November 5, 2020
Von Indymedia
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<strong>Militante Praxis verteidigen</strong>

Als im Juli letzten Jahres die Handschellen klickten befanden sich die Bullen noch in dem Glauben, endlich einen relevanten Schlag gegen die militanten Gruppen in Hamburg und vielleicht sogar darĂŒber hinaus gelandet zu haben. Sie waren sich dessen so sicher, dass sie ihre Freude und ihre Akten sogleich mit der Presse teilen wollten. Mittlerweile ist es auf Seiten unserer Feinde in dieser Hinsicht jedoch recht still geworden, was nicht zuletzt daran liegen dĂŒrfte, dass sie es mal wieder selbst vor ihrem eigenen Gericht nicht schaffen konnten die anfĂ€ngliche Deutungshoheit beizubehalten.
Mit der juristischen Ebene wollen wir uns hier – ohne die dort geleistete Arbeit herunterzuspielen – jedoch nicht weiter beschĂ€ftigen, es wĂŒrde uns auch der nötige Einblick fehlen. Stattdessen wollen wir davon reden, warum zu unseren AnsprĂŒchen an SolidaritĂ€t – neben Essenziellem wie der emotionalen, sozialen und finanziellen UnterstĂŒtzung der Betroffenen – auch das DurchfĂŒhren direkter Aktionen gehört.
So sehr sich die Justiz auch bemĂŒhen mag, ihre Strafprozesse als etwas darzustellen in dem es ausschließlich um die persönliche Schuld von Individuen gehe, der politische Gehalt ihrer Entscheidungen lĂ€sst sich nicht erst bei §129-Verfahren nur schwer verstecken. Wie die militante oder illegalisierte Aktion einem politischen oder sozialen Konflikt entspringt, so bildet natĂŒrlich auch die Reaktion des Staates diese Konflikte ab. Warum sollte unsere SolidaritĂ€t hinter diesen Tatsachen zurĂŒckbleiben? Es muss klar sein, dass bei jeder Verhaftung, jeder zerschlagenen Demonstration, bei jeder Observation und Diffamierungskampagne letztendlich die Frage im Raum steht, ob es dem Staat damit gelingt die antagonistischen Ideen und Aktionen zurĂŒckzudrĂ€ngen oder eben nicht. Da wir nicht vorhaben klein bei zu geben, werden wir unser Möglichstes tun, die staatlichen Zersetzungsversuche ins Leere laufen zu lassen.

— Wir verteidigen die angeklagte Tat und unsere Ideen – politisch, öffentlich, praktisch —
Ob Elbchaussee, Waldbesetzung oder brennende Vonovia-Autos: Es gibt nichts zu bereuen oder zu entschuldigen. Eine Aktion wird nicht dadurch schlecht, dass sie misslingt oder die Bullen spĂ€ter versuchen Leute dafĂŒr in den Knast zu stecken. Die AnlĂ€sse und Notwendigkeit militanter Praxis bleiben unverĂ€ndert und so werden wir sie auch weiterhin propagieren. Sollte Kritik an Aktionen notwendig sein, richtet sich diese an die kĂ€mpfende Bewegung und gefĂ€lligst nicht an Presse oder BĂŒrgertum.

— Die Gefangenen und Illegalen sind Teil unserer KĂ€mpfe —
Die Meisten von uns, die sich entschieden haben, militante Praxis als Teil einer emanzipatorischen Bewegung zu denken, dĂŒrften sich frĂŒher oder spĂ€ter damit auseinandergesetzt haben, dass Knast eine mögliche Folge dieser Entscheidung sein könnte. Manche von uns mĂŒssen das vielleicht noch tun. Egal aber ob die auf der ersten Demo geworfene Flasche etwas besser als erwartet getroffen hat, oder Genossinnen der ehemals bewaffneten Gruppen seit Jahrzehnten in der IllegalitĂ€t leben: Wir vergessen unsere Leute nicht!
Die Ernsthaftigkeit unser aller Unterfangen vorausgesetzt, verliert kein Mensch seine WiderstĂ€ndigkeit am Knasttor. Die Gefangenen kĂ€mpfen weiter, an einem anderen Ort und unter beschisseneren UmstĂ€nden. Welchen Grund haben wir hier draußen, nicht weiter mit ihnen zu kĂ€mpfen?

— Die gefĂŒhrten KĂ€mpfe werden fortgesetzt und bestenfalls zugespitzt —
Die Bullen razzen Buch- und InfolĂ€den wegen Plakaten oder Zeitschriften? Ein guter Anlass diese nochmal nachzudrucken und ausgiebig zu verteilen. Im Hambacher Forst werden Menschen fĂŒr ihren Protest gegen Konzern- und Parteiinteressen in U-Haft gesteckt? Zeit, in das frei gewordene Baumhaus zu ziehen oder in der eigenen Stadt zu schauen, ob nicht der ein oder andere demolierte Firmenwagen zum wirtschaftlichen Schaden beitragen kann.

In Hamburg werden am 8. Juli 2019 drei GefĂ€hrt*innen von den Bullen festgenommen weil sie vorgehabt haben sollen, mehrere BrandanschlĂ€ge zum Jahrestag des G20 zu verĂŒben? Wir dachten uns da in etwa Folgendes…

<strong>Brandanschlag auf die Bundespolizei am Flughafen Tegel</strong>

In wenigen Tagen ist der Flughafen Berlin Tegel fĂŒr den normalen Personenverkehr offiziell Geschichte. Überall konnten wir in den letzten Wochen wehmĂŒtige ErzĂ€hlungen von den schönen Erinnerungen lesen, die viele Berliner*innen mit diesem Flughafen verbĂ€nden. Erinnerungen deren Ursprung die korrekte Hautfarbe und der entsprechende Pass sein dĂŒrften. FĂŒr alle, die diese Welt mit weniger privilegierten Voraussetzungen ausgestattet hat, werden andere Erfahrungen mit Tegel verbunden sein. Im besten Fall beschrĂ€nken sie sich auf die Visage des Bundesbullen, der die Echtheit des eigenen Reisepasses aus nur zufĂ€llig rassistischen GrĂŒnden anzweifelt, in viel zu vielen FĂ€llen jedoch war der Blick auf Tegel der Letzte aus dem Abschiebeflieger. Und wie Tegel so ist auch jeder andere deutsche Flughafen eine in Beton und Asphalt gegossene Bastion des EuropĂ€ischen Grenzregimes. Kein ankommender internationaler Flug ohne einen hauptamtlichen Abschieber von BKA oder Bundespolizei mit polizeilichem BauchgefĂŒhl und suchendem Blick nach schwarzen Haaren oder dunkler Haut.
Polizeiliches BauchgefĂŒhl dĂŒrfte es auch gewesen sein als sie sich entschieden wie hoch der Zaun sein sollte, der ihre Wache außerhalb des Rollfeldes schĂŒtzt. Nun, er war nicht hoch genug.
In Gedanken bei den drei Hamburger GefĂ€hrt*innen platzierten wir mehrere BrandsĂ€tze unter den vor ihrem GebĂ€ude geparkten WĂ€gen. Das resultierende Feuer zerstörte nach Presseberichten 5 ihrer Dienstautos, von denen nicht alle als solche gekennzeichnet waren. Dass zusĂ€tzlich anscheinend noch zwei private Karren der Schweine angebrannt wurden, freut uns – gemein wie wir sind – natĂŒrlich besonders.

Freiheit und GlĂŒck fĂŒr die gefangenen GefĂ€hrt*innen!

autonome gruppen




Quelle: De.indymedia.org