Steinen beworfen. Weil uns eine Objektschutzstreife in die Quere kam, konnten wir unser Werk leider nicht in GĂ€nze zu Ende bringen. Ein gut platzierter Steinwurf auf ihre Frontscheibe konnte diese aber von der Verfolgung abhalten. Genauso die privaten Securitys, welche als Kettenhunde fĂŒrs Kapital dort ihren Dienst tun und scheinbar umgehend ihr Talent als PutzkrĂ€fte unter Beweis stellten, damit ja keine Spuren zurĂŒckbleiben, die eine Geschichte des Widerstands erzĂ€hlen können.

SolidaritĂ€t mit den gerĂ€umten Squats in Athen und Thessaloniki, mit der Liebig34 und den obdachlosen Besetzer*innen von der Habersaathstraße. GrĂŒĂŸe an die Aktions- und Diskussionstage der Interkiezionale dieses Wochenende in Berlin.

Friede den HĂŒtten – Krieg den PalĂ€sten!

United we Fight!




Quelle: De.indymedia.org